Chapeau Krauß: Der Lukas mit dem Hut

Lukas Krauß gibt es nur mit Hut. Der Pfälzer Winzer ist mit einem Wein namens „Pornfelder“ bekannt geworden. Patrick Hemminger hat ihn besucht und gemerkt, dass er mehr kann als zweideutige Weinnamen erfinden.

Alles begann mit einem süf­fi­gen Rot- und einem simp­len Roséwein. Wahr­schein­lich hät­te kein Mensch von ihnen Notiz genom­men, wenn sie nicht unter dem Namen „Porn­fel­der“ auf den Markt gekom­men wären. Por­tu­gie­ser und Dorn­fel­der – das sind die Sor­ten, aus denen die­se Wei­ne gekel­tert waren.  Der zwei­deu­ti­ge Namen kata­pul­tier­te Lukas Krauß vor fünf Jah­ren ganz nach oben in der Jung­win­zer­sze­ne der Pfalz – zumin­dest was die Beach­tung angeht. In den sozia­len Netz­wer­ken wur­de gelobt und geschimpft. Aber auch seriö­se Zei­tun­gen nah­men sich des Bürsch­chens mit dem zer­beul­ten Hut an und zoll­ten ihm Respekt für sei­ne Namens­idee. Krauß hat dem Porn­fel­der also viel zu ver­dan­ken.

Nach „Pornfelder“ nun „geile Weine“

Geiler Wein
Gei­ler Wein

Die Porn­fel­der sind sau­ber gemach­te mainstream-Weine. Aber Lukas Krauß, inzwi­schen 29, nervt es, dass er immer noch auf die­se Wei­ne redu­ziert wird. Er will mehr. Er will aus eigent­lich unin­ter­es­san­ten Lagen, die er bewirt­schaf­tet,  „gei­le Wei­ne“ raus­ho­len. Die Lagen befin­den sich in der fla­chen Rhein­ebe­ne bei Lambs­heim, 20 Kilo­me­ter von Lud­wig­ha­fen ent­fernt. Viel Sand ist da, ein wenig Löß, kein Kalk oder Schie­fer oder Vul­kan­ge­stein wie in den Top­la­gen an der Wein­stra­ße. „Mit Ter­ro­ir kön­nen wir nicht punk­ten“, gibt er unum­wun­den zu.

Weinberge neben Kartoffeläckern

Trotz­dem gelingt es ihm, aus Ries­ling, Sil­va­ner, Grau­em Bur­gun­der „schwerst gute“ Wei­ne zu erzeu­gen, wie Andre­as Barth, Gün­ter Jauchs Kel­ler­meis­ter an der Saar, nach dem Ver­kos­ten der Krauß’schen Trop­fen ein­mal aner­ken­nend auf Face­book schrieb. Sie paa­ren Kraft mit Struk­tur, Frucht mit Wür­ze, sind dabei nie hoch im Alko­hol und kön­nen durch­aus mal ein paar Jah­re im Kel­ler lie­gen. Dabei sind sie alle leicht zugäng­lich und über­for­dern nie­man­den. Laut Krauß liegt das an den Böden. „In Lambs­heim lie­gen die Wein­ber­ge neben den Kar­tof­fel­ä­ckern, wir haben kei­ne Super­bö­den. Das heißt, dass die Wei­ne nie zu krass wer­den, auch wenn ich abge­fah­re­nes Zeug mit ihnen anstel­le.“

Das „ß“ ist sein Logo, der Hut sein Markenzeichen

Lucas Krauß
Lucas Krauß

Außer dem Hut ist das „ß“ sein Mar­ken­zei­chen. Er pflegt es nicht nur in  sei­nem Namen. WEIßWEINE UND SÜßWEINE schreibt er auch kon­se­quent mit die­sem alt­mo­di­schen Buch­sta­ben, den es in kei­ner ande­ren Schrift­spra­che der Welt gibt. Auf dem Eti­kett sei­ner Wei­ne ist das „ß“ sogar sein Logo. Statt nach Prä­di­ka­ten klas­si­fi­ziert er sei­ne Wei­ne nach eige­nem Gus­to. Als Sym­bol benutzt er den Hut. Ein Hut steht für viel Spaß für klei­nes Geld: etwa die Weiß­wein­cu­vée „Cha­peau krauß“  für 5,50 Euro. In sie kommt alles rein, was er an Müller-Thurgau, Ker­ner und ande­ren wei­ßen Sor­ten hat, die sich sonst nur schwer ver­mark­ten las­sen. Aber auch saf­ti­ge, sau­be­re Guts­wei­ne vom Ries­ling und vom Sil­va­ner, die trotz des Spaß­fak­tors ernst­haft sind.

Lagenweine ohne Lagen

Wei­ne mit zwei Hüten sind im Holz­fass aus­ge­baut und stan­den vor Gär­be­ginn oft­mals auf der Mai­sche – also das, was er „abge­fah­ren“ nennt. Lagen­wei­ne nennt er sie, weil sie lan­ge auf der Hefe lagen. Und die Drei-Hut-Weine? An denen bas­telt Krauß noch. Obwohl er schon seit neun Jah­ren Wei­ne erzeugt, hat er bis jetzt noch nicht ganz die Kur­ve gekriegt. Aber wenn jemand frei­wil­lig so lan­ge dar­auf ver­zich­tet, einen Top­wein abzu­fül­len, zeigt das, dass er hohe Ansprü­che hat.

 

Keine Lust auf Schule

Dabei sah es im Leben von Krauß lan­ge nicht nach einer Lauf­bahn als Win­zer aus. Dass er mit einer Win­zer­leh­re begann, hat­te einen ganz prag­ma­ti­schen Grund: kei­ne Lust mehr auf Schu­le. Die Abnei­gung ging so tief, dass er am liebs­ten vom Gym­na­si­um auf die Haupt­schu­le gewech­selt wäre, um mit mög­lichst wenig Auf­wand einen Abschluss zu bekom­men. Über spä­te­re Berufs­wün­sche mach­te er sich kei­ne Gedan­ken. Sicher, sein Vater hat­te zwar ein klei­nes Wein­gut, vom dem die Fami­lie beschei­den leb­te. Aber selbst Win­zer wer­den?

„Lieber Winzer als beruflich irgendeinen Mist machen“

Silvaner
Sil­va­ner

Auf die Idee mit der Win­zer­leh­re brach­te ihn im Alter von 15 Jah­ren ein Test in einem Berufs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum. „Das Ergeb­nis bei mir waren lau­ter grü­ne Beru­fe. Dann bin ich nach Hau­se gekom­men und habe zu mei­nen Eltern gesagt, ich wer­de Win­zer.“

End­gül­ti­ge Gewiss­heit brach­te eine Win­zer­rei­se nach Öster­reich. „Da merk­te ich, dass der Umgang mit Wein dort ein ganz ande­rer ist, als ich ihn kann­te. Ich bin völ­lig eupho­risch nach Hau­se gekom­men und habe mir gedacht, bevor ich beruf­lich irgend­ei­nen Mist mache, wer­de ich wirk­lich Win­zer.“

Erfahrungen bei Müller-Catoir

Ein guter Azu­bi wur­de Lukas den­noch nicht. Es fehl­te der Spaß – jeden­falls solan­ge, bis er auf das Wein­gut Müller-Catoir in Haar­dt an der Wein­stra­ße kam. Mit Holz­fäs­sern zu expe­ri­men­tie­ren, alles von Hand zu machen, zu sehen, wie weit man gehen und was man aus dem Wein raus­ho­len kann – das fas­zi­nier­te ihn. Ihm wur­de klar: ins väter­li­che Wein­gut ein­zu­stei­gen, das ging nicht mehr. Des­sen teu­ers­ter Wein kos­te­te damals 4,40 Euro, bei Müller-Catoir ging es bei neun Euro los. Der Vater gab ihm ein paar Hekt­ar ab und der Juni­or mach­te sei­ne eige­ne Wein­li­nie. Im ers­ten Jahr füll­te er gera­de mal 1000 Fla­schen ab. Dann kam der Porn­fel­der.

Inzwi­schen liegt Lukas bei bis zu 45.000 Fla­schen, wäh­rend der Vater etwa die Hälf­te macht. Jetzt spielt die­ser den klei­ne­ren Part. Natür­lich sind bei­der Wei­ne ziem­lich ver­schie­den. Aber schon äußer­lich kann man sie leicht unter­schei­den. Auf den Kar­tons von Lukas steht „Gei­ler Wein“.


Das Wein­gut:
Lukas Krauß, Wei­sen­hei­mer Str. 23, 67245 Lambs­heim
www.lukaskrauss.de


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