Masseto-Vertikale: einmal Himmel und zurück

Der Masseto ist der teuerste Wein Italiens. Über 500 Euro zahlen Liebhaber für eine Flasche des Merlot von der toskanischen Mittelmeerküste. Hält der Wein, was der Preis verheißt? Jens Priewe hat 17 Jahrgänge verkostet.

Alpi­na, der deut­sche Haupt­im­por­teur die­ses Weins aus dem baye­ri­schen Buch­loe, hat­te Ende Okto­ber letz­ten Jah­res zu einer gro­ßen Ver­ti­ka­le des Mas­se­to nach Mün­chen gela­den. Gekom­men waren renom­mier­te Gas­tro­no­men, wich­ti­ge Kun­den und ein paar Jour­na­lis­ten. Teil­wei­se waren die Gäs­te sogar aus Eng­land ein­ge­schwebt. Eine Masseto-Probe die­ser Grö­ße gibt es nicht alle Tage, schon gar nicht, wenn alle Wei­ne aus der Magn­um­fla­sche ein­ge­schenkt wer­den. Natür­lich waren auch Alex­an­dra Bel­son, Marketing-Direktorin des Wein­guts, und Che­fö­no­lo­ge Axel Heinz gekom­men. Bob­by Bräu­er, 2-Sterne-Koch aus dem „Ess­Zim­mer“ in der BMW-Welt, beglei­te­te die Pro­be mit einem viel­gän­gi­gen Menu.

Masseto – ein mediterraner Merlot

Die Wei­ne waren durch die Bank groß­ar­tig, auch die aus den soge­nann­ten klei­nen Jah­ren: kon­zen­trier­te, dicht gewo­be­ne Wei­ne mit schö­nen Tex­tu­ren, die sich auf der Fla­sche stark ver­fei­nert hat­ten und sich auch nach 15 und mehr Jah­ren durch gro­ße Fri­sche aus­zeich­ne­ten.

Rein­sor­ti­ge Mer­lots die­ser Klas­se gibt es nicht vie­le auf der Welt, wobei der Hin­weis nicht feh­len darf, dass der Mas­se­to von medi­ter­ra­nem Kli­ma geprägt ist. Er ist wei­cher, saf­ti­ger, süßer als die Wei­ne aus Pome­rol, die im atlantisch-kontinentalen Kli­ma­be­reich wach­sen und eine ande­re Sti­lis­tik auf­wei­sen. Müss­te man ein Fazit der Pro­be zie­hen, so lau­te­te es: ein­mal Him­mel und zurück.

Nur fünf Kilometer vom Meer entfernt

Masseto-Lese
Masseto-Lese

Eini­ge Infor­ma­tio­nen zum Mas­se­to. Der Wein kommt aus Bolg­he­ri, also jener Appel­la­ti­on, die durch den Sas­si­ca­ia berühmt gewor­den ist. Weil er aus­schließ­lich aus Mer­lot gekel­tert ist, darf er nicht aus Bolg­he­ri DOC oder Bolg­he­ri Supe­rio­re DOC auf den Markt kom­men, son­dern nur als ein­fa­cher Ros­so Tos­ca­na IGT (Land­wein). Der Name Mas­se­to steht für eine 6,63 Hekt­ar gro­ße, abge­grenz­te  Wein­bergs­la­ge, die zur Tenuta dell’Ornellaia gehört. Sie liegt auf etwa 120 Meter Mee­res­hö­he und nur fünf Kilo­me­ter von den Strän­den Dono­ra­ti­cos ent­fernt. Die Böden der Lage bestehen aus Sand und Kies sowie aus blau­em Lehm. Er sorgt dafür, dass die Nie­der­schlä­ge nicht durch­si­ckern, son­dern gespei­chert wer­den. Bolg­he­ri lei­det im Som­mer oft unter Tro­cken­heit.

Nur 30.000 Flaschen gibt es von dem Wein

Der ers­te Mas­se­to wur­de 1986 noch als Mer­lot dell’Ornellaia eti­ket­tiert. Erst ab 1987 nann­te sich der Wein offi­zi­ell Mas­se­to. Er wur­de von Anfang an bis heu­te völ­lig aus der Pro­duk­ti­on von Ornel­l­a­ia aus­ge­glie­dert und reift in einem eige­nen Kel­ler (im Herbst 2018 wird ein völ­lig neu­er, sepa­ra­ter Kel­ler für den Mas­se­to eröff­net). Die Trau­ben wer­den in klei­nen, 15 Kilo­gramm fas­sen­den Kist­chen von Hand gele­sen, die Mai­sche teils im Edel­stahl, teils in gro­ßen höl­zer­nen Cuves ver­go­ren. Anschlie­ßend folgt eine 24-monatige Rei­fung in Bar­ri­ques (100% neu) und ein ein­jäh­ri­ges Fla­schen­la­ger. Durch­schnitt­lich wer­den 30.000 Fla­schen Mas­se­to erzeugt.

Axel Heinz: „Ein Wein für Kenner“

Chef-Önologe Axel Heinz
Chef-Önologe Axel Heinz

Ver­ant­wort­lich sowohl für die Ornellaia-Weine als auch für den Mas­se­to ist Axel Heinz, ein gebür­ti­ger Mün­che­ner, der in Bor­deaux Öno­lo­gie stu­diert und auf meh­re­ren Châ­teaux gear­bei­tet hat, bevor er 2005 in die Tos­ka­na kam. Er hat die Mün­che­ner Ver­ti­ka­le kom­men­tiert. „Wir arbei­ten beim Mas­se­to mit hohem Auf­wand, um den best­mög­li­chen Wein zu bekom­men“, erklär­te er. „Des­halb ist es uns ein Anlie­gen, dass die Wei­ne von Leu­ten getrun­ken wer­den, die den Wein zu schät­zen wis­sen, und nicht von Leu­ten, die ihn wegen des hohen Prei­ses kau­fen und dann lie­gen las­sen in der Erwar­tung, dass der Preis wei­ter steigt.“

Lesen Sie auf den fol­gen­den Sei­ten mei­ne per­sön­li­chen Ein­drü­cke von den ver­schie­de­nen Jahr­gän­gen die­ses Weins.  Die Wei­ne einer Mini-Vertikale, die ich selbst im Rah­men des Rare Bot­t­le Sharing im Janu­ar 2018 orga­ni­siert hat­te, habe ich ein­ge­ar­bei­tet.

Die Jahrgänge


2015-2014-2013-2011
2010-2008-2007-2006
2004-2002-2001-1998-1997
1996-1995-1990-1989


Masseto – Jahrgänge 2015-2014-2013-2011


2015 Masseto (Fassprobe)

Der 2015er könn­te in die Anna­len des Mas­se­to ein­ge­hen: ein dunk­ler, irre kom­ple­xer Wein, der noch im Fass liegt und von toastig-röstigen Noten mas­kiert ist. Der Som­mer 2015 war tro­cken und heiß, der Sep­tem­ber hin­ge­gen kühl, so dass die­ser Mas­se­to einen gro­ßen Span­nungs­bo­gen besitzt und eine vibrie­ren­de Fri­sche auf­weist. Ein sehr balan­ciert wir­ken­der Wein mit Mas­sen von süßem, kon­zen­trier­tem Tan­nin, das per­fekt ver­schmol­zen ist. „Future legen­da­ry vin­ta­ge“ meint Axel Heinz. Er könn­te Recht haben.

Bewer­tung: 97-99 Punk­te


2014 Masseto

Eher schlank gera­ten und im Moment sprö­de und abwei­send, jeden­falls ohne Süße, ohne Schmelz, ohne jede Ara­bes­ke. „Nicht der größ­te aller Jahr­gän­ge“, gibt Axel Heinz unum­wun­den zu (kal­ter, reg­ne­ri­scher August und feuch­ter Sep­tem­ber). Durch lan­ges Aus­rei­fen (Lese­en­de: 5. Okto­ber) und stren­ges Ver­le­sen gelang es, eine klei­ne Men­ge rei­fer, gesun­der Trau­ben ein­zu­kel­lern: Bou­quet noch unspe­zi­fisch mit beschei­de­nen Noten von Kaf­fee und Toast, wenig Frucht. Das toughe Tan­nin, fein­kör­nig und dicht, gibt Anlass zur Hoff­nung, dass der Wein nach fünf oder zehn Jah­ren „genuss­be­reit“ sein könn­te.

Bewer­tung: 93 Punk­te
Bezug: www.silkes-weinkeller.de, www.moevenpick-wein.de


2013 Masseto

Spä­ter Aus­trieb, spä­te Blü­te, spä­te Lese – so könn­te man den Jahr­gang 2013 cha­rak­te­ri­sie­ren. Für den Mas­se­to heißt das: Die Trau­ben konn­ten voll aus­rei­fen. Mehr noch: durch die gro­ßen Tem­pe­ra­tur­sprün­ge im Sep­tem­ber zwi­schen Tag und Nacht besitzt der Wein eine außer­or­dent­li­che Fri­sche, die sich schon im jun­gen Sta­di­um bemerk­bar macht durch blu­mi­ge Veilchen- und Schwarze-Johannisbeer-Aromen sowie durch die fri­sche Säu­re. Sei­di­ges, süßes Tan­nin, dicht gewo­ben, kraft­voll und kon­zen­triert am Gau­men mit fei­nen Scho­ko­la­den­no­ten – ein lang­le­bi­ger und am Ende mit Sicher­heit gro­ßer Mas­se­to.

Bewer­tung: 96 Punk­te
Bezug: www.vinexus.dewww.amazon.de 


2011 Masseto

Baro­cker Wein für Schwe­re­trin­ker, schon jetzt anzie­hend, warm, sexy. Allein die üppi­ge, kalei­do­sko­par­ti­ge Frucht wird den arg­lo­sen Wein­trin­ker vom Hocker hau­en. Das warm-heiße Jahr 2011 ist in Bolg­he­ri jedoch nicht als „gro­ßes“ in die Anna­len ein­ge­gan­gen. Vie­len Wei­nen fehlt die rech­te Balan­ce. Auch der Mas­se­to hat mehr Alko­hol und weni­ger Säu­re als nor­mal. Durch die expo­nier­te Lage des Wein­bergs haben die küh­len Mee­res­bri­sen jedoch ver­hin­dert, dass es zu Über­rei­fe und Mar­me­la­den­tö­nen kommt – die frü­hes­te Lese aller Zei­ten (Beginn: Ende August) eben­falls. Im Gegen­teil: Die Frucht ist bei aller Üppig­keit frisch und kna­ckig, das Tan­nin sam­tig und reif, die Wür­ze eben­so von der Sal­zig­keit des Mee­res wie von Pini­en, Lor­beer, Nel­ken geprägt. Ein Blitz-und-Donner-Wein, ohne den erfri­schen­den Regen hin­ter­her. Die 100 Punk­te, die James Suck­ling die­sem Wein zuspricht, sind wahr­schein­lich der momen­ta­nen Begeis­te­rung geschul­det. Mit fünf Punk­ten weni­ger wäre er immer noch sehr kor­rekt bewer­tet.

Bewer­tung: 94 Punk­te
Bes­zug: www.vinexus.dewww.moevenpick-wein.de


Masseto – Jahrgänge 2010-2008-2007-2006


2010 Masseto

Mus­ku­lö­ser Wein, der weni­ger durch Opu­lenz als durch Kraft und Straff­heit über­zeugt. Der­zeit noch ver­schlos­sen, ent­spre­chend karg in Nase und am Gau­men. Axel Heinz sagt: „Nicht so flam­boyant wie 2007 und 2006.“ Stimmt. Hin­ter dem mas­si­ven Tan­nin ver­ber­gen sich jedoch ele­gan­te Noten, die jetzt schon spür­bar sind und zei­gen, dass 2010 ein eher klas­si­scher Jahr­gang ist, der lan­ge braucht, um sich zu ent­wi­ckeln, am Ende aber einen hoch­fei­nen, ja gro­ßen Wein her­vor­brin­gen könn­te.

Bewer­tung: 96 Punk­te
Bezug: www.xtrawine.comwww.amazon.de 


2008 Masseto

Einer der kon­zen­trier­tes­ten Mas­se­to der letz­ten Jah­re: ein kom­pak­ter, span­nungs­rei­cher Wein mit Power, Tie­fe, Tex­tur. Sehr war­mer Jahr­gang, der die nöti­ge Üppig­keit mit­bringt, aber nicht zu Über­rei­fe der Trau­ben geführt hat. Der Wein prä­sen­tiert sich mit viel fri­schem Cas­sis und Brom­beer­ge­lee in der Nase, unter­legt mit Salz­la­kritz und Kräu­ter­no­ten, dazu der übli­che Hauch von dunk­ler Scho­ko­la­de und rös­ti­gem Eichen­holz. Im Moment rela­tiv offen und antrink­bar, was aber nichts dar­an ändert, dass er für ein lan­ges Leben „gebaut“ ist. Die meis­ten Kri­ti­ker fei­ern den 2008er Mas­se­to enthu­si­as­tisch – ich bin dabei.

Bewer­tung: 96 Punk­te
Bezug: www.vinexus.de, www.amazon.de 


2007 Masseto

Der Mas­se­to die­ses Jahr­gangs besitzt Opu­lenz und Struk­tur zugleich und prunkt mit Wer­ten wie Ele­ganz und Fri­sche (an der Küs­te war 2007 ein küh­ler Jahr­gang): inten­si­ve rote und dunk­le Früch­te in der Nase, rei­che Aro­ma­fül­le am Gau­men mit Noten von Kakao, Gewürz­kräu­tern, Gra­phit und brau­nem Zucker, das Gan­ze geädert von einer fei­nen Säu­re und zusam­men­ge­hal­ten durch ein fes­tes Tann­in­kor­sett. Ein extrem kon­zen­trier­ter Wein, reich, sinn­lich, fabel­haft. Ich stel­le den Wein über den 2008er, aber nicht unter den 2006er. Axel Heinz, der Öno­lo­ge, ist etwas reser­vier­ter als ich.

Bewer­tung: 97 Punk­te
Bezug: www.amazon.de 


2006 Masseto

Mit 700 Euro auf­wärts auf dem Sekun­där­markt einer der teu­ers­ten unter den jun­gen Mas­se­to – ein Spie­gel­bild der Bewer­tun­gen der Kri­ti­ker. Bei Par­kers Italien-Verkosterin Moni­ca Lar­ner hat er 100 Punk­te bekom­men, die meis­ten ande­ren Kri­ti­ker lie­gen nicht weit dar­un­ter. Sie rüh­men die Opu­lenz, die prä­zi­se Frucht, das kasch­mir­wei­che Tan­nin, die scho­ko­la­di­ge Süße, die per­fek­te Balan­ce zwi­schen Extrakt, Frucht, Kör­per und Alko­hol. Alles rich­tig. Aber der Wein ist auch mäch­tig, ja sät­ti­gend. Er geht sehr in die Brei­te, ihm fehlt spie­le­ri­sche Ele­ganz. Schwe­re­trin­ker wer­den das nicht bedau­ern. Ich schon.

Bewer­tung: 96 Punk­te
Bezug: www.amazon.de 

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Masseto – Jahrgänge 2004-2002-2001-1998-1997


2004 Masseto

Die­sen Jahr­gang habe ich nicht beim offi­zi­el­len Masseto-Tasting ver­kos­tet, son­dern zwei­ein­halb Mona­te spä­ter bei mei­nem eige­nen Rare Bot­t­le Sharing. Auf den ers­ten Schluck ein zurück­hal­ten­der, unauf­fäl­li­ger Wein, der im Glas jedoch gewinnt und sich nach etwa einer hal­ben Stun­de gera­de­zu schul­buch­mä­ßig prä­sen­tiert: nicht über­mä­ßig reich, aber fest und gut geer­det, fri­sche Frucht, leicht ledrig-mineralische Note, viel­schich­tig, tief mit punkt­ge­nau­er Lan­dung am Gau­men. Ein unauf­ge­reg­ter Wein ohne Impo­nier­ge­ha­be und Mus­kel­spiel, stil­le Schön­heit.

Bewer­tung: 95 Punk­te


2002 Masseto

Wer weiß, welch schlech­ten Leu­mund der Jahr­gang 2002 hat, wird die­sen Wein umso enthu­si­as­ti­scher genie­ßen. Von allen zehn Jahr­gän­gen, die ich pro­bie­ren könn­te, war­te­te die­ser mit den größ­ten Über­ra­schun­gen auf. Zunächst: sehr dunk­le Far­be, dunk­ler sogar als 2004 und 2006. In der Nase hoch­kom­plex mit vie­len Cassis-Noten und Tro­cken­früch­ten, dahin­ter schwar­zer Pfef­fer und ein Hauch Alba-Trüffel. Kei­ne grü­nen Noten, kein gra­si­ges Aro­ma, kein Stall­ge­ruch, wie ande­re Kri­ti­ker geschrie­ben haben. Im Gegen­teil: fes­tes, teil­wei­se noch unauf­ge­schlos­se­nes Tan­nin, zar­te Extrakt­sü­ße, ein Füll­horn medi­ter­ra­ner Würz­kräu­ter, tabak­ar­ti­ge Wür­ze. Der 2002er ist der augen­blick­lich zugäng­lichs­te Mas­se­to in die­sem Jahr­tau­send. Er besitzt Charme, ist ein­neh­mend und bie­tet gro­ßes Trink­ver­gnü­gen (grö­ße­res als zum Bei­spiel der 2000er, der in die­sem Con­test nicht ser­viert wur­de), auch wenn er wit­te­rungs­be­dingt schlan­ker aus­ge­fal­len ist als bei­spiels­wei­se der 2001er.

Bewer­tung: 95 Punk­te


2001 Masseto

Der Jahr­gang 2001 ist in der Tos­ka­na ein magi­scher Jahr­gang, der die viel­leicht größ­ten Wei­ne der letz­ten 30 Jah­re her­vor­ge­bracht hat, und zwar über­all in der Tos­ka­na. Das gilt natür­lich auch für den Mas­se­to. Bis heu­te wird der 2001er als der größ­te je erzeug­te Mas­se­to bezeich­net, was sich an den Prei­sen zeigt: ab 800 Euro auf­wärts wer­den pro Fla­sche für ihn gezahlt, Ten­denz stei­gend. Nach­dem ich ihn jetzt wie­der ver­kos­ten konn­te, kann ich die­se Bewer­tung nur unter­strei­chen: ein thea­tra­li­scher, gigan­ti­scher Wein, ele­gant in dem Sin­ne, dass er die ihm inne­woh­nen­de Fül­le und Kom­ple­xi­tät den Trin­ker gar nicht spü­ren lässt. 2006, 2007, 2010, 2013 – sie alle rei­chen nicht an den 2001er her­an. Viel­leicht wird der 2015er ihn mal top­pen. Wer weiß. Das Schö­ne ist, dass sich der 2001er lang­sam öff­net. Das Spek­ta­kel beginnt, die Endor­phi­ne schie­ßen.

Bewer­tung: 98 Punk­te


1998 Masseto

Für Axel Heinz ist der 1998er der bes­te Mas­se­to der 1990er Jah­re: ein kräf­ti­ger, kon­zen­trier­ter Wein, sehr kom­pakt, span­nungs­reich, nach­hal­tig, dabei auch nach 20 Jah­ren immer noch mit extrem fri­scher Frucht. So jeden­falls prä­sen­tier­te sich die­ser Wein, der – wie alle 1998er – im Schat­ten des als groß gefei­er­ten 1997ers stand und steht. Das Urteil der Kri­ti­ker war gespal­ten. Der ita­lie­ni­sche Espresso-Weinführer bil­lig­te ihm bla­ma­ble 15,5/20 Punk­te zu, wäh­rend der Wein in den USA stol­ze 96 Punk­te erreich­te. Ich emp­fin­de den Wein als äußerst gelun­gen. Ihm fehlt nur das magi­sche Moment. Will hei­ßen: Er erobert den Kopf, aber nicht das Herz.

Bewer­tung: 95 Punk­te


1997 Masseto

Die­sen Jahr­gang habe ich sowohl auf der offi­zi­el­len Masseto-Probe im Okto­ber 2017 (aus der Magn­um­fla­sche) als auch Janu­ar 2018 bei der RBS-Probe (aus der Nor­mal­fla­sche) erkos­ten kön­nen. Bei­de Male war er eine Ent­täu­schung – zumin­dest gemes­sen an den hohen Erwar­tun­gen. Für vie­le Wein­trin­ker ist 1997 noch immer das Non Plus Ultra der 1990er Jah­re. Irr­tum. Das hei­ße, tro­cke­ne Jahr (Lese­be­ginn: 25. August!) hat einen mäch­ti­gen, unge­mein viel­schich­ti­gen Mas­se­to mit rei­chem Innen­le­ben her­vor­ge­bracht. Doch im Lau­fe der Jah­re hat sich gezeigt, dass die­ser Wein kei­nen Span­nungs­bo­gen hat. Ihm fehlt die Fri­sche. Er ist behä­big. In der Nase Port­weinaro­men und Scho­ko­la­de (die zwei­te Fla­sche sogar mit ers­ten Oxi­da­ti­ons­no­ten), am Gau­men unein­deu­tig, rich­tungs­los. Zuge­ge­ben: wegen sei­ner Fül­le immer noch ein beein­dru­cken­der Wein, aber auf dem abstei­gen­den Ast.

Bewer­tung: 92 Punk­te

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Masseto – Jahrgänge 1996-1995-1990-1989


1996 Masseto

Offi­zi­ell kei­ner der gro­ßen Masseto-Jahrgänge. Die weni­gen Beur­tei­lun­gen, die abge­ge­ben wur­den, sahen den Wein zwi­schen 92 und 94 Punk­ten, ein Kri­ti­ker sogar nur bei 88 Punk­ten. Ich habe den Wein zwei­mal ver­kos­tet. Die ers­te Fla­sche beim offi­zi­el­len Masseto-Tasting ent­hielt einen etwas stren­gen, rus­ti­ka­len Wein, der im Glas gefäl­li­ger wur­de und am Ende impo­nie­rend war, auch wenn 1996 sicher nicht der tan­n­in­stärks­te aller Jahr­gän­ge ist. Axel Heinz sag­te: „Ein Bau­er in sam­te­ner Wes­te“. Die zwei­te Fla­sche auf dem RBS-Tasting erwies sich als der bes­te Wein des Abends: sau­ber gereift und ohne jede Unfri­sche, dabei fül­lig, dicht, rund, leicht mal­zig und von einer raf­fi­nier­ten Süße umman­telt – ein­fach wun­der­bar zu trin­ken jetzt.

Bewer­tung: 95 Punk­te


1995 Masseto

Typi­scher old style-Wein: streng mit ani­ma­li­schen Noten, viel schwar­zer Pfef­fer, ein biss­chen „Blut und Eisen“, wie man es manch­mal bei alten Pome­rols antrifft. Gleich­zei­tig aber mit schö­ner, noch fri­scher Sauer­kirsch­frucht, Kandis-Süße, Teer. Die Mei­nun­gen über die­sen Wein gin­gen aus­ein­an­der. Die einen fan­den ihn klar bes­ser als den 1996er, die ande­ren nicht, weil doch schon leicht gezehrt. Zuge­ge­ben: Wenn Opu­lenz ein Kri­te­ri­um ist, hat der 1995er im Lau­fe der letz­ten Jah­re etwas ver­lo­ren. Aber er ist immer noch ein fabel­haf­ter, in sich stim­mi­ger Wein.

Bewer­tung: 94 Punk­te


1990 Masseto

1990 war in der Tos­ka­na ein sehr war­mes Jahr, das wuch­ti­ge und tan­nin­rei­che Rot­wei­ne her­vor­ge­bracht hat, auch in Bolg­he­ri. Der Mas­se­to aus die­sem Jahr­gang genoss von Anfang an ein hohes Anse­hen beim Han­del und bei den Kri­ti­kern. Für die letz­ten Fla­schen, die noch nicht geleert sind und noch auf dem Markt ange­bo­ten wer­den, wer­den heu­te locker 1.000 Euro und mehr gezahlt. Gerecht­fer­tigt? Ich fin­de nicht. Der Wein hat sei­nen Höhe­punkt über­schrit­ten. Er weist zwar kei­ne Unfri­schen oder gar Oxi­da­ti­ons­no­ten auf, hat aber deut­lich an Spann­kraft ver­lo­ren und prä­sen­tiert sich heu­te eher schlank als fül­lig – ein glanz­lo­ser Wein. Geblie­ben ist ein fas­zi­nie­ren­des Bou­quet, des­sen Spek­trum von Oran­gen­scha­le über Mok­ka bis zu Gelee­frucht und Teer reicht.

Bewer­tung: 89 Punk­te


1989 Masseto

Rela­tiv dün­ner, ein­di­men­sio­na­ler Wein mit her­vor­ste­hen­der Säu­re, der mich noch nie begeis­tert hat und der durch die Jah­re nicht bes­ser gewor­den ist. 1989 war ein durch­schnitt­li­cher Jahr­gang in der Tos­ka­na, der bra­ve, unspek­ta­ku­lä­re Wei­ne her­vor­ge­bracht hat, vor denen kein Glanz aus­ging. Das trifft auch auf den Mas­se­to zu. Heu­te ist die­ser Wein müde. Er zeigt aber auch, dass es damals noch an Erfah­run­gen fehl­te und das Ver­ständ­nis für die Sor­te Mer­lot noch ziem­lich rudi­men­tär war: 1989 ist erst der vier­te Jahr­gang, der pro­du­ziert wur­de. Heu­te, nach fast 30 Lesen, ist die Erfah­rung vor­han­den. Einen Ver­gleich mit jün­ge­ren Jahr­gän­gen hält der 1989er Mas­se­to des­halb nicht stand.

Bewer­tung: 87 Punk­te

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