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Ein Alpenwein wird neu verortet: Südtiroler Vernatsch Cup 2012

Suedtiroler Vernatsch
Durch den Hochmut der Luxusweintrinker hat der Südtiroler Vernatsch in den letzten Jahren viel an Boden verloren. Jetzt bahnt sich eine neue Generation von Weinbauern einen Weg zu diesem Südtiroler Wein. Das Ergebnis überrascht. Im mondänen Vigilius Mountain Resort hoch über Meran hat eine Jury gerade die besten Vernatsch-Weine des vergangenen Jahres gekürt.

Durch den Hoch­mut der Luxus­wein­trin­ker hat der Süd­ti­ro­ler Ver­natsch in den letz­ten Jah­ren viel an Boden ver­lo­ren. Jetzt bahnt sich eine neue Gene­ra­ti­on von Wein­bau­ern einen Weg zu die­sem Süd­ti­ro­ler Wein. Das Ergeb­nis über­rascht. Im mon­dä­nen Vigi­li­us Moun­tain Resort hoch über Meran hat eine Jury gera­de die bes­ten Vernatsch-Weine des ver­gan­ge­nen Jah­res gekürt.

Suedtiroler VernatschWäh­rend die Weins­nobs um jedes Fläsch­lein Lag­rein Riser­va von Jose­phus Mayr, Quarz von Ter­lan, St. Valen­tin Sau­vi­gnon von St. Michael-Eppan, Ries­ling von Cas­tel Juval und Syl­va­ner von Peter Pli­ger wie die Löwen kämp­fen, ver­la­gert sich das Inter­es­se der Süd­ti­ro­ler selbst wie­der auf einen Wein, den vie­le schon tot gesagt haben: den Ver­natsch. Die­ser hell­ro­te, süf­fi­ge Wein aus jener Sor­te, die in Deutsch­land Trol­lin­ger, in den Alpen Ver­natsch heißt, erfreut sich in den Gast­hö­fen und Wirts­häu­sern des Etsch­tals wie­der zuneh­men­der Beliebt­heit. Mit sei­ner unkom­pli­zier­ten Art ent­spricht er oft­mals mehr der Befind­lich­keit der Men­schen als dunk­ler Lag­rein oder teu­rer Mer­lot.

Wäh­rend deut­sche Gourmet-Touristen, oft mit Gam­be­ro Ros­so bewehrt die Restau­rants betre­tend, in den Wein­kar­ten nach den berühm­ten Eti­ket­ten suchen, bestel­len die Ein­hei­mi­schen ent­schlos­sen einen St. Mag­da­le­ner, einen Kal­terer­see, einen Mera­ner oder einen der zahl­rei­chen ande­ren Vernatsch-Weine, die in Süd­ti­rol wach­sen. Zu einer Brot­zeit, einer Kamin­wur­zen, zu Schlutz­krap­fen, Speck­knö­del oder auch zu einer Piz­za passt die­ser hell­ro­te Wein viel bes­ser als die hoch­flie­gen­den Drei-Gläser-Weine.

Neuverortung in der Genussarchitektur der Gegenwart

Eine Retro­mo­de? Mit­nich­ten. Denn mit den genuss­feind­li­chen Trop­fen aus der Liter­fla­sche, mit denen Süd­ti­ro­ler Kel­le­rei­en jahr­zehn­te­lang die Men­schen dies­seits und jen­seits der Alpen quäl­ten, haben die neu­en Vernatsch-Gewächse nicht ein­mal mehr die Far­be gemein. Statt in müdem Blass­rot fun­keln sie erd­beer­far­ben oder kirsch­rot im Glas.

Nach dem bei­spiel­lo­sen Nie­der­gang der Vernatsch-Rebe (ihre Flä­che ist in den letz­ten 30 Jah­ren von 75 auf 25 Pro­zent geschrumpft) wer­den die Wei­ne jetzt wie­der neu ent­deckt. Vor allem jun­ge Wein­bau­ern wie Chris­ti­an Platt­ner vom Wald­gries­hof oder jun­ge Kel­ler­meis­ter der Genos­sen­schaf­ten wie Andre­as Prast (Kel­le­rei Kal­tern), Ger­hard Sanin (Ers­te & Neue), Harald Schraffl (Kel­le­rei Nals Mar­greid) und Ger­hard Kof­ler (Kel­le­rei Gir­lan) ver­ste­hen es, die­sen alten Süd­ti­ro­ler Wein in der Genuss­ar­chi­tek­tur der Gegen­wart neu zu ver­or­ten. Statt nichts­sa­gen­der, dump­fer Plör­re machen sie aus der viel geschol­te­nen Sor­te einen knackig-fruchtigen, teil­wei­se sogar säu­re­be­ton­ten Wein, der zwar unkom­pli­ziert zu trin­ken, aber nie lang­wei­lig ist.

Sieger VernatschCup 2012
obe­re Rei­he v.l.n.r.: Ste­fan Filip­pi (Kel­le­rei Bozen), Ger­hard Sanin (Ers­te & Neue), Andre­as Prast (Kel­le­rei Kal­tern), Oth­mar Donà (Kel­le­rei Kur­tatsch), Wolf­gang Trat­ter (Kel­le­rei St. Pauls) | Unte­re Rei­he v.l.n.r.: Franz Graf Pfeil (Ansitz Krän­zel), Harald Schraffl (Kel­le­rei Nals Mar­greid), Chris­ti­an Platt­ner (Ansitz Wald­gries), Flo­ri­an Gojer (Glög­gl­hof)

Auch gestan­de­ne Kel­ler­meis­ter, deren Ehr­geiz bis­her auf Blau­bur­gun­der, Gewürz­tra­mi­ner oder ande­re Pres­ti­ge­wei­ne Süd­ti­rols gerich­tet war, ver­spü­ren plötz­lich den Reiz, aus dem Mas­sen­trä­ger Ver­natsch mehr zu machen, als in der Ver­gan­gen­heit mög­lich schien. Ste­fan Filip­pi (Kel­le­rei Bozen-St. Mag­da­le­ner) und Oth­mar Donà (Kel­le­rei Kur­tatsch) gehö­ren in die­se Kate­go­rie.

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