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Franken-Dämmerung: Schon wieder brillante GG 2015

Stefan Krimm, Frankenwein-Kenner, hat die Großen Gewächse (GG) des Jahr­gangs 2015 probiert. Die meisten sind noch sehr verschlossen. Aber soviel scheint fest­zu­stehen: Nach 2014 haben die Franken einen weiteren großen Jahr­gang in der Flasche.

Stefan Krimm, Frankenwein-Kenner, hat die Großen Gewächse (GG) des Jahr­gangs 2015 probiert. Die meisten sind noch sehr verschlossen. Aber soviel scheint fest­zu­stehen: Nach 2014 haben die Franken einen weiteren großen Jahr­gang in der Flasche.

Vorpremiere im Würzburger Juliusspital
Vorpre­miere im Würz­burger Juli­us­spital

In Würz­burg wurden nun am 29. August im Juli­us­spital die 2015er Weiß­weine der Kate­gorie „Große Gewächse“ vorge­stellt. Sie sind ab 1. September im Handel. Die von Karl Schmitt aus Rand­er­sa­cker, dem Alters- und Ehren­prä­si­denten des frän­ki­schen Able­gers des Verbands Deut­scher Prädi­kats­wein­güter (VDP), profes­sio­nell orga­ni­sierte Verkos­tung weckte im Hinblick auf die Vorschuss­lor­beeren für den Jahr­gang große Erwar­tungen. Paul Fürst, jetziger VDP-Präsident, bilan­ziert: „Für die  Weine des Fran­ken­lands ist der Jahr­gang 2015 ein wahres Geschenk der Natur. Nach einem heißen trockenen Sommer halfen die kühlen Nächte ab Ende August mit weiterer trockener Herbst­wit­te­rung für einen schönen lang­samen Reife­ver­lauf. Wir hatten also volle Reife bei nicht zu nied­riger Säure, und diese Kombi­na­tion sorgte für ausge­wo­gene Inhalts­stoffe.“

Ist diesmal der Riesling der Gewinner?

Robert Haller, der Direktor des Würz­burger Bürger­spital zum Heiligen Geist, sieht das nicht anders: „Der Jahr­gang 2015 war aus meiner Sicht ein Glücks­fall. Der Sommer bot monat­lich neue Hitze­re­korde. Diese brachte in einigen Berei­chen für die Reben durchaus Trocken­stress mit sich. Die opti­male Regen­menge ab Mitte August bis über die Ernte hinaus bescherte uns eine Turbo-Lese mit einer hohen Reife und – durch die kühlen Nächte – einer sehr feinen Aroma­aus­bil­dung und Säure­struktur. Deshalb ist der Jahr­gang keines­wegs mit anderen heißen Jahr­gängen wie 2003 vergleichbar. Der Gewinner des Jahr­gangs ist aus meiner Sicht der Ries­ling. Nicht etwa, dass die 2015er Silvaner hinten anstehen, aber nach eher mühsamen Jahren für den Ries­ling kommt ihm die feine Aromatik und Säure­struktur 2015 voll zu Gute. Die Weine sind einfach bril­lant!“

Trotz hoher Temperaturen ein säurereicher Jahrgang

Weltner Hoheleite
Weltner Hohe­leite

Die gleiche Einschät­zung am Stei­ger­wald, wenn­gleich Paul Weltner aus Rödelsee betont, dass der hoch­ge­lobte Jahr­gang wegen der hohen Tempe­ra­turen und der lange anhal­tenden Trocken­heit so einfach nicht war: „Über das Durch­hal­te­ver­mögen unserer Anlagen bei der Trocken­heit und Hitze waren wir selbst erstaunt. Aber ohne den durch­drin­genden Regen mit 30 Litern Ende August, hätten wir sicher nicht die Ergeb­nisse, die jetzt allen Freude bereiten. Trotz der Gesund­heit, mussten wir in so einem Jahr die Über­reife und die Säure bei der Lese genau im Auge behalten. Wer dies getan hat, hat eine schöne kühle Mine­ra­lität und eine kräf­tige Säure ohne über­mä­ßigen Alkohol erhalten und konnte die Breite vermeiden. Das gilt beson­ders für den Ries­ling, der am Schluss von einer Aufkon­zen­trie­rung durch die Beeren­haut profi­tiert hat. So haben wir 2015 Ries­linge mit 9 bis 10 Gramm Säure ernten dürfen.“

Nicht nur ein wirtschaftlicher Erfolg

Nach dem großen Jahr­gang 2014 nun ein weiterer Jahr­gang, für den das Adjektiv „groß“ passen könnte. Dabei war den Großen Gewächsen in Franken nicht von Beginn an Erfolg beschieden. Anfangs wurden sie als reines Marketing-Instrument (miss)verstanden. Angeb­lich wolle man mit ihnen nur testen, wie weit man bei der Preis­ent­wick­lung nach oben gehen kann. Vergli­chen mit Frank­reich und Italien bekam der Konsu­ment deut­sche Spit­zen­weine nämlich sehr lange außer­or­dent­lich günstig. Aber eine Redu­zie­rung nur auf diesen Aspekt greift zu kurz, das räumen mitt­ler­weile auch ursprüng­liche Skep­tiker ein. Zudem hat es Quali­täten, wie sie das GG sie heute bietet, vorher gar nicht gegeben in Deutsch­land.


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