Franken-Dämmerung: Schon wieder brillante GG 2015

Sep 042016

Ste­fan Krimm, Frankenwein-Kenner, hat die Gro­ßen Gewächse (GG) des Jahr­gangs 2015 pro­biert. Die meis­ten sind noch sehr ver­schlos­sen. Aber soviel scheint fest­zu­ste­hen: Nach 2014 haben die Fran­ken einen wei­te­ren gro­ßen Jahr­gang in der Flasche.

Vorpremiere im Würzburger Juliusspital

Vor­pre­miere im Würz­bur­ger Juliusspital

In Würz­burg wur­den nun am 29. August im Juli­us­spi­tal die 2015er Weiß­weine der Kate­go­rie „Große Gewächse“ vor­ge­stellt. Sie sind ab 1. Sep­tem­ber im Han­del. Die von Karl Schmitt aus Rand­er­sa­cker, dem Alters- und Ehren­prä­si­den­ten des frän­ki­schen Able­gers des Ver­bands Deut­scher Prä­di­kats­wein­gü­ter (VDP), pro­fes­sio­nell orga­ni­sierte Ver­kos­tung weckte im Hin­blick auf die Vor­schuss­lor­bee­ren für den Jahr­gang große Erwar­tun­gen. Paul Fürst, jet­zi­ger VDP-Präsident, bilan­ziert: „Für die  Weine des Fran­ken­lands ist der Jahr­gang 2015 ein wah­res Geschenk der Natur. Nach einem hei­ßen tro­cke­nen Som­mer hal­fen die küh­len Nächte ab Ende August mit wei­te­rer tro­cke­ner Herbst­wit­te­rung für einen schö­nen lang­sa­men Rei­fe­ver­lauf. Wir hat­ten also volle Reife bei nicht zu nied­ri­ger Säure, und diese Kom­bi­na­tion sorgte für aus­ge­wo­gene Inhaltsstoffe.“

Ist dies­mal der Ries­ling der Gewinner?

Robert Hal­ler, der Direk­tor des Würz­bur­ger Bür­ger­spi­tal zum Hei­li­gen Geist, sieht das nicht anders: „Der Jahr­gang 2015 war aus mei­ner Sicht ein Glücks­fall. Der Som­mer bot monat­lich neue Hit­ze­re­korde. Diese brachte in eini­gen Berei­chen für die Reben durch­aus Tro­cken­stress mit sich. Die opti­male Regen­menge ab Mitte August bis über die Ernte hin­aus bescherte uns eine Turbo-Lese mit einer hohen Reife und – durch die küh­len Nächte – einer sehr fei­nen Aro­ma­aus­bil­dung und Säu­re­struk­tur. Des­halb ist der Jahr­gang kei­nes­wegs mit ande­ren hei­ßen Jahr­gän­gen wie 2003 ver­gleich­bar. Der Gewin­ner des Jahr­gangs ist aus mei­ner Sicht der Ries­ling. Nicht etwa, dass die 2015er Sil­va­ner hin­ten anste­hen, aber nach eher müh­sa­men Jah­ren für den Ries­ling kommt ihm die feine Aro­ma­tik und Säu­re­struk­tur 2015 voll zu Gute. Die Weine sind ein­fach brillant!“

Trotz hoher Tem­pe­ra­tu­ren ein säu­re­rei­cher Jahrgang

Weltner Hoheleite

Welt­ner Hoheleite

Die glei­che Ein­schät­zung am Stei­ger­wald, wenn­gleich Paul Welt­ner aus Rödel­see betont, dass der hoch­ge­lobte Jahr­gang wegen der hohen Tem­pe­ra­tu­ren und der lange anhal­ten­den Tro­cken­heit so ein­fach nicht war: „Über das Durch­hal­te­ver­mö­gen unse­rer Anla­gen bei der Tro­cken­heit und Hitze waren wir selbst erstaunt. Aber ohne den durch­drin­gen­den Regen mit 30 Litern Ende August, hät­ten wir sicher nicht die Ergeb­nisse, die jetzt allen Freude berei­ten. Trotz der Gesund­heit, muss­ten wir in so einem Jahr die Über­reife und die Säure bei der Lese genau im Auge behal­ten. Wer dies getan hat, hat eine schöne kühle Mine­ra­li­tät und eine kräf­tige Säure ohne über­mä­ßi­gen Alko­hol erhal­ten und konnte die Breite ver­mei­den. Das gilt beson­ders für den Ries­ling, der am Schluss von einer Auf­kon­zen­trie­rung durch die Bee­ren­haut pro­fi­tiert hat. So haben wir 2015 Ries­linge mit 9 bis 10 Gramm Säure ern­ten dürfen.“

Nicht nur ein wirt­schaft­li­cher Erfolg

Nach dem gro­ßen Jahr­gang 2014 nun ein wei­te­rer Jahr­gang, für den das Adjek­tiv „groß“ pas­sen könnte. Dabei war den Gro­ßen Gewäch­sen in Fran­ken nicht von Beginn an Erfolg beschie­den. Anfangs wur­den sie als rei­nes Marketing-Instrument (miss)verstanden. Angeb­lich wolle man mit ihnen nur tes­ten, wie weit man bei der Preis­ent­wick­lung nach oben gehen kann. Ver­gli­chen mit Frank­reich und Ita­lien bekam der Kon­su­ment deut­sche Spit­zen­weine näm­lich sehr lange außer­or­dent­lich güns­tig. Aber eine Redu­zie­rung nur auf die­sen Aspekt greift zu kurz, das räu­men mitt­ler­weile auch ursprüng­li­che Skep­ti­ker ein. Zudem hat es Qua­li­tä­ten, wie sie das GG sie heute bie­tet, vor­her gar nicht gege­ben in Deutschland.


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