Rot, weiß, süß – Münzenrieder, der Allrounder

In Österreich ist Johannes Münzenrieder aus dem Burgenland eine feste Grösse. Seine Zweigelt sind dort Legende. Zeit, sich auch Deutschland vorzustellen.

Am Anfang waren es vor allem die süßen Beeren- und Tro­cken­bee­ren­aus­le­sen, die das Wein­gut Mün­zen­rie­der bekannt gemacht haben. Heu­te punk­tet es mit tro­cke­nen Rot- und Weiß­wei­nen. Rot, weiß, süß – so steht es unter dem Fir­men­lo­go: Die Rei­hen­fol­ge ist ent­schei­dend. Rot, das heißt bei Mün­zen­rie­der vor allem Zwei­gelt. Die­se öster­rei­chi­sche Spe­zia­li­tät wird vom Land­wein in der Liter­fla­sche über Reser­ve bis zur Cuvée mit Blau­frän­kisch und Mer­lot pro­du­ziert. Beim Weiß­wein kon­zen­triert sich Mün­zen­rie­der auf Sau­vi­gnon, Gel­ber Mus­ka­tel­ler, vor allem aber auf Char­don­nay und Grü­ner Velt­li­ner. Erst dann kom­men die edel­sü­ßen Spe­zia­li­tä­ten. „Wir sind All­roun­der“, sagt Johan­nes Mün­zen­rie­der, 37. „Wir erzeu­gen das, was Kli­ma und Boden bei uns beson­ders gut gelin­gen las­sen.“

Der Seewinkel: berühmt für Süßweine

Das Wein­gut liegt im Bur­gen­land. Genau­er gesagt: zwi­schen Neu­sied­ler­see und unga­ri­scher Gren­ze. Die­ser öst­lichs­te Teil Öster­reichs hat, his­to­risch betrach­tet, den größ­ten Ruhm durch sei­ne edel­sü­ßen Wei­ne erwor­ben. Das fla­che Land ist näm­lich von zahl­rei­chen „Lacken“ durch­zo­gen: fla­chen Tüm­peln, die ein Para­dies für Was­ser­vö­gel und Teil des Natio­nal­parks Neu­sied­ler­see sind. Die warm-heißen Win­de, der im Herbst aus der unga­ri­schen Pusz­ta her­ein­strö­men, haben eine hohe Ver­duns­tungs­ak­ti­vi­tät zur Fol­ge. Luft­feuch­tig­keit und Wär­me zusam­men machen dann, dass die Trau­ben groß­flä­chig vom Edel­schim­mel befal­len wer­den. Er lässt die Bee­ren ein­schrum­peln, im Extrem­fall zu Rosi­nen. Wenn sie in die­sem Zustand abpresst wer­den, erge­ben sie einen hoch­gra­dig süßen Most: der Stoff, aus dem die edlen Beeren- und Tro­cken­bee­ren­aus­le­sen ent­ste­hen.

Wein­kel­ler

…aber bald begann die Produktion von trockenen Weinen

Mit die­sen edel­sü­ßen Spe­zia­li­tä­ten begann auch die Kar­rie­re des Wein­guts Mün­zen­rie­der. Die ers­ten Wei­ne, die Johan­nes Vater in die Fla­sche füll­te, gehör­ten in die­se Kate­go­rie. Das war 1991. Zu die­sem Zeit­punkt war der Wein­bau für die Fami­lie noch Neben­er­werb. Im Haupt­be­ruf waren die Mün­zen­rie­ders Trans­port­un­ter­neh­mer. Sie spe­di­tier­ten Wein, Scho­ko­la­den­mas­se, Milch. Erst 2000 wur­de Wein zum Voll­erwerb. Damals zeig­te sich bereits, dass der See­win­kel, wie die­ser Teil Öster­reichs genannt wird, auch gute tro­cke­ne Rot- und Weiss­wei­ne her­vor­bringt. Man durf­te die Reben nur nicht zu dicht an den „Lacken“ pflan­zen, und man durf­te sie nicht zu spät lesen. Wenn der Fön ein­setzt und die Scha­len der Bee­ren schon dünn sind, sind die Trau­ben anfäl­lig für Edel­fäu­le. Tro­cke­ne Wei­ne brau­chen dage­gen gesun­de Trau­ben. „Wir pas­sen des­halb genau auf, dass unse­re Trau­ben kei­ne Fäu­le auf­wei­sen“, erklärt Johan­nes und hält eine blitz­blan­ke Zweigelt-Traube in die Kame­ra. „Unse­re Wei­ne sol­len rein­tö­nig und klar in der Aro­ma­tik sein.“

Johann Münzenrieders Spezialität: Zweigelt

Johan­nes Münzenrieder

Heu­te machen die tro­cke­nen Wei­ne nicht nur den aller­gröss­ten Teil der Pro­duk­ti­on aus. Sie sind es auch, die dem Wein­gut in der Fach­pres­se hohe und höchs­te Bewer­tun­gen besche­ren. Ein beson­ders glück­li­ches Händ­chen hat Johan­nes dabei für Zwei­gelt. Die Reb­sor­te, offi­zi­ell Blau­er Zwei­gelt geheis­sen (Kreu­zung St. Lau­rent x Blau­frän­kisch), passt ide­al zu den schott­ri­gen Schwarz­er­de­bö­den und dem war­men Kli­ma im See­win­kel. Schon der ein­fa­che Zwei­gelt „Selec­tion“, der nur im Stahl­tank aus­ge­baut wird, fällt bei ihm aus­ge­spro­chen saf­tig und sau­ber aus und ist so unkom­pli­ziert zu trin­ken, dass man kei­ne dicken Bücher stu­diert haben muss, um ihn zu ver­ste­hen. Die Zwei­gelt Reser­ve „Ried Römer­stein“ ist gehalt­vol­ler und hat 9 Mona­te im Bar­ri­que gele­gen, eben­so wie die Cuvée Hei­de­bo­den, in der Zwei­gelt mit Blau­frän­kisch und Mer­lot ver­schnit­ten wird. Alle drei sind geschmack­lich sehr inten­si­ve Wei­ne, die zei­gen, mit wel­cher Prä­zi­si­on Johan­nes Mün­zen­rie­der in Wein­berg und Kel­ler arbei­tet. Sei­ne 2017er Heideboden-Cuvée erhielt bei der Aus­tria Wine Com­pe­ti­on (AWC) eine Gold­me­dail­le, der Zwei­gelt “Römer­stein” wur­de vom Falstaff-Magazin, dem in Öster­reich füh­ren­den Wein­gui­de, mit 92 von 100 Punk­ten bewer­tet.

Grösste Sorgfalt auch bei den Weißweinen

Auch die Weiß­wei­ne wer­den mit gröss­ter Sorg­falt erzeugt. Der Grü­ne Velt­li­ner ist der unkom­pli­zier­tes­te Wein. Er über­zeugt durch sub­ti­le Frucht und zar­te Säu­re gepaart mit gro­ßer Leich­tig­keit. Der Char­don­nay ist kör­per­rei­cher und dich­ter gewo­ben. Er wird im 500 Liter-Holzfass aus­ge­baut. Die Holz­no­te ist kaum zu spü­ren, eben­so wenig die Röst­aro­men. Die­ser bur­gun­di­sche Aus­bau macht den Wein lang­le­bi­ger und wer­ti­ger, so dass er sich naht­los in die Pha­lanx gro­ßer Char­don­nays aus dem See­win­kel ein­fügt. Bewer­tun­gen zwi­schen 91 und 92 Punk­ten bei Fal­staff (je nach Jahr­gang) sind die Beloh­nung für die außer­or­dent­li­che Qua­li­tät.

„Meine Weine sollen getrunken, nicht andächtig betrachtet werden“

Was Wein­füh­rer nicht bewer­ten, was aber für die Wein­trin­ker nicht ganz unwich­tig ist: der Preis. Mün­zen­rie­der gehört zu den Wein­gü­tern, die mode­rat kal­ku­lie­ren. Man will durch Qua­li­tät Auf­se­hen erre­gen und nicht durch for­sche Preis­po­li­tik. „Ich lege gro­ßen Wert auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis“, betont Johan­nes Mün­zen­rie­der. „Mei­ne Wei­ne sol­len getrun­ken, nicht andäch­tig betrach­tet wer­den.“

 

2017 Zweigelt “Münzenrieder”

Schö­ne Weich­sel­kir­schen­frucht, mil­de Säu­re, pri­mär­fruch­tig, pur: ein herz­haf­ter, ani­mie­ren­der Rot­wein, nur im Stahl­tank aus­baut, leicht zu trin­ken, mode­rat im Alko­hol (12,5 Vol.%).

Preis: 6,50 Euro

2017 Heideboden Reserve

Die­se Cuvée aus Zwei­gelt, Blau­frän­kisch und Mer­lot ist druck­voll am Gau­men (13,5 Vol.%), mund­fül­lend, gleich­zei­tig fein struk­tu­riert mit fruchtig-zimtigen Aro­men und sam­te­ner Tex­tur: ein ele­gan­ter Wein, der Tie­fe besitzt und Cha­ris­ma hat. Gold­me­dail­le bei der Aus­tri­an Wine Chal­len­ge (AWC).

Preis: 9,20 Euro

2017 Zweigelt „Ried Römerstein“

Neben rei­fer Kir­sche auch dunk­le Früch­te, Brom­bee­re, Blau­bee­re, dazu ein Hauch von Rote Bete und Scho­ko­la­de: Wein aus ertrags­re­du­zier­tem Anbau (6000 Kilo­gramm Trauben/Hektar), ver­län­ger­te Mai­sche­gä­rung, 12monatiger Aus­bau in Bar­ri­ques (davon 70% neu). 92/100 Punk­te im Fal­staff Wein-Guide.

Preis: 12,20 Euro

2018 Grüner Veltliner classic

Kna­ckig fri­scher Velt­li­ner mit sub­ti­ler, an Apfel und Pfir­sich erin­nern­der Frucht, zar­te Kräu­ter­wür­ze, bes­ter Trink­fluss: ein leich­ter, unkom­pli­zier­ter, char­man­ter Wein, der nur im Stahl­tank aus­ge­baut wur­de. Inbe­griff des Easy drin­king.

Preis: 6,50 Euro

2017 Chardonnay Reserve

 

Im Ton­ne­au (500 Liter) ver­go­re­ner Wein, der ein Jahr lang auf der Fein­he­fe gela­gert wur­de und ent­spre­chend frisch ist: fei­ne Noten von Grape­fruit und Ana­nas, dazu Bour­bon­va­nil­le, Apfeltar­te und ein Hauch von Kara­mell bru­lée. Ein sehr dis­tin­gu­ier­ter, schon jetzt gut zu trin­ken­der, aber auch län­ger lager­fä­hi­ger Wein. 92/100 Punk­te im Fal­staff Wein Gui­de.

Preis: 12,20 Euro

 

Alle Münzenrieder-Wene sind erhält­lich im Online­shop www.winzerwelt.de

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