Degustationen Italien

Der Ätna bricht aus: Hype um die neuen Rotweine vom Vulkan

Der Ätna ist die derzeit am meisten diskutierte Weinappellation Italiens. In schwarzem Lavagestein entstehen dort Rotweine mit speziellem „Karma“, wie es sie nirgendwo sonst in Italien gibt. Jens Priewes Begeisterung hielt sich dennoch in Grenzen.

Der Ätna ist die der­zeit am meis­ten dis­ku­tier­te Wein­ap­pel­la­ti­on Ita­li­ens. In schwar­zem Lava­ge­stein ent­ste­hen dort Rot­wei­ne mit spe­zi­el­lem „Kar­ma“, wie es sie nir­gend­wo sonst in Ita­li­en gibt. Jens Prie­wes Begeis­te­rung hielt sich den­noch in Gren­zen.

Der Ätna ist seit ein paar Jah­ren das Sehn­suchts­ziel sizi­lia­ni­scher Wein­ma­cher. Nahe­zu alle renom­mier­ten Wein­gü­ter der Insel haben sich dort nie­der­ge­las­sen, ein paar Hekt­ar gekauft und mit Reben bepflanzt: Tas­ca d’Almerita, Fir­ri­a­to, Pla­ne­ta, Cusuma­no, Gul­fi, Feu­do Mac­ca­ri zum Bei­spiel. Wei­te­re ste­hen in den Start­lö­chern. Ihre Hoff­nung: den schwer­blü­ti­gen Nero d’Avola-Weinen des hei­ßen „Kon­ti­nents“ einen ele­gan­ten Wein ent­ge­gen­zu­set­zen.

Auch Parker kriegt sich kaum noch ein vor Begeisterung

Noch mehr Kon­junk­tur hat der Ätna in den Medi­en, beson­ders in den ita­lie­ni­schen. Ein­hei­mi­sche Wein­schrei­ber haben die Hän­ge des Ätna schon mit der Côte de Nuits ver­gli­chen und attes­tie­ren den Wei­nen teil­wei­se bur­gun­di­sche Qua­li­tä­ten. Manch aus­län­di­scher Wein­jour­na­list stimmt in den Chor der Begeis­te­rung ein, zuletzt auch Moni­ca Lar­ner, die Italien-Verkosterin von Robert Par­ker. Frei­lich ist aus ihren Beschrei­bun­gen (und denen man­cher ihrer Kol­le­gen) leicht her­aus­zu­le­sen, dass nicht der Wein die Quel­le der Begeis­te­rung ist, son­dern das Gesamt­kunst­werk Ätna: der majes­tä­ti­sche Anblick die­ses regel­mä­ßig Feu­er spu­cken­den Vul­kans eben­so wie die wil­de Schön­heit der ihn umge­ben­den Land­schaft. Die patrio­ti­sche Begeis­te­rung der Men­schen, die dort leben, für die Nerel­lo Mas­ca­le­se, die auto­chtho­ne Sor­te, aus denen die Rot­wei­ne gekel­tert sind. Die Hoff­nung, dass der Wein hel­fen könn­te, die pre­kä­re Lage vie­ler Men­schen zu ver­bes­sern. Natür­lich auch die Bewun­de­rung für den Mut Ätna-fremder Win­zer, in eine Ter­ra Inco­gni­ta zu inves­tie­ren und dort einen Wein zu erzeu­gen, wie ihn die Welt noch nicht gese­hen hat. Alles nach­voll­zieh­bar. Aber muss man des­halb auch mäßig inter­es­san­ten Wei­nen gleich 92 Punk­te oder mehr geben?

Fünf Erkenntnisse

Ich habe im März zwei Dut­zend Rot­wei­ne vom Ätna ver­kos­ten kön­nen und dabei fünf Erkennt­nis­se gewon­nen.  Die ers­te: Die Ätna-Weine haben zwei­fel­los ein ganz eige­nes „Kar­ma“. Sie zei­gen nicht nur die süßen, siru­par­ti­gen Frucht­no­ten, wie man sie häu­fig in mer­idio­na­len Wei­nen fin­det. Sie haben auch unver­wech­sel­ba­re rauchig-mineralische Noten, die wahr­schein­lich von dem schwar­zen Lava-Gestein her­rüh­ren. Die Ätna-Weine sind also sehr spe­zi­ell. Die zwei­te: Das Spek­trum der Qua­li­tä­ten ist rie­sig, sowohl zwi­schen den ver­schie­de­nen Pro­du­zen­ten, als auch zwi­schen den Jahr­gän­gen ein und der­sel­ben Erzeu­ger. Die drit­te: Es exis­tiert noch kein kla­res Bild vom Ätna-Wein. Eini­ge Wei­ne ähneln eher einem Beau­jo­lais, ande­re mehr einem Baro­lo – salopp gespro­chen. Die vier­te Erkennt­nis: Rela­tiv vie­len Wei­nen fehlt die Balan­ce. Die einen prun­ken mit rei­fer, süßer Frucht, haben aber gleich­zei­tig eine hohe Säu­re. Ande­re sind über­ex­tra­hiert und tan­nin­hart. Die fünf­te, sehr per­sön­li­che Erkennt­nis: Mit Bur­gund haben die Wei­ne so viel gemein wie ein Schnit­zel mit einen Wagyu Beef.

Über die Güte der Lagen am Ätna ist wenig bekannt

Die Ursa­chen der Inkon­sis­tenz der Ätna-Produktion sind leicht zu erra­ten. Der Vul­kan ist für die meis­ten Win­zer Neu­land. Sie haben wenig bis gar kei­ne Erfah­rung mit der Nerel­lo Mas­ca­le­se (bezie­hungs­wei­se mit der wei­ßen Car­ri­can­te). Die Sor­te wird in kei­nem ande­ren Teil Sizi­li­ens ange­baut. Auch über die Güte der Lagen ist wenig bekannt. Es exis­tie­ren zwar noch vie­le alte Wein­ber­ge, aber sys­te­ma­ti­sche Boden­un­ter­su­chun­gen sind nie gemacht wor­den. Die meis­ten Neu­win­zer haben sich an der küh­le­ren Nord­flan­ke des Ätna ange­sie­delt und ihre Wein­ber­ge in 600 bis 900 Meter Höhe ange­legt. Eini­ge Wein­gü­ter haben ihre Wein­ber­ge aber auch im hei­ße­ren Süden und Süd­os­ten des Ber­ges in tie­fe­ren Lagen – und erzeu­gen dort eben­falls respek­ta­ble Wei­ne.


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Kommentar

  • Gedrückt habe ich mich nicht. Aber die bei­den Wein­gü­ter waren bei der Vor­stel­lung der neu­en Jahr­gän­ge, die im Febru­ar auf Sizi­li­en stand­fand, nicht dabei. Ich ver­su­che mal, ein paar Fla­schen zu besor­gen und lie­fe­re nach.

    • Super. Es wäre schon inter­es­sant ob die zwei die Refe­renz bil­den. Bei Passo­pi­sci­a­ro habe ch die Erfah­rung gemacht das die Wei­ne emp­find­lich gegen Tem­pe­ra­tur und Bewe­gung sind. Das spe­zi­el­le „Kar­ma“ konn­te ich nur ein­mal genies­sen. Es war beim glei­chen Wein, glei­cher Jahr­gang nicht repro­du­zier­bar.

      Herr Priewe, Ent­schul­di­gung für den Schreib­feh­ler im Namen.

  • Hal­lo Herr Priewe,

    einer der New­co­mer, Cor­ne­lis­sen, pro­du­ziert schon seit 2001 am Aet­na. Sein Mag­ma 1 liegt bei mir als Fehl­kauf immer noch im Kel­ler 😉

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