Gletscherwein

Lang­le­bi­ger, bitter-harzig schme­cken­der Weiß­wein aus der Schweiz, der nach streng tra­di­tio­nel­ler Art nur noch von eini­gen Berg­bau­ern im hoch gele­ge­nen Val d’Anniviers im Kan­ton Wal­lis erzeugt wird. Frü­her wur­de er aus­schließ­lich aus spät gele­se­nen Trau­ben der Sor­te Rèze gekel­tert, die heu­te nahe­zu ver­schwun­den ist. An ihrer Stel­le wird meist Mar­san­ne Blan­che (Ermi­ta­ge) für die Berei­tung des Weins ver­wen­det. Die Reben wach­sen auf dem Tal­bo­den bei Sierre. Sie befin­den sich im Gemein­be­sitz der Berg­bau­ern des Val d’- Anni­viers. Dort wird der Wein auch gemein­schaft­lich gekel­tert. Anschlie­ßend wird er hin­auf in die Hoch­tä­ler trans­por­tiert und in so genann­ten Bür­ger­kel­lern nach dem Sole­ra-Ver­fah­ren aus­ge­baut. Nach der Fla­schen­fül­lung wird der Glet­scher­wein dann gemein­sam kon­su­miert. Die Fäs­ser sind von unter­schied­li­cher Grö­ße und nicht sel­ten aus Lär­chen­holz gefer­tigt, das dem Wein sei­nen har­zi­gen Ton ver­leiht. Geschmack­lich ähnelt er einem ver­un­glück­ten Sher­ry mit einem kräf­ti­gen Schuss Mag­gi­wür­ze. Neben demau­then­ti­schen­Glet­scher wein exis­tie­ren im Wal­lis auch meh­re­re nach­träg­lich so genann­te Glet­scher­wei­ne, etwa bei Vis­per­ter­mi­nen im Ober­wal­lis. Sie rei­fen zwar in gro­ßen Höhen, aber in wei­ter Ent­fer­nung von den Glet­schern. Gerecht­fer­tigt wird die Bezeich­nung durch den Umstand, dass man von den Wein­ber­gen aus die Glet­scher sehen kann. Im Unter­schied­zu­den­au­then­ti­schen­Glet­scher wei­nen wer­den sie aus der Sor­te Heida erzeugt und schme­cken frisch und fruchtig-würzig. Ein paar Wal­li­ser Erzeu­ger sind unlängst auf die Idee gekom­men, ihre edel­sü­ßen Wei­ne in den Höh­len des Rhô­ne-Glet­schers und des Klein­mat­ter­horns ein­zu­la­gern, in der Hoff­nung, die küh­len Tem­pe­ra­tu­ren und die dün­ne Luft wirk­ten sich für den Rei­fe­pro­zess vor­teil­haft aus. Das letz­te Urteil ist über die­se drit­te Kate­go­rie von Glet­scher­wei­nen jedoch noch nicht gesprochen