Weinregionen im Norden

Qualitätsrevolution in Spaniens Norden

Die Reblaus-Katastrophe, die im vorigen Jahr­hun­dert Spanien heim­suchte, und die indus­tri­elle Massen­pro­duk­tion, die nach dem letzten Welt­krieg einsetzte, haben die Ausbrei­tung des Quali­täts­wein­baus auf der Iberi­schen Halb­insel stark behin­dert. Jetzt herrscht in Spanien jedoch eine beispiel­lose Aufbruch­stim­mung.

Bodegas Raimat in Costers del SegreCosters del Segre

Wein­bau­oase nahe der Stadt Lleida, berühmt wegen des äußerst modern ausge­stat­teten Spit­zen­wein­gutes Raimat. Die Raimat-Gewächse gehören zu den besten Weinen der neuen Gene­ra­tion spani­scher Weine. Sie wachsen in einem frost­kalten Hoch­land, in dem im Sommer große Trocken­heit herrscht und das deshalb durch ein System von Kanälen be¬wässert werden muß. Neben den tradi­tio­nellen Sorten (Parel­lada, Macabeo, Tempra­nillo) werden mit Erfolg Char­donnay, Merlot, Cabernet Sauvi­gnon und Pinot Noir ange­baut.

Penedés

Das kühle Hügel­land südlich von Barce­lona ist vor allem berühmt für den Cava, den bekann­testen spani­schen Schaum­wein, der nach dem Verfahren der Flaschen­gä­rung erzeugt wird. Er wird aus den weißen Rebsorten Macabeo, Xarel-lo und Parel­lada gewonnen. Seit 1988 darf auch Char­donnay verwendet werden. Cava wurde 1872 zum ersten Mal nach diesem Verfahren von dem Wein­pio­nier José Raventos produ­ziert. Seitdem ist seine Kellerei Codorniu landes­weit bekannt. Cava muß mindes­tens neun Monate auf der Hefe liegen, Jahrgangs-Cava (Cava Vintage) mindes­tens vier Jahre.

Ansonsten werden auf den hellen, tonhal­tigen Krei­de­böden des Penedés kräf­tige, frucht­be­tonte Weiß­weine aus den drei Cava-Sorten erzeugt, daneben einige Rotweine aus Cari­ñena, Garnacha und Monast­rell. Der bekann­teste Winzer des Penedés ist Miguel Torres. Er hat in den 1970er Jahren als erster in Spanien moderne Wein­bau­tech­niken einge­führt. Von seinem Weingut in Villafranca kommen heute auch edle Rotweine aus Cabernet Sauvi­gnon. Neue, junge Avantgarde-Winzer haben mit Merlot große Erfolge.

Priorato

Das kleine Anbau­ge­biet umfaßt nur neun Dörfer. Sie liegen im bergigen Hinter­land von Tarra­gona. Der größte Teil der Wein­berge ist mit Cari­ñena kulti­viert, aus der dunkel­far­bene, alko­hol­reiche, aber einfache Rotweine gekel­tert werden. Seit Ende der 1980er Jahre haben sich jedoch ein gutes Dutzend Spit­zen­winzer im Prio­rato nieder­ge­lassen, die die tradi­tio­nelle Garnacha-Rebe wieder zu Ehren bringen und daneben ein wenig Cabernet Sauvi­gnon anbauen. Aus diesen Sorten entstehen heute groß­ar­tige, äußerst charak­ter­volle, lang­le­bige Rotweine, die zu den besten und teuersten in ganz Spanien gehören.