Jochen Dreissigacker: Neues vom Riesling

Jochen Dreissigacker
Der Erfolgswinzer aus Rheinhessen macht Weine mit Charakter und gehört zu den Taktgebern seiner Region.

„Ich hat­te schon immer ein Fai­ble für Ries­ling“, sagt Jochen Dreis­sig­acker vol­ler Lei­den­schaft, „kei­ne Reb­sor­te kann so viel Cha­rak­ter zei­gen“. Was der Rhein­hes­se nicht sagt, son­dern immer wie­der aktiv zeigt: Es kommt dar­auf an, wie man den König der wei­ßen Sor­ten behan­delt, was man aus ihm macht, noch bes­ser viel­leicht, was man ihn machen lässt. Rund 60 Pro­zent der aktu­ell 40 Hekt­ar des Gutes im Won­ne­gau sind mit Ries­ling bestockt, dazu gehö­ren Wein­ber­ge in Spit­zen­la­gen wie dem Becht­hei­mer Gey­ers­berg und Rosen­gar­ten sowie dem West­ho­fe­ner Mor­stein und Kirch­spiel.

Der Weg zum Erfolg war nicht vor­ge­zeich­net, zumin­dest ver­lief er nicht gerad­li­nig. Jochen Dreis­sig­acker soll­te nach dem Wil­len der Eltern etwas Soli­des erler­nen und absol­vier­te eine Leh­re als Steu­er­fach­kraft. Danach wuss­te er wirk­lich, was er woll­te und mach­te eine Win­zer­leh­re und stu­dier­te anschlie­ßend noch Wein­bau­tech­nik.

2018 ein­ge­weiht: Das in den Wein­berg ein­füg­te Guts­ge­bäu­de in Becht­heim. © Wein­gut Dreis­sig­acker

Gemein­sam mit Bru­der Chris­ti­an, der 2006 das benach­bar­te Wein­gut Dr. Koeh­ler über­nahm, mach­te er sich ab dem Jahr 2004 dar­an, den Fami­li­en­be­trieb umzu­krem­peln: mit bio­lo­gi­schem Wein­bau, Ertrags­re­du­zie­rung, Hand­le­se, Straf­fung des Sor­ti­ments und Fokus­sie­rung auf tro­cke­ne Wei­ne. „Ich habe immer das gemacht, was ich für gran­di­os hal­te“, sagt Dreis­sig­acker zurück­bli­ckend. Nicht so gran­di­os fand das die alte Stamm­kund­schaft, die dem seit 1782 bestehen­den Wein­gut den Rücken kehr­te. Die Fol­ge: 70 Pro­zent Umsatz­ver­lust im ers­ten Jahr.

Doch es fin­det sich – gera­de noch recht­zei­tig – ein neu­er Kun­den­kreis, der zum Sprung­brett wird: Top-Gastronomie, ange­fan­gen mit dem Ber­li­ner Hotel Adlon und Spit­zen­koch Tim Raue, mit dem Jochen Dreis­sig­acker seit­her befreun­det ist. Die Ver­bin­dung mit aus­drucks­star­ker Küche treibt den Ehr­geiz des Win­zers wei­ter an. „Die Kom­bi­na­ti­on von Essen und Wein inspi­riert mich und ich ver­su­che, den per­fek­ten Wein für per­fek­te Gerich­te zu machen“. Tim Raue beschreibt sei­nen Wunschwein so: „Schlank und ele­gant, mit kom­ple­xer Mine­ra­li­tät.“

© Wein­gut Dreis­sig­acker

So sind Dreis­sig­ackers Wei­ne über die Jah­re immer gerad­li­ni­ger und dabei aus­drucks­stär­ker gewor­den. Boden und Lage machen mehr denn je den Wein aus. Der Weg dort­hin ist auf­wän­dig und führt zunächst über die detail­ge­naue Arbeit im Wein­berg, mit Hand­ar­beit an jedem ein­zel­nen Stock, vom Reb­schnitt über Laub­ar­beit und Ertrags­re­du­zie­rung bis zur Hand­le­se in meh­re­ren Durch­gän­gen. Nur so erhält Dreis­sig­acker das Lese­gut, das für Mai­sche­stand­zei­ten geeig­net ist. Das bedeu­tet, dass auch bei wei­ßen Trau­ben der Most nicht sogleich abge­presst wird, son­dern für eine bestimm­te Zeit mit den Trau­ben­scha­len in Kon­takt bleibt. So lösen sich unter ande­rem Gerb­stof­fe aus den Scha­len, die dem Wein Tie­fe und (Lagen-)Charakter ver­lei­hen.

So geht Dreis­sig­acker nicht nur bei den Lagen­wei­nen vor, son­dern auch bei den klei­ne­ren Brü­dern.

Der Ries­ling „Wun­der­werk“ stammt von jün­ge­ren Reben, die nach Mei­nung des Win­zers noch nicht das Poten­zi­al für Lagen­wei­ne haben, aber schon kurz davor steht. Bis zu 70 Stun­den bleibt der Most auf der Mai­sche, bevor er zu 40 Pro­zent im Holz­fass und 60 Pro­zent im Edel­stahl ver­gärt. Das Ergeb­nis ist ein kraft­vol­ler dabei straf­fer Wein mit zurück­hal­ten­der Frucht (Zitrus)und fei­ner Kräu­ter­wür­ze. Sein Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al zeigt sich schon allein dar­an, dass Dreis­sig­acker aktu­ell die Jahr­gän­ge 2013 und 2016 in den Ver­kauf gibt, wobei der letz­te­rer gera­de beginnt sei­ne Grö­ße zu offen­ba­ren.

© Peter Ben­der

Ein Bei­spiel für die unge­bro­che­ne Neu­gier und Inno­va­ti­ons­freu­de von Jochen Dreis­sig­acker ist das Pro­jekt „Vin­ta­ges“, bei dem drei Jahr­gän­ge Ries­ling mit­ein­an­der ver­mählt wer­den. „Die Idee kam mir bei einem Besuch in der Cham­pa­gne“, erzählt Dreis­sig­acker. „Hier habe ich haut­nah erfah­ren, wie sich bei der Kom­po­si­ti­on von Grund­wei­nen, die Eigen­schaf­ten der Jahr­gän­ge ergän­zen und sich zu einem kom­ple­xen Gesamt­bild fügen“. Bis zu acht Stun­den steht hier der Most auf der Mai­sche, 20 Pro­zent des Wei­nes ver­gä­ren im Holz. Das Ergeb­nis ist viel­schich­tig, frisch und bele­bend, somit ein fei­ner Beglei­ter zu leich­ter Küche – eben auch ein ech­ter Dreis­sig­acker.

Ausgewählte Dreissigacker Weine

Vin­ta­ges Weiß, Ries­ling tro­cken, Rhein­hes­sen, 14,50 Euro

2016 Wun­der­werk Ries­ling tro­cken, Rhein­hes­sen, 21 Euro

zu bestel­len unter www.dreissigacker-wein.de

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