Lagrein: Ein Ur-Südtiroler macht Karriere

.(©IDM Südtirol -Alex Filz)
Dunkel, fruchtig-würzig und reichlich Power, so schätzen Weinfreunde den Lagrein. Doch musste er sich erst mal fein machen!

Lag­rein gibt es in Süd­ti­rol seit Jahr­hun­der­ten. Lan­ge hat man über sei­ne Her­kunft gerät­selt, heu­te gilt es als gesi­chert, dass er eine Kreu­zung aus Ver­natsch, der wich­tigs­ten Reb­sor­te Süd­ti­rols und Terol­de­go ist, der roten Leit­re­be im benach­bar­ten nörd­li­chen Tren­tin. Also ein Ur-Südtiroler, der zu Recht mit dem Zau­ber­wort „auto­chthon“ als Attri­but ver­se­hen wird.

Rustikaler Bursche

Doch es dau­er­te lan­ge, bis er sich sei­nen fes­ten Platz in der Gunst von Win­zern wie Genie­ßern sichern konn­te. Er  galt als ruppig-rustikaler Bau­ern­bur­sche, der in ers­ter Linie dazu dien­te, im gemisch­ten Satz oder als Bei­ga­be dem St. Mag­da­le­ner und ande­ren Ver­nat­schwei­nen mehr Far­be und Struk­tur zu ver­lei­hen.

Solo wur­de er über­wie­gend als Rosé, genannt „Kret­zer“ gekel­tert. Der Name kommt von der „Kretz“, der Korb­wein­pres­se, mit der die Trau­ben nach der Lese rasch abge­presst und anschlie­ßend zu einem Rosé-Wein gekel­tert wur­den. So konn­te man die kan­ti­gen Gerb­stof­fe und ande­re Poly­phe­no­le ver­mei­den, die den „Lag­rein Dun­kel“, wie er als Rot­wein genannt wur­de, so stark präg­ten.

Spitzen-Lagrein wird meist im klei­nen Eichen­fass aus­ge­baut (©IDM Süd­ti­rol)

Neuer Lagrein-Stil

So rich­tig auf die Büh­ne durf­te er ab den 1990er Jah­ren. Die Süd­ti­ro­ler Qua­li­täts­re­vo­lu­ti­on kam ins Rol­len, nied­ri­ge­re Erträ­ge und moder­ne Kel­ler­tech­nik sorg­ten auch für einen neu­en Lagrein-Stil. Es wur­de viel – manch­mal zuviel – mit Bar­ri­ques gear­bei­tet. Unter dem höhe­ren Sauer­stoff­ein­fluss im klei­nen Holz­fass ent­wi­ckel­ten sich die Gerb­stof­fe wei­cher, der Wein wur­de run­der. Im Lauf der Jah­re beka­men die Win­zer den ehe­mals rau­en Gesel­len immer bes­ser in den Griff und erhiel­ten die gebüh­ren­de Auf­merk­sam­keit, vor allem, seit die Wein­welt inter­na­tio­na­ler Sor­ten wie Mer­lot und Caber­net ein wenig müde wur­de.

Vorzeige-Wein

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wuchs die Reb­flä­che auf knapp 500 Hekt­ar. Doch einen gro­ßen Boom kann es mit Lag­rein nicht geben. Dem sind natür­li­che Gren­zen gesetzt, denn die Rebe braucht Geröll und Kies­bö­den in Tal­la­gen, die sich rasch erwär­men. Die pro­mi­nen­tes­ten sind die in Bozen Gries („Gries“ = Schot­ter), die aber mas­siv von der Expan­si­on der Provinz-Hauptstadt bedroht sind. Dazu kom­men schottrig-kiesige Wein­ber­ge im Süd­ti­ro­ler Unter­land, etwa bei Auer und Kur­tatsch und ein­zel­ne, klei­ne geeig­ne­te Wein­ber­ge im übri­gen Süd­ti­rol. Außer­halb Süd­ti­rols wird Lag­rein im klei­ne­ren Stil im Tren­tin ange­baut, auch hier auf Morä­nen­schot­ter. Eini­ge Hekt­ar gibt es auch in Aus­tra­li­en, in der Pfalz lau­fen inter­es­san­te Ver­su­che.  Doch dar­über herrscht Einig­keit: Lag­rein wur­de und bleibt ein Vorzeige-Südtiroler.

.Rei­fe Lagrein-Trauben (©IDM Süd­ti­rol)

Pobiertipps:

2019 Lag­rein Rosé, Hans Rot­ten­stei­ner
Kräf­ti­ges Rosa, zar­ter Duft nach Erd­bee­ren und Kir­schen, zupa­ckend und bele­bend am Gau­men – zu klas­si­scher Som­mer­kü­che von Salat mit Räu­cher­fisch bis zum Hühn­chen vom Grill. Um 11 Euro.

 

 

 

2019 Lag­rein Rosé, Kel­le­rei Tra­min
Duf­tet fein nach Bee­ren und Blü­ten, frisch und leben­dig im Geschmack. Fei­ner Ape­ri­tif und viel­sei­ti­ger Beglei­ter zu leich­ter Küche. Um 10 Euro.

 

 

 

2018 Lag­rein Peter Söl­va
Dunk­le Kir­schen, Veil­chen­blü­ten, dicht und fest am Gau­men. Zu beherzt gewürz­ten Ragouts und Risot­to mit Pil­zen. Um 14 Euro

 

 

 

2018 Lag­rein Rivus, Wein­gut Pfit­scher
Von alten Reben aus Top-Lagen im Unter­land. Fruch­tig und kräut­rig im Aro­ma, fei­ne Gerb­stof­fe, ele­gant. Zu wür­zi­ger Pas­ta, Brathuhn und Hart­kä­se. Um 22 Euro.

 

 

 

2017 Lag­rein Riser­va Bos Tau­rus, Wein­gut Niklas
Zum typi­schen Duft nach dunk­len Bee­ren gesel­len sich Tabak und äthe­risch kräu­te­ri­ge Noten. Zu Lamm und Wild aus dem Ofen. Um 20 Euro.

 

 

2017 Lag­rein Riser­va Kris­tan, Egger Ramer
Die alten Reb­stö­cke ste­hen im Wein­gar­ten „Kris­tan“ in der klas­si­schen Anbau­zo­ne in Bozen-Gries. Dich­te Frucht und Wür­ze, kraft­voll am Gau­men dabei sehr aus­ge­wo­gen. Zu dunk­lem Fleisch mit kräf­ti­ger Sau­ce. Um 24 Euro.

 

 

 

2017 Lag­rein Riser­va Taber, Kel­le­rei Bozen
Seit lan­ger Zeit ganz weit oben in der Lagrein-Hierarchie. Von über 80 Jah­re alten Reben aus Top-Lagen in Bozen-Gries. Kom­ple­xer Duft (Dunk­le Bee­ren, Blü­ten, Wald­bo­den, Mok­ka), kraft­vol­ler Auf­tritt am Gau­men, anhal­tend. Zum gro­ßen edlen Steak vom Grill. Um 45 Euro.

 

 

 

2015 Lag­rein Riser­va Klos­ter­an­ger, Kel­le­rei Muri-Gries
Der Klos­ter­kel­le­rei Muri-Gries und ihrem Kel­ler­meis­ter Chris­ti­an Werth ver­dankt der Lag­rein zum gro­ßen Teil sei­nen Erhalt und sei­ne heu­ti­ge Pro­mi­nenz. Der Klos­ter­an­ger ist eine 2,7 Hekt­ar gro­ße Ein­zel­la­ge auf dem Klos­ter­ge­län­de. Dort ste­hen die Reben für das Aus­hän­ge­schild der Kel­le­rei. Deli­ka­te Frucht und Wür­ze, Kraft ohne Protz, ein Wein für beson­de­re Gele­gen­hei­ten, der auf die­se auch noch war­ten kann. Um 70 Euro.

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