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Wein als Kapitalanlage: schön reich gerechnet

Wein als Kapitalanlage
Wein als Kapitalanlage
Welt am Sonntag und Manager Magazin, Focus und Spiegel – sie alle berauschen sich an den Renditen, die man angeblich mit Wein erwirtschaften kann. Jens Priewe nennt 10 Gründe, warum eine Spekulation mit Wein fast immer in die Hose geht.

Welt am Sonn­tag und Mana­ger Maga­zin, Focus und Spie­gel – sie alle berau­schen sich an den Ren­di­ten, die man angeb­lich mit Wein erwirt­schaf­ten kann. Jens Priewe nennt 10 Grün­de, war­um eine Spe­ku­la­ti­on mit Wein fast immer in die Hose geht.

Wein als Kapitalanlage
Wein als Kapi­tal­an­la­ge

Wein ist nicht nur das schöns­te Genuss­mit­tel der Welt, son­dern auch das Objekt der Begier­de von Men­schen, die nie ein Glas Alko­hol trin­ken. Sie spe­ku­lie­ren auf die Wert­stei­ge­rung edler Trop­fen, um die­se dann gewinn­brin­gend zu ver­kau­fen. In Zei­ten, da die Zin­sen nied­rig sind, hat das The­ma „Wein als Kapi­tal­an­la­ge“ Hoch­kon­junk­tur.

Welt, Welt am Sonn­tag, Wirt­schafts­wo­che, Focus, Mana­ger Maga­zin, selbst der Spie­gel wer­den nicht müde, ihren Lesern den Mund wäss­rig zu machen mit Ren­di­ten, die der her­kömm­li­che Kapi­tal­markt nicht her­gibt. Doch wie­vie­le sie wirk­lich erwirt­schaf­tet haben und war­um so vie­le nicht – dem ist kei­ner der schlau­en Auto­ren nach­ge­gan­gen.

Zehn Lektionen für Anfänger

Alt bedeutet nicht immer wertvoll
Alt bedeu­tet nicht immer wert­voll

Die Vor­stel­lung, auf einem Berg von Kis­ten im Kel­ler zu sit­zen und dabei zuzu­se­hen, wie deren Inhalt reift und immer wert­vol­ler wird, ist sicher attrak­tiv. Lei­der ist das Geld­ver­die­nen nicht so ein­fach. Denn der Wein­markt ist vol­ler Fal­len und Fuß­fes­seln. Wer kein aus­ge­buff­ter Pro­fi ist, wird bei der Spe­ku­la­ti­on mit Wein viel Geld ver­lie­ren.

Die ers­te Lek­ti­on, die es zu ler­nen gilt: Wei­ne, spe­zi­ell Rot­wei­ne, wer­den mit dem Alter zwar bes­ser, stei­gen aber des­we­gen nicht auto­ma­tisch an Wert. Zwei­te Lek­ti­on: Ob ein Wein gut schmeckt, ist für die Preis­ent­wick­lung völ­lig uner­heb­lich.

99,9 Prozent der Weine sind völlig ungeeignet für die Spekulation

Liv Ex 100

Drit­te Lek­ti­on: Von den geschätzt 20 Mil­lio­nen ver­schie­de­nen Sor­ten Wein, die auf der Welt pro­du­ziert wer­den, eig­nen sich höchs­tens 500 zur Spe­ku­la­ti­on. Das heißt: Für 99,9 Pro­zent der Wei­ne gibt es kei­nen Sekun­där­markt. Man kann sie man­gels Nach­fra­ge nicht gewinn­brin­gend wei­ter­ver­kau­fen. Vier­te Lek­ti­on: Von den 500 Wei­nen blei­ben letzt­lich nur 100 übrig, die eine rea­lis­ti­sche Chan­ce haben, Ren­di­ten abzu­wer­fen.

Fünf­te Lek­ti­on: Auf die­se 100 Wei­ne stür­zen sich Wein­fonds, Wein­bro­ker, Wein­händ­ler und pri­va­te Anle­ger in aller Welt. Wel­che Wei­ne das sind, kann man im Liv Ex 100 nach­le­sen. Die­ser in Lon­don auf­ge­leg­te Fine Wine Index wer­tet alle Käu­fe und Ver­käu­fe auf Auk­tio­nen in Eng­land aus. Lon­don ist die Welt­haupt­stadt des Wein­han­dels.

Die meisten Profis rechnen sich reich

Sechs­te Lek­ti­on: Die ein­zi­ge Chan­ce, mit Wein­spe­ku­la­ti­on Geld zu ver­die­nen, besteht dar­in, sich einem Pro­fi anzu­ver­trau­en. Wer auf eige­ne Faust Wein kauft und ein­la­gert, den ereilt das Schick­sal fast aller Amateur-Investoren: Er muss sei­ne Wei­ne am Ende sel­ber trin­ken, was zwar nicht schlimm ist, aber ent­täu­schend und auch teu­er sein kann, wenn man den Wein auf Kre­dit gekauft hat. Sieb­te Lek­ti­on: Von denen, die sich Pro­fi nen­nen, sind komi­scher­wei­se nur weni­ge reich gewor­den. Die meis­ten haben sich (und ihre Kun­den) nur reich gerech­net. Das soll­te Anle­gern zu den­ken geben.

Parker „macht“ den Markt – und kein anderer

Wein­auk­ti­on im Napa Val­ley

Ach­te Lek­ti­on: Ob die Liv-Ex-100-Weine im Wert stei­gen oder sin­ken, hängt ent­schei­dend von den Beur­tei­lun­gen des ame­ri­ka­ni­schen Wein­tes­ters Robert Par­ker ab. Er und kein ande­rer „macht“ den Markt (auch wenn Par­ker selbst sich inzwi­schen weit­ge­hend aus dem Wein­ge­schäft zurück­ge­zo­gen hat und es mitt­ler­wei­le zuver­läs­si­ge­re Ver­kos­ter gibt als sei­ne Mit­ar­bei­ter).

Neun­te Lek­ti­on: Par­ker ver­öf­fent­licht sei­ne Bewer­tun­gen regel­mä­ßig. Aber sie sind schwer vor­her­seh­bar. Ein Wein, der von ihm 100 Punk­te bekommt (das Maxi­mum), ver­dop­pelt sei­nen Wert bin­nen Tages­frist. Wer ihn dann nicht schon im Kel­ler hat, muss ihn teu­er nach­kau­fen.


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