Harte Schnitte mit sanfter Hand: Schonender Rebschnitt

Alles außer sanft. Der klassische Einsatz einer elektrischen Rebschere.
Das Würzburger Juliusspital war eines der ersten Weingüter in Deutschland, das den Schonenden Rebschnitt praktizierte – eine aus dem Friaul importierte alte Schnitttechnik. Patrick Hemminger beschreibt, welch segenreiche Wirkungen sie hat.

„Weg mit den elek­tri­schen Rebsche­ren!“

Mit die­sem Befehl vom Win­ter 2011, begann eine neue Ära der Wein­bergs­ar­beit im Würz­bur­ger Juli­us­spi­tal. Peter Rud­loff, der Wein­bergs­meis­ter, hat­te die Paro­le aus­ge­ge­ben:  „Wir haben uns für den scho­nen­den Reb­schnitt ent­schie­den, und für den braucht man kei­ne Elek­tro­sche­ren.“

Statt­des­sen wur­den die alten, mit der Kraft der Hän­de funk­tio­nie­ren­den Sche­ren wie­der her­aus­ge­holt, um die Reben zu gestutzt. Rud­loff gesteht: „Mei­ne Leu­te waren von der Anwei­sung anfangs nicht begeis­tert. Aber bald haben sie gemerkt, daß sie durch dün­nes, jun­ges Holz mühe­los auch mit den tra­di­tio­nel­len Rebsche­ren kom­men.“

Peter Rudloff im Weinberg
Peter Rud­loff, der Wein­bergs­meis­ter des Würz­bur­ger Juli­us­spi­tal

Schonend für die Rebe, schonend auch für die menschliche Hand

Scho­nen­der Reb­schnitt? Seit Jahr­hun­der­ten wer­den die Reb­stö­cke, nach­dem sie abge­ern­tet sind, beschnit­ten. Die Trie­be, an denen die Trau­ben hin­gen, wer­den ent­fernt. Beim Guyot-Erziehungssystem wird gar der gan­ze Rebschen­kel abge­schnit­ten. Ohne den win­ter­li­chen Beschnitt wür­de der Reb­stock im nächs­ten Jahr zu vie­le Trie­be mit zu vie­len Trau­ben ent­wi­ckeln.

Wo genau die Schnit­te gesetzt wer­den, dafür gibt es fes­te Regeln (sie­he Erzie­hungs­sys­te­me). Der Win­zer lernt sie an der Wein­bau­schu­le oder wäh­rend der Win­zer­leh­re. Um die Hand­mus­keln zu ent­las­ten, hat sich die elek­tri­sche Rebsche­re durch­ge­setzt, vor allem bei Reb­an­la­gen, die nach dem Guyot-System oder ver­wand­ten Erzie­hungs­sys­te­men ange­legt sind. Da sind zwar nur weni­ge Schnit­te nötig. Aber das „alte“ Holz, auf dem die Trie­be wach­sen, ist rela­tiv dick. Ent­spre­chend viel Kraft ist nötig, um den Schnitt aus­zu­füh­ren.

„Die Reben sind äußer­lich gesund, aber von innen krank“,

„Damals haben wir im Juli­us­spi­tal unse­re gesam­te Arbeit in Kel­ler und Wein­berg über­prüft und über­legt, ob wir noch auf dem rich­ti­gen Kurs sind“, erin­nert sich Rud­loff. Dabei kamen die Ver­ant­wort­li­chen zu dem Schluß, daß man­chen Wei­nen der letz­te Kick, ande­ren der Span­nungs­bo­gen fehl­te. Einer der Vor­schlä­ge, um die­ses Man­ko zu behe­ben, war die Umstel­lung auf den Scho­nen­den Reb­schnitt: „Die Reben sind äußer­lich gesund, aber von innen krank“, hat Rud­loff fest­ge­stellt, nach­dem er meh­re­re Stö­cke durch MRT (Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie) geschickt hat­te. Ursa­che: fal­sche Schnitt­tech­nik.

Beim Scho­nen­den Reb­schnitt wer­den die Schnit­te so ange­setzt, dass die Lei­tungs­bah­nen im Inne­ren des Hol­zes nicht beschä­digt wer­den. „Die Lei­tun­gen der Rebe müs­sen frei blei­ben, damit der Saft­fluss gewähr­leis­tet ist“, erläu­tert Rud­loff. „Dazu schnei­den wir nur jun­ges Holz, maxi­mal ein­jäh­ri­ges. Und für das jun­ge Holz braucht man kei­ne elek­tri­schen Sche­ren. Eine nor­ma­le Rebsche­re reicht. Mit ihr lässt sich der Schnitt viel prä­zi­ser set­zen.“

Rebstöcke im Vergleich - einer intakt, einer kaputt
Links: scho­nend geschnit­te­ner Reb­stock – rechts: außen intakt, innen krank

Das tote Holz zwingt den Saftfluß zu Umwegen

Den Sinn des sanf­ten Reb­schnitts ver­steht man erst, wenn man sich eine Rebe genau­er anschaut. Wür­de man sie nicht beschnei­den, wür­de sie in die Höhe klet­tern wie eine Lia­ne. Des­halb muss der Win­zer Win­ter für Win­ter den größ­ten Teil des Hol­zes weg­schnei­den. Lei­der kann die Rebe – anders als ein Baum – ihre Wun­den nicht ver­schlie­ßen. Sie harzt nicht. Die Wun­den trock­nen ein­fach aus.

Da die Gefä­ße, die den abge­schnit­te­nen Trieb ver­sorgt haben, nicht mehr gebraucht wer­den, ver­trock­nen auch sie. Unter der Schnitt­stel­le bil­det sich ein dun­kel­brau­ner Kegel aus totem Holz, der in das gesun­de Holz hin­ein­ragt und die Lei­tungs­bah­nen blo­ckiert. So ent­steht bei kon­ven­tio­nell geschnit­te­nen Reben im Lauf der Jah­re ein faust­gro­ßer Kno­ten, aus dem Jahr für Jahr die neu­en Frucht­ru­ten wach­sen.

Die­ser Kno­ten ist durch­setzt von tro­cke­nen Stel­len. Das heißt: die Rebe muss ihren Saft­fluss jede Sai­son neu orga­ni­sie­ren. Sie muss Umwe­ge suchen oder sich durch ver­eng­te Lei­tungs­bah­nen zwän­gen. Das kos­tet Kraft und Ener­gie. Nicht sel­ten wer­den die jun­gen Trie­be dabei unter­ver­sorgt.


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Die Erfinder kommen aus dem Friaul

Pro­pa­giert und prak­ti­ziert wird der sanf­te Reb­schnitt von zwei Ita­lie­nern aus dem Fri­aul: Mar­co Simo­nit und Pier­pao­lo Sirch. Ihnen gehört das Unter­neh­men „Simonit&Sirch – Pru­ning Guys“, was so viel heißt wie „Rebschnitt-Typen“. Sie und ihre Mit­ar­bei­ter arbei­ten inzwi­schen auf Châ­teaux wie Latour, Pichon-Lalande, d’Yquem, Haut Bail­ly.

Simo­nit begann sich irgend­wann zu fra­gen, wel­che Aus­wir­kung der Reb­schnitt auf die Ana­to­mie der Reben hat. Er ging mit alten, abge­stor­be­nen Reb­stö­cken zu einem Zim­mer­mann, ließ das Holz in der Mit­te durch­sä­gen und ent­deck­te unter den ver­heil­ten Schnit­ten die ver­trock­ne­ten Kegel. Dar­auf­hin fuhr er viel in Euro­pa her­um, besuch­te Wein­ber­ge und sprach mit Win­zern.

Die gesun­des­ten Reben fand er an Orten, an denen die Inten­si­vie­rung des Wein­baus der 1970er Jah­re vor­über­ge­gan­gen war. Denn die tra­di­tio­nel­le Schnitt­tech­nik, die er pro­pa­giert, ist kei­nes­wegs sei­ne eige­ne Erfin­dung. Das Wis­sen um den rich­ti­gen Fluss der Säf­te in der Rebe war frü­her All­ge­mein­wis­sen unter Win­zern. Die zuneh­men­de Tech­ni­sie­rung und Mecha­ni­sie­rung der Arbeit im Wein­berg – bei­spiels­wei­se elek­tri­schen Rebsche­ren – lie­ßen die­ses Wis­sen lang­sam in Ver­ges­sen­heit gera­ten.

Rebe wird mit Astschere geschnitten
Ver­wen­dung einer her­kömm­li­chen Gar­ten­sche­re – Im Ver­gleich dazu eine elek­tri­sche Rebsche­re im Ein­stiegs­bild.

Wenn Simo­nit eine Rebe sanft schnei­det, ver­folgt er damit zwei Zie­le. Zum einen fügt er der Pflan­ze so wenig Ver­let­zun­gen wie mög­lich zu. Zum ande­ren ver­mei­det er gro­ße Schnit­te und schnei­det nur jun­ge, ein oder zwei Jah­re alte Trie­be bezie­hungs­wei­se Frucht­ru­ten. Er strebt danach, dass sich statt eines Kop­fes zwei seit­li­che Äste bil­den, auf denen die Trie­be wach­sen. Die Saft­strö­me kön­nen unter den Schnitt­wun­den hin­durch in die Trie­be und von dort in die Blät­ter und Trau­ben flie­ßen.

Auch für den Kampf gegen Esca geeignet

Für die Reb­stö­cke hat die­se Schnitt­tech­nik gleich meh­re­re posi­ti­ve Effek­te:

  • eine gleich­mäs­si­ge­re Blü­te
  • eine ein­heit­li­che Trau­ben­rei­fe
  • kon­stan­te­re Erträ­ge
  • län­ge­res Leben

Dazu kommt eine grös­se­re Wider­stands­fä­hig­keit gegen Tro­cken­heit – ein wich­ti­ger Gesichts­punkt in Zei­ten glo­ba­ler Erwär­mung.

„Kli­ma­tisch nähern wir uns in Deutsch­land dem Süden Euro­pas,“ warnt Rud­loff.

„Und wenn die Lei­tungs­bah­nen im Reb­stamm frei sind, fun­giert das Holz als Spei­cher. Bei gro­ßer Hit­ze kann das Was­ser, das dort gespei­chert ist, die Rebe küh­len und eine Zeit lang ver­sor­gen.“ Auch ande­re Wein­gü­ter in Deutsch­land prak­ti­zie­ren inzwi­schen den Scho­nen­den Reb­schnitt: Gun­ter Künst­ler, Bürklin-Wolf, Odin­s­tal, Heit­lin­ger und Würz­bur­ger Bür­ger­spi­tal zum Bei­spiel. In Öster­reich haben Win­zer wie Jurt­schitsch und Fred Loi­mer die Schnitt­tech­nik der Ita­lie­ner über­nom­men.

Eben­so wich­tig kann der Scho­nen­de Reb­schnitt für die Bekämp­fung einer der gefähr­lichs­ten Reb­krank­hei­ten sein, die von Süd­eu­ro­pa kom­mend zuneh­mend auch die nörd­lich der Alpen lie­gen­den Wein­ber­ge befällt: Esca.

Die patho­ge­nen Pil­ze drin­gen über die Schnitt­wun­den ins Holz ein und füh­ren inner­halb weni­ger Jah­re zum Abster­ben der Rebe. Scho­nen­der Reb­schnitt – das beteu­ern zahl­rei­che Win­zer süd­lich der Alpen – ist in der Lage, die Aus­brei­tung von Esca zu brem­sen.

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