Pfalz: Rote Sorten mit Perspektive

Gerhard, Johannes und Christoph Schenk-Siebert. © Weingut Schenk-Siebert
Mit Cabernet, Merlot & Co.: Drei Pfälzer Weingüter auf dem Weg zu Klassikern von Morgen.

Wohin geht die Rei­se? Die­se Fra­ge stellt Win­zern immer drän­gen­der – nicht nur wegen des Kli­ma­wan­dels. Auch der Trend zu hoch­wer­ti­ge­ren Wei­nen ist unüber­seh­bar und auch unum­kehr­bar. Drei Pfäl­zer Wein­gü­ter und ihre Ant­wort auf die Fra­ge nach den Klas­si­kern von Mor­gen.

Merlot wird zum Pfälzer

„Mer­lot gehört in die Pfalz“, sagt Kat­ja Nett eben­so selbst­be­wusst wie selbst­ver­ständ­lich. Nach mitt­ler­wei­le 15 Jah­ren Erfah­rung mit der Sor­te darf sie das. 2006 ern­te­te das Wein­gut Bergdolt-Reif & Nett den ers­ten Ertrag. Über die Jah­re wuchs im Gut die Anbau­flä­che für den Zuzög­ling aus dem Bor­de­lais. Sor­ten wie Morio-Muskat oder Por­tu­gie­ser muss­ten wei­chen. „Auch Ries­ling pflan­zen wir nicht mehr in die wärms­ten Lagen“, erklärt Chris­ti­an Nett, der bei den Spit­zen­wein­gü­tern Müller-Catoir und Dr. Dein­hard (heu­te Von Win­ning) aus­ge­bil­det wur­de. Sei­ne Reben ste­hen in Dutt­wei­ler auf schwe­ren Löss-Lehmböden, ähn­lich denen am rech­ten Ufer der Giron­de im Bor­de­lais „Da sind die sie auch in hei­ßen Som­mern gut mit Was­ser ver­sorgt“, erklärt Chris­ti­an Nett. Und mit sol­chen  ist ver­mehrt zu rech­nen.

© Lukas Hof­sta­et­ter

„Die Ten­denz ist klar“, sagt der Win­zer, der auch das Poten­zi­al ande­ren Reben aus wär­me­ren Regio­nen aus­lo­tet, wie etwa des Süd­ti­ro­ler Lag­rein und des Pri­mi­tivo aus Süd­ita­li­en. Mer­lot ist in meh­re­ren Vari­an­ten im Port­fo­lio zu fin­den. Er domi­niert bzw. kom­plet­tiert eini­ge Cuvées, wie etwa die „Olé Ola“, für die er mit Caber­net Sau­vi­gnon, Lag­rein und Shiraz ver­mählt wird. Rein­sor­tig wird er als „Avant­gar­de“ 16 Mona­te im Bar­ri­que aus­ge­baut und prä­sen­tiert sich dann opu­lent und breit­schult­rig.  Aus­ge­wo­gen und trink­freu­dig tritt der Mer­lot „Tra­di­ti­on“ auf; fruch­tig und beschwingt mit dezen­ten Gerb­stof­fen ist er ein viel­sei­ti­ger Essens­be­glei­ter. Auch und gera­de zu medi­ter­ra­nen Gerich­ten.

2019 Mer­lot Tra­di­ti­on, Bergdolt-Reif & Nett, Dutt­wei­ler. Um  9 Euro.

Cabernet Sauvignon hat Zukunft

Inter­na­tio­nal  betrach­tet, ist der Caber­net Sau­vi­gnon ein Big Play­er. In Deutsch­land steht die aus dem Bor­de­lais stam­men­de Sor­te noch vor dem Durch­bruch. Die ers­ten Reben wur­den 1984 in  der Pfalz gesetzt – und gleich wie­der ent­fernt. Der Eller­städ­ter Win­zer Hein­rich Voll­mer hat­te 1984 auf eine bal­di­ge Zulas­sung gesetzt, fing sich aber eine Anzei­ge und einen Pro­zess ein. Nach dem Urteil in zwei­ter Instanz, die Voll­mer zur Zah­lung von einer DM pro Reb­stock ver­pflich­te­te, wur­de das Wein­ge­setz geän­dert und der Weg für die Edel­re­be war frei. Aber er blieb stei­nig. Caber­net Sau­vi­gnon liebt mil­des und aus­ge­gli­che­nes Kli­ma.

Johan­nes, Ger­hard und Chris­toph Sie­bert bei der Arbeit. © Wein­gut Schenk-Siebert

„Er braucht klar die son­nigs­ten und wärms­ten Lagen“ erklärt Johan­nes Sie­bert vom Wein­gut Schenk-Siebert aus Grün­stadt. „Und nur bei beson­ders nied­ri­gen Erträ­gen reift er rich­tig aus.“ Johan­nes Sie­bert hat in Aus­tra­li­en Erfah­run­gen gesam­melt, sein Bru­der Chris­toph in Kali­for­ni­en und Süd­afri­ka. Ihr Vater Ger­hard war einer der ers­ten, der auf inter­na­tio­na­le Sor­ten setz­te. Dazu gehö­ren auch Caber­net franc und Mer­lot, die mit Caber­net Sau­vi­gnon zur kraft­vol­len und tief­grün­di­gen Cuvée „Gro­ßes Trio“ ver­mählt wer­den. Der rein­sor­ti­ge Caber­net Sau­vi­gnon „Grün­stadter Röth“ hat eben­falls inter­na­tio­na­les For­mat. Er reift knapp zwei Jah­re im Bar­ri­que und ent­wi­ckelt dort viel­schich­ti­ge Frucht (Cas­sis, Pflau­me) und Wür­ze (Papri­ka, Tabak, Holz). Ein kraft­vol­ler, dich­ter Wein mit rei­fen Gerb­stof­fen.

2018 Grün­stadter Röth, Caber­net Sau­vi­gnon tr., Wein­gut Schenk-Siebert. Um 15 Euro.

Syrah mit Kraft und Finesse

Der Syrah ist  einer der gro­ßen Gewin­ner der letz­ten Jah­re. Welt­weit wird der von der nörd­li­chen Roh­ne stam­men­den Sor­te viel Auf­merk­sam­keit zuteil, sei es in Aus­tra­li­en, Chi­le, Süd­afri­ka und zuneh­mend auch in der Pfalz, gera­de im Hin­blick auf den fort­schrei­ten­den Kli­ma­wan­del. Syrah steckt Hit­ze und Tro­cken­heit gut weg ohne zu schnell zu dick und mäch­tig zu wer­den. Ste­fan Mey­er aus Rhodt hat sich mit ele­gan­ten Bur­gun­dern bereits einen Namen gemacht, arbei­tet aber auch erfolg­reich mit dem Zuwan­de­rer aus dem Süden.

Ste­fan Mey­er. © Chris­ti­an Ernst

„Trotz aller Kraft, die Syrah bringt, erin­nert mich sein Cha­rak­ter doch an Spät­bur­gun­der“, erklärt Mey­er. „Gera­de in der Pfalz erbringt die Sor­te Wei­ne mit Wür­ze, Frucht, Struk­tur und Ele­ganz – auch dank der prä­sen­ten Säu­re.“ Die Syrah-Pioniere in der Pfalz waren – ein­mal mehr – die Brü­der Knip­ser, Ste­fan Mey­er pflanz­te sei­ne ers­te Par­zel­le  2007 und merk­te bald: „Syrah for­dert vol­le Auf­merk­sam­keit und macht beson­ders viel Arbeit im Wein­berg, das wird nie­mals ein preis­wer­ter Wein sein kön­nen.“ Doch die Mühe wird belohnt. Der Syrah aus dem Rhod­ter Rosen­gar­ten  zeigt kühle-pfeffrige Frucht, dem war­men Jahr 2018 ent­spre­chend viel Kraft, ohne dabei fett oder gar über­la­den zu wir­ken. Das Holz ist fein ein­ge­bun­den, die Tan­ni­ne mar­kant, aber poliert.

2018 Rhod­ter Klos­ter­pfad Syrah, Ste­fan Mey­er, Rhodt unter Ried­burg, um 25 Euro.

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