2011 Brunello di Montalcino: von meisterhaft bis dilettantisch

Montalcino
Montalcino
Der Jahrgang 2011 steht im Schatten des großen 2010ers. Zu Unrecht? Jens Priewe hat knapp hundert Brunello probiert und sagt: Die besten sind nicht schlechter als ihre Vorgänger. Nur gibt es sehr viel weniger gute – und sehr viel mehr blamable.

Bis Mit­te August 2011 hin­ein glaub­ten die Brunello-Winzer, der neue Jahr­gang wür­de noch bes­ser wer­den als der gro­ße 2010er. Alles war bis dahin per­fekt gelau­fen: die Blü­te, der Gesund­heits­zu­stand der Trau­ben, und die Men­ge, die an den Reben hing, stimm­te auch. Doch dann wen­de­te sich das Blatt. Ein hei­ßer, tro­cke­ner Wind aus Afri­ka feg­te plötz­lich über die Tos­ka­na und ließ die Tem­pe­ra­tu­ren in die Höhe schnel­len. Der Zucker­ge­halt der Bee­ren nahm rascher zu, als die phe­no­li­schen Ele­men­te rei­fen konn­ten. Die Säu­ren gin­gen in den Kel­ler. Und wer die Laub­wand sei­ner Reben bereits ent­blät­tert und die  Trau­ben frei­ge­stellt hat­te, ris­kier­te, dass die­se einen Son­nen­brand beka­men. Kein Ver­gleich jeden­falls mit dem aus­ge­gli­che­nen, undra­ma­ti­schen Rei­fe­ver­lauf des Jah­res 2010. Die Lese begann in 2011 dann auch so früh wie lan­ge nicht. Sie war hek­tisch. Der Lese­auf­wand war enorm. Eine Her­aus­for­de­rung für die Win­zer.

Erschreckend viele unfrische Weine

Etikett Il Marroneto
Eti­kett Il Mar­ro­ne­to

Seit Janu­ar sind die 2011er Bru­nel­lo di Mon­tal­ci­no nun frei­ge­ge­ben. Der ers­te Ein­druck, den sie hin­ter­las­sen, spie­gelt die gan­ze Dra­ma­tik die­ses hei­ßen Jahr­gangs wider. Vie­le Wei­ne sind über­reif, haben Koch­aro­men, sind behä­big oder haben tro­cke­ne, teils grü­ne Tan­ni­ne, weil die Reben ange­sichts der Hit­ze den Stoff­wech­sel zeit­wei­se ein­ge­stellt hat­ten. Ein erschre­ckend hoher Anteil der Wei­ne ist unfrisch und weist jetzt bereits eine Braun­tö­nung auf. Das gilt beson­ders für Wei­ne von der Süd­flan­ke Mon­tal­ci­nos: Ban­fi, Argia­no, Col d’Orcia ver­mö­gen in 2011 mit ihren Wei­nen lei­der nicht zu glän­zen. Die Güter in den küh­le­ren Unter­zo­nen hat­ten es dage­gen deut­lich leich­ter: Il Mar­ro­ne­to, Capar­zo, Nar­di, Pog­gio Anti­co zum Bei­spiel.

Aber das Kli­ma allein ist nicht die Ursa­che für die gro­ßen Qua­li­täts­un­ter­schie­de. Auch vom süd­li­chen Rand Mon­tal­ci­nos kom­men eini­ge sehr respek­ta­ble Wei­ne, etwa die von Agos­ti­na Pie­ri. Es kommt also ganz ent­schei­dend dar­auf an, wie die Win­zer arbei­ten. Dass ein 350-Hektar-Betrieb wie Ban­fi es schwe­rer hat als ein klei­nes Fami­li­en­wein­gut, liegt aller­dings auf der Hand.

Gebot des Jahres: selektiv vorgehen bei der Wahl

Etikett Caprili
Eti­kett Caprili

Den­noch: Der Kon­su­ment, der für einen Bru­nel­lo di Mon­tal­ci­no von 25 Euro an auf­wärts bezah­len soll, legt Wert dar­auf, dass der Inhalt der Fla­sche dem Preis und dem Ruf ent­spricht, der die­sem tos­ka­ni­schen Rot­wein vor­aus­eilt. Und in 2011 wird er, wenn er nicht ent­täuscht wer­den will, sehr selek­tiv vor­ge­hen müs­sen. Die bes­ten 2011er Bru­nel­lo di Mon­tal­ci­no sind auf einem ähn­li­chen Niveau wie 2010 – majes­tä­ti­sche Wei­ne, sehr kom­plett und per­fekt aus­ba­lan­ciert. Die Erzeu­ger sind weit­ge­hend die glei­chen, die auch in den Vor­jah­ren schon bril­liert hat­ten: Sal­vio­ni (der bei Par­ker 98 Punk­te für sei­nen 2010er erhal­ten hat), Pog­gio di Sot­to (97 Punk­te), Il Mar­ro­ne­to mit sei­nem Lagen­wein „Madaon­na del­le Gra­zie“ (100 Punk­te). Punkt­mä­ßig bin ich aller­dings vor­sich­ti­ger, als die meis­ten Tes­ter es im Vor­jahr waren. Mir waren zum Bei­spiel die Bewer­tun­gen der Parker-Testerin Moni­ca Lar­ner bei den 2010ern zu hoch. Aber im Ran­king gehö­ren die höchst bewer­tes­ten Güter auch 2011 zu den bes­ten.

Die besten sind jeden Cent wert

Neben die­sen Top-Produzenten (deren Wei­ne lei­der auch zu den teu­ers­ten gehö­ren) gibt es frei­lich eini­ge Bru­nel­lo, die sehr viel weni­ger kos­ten, aber jeden Cent wert sind. Bei­spiel: Lisi­ni, Il Pog­gio­ne, Cam­po­gio­van­ni, Caprili, aber auch ande­re.

Etikett Il Poggione
Eti­kett Il Pog­gio­ne

Die wich­ti­ge­re Erkennt­nis ist jedoch, wie vie­le mit­tel­mä­ßi­ge, ent­täu­schen­de, ja miss­ra­te­ne Bru­nel­lo es in 2011 gibt. Der­art gro­ße Unter­schie­de wie in 2011 habe ich in der Ver­gan­gen­heit sel­ten erlebt. Die hohen Prei­se, die der Bru­nel­lo di Mon­tal­ci­no am Markt erzielt, haben offen­bar vie­le bäu­er­li­che Klein­win­zer dazu bewegt, ihre Trau­ben selbst zu vini­fi­zie­ren, statt sie wie frü­her an ande­re Kel­le­rei­en zu ver­kau­fen. Das Resul­tat: eine star­ke Zunah­me der Fla­schen­ab­fül­ler und eine Explo­si­on dilet­tan­ti­scher Wei­ne. Das durch­schnitt­li­che Niveau in dem nur 50 Kilo­me­ter ent­fern­ten Chi­an­ti Clas­si­co ist heu­te jeden­falls deut­lich höher als in Mon­tal­ci­no. Und nach dem Hype um den Jahr­gang 2010, der Mon­tal­ci­no einen Tou­ris­ten­boom ohne­glei­chen beschert hat, ist Bes­se­rung lei­der nicht in Sicht.

Die Ver­kos­tung des Jahr­gangs 2011 fand im Febru­ar die­ses Jah­res in Mon­tal­ci­no statt. Orga­ni­siert wor­den war die Degus­ta­ti­on vom ört­li­chen Schutz­kon­sor­ti­um. Lei­der hat­ten nicht alle Win­zer ihre Wei­ne ein­ge­lie­fert. Scha­de, zumal vie­le der­je­ni­gen fehl­ten, die das Ban­ner des Bru­nel­lo di Mon­tal­ci­no in den letz­ten Jah­ren hoch gehal­ten habe (Siro Pacen­ti, Casa­no­va di Neri, Val­di­ca­va, Alte­si­no, Ciac­ci Pic­co­lomi­ni, Bion­di San­ti, Cer­baio­na, Pian dell’Orino, Giodo, Baric­ci…).

 

2011 Brunello di Montalcino 95 bis 92 Punkte


WeinBeschrei­bungPunk­te
Pog­gio di Sot­toWuch­tig und doch zart­fruch­tig mit süßen Rum­topf­aro­men und bal­sa­mi­scher Wür­ze, extrakt- und alko­hol­reich wie immer: fei­ner (und teu­rer) Bru­nel­lo mit gro­ßem Atem.95
Sal­vio­niSchon im Bou­quet als gro­ßer Wein erkenn­bar, saf­tig, reich mit fri­scher Bee­ren­frucht und zar­ter Kräu­ter­wür­ze, trotz gro­ßer Struk­tur schon jetzt mit Ver­gnü­gen trink­bar: Mess­lat­te für den Jahr­gang 2011.95
Le Rag­naie” Vigna Vec­chia”Rei­cher, hedo­nis­ti­scher Wein mit vie­len Facet­ten, packen­dem Tan­nin, guter Balan­ce.93
Cor­te Pavo­ne (Loacker)Viel saf­ti­ge, fri­sche Kirsch- und Brom­beer­frucht, zar­te Teer­no­te, grif­fi­ges Tan­nin, gute Kon­zen­tra­ti­on, gro­ßer, nicht über­la­de­ner Bru­nel­lo.93
San Poli­noDicht, dun­kel, hoch­kon­zen­triert, noch im Tann­in­kor­sett ein­ge­schnürt, süße, leicht mal­zi­ge Frucht, fei­ne Wür­ze, sehr reif: stimmt hoff­nungs­froh.93
Il Mar­ro­ne­to “Madon­na del­le Gra­zie”Die struk­tu­rier­te Vari­an­te des Marroneto-Brunello: küh­le Frucht, gro­ße Tie­fe, viel gesun­des Tan­nin, ein Ver­gnü­gen (obwohl noch völ­lig ver­schlos­sen).93
Pog­gio Anti­co “Altero”Gut kon­zen­triert, viel sau­be­re Frucht mit fei­nen Lakritz­no­ten und einem Hauch Kon­fi­tü­re: gro­ßer Genuss.92
Renie­riZar­te Frucht im eiser­nen Griff des Tan­nins, der­zeit noch völ­lig unzu­gäng­lich, aber mit gro­ßem Poten­zi­al.92
San PoloSub­s­tanz­reich mit süßem, packen­dem Tan­nin, viel Kör­per, rei­fe Bee­re: bes­ter San Polo ever.92
Capar­zo “La Casa”Gut gebaut, grad­li­nig, viel­schich­tig im Inne­ren, fein­kör­ni­ges, gesun­des Tan­nin: Klas­si­ker, auch dies­mal sehr gut.92
CapriliMäch­ti­ger Wein, vol­ler Frucht und Wür­ze, mit­rei­ßen­de Rus­ti­ka­li­tät, Über­ra­schung.92
Dona­tel­la Cinel­li Colom­bin “Pro­get­to Prime Don­ne”Rich­tig guter, fes­ter Bru­nel­lo mit rei­fer, aber nicht über­rei­fer Frucht, gesun­dem Tan­nin: ein Leucht­turm (von Frau­en “gemacht”).92
Fan­ti “Sele­zio­ne Val­loc­chio”Dunk­le Far­be, reich aus­ge­stat­tet, straff gewirkt: schö­ner, aber eigen­wil­li­ger Bru­nel­lo mit Schoko- und Kokos­no­ten.92
Lisi­niSaf­tig, reich, nicht über­la­den, mit rei­fem Tan­nin, mus­ter­haf­ter Wein, nicht üer­preist.92
Mastro­jan­ni “Vigna Lore­to”Rei­cher, kom­ple­xer Bru­nel­lo mit vie­len Sirup- und Scho­ko­no­ten, schö­ner Sangiovese-Säure, wei­ches Tan­nin – aber schon sehr reif.92

2011 Brunello di Montalcino 91 bis 89 Punkte


WeinBeschrei­bungPunk­te
Le Rag­naie “For­n­ace”Extrakt­reich, fast opu­lent mit rei­fer, süßer Frucht, und gut ver­schmol­ze­nem Tan­nin, beacht­lich.91
Moca­li “Vigna del­le Rau­n­a­te”Dun­kel, kon­zen­triert mit dif­fe­ren­zier­ter inne­rer Struk­tur und fei­nem, glat­ten Tan­nin, gute Anla­gen.91
Fran­co Pacen­ti – Cana­lic­chioSat­te, rei­fe Frucht mit Mocca- und Tabakno­ten, brei­te Schul­tern, gut gelun­gen.91
Scopo­ne “L’Olivare”Gewal­ti­ger, aber etwas auf Schwe­re getrimm­ter Bru­nel­lo, stark tan­nin­be­tont, wenig Ele­ganz.91
Sola­riaDicht, gehalt­voll, gut zusam­men­ge­wach­sen: schö­ner, seriö­ser Bru­nel­lo der klassisch-traditionellen Art.91
Talen­tiSel­ten ein gro­ßer, aber immer ein sehr guter Wein – auch dies­mal.91
Le Potazzi­neEle­gant, zart­fruch­tig, fein geglie­dert: guter balan­cier­ter und in sich stim­mi­ger Wein.91
San Gior­gio “Ugo­l­for­te”Kräf­tig, viel­schich­tig, extrakt­süß mit tie­fer Bee­ren­frucht und leicht mal­zi­gem Ein­schlag: erfreu­lich.91
Tenute Sil­vio Nar­diGut gemach­ter, rou­ti­nier­ter Wein mit viel Sub­stanz, küh­ler Frucht, ele­gan­tem Tan­nin, in ein paar Jah­ren trink­reif.91
Vas­co Sas­set­tiSaf­ti­ger Bru­nel­lo mit sehr aus­drucks­vol­ler Sangiovese-Frucht, viel Fri­sche, aber auch viel Tie­fe: kein Lang­läu­fer, aber ein Cha­rak­ter­wein.91
Agos­ti­na Pie­riRela­tiv schlank, aber zart­duf­tig mit fein zise­lier­ter Frucht und süßem, rei­fen Tan­nin: sehr guter “midd­le palate”-Brunello.91
Tenuta Pie­tra­ne­raBreit ange­legt, klar kon­tu­riert, rei­fe, saf­ti­ge Frucht und zar­te Wür­ze, gelun­ge­ner Bru­nel­lo.91
Cam­po­gio­van­niEiner der erfreu­li­chen Bru­nel­lo des Jahr­gangs mit Fri­sche, Aus­drucks­kraft und gut ver­schmol­ze­nem Tan­nin: stim­mig.91
Cana­lic­chio di SopraTief bee­ren­fruch­tig, facet­ten­reich, sau­ber, mode­ra­te Fül­le, aus­ge­wo­gen: gelun­gen.91
Cas­tel­lo Romi­to­rio “Filo di Seta”Laut Name aus “Sei­de gewo­ben”, tat­säch­lich aus dickem Tau zusam­men­ge­fügt: kräf­tig, mus­ku­lös, Licht­blick.91
Il Mar­ro­ne­toSau­ber, klar, ein­deu­tig, mit prä­zi­ser Frucht, schö­ner Säu­re, nicht auf Schwe­re getrimmt, genuss­voll zu trin­ken.91
Il Pog­gio­neSehr fest gefügt, viel Frucht, viel Wür­ze, viel toughes Tan­nin (noch sprö­de): einer der gelun­gens­ten Bru­nel­lo.91
La Fio­ri­taTief­fruch­tig mit leicht rau­chi­gen Noten, sehr straff, prä­zi­se, brei­te Schul­tern.91
La Pode­ri­naTief bee­ren­fruch­tig mit leicht min­zi­ger Wür­ze, kno­chi­ges Tan­nin, geho­be­ne Stan­dard­qua­li­tät.90
La Rasi­naGute Sub­stanz, leicht über­ex­tra­hiert.90
Le Chi­u­seFrucht­be­tont und schon antrink­bar, gut gemacht, aber ins­ge­samt etwas ein­fach.90
Le Rag­naieSau­ber, saf­tig, zum sofor­ti­gen Genuss bestimmt.90
Moca­liNoch tan­n­in­streng und etwas sprö­de, aber gute, gesun­de Sub­stanz, braucht Zeit.90
Pode­re Bri­zioFest gefüg­ter, sta­bi­ler Wein mit Frucht und Fri­sche, nicht über­la­den, nicht über­reif: hat Zukunft.90
Pog­gio Anti­coEtwas leicht­ge­wich­ti­ger, aber balan­cier­ter Wein mit aus­drucks­vol­ler Frucht, jetzt und in den nächs­ten Jah­ren schön zu trin­ken.90
Grep­po­ne Maz­ziKlas­si­scher Bru­nel­lo aus dem Hau­se Ruf­fi­no, gehalt­voll, rund, glat­te Län­ge.90
Scopo­neBreit ange­leg­ter, aus­la­den­der Wein, klar kon­tu­riert, aber stark über­ex­tra­hiert mit viel sprö­dem, tro­cke­nen Tan­nin.90
Tenuta La FugaSau­be­re Frucht, mitt­le­rer Kör­per, gute Balan­ce: Gro­ße Emo­tio­nen löst der Wein aber nicht aus.90
Ucce­lie­raGute Struk­tur, aber nicht ganz so über­zeu­gend wie die letz­ten Jah­re, es fehlt ein wenig an inne­rer Dif­fe­ren­zie­rung und Straff­heit.90
Val di SugaGut struk­tu­rier­ter Bru­nel­lo mit fei­ner aus­drucks­vol­ler Frucht, aller­dings auch mit etwas kno­chi­gem, tro­cke­nen Tan­nin.90
La Toga­ta dei Toga­taKräf­tig, gut struk­tu­riert, nicht ohne Schliff: guter, saf­ti­ger Wein mit Poten­zi­al.90
Capan­naMode­ra­te Fül­le, dafür sehr saf­tig und aus­drucks­voll, rus­ti­ka­ler Charme.90
Capar­zoMit­tel­kräf­ti­ger, geschmei­di­ger Bru­nel­lo mit leben­di­ger Frucht und mode­ra­tem Tan­nin, mit siche­rer Hand gemacht.90
Cas­tel­lo Romi­to­rioFest, sta­bil, saf­tig mit gutem Tan­nin­ge­rüst, Wei­ne mit Zukunft.90
Pog­gio Il Cas­tel­la­reRespek­ta­bler, kraft­vol­ler Wein mit klar defi­nier­ter Frucht, ein­deu­tig und auf den Punkt gebracht.90
Cup­a­noHoch­kon­zen­triert, mäch­tig, von fast unbän­di­ger Kraft, im Inne­ren nicht ganz prä­zi­se, klei­ne Unsau­ber­kei­ten.90
Dona­tel­la Cinel­li Colom­bi­niDicht, dun­kel, wild und noch etwas unge­ord­net, aber vol­ler Saft und Kraft, ins­ge­samt sehr respek­ta­bel.90
Fan­tiWie immer sehr dunk­ler Wein mit geschlif­fe­ne­ner Frucht, sehr ele­gant, aber etwas leicht gera­ten.90
FattoiKräf­ti­ger, fast mus­ku­lö­ser Wein, saf­tig, leben­dig, aus­drucks­voll – aber sicher kein Lang­läu­fer.90
Fuli­gniGut gemach­ter, tra­di­tio­nel­ler Bru­nel­lo, rela­tiv hell in der Fabre, mitt­le­re Struk­tur, in sich stim­mig.90
La Ger­laSchö­ne wil­de Sangiovese-Frucht, gesun­des, mode­ra­tes Tan­nin: gelun­ge­ner, wenn­gleich nicht spek­ta­ku­lä­rer Bru­nel­lo.90
Lam­bar­diStren­ger, ver­schlos­se­ner Bru­nel­lo von mode­ra­ter Fül­le, etwas rus­ti­kal.89
Mastro­jan­niSchon auf­ge­hellt am Rand und ziem­lich reif schon: Kaffee- und Frucht­no­ten, mal­zi­ge Süße, heu­te ein Genuss. Aber mor­gen?89
Vil­la Pog­gio Sal­viOrdent­li­cher, aber doch ziem­lich unspek­ta­ku­lä­rer Bru­nel­lo.89
Tenuta Frig­gia­liEher schlan­ker Bru­nel­lo mit sau­be­rer, leben­di­ger Frucht, fei­ner Säu­re, zar­tem Tan­nin: pro­fi­tiert von der küh­len Lage.89
Argia­noRela­tiv dun­kel mit saf­ti­ger, rei­fer Frucht, mitt­le­re Tan­n­in­struk­tur, gute Län­ge: fei­ner Wein, aber ohne gro­ße Höhe­punk­te.89
Tenuta Com­mu­na­li (Bar­to­lo Gius­ti)Bäu­er­lich streng, aber kräf­tig mit sau­be­rer, fri­scher Frucht, fei­ner Säu­re, kan­ti­ger Län­ge: eigen­wil­lig, aber gut.89
Bru­nel­liSoli­der Bru­nel­lo ohne Exzes­se im Posi­ti­ven wie Nega­ti­ven, mitt­le­rer Kör­per, schon antrink­bar.89
Can­ne­taWil­der, etwas unge­ord­net wir­ken­der Bru­nel­lo mit stren­gen, ani­ma­li­schen Aro­men, aber guter Sub­stanz.89
Fer­re­roDicht, dun­kel, fest gefügt mit vie­len bal­sa­mi­schen Noten, aro­ma­tisch aller­dings sehr spe­zi­ell.89

2011 Brunello di Montalcino 88 Punkte und weniger


WeinBeschrei­bungPunk­te
Pia­n­cornel­loSpielerisch-leichter Wein, schön zu trin­ken, aber ziem­lich ein­di­men­sio­nal.88
Quer­ce Bet­ti­naSehr schlank gera­te­ner Bru­nel­lo, lei­der über­par­fü­miert mit Veilchen- und Flie­der­duft.88
QuercechhioSaf­tig, mit­tel­ge­wich­tig, brav.88
Ses­tiSchon auf­ge­hellt, sehr reif, wenig Zukunft.88
Tenuta Buon Tem­poSau­ber und soli­de, aber nicht mehr: unspek­ta­ku­lä­rer Bru­nel­lo eines klei­nen, in ame­ri­ka­ni­scher Hand befind­li­chen Wein­guts.88
Tor­ne­siSoli­de, aber glanz­lo­se Stan­dard­qua­li­tät.88
Bar­bi “Vigna del Fio­re”Rela­tiv dich­ter und gut struk­tu­rier­ter Wein, aller­dings jetzt schon mit oran­ge­nem Rand, es fehlt Fri­sche und Balan­ce.88
Can­ti­na di Mon­tal­ci­no “Da Vin­ci”Mitt­le­rer Kör­per, gute Kon­zen­tra­ti­on, rei­fe Bee­re, aber leich­ter Man­gel an Fri­sche.88
Casisa­noDurch Neu­holz abge­sof­te­ter und auf­ge­pepp­ter Wein des Vero­ne­ser Amarone-Produzenten Tom­ma­si, in Wirk­lich­keit ziem­lich ein­di­men­sio­nal.88
Col d’OrciaHell­far­big am Rand, steht aber noch fest im Glas: Bru­nel­lo zum frü­hen Genuss.88
Il PinoJetzt schon oran­ge­ner Rand: Höhe­punkt erreicht, schnell trin­ken.88
Pini­noOrdent­li­cher, mit­tel­ge­wich­ti­ger Bru­nel­lo mit sau­be­rer Frucht und gut­mü­ti­gem Tan­nin, aber wenig Fein­heit.87
Tenuta di Ses­taHerz­haft und ein­fach: ein Bru­nel­lo ohne Fehl und Tadel, aber völ­lig glanz­los.87
Tiez­zi “Vigna Soc­cor­so”Etwas rei­fer und kom­ple­xer als der Standard-Brunello, aber kaum bes­ser.87
La Toga­ta “Secon­da Stel­la a Des­tra”Flau, rus­ti­kal, bie­der.87
Bar­biHar­tes Tan­nin, rei­fe Frucht, unschar­fes Pro­fil: bes­ser schnell trin­ken!87
Camiglia­noLieb­lo­ser Wein, wenig Emo­tio­nen aus­lö­send, glanz­lo­ser Stan­dard.87
Capan­ne Ric­ciFlat­te­ri­ger Bru­nel­lo ohne inne­ren Halt, wenig Hoff­nung für die Zukunft.87
Car­pi­ne­toMini­mal­stan­dard gera­de erreicht.87
Pian del­la Vig­neUnfrisch schon in der Nase, auf der Zun­ge streng mit grü­nen Noten, unaus­ge­wo­gen: kein Ruh­mes­blatt für Antin­o­ri.86
Tiez­ziEin­fach, bie­der, belang­los.86
La Toga­taLocker gewo­ben, schwam­mi­ge Frucht, fla­che Säu­re, Man­gel an Fri­sche.86
Cas­tel­lo Ban­fi “Pog­gio alle Mura”Etwas unge­ord­ne­ter Bru­nel­lo, undeut­li­che Frucht, fla­che Säu­re, gut struk­tu­riert, aber aus­ein­an­derr­stre­bend.86
Can­ti­na di Mon­tal­ci­noSchlank bis mager: ent­täu­schen­der Wein aus der Genos­sen­schaft von Mon­tal­ci­no.86
Casa­nuo­va del­le Cer­baieBana­ler Wein, plät­schert ziel­los über den Gau­men.86
La For­tu­naBie­der, lang­wei­lig, lust­los.86
Pode­re Cana­pac­ciaGrü­nes Tan­nin und merk­wür­dig vanil­li­ge Frucht, unba­lan­ciert, unprä­zi­se, ent­täu­schend.85
La Toga­ta “Caril­lon”Hell­far­big, dünn, kno­chig, kei­ne Zukunft: wenig Ver­gnü­gen.85
La MagiaUnprä­zi­se, aus­ein­an­der­stre­bend, ohne Fein­heit.85
Pic­ci­ni – Vil­la al Cor­ti­leOran­ge­ner Rand, müde Frucht, ohne Saft und Kraft, schon jetzt am Ende.84
Cas­tel­lo Ban­fiBräun­lich in der Far­be, dünn, völ­lig span­nungs­los: trau­ri­ger Bru­nel­lo (…und davon 580.000 Fla­schen pro­du­ziert!).84
Gian­ni Bru­nel­li – Le Chi­u­se di Sot­toSchlaff, kraft­los, depri­mie­rend.84
Über den Autor
Jens Priewe

Jens Priewe hat vie­le Jah­re als Politik- und Wirt­schafts­jour­na­list gear­bei­tet, bevor er auf das The­ma Wein umsat­tel­te. Er schreibt Kolum­nen für den Fein­schme­cker und für das schwei­ze­ri­sche Wein­ma­ga­zin Mer­um. Für den Wein­ken­ner, deren Gesell­schaf­ter er ist, hat er seit der Grün­dung über 200 Arti­kel bei­gesteu­ert. Außer­dem ist er Ver­fas­ser meh­re­rer erfolg­rei­cher Wein­bü­cher (u. a. „Wein – die gros­se Schu­le“, „Grund­kurs Wein“). Er stammt aus Schleswig-Holstein, lebt aber seit fast 40 Jah­ren in Mün­chen.

5 Kommentare

    • Er meint das “in” vor der Jah­res­zahl. Das ist kein rich­ti­ges Deutsch. Rich­tig ist ent­we­der nur die Jah­res­zahl, oder z.B. “im Jahr 2010”. Auch “aus” vor einer Jah­res­zahl wäre falsch. Das müss­te man durch “von” erset­zen (z.B. “eine Fla­sche von 2010”) oder auch “Jahr” ein­fü­gen (z.B. “eine Fla­sche aus dem Jahr 2010”).

  • Noch mehr von die­sen blö­den Angli­zis­men? Hier:
    “Unter­schiede wie in 2011” und “miss­ra­tene Bru­nel­lo es in 2011 gibt.”
    Genau so pein­lich:
    “die höchst bewer­testen Güter” oder “liegt aller­dings uf der Hand” oder “die das Ban­ner des Bru­nel­lo di Montal­cino in den letz­ten Jah­ren hoch gehal­ten habe”.

    Alf Becker

  • Gute Güte, kann der Autor denn nicht BITTE die­se däm­li­chen Angli­zis­men (“Die Lese begann in 2011” und “Ban­fi, Argia­no, Col d’Orcia ver­mö­gen in 2011”) sein las­sen?
    Dan­ke schon mal im Vor­aus
    Alf Becker

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