Appius, der neue Super-Weißwein von Hans Terzer

Südtirol rüstet auf. Hans Terzer, der Kellermeister der Kellerei St. Michael-Eppan, hat einen Wein geschaffen, der auf Augenhöhe mit den großen Weißweinen der Welt sein möchte. Jens Priewe sprach mit ihm.

Inhalt


In Süd­ti­rol gärt es. Vie­le Kel­le­rei­en den­ken dar­über nach, ob sie auf ihre bis­he­ri­gen Spit­zen­wei­ne noch einen Super-Premium-Wein drauf­set­zen sol­len. Die Kel­le­rei in Ter­lan hat bereits vor drei Jah­ren eine Gran­de Cuvée auf den Markt gebracht. Die­se besteht über­wie­gend aus Weiß­bur­gun­der und wird für einen drei­stel­li­gen Betrag pro Fla­sche ange­bo­ten.

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat auch die Kel­le­rei St. Michael-Eppan ihren ers­ten Super-Premium-Weißwein auf den Markt gebracht: nach vier Jah­ren Kel­ler­rei­fe, davon ein Jahr im klei­nen Holz­fass (Barrique/Tonneaux). Der Wein heißt Appi­us (nach dem latei­ni­schen Namen von Epp­an) und besteht aus Süd­ti­ro­ler Reb­sor­ten in wech­seln­der Zusam­men­set­zung.

Auch das Fla­schen­de­sign vari­iert von Jahr zu Jahr: Die 2010er-Flasche sieht anders aus als die des 2011er Jahr­gangs, der gera­de auf den Markt gekom­men ist.  Der Wein wird in Deutsch­land für 99 Euro ange­bo­ten.

Jens Priewe hat die bei­den Jahr­gän­ge ver­kos­tet und mit Hans Ter­zer gespro­chen, seit 1977 Kel­ler­meis­ter (bes­ser: Öno­lo­ge) in St. Michael-Eppan. Der 60-Jährige gilt als aus­ge­spro­che­ner Weißwein-Fachmann. Mit dem Weiß­bur­gun­der Schult­hau­ser hat er schon 1986 einen Best­sel­ler geschaf­fen, mit den Sanct Valentin-Weinen eine Süd­ti­ro­ler Top­li­nie instal­liert, die den Süd­ti­ro­ler Wein auch in der Spit­zen­gas­tro­no­mie hof­fä­hig gemacht hat. Der Appi­us setzt jetzt noch einen drauf.


Die Weine


Appius 2010 und 2011
Appi­us 2010 und 2011

2010 Appius

Nicht nur dicht gewo­ben, son­dern auch stof­fig und cre­mig, in der Nase hefe­frisch mit Anklän­gen an rei­fe Apri­ko­se, Man­da­ri­ne, Limet­te, Bour­bon­va­nil­le und nas­sem Fluss­kie­sel, bur­gun­disch im Stil ohne jede rös­ti­ge Holz­no­te und ohne über­trie­ben hohen Alko­hol­ge­halt (13,5 Vol.%): per­fekt balan­cier­ter, fines­sen­rei­cher Wein mit  erkenn­bar gro­ßem Rei­fe­po­ten­zi­al.

Bewer­tung: 95/100


2011 Appius

Rei­cher Wein mit war­mer, sat­ter Frucht, rei­fem Früch­tecock­tail und pikan­ten gel­ben Sta­chel­beer­no­ten, hoch­kom­plex, aro­men­tief, sehr cre­mig und druck­voll am Gau­men (14 Vol.%): nicht zuletzt auf Grund der hohen Extrak­te ein sehr sug­ges­ti­ver, schon gut antrink­ba­rer Wein, viel­leicht nicht ganz so lager­fä­hig wie der Vor­gän­ger, erkenn­bar von der Sauvignon-Traube geprägt.

Bewer­tung: 94/100

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Interview Hans Terzer

wein­ken­ner: Eini­ge Süd­ti­ro­ler Kel­le­rei­en glau­ben, mit ihren Weiß­wei­nen qua­li­ta­tiv noch nicht das Ende der Fah­nen­stan­ge erreicht haben. Die Kel­le­rei Ter­lan hat vor drei Jah­ren eine Gran­de Cuvée auf den Markt gebracht, die im Han­del für 195 Euro pro Fla­sche ange­bo­ten wird. Die Kel­le­rei St. Michael-Eppan kommt jetzt eben­falls mit einem Super-Premium-Wein her­aus, dem Appi­us. Man liest, die Kel­le­rei wol­le zur Welt­spit­ze auf­schlie­ßen.

Hans Ter­zer: Die Idee eines raren Spit­zen­weins habe ich schon lan­ge im Kopf. Aber irgend­wie ist es bei uns nie rich­tig aus­ge­gan­gen. Viel­leicht lag es dar­an, dass erst ein­mal unse­re Top­li­nie Sanct Valen­tin Prio­ri­tät hat­te, die für die Kel­le­rei St. Michael-Eppan extrem wich­tig ist. Auch der Jahr­gang hat nicht immer gepasst.

wein­ken­ner: 2010 war es dann soweit.

Hans Ter­zer: Bes­te kli­ma­ti­sche Bedin­gun­gen, mini­ma­ler Behang, voll­rei­fe Trau­ben – per­fek­te Bedin­gun­gen für den Traum­wein, den ich im Kopf hat­te. Aus­schlag­ge­bend war jedoch die Über­zeu­gung, dass wir in Epp­an bei strengs­ter Selek­ti­on und sorg­fäl­tigs­ter Ver­ar­bei­tung mit den gro­ßen Gewäch­sen aus den aner­kann­tes­ten Anbau­ge­bie­ten der Welt auf Augen­hö­he sein kön­nen. Und dann habe ich gesagt: Wenn Du nicht vor­an­gehst, wer dann?

wein­ken­ner: Die Kel­le­rei Ter­lan hat die­sen Beweis schon ange­tre­ten. Ihre Gran­de Cuvée wird von der inter­na­tio­na­len Wein­pres­se mit höchs­ten Bewer­tun­gen bedacht.

Hans Ter­zer: Wir haben eine etwas ande­re Phi­lo­so­phie als die Ter­la­ner Kol­le­gen. Unser Appi­us ist eine Cuvée der bes­ten Weißwein-Trauben unse­rer Wein­ber­ge. Sie kom­men von älte­ren Reb­stö­cken, die ich per­sön­lich aus­su­che, wenn  ich die Wein­ber­ge bege­he. Die Zusam­men­set­zung der Cuvée ändert sich jedes Jahr. Wenn der Sau­vi­gnon beson­ders gut aus­ge­fal­len ist, wird der Wein mehr Sau­vi­gnon ent­hal­ten. Wenn es ein Chardonnay-Jahr ist, bil­det die­se Sor­te den Schwer­punkt.

wein­ken­ner: Es gibt also kei­ne fes­ten Vor­ga­ben?

Hans Ter­zer: Träu­me haben kei­ne Gren­zen, Traum­wei­ne kei­ne Regeln.

wein­ken­ner: Der ers­te Appi­us-Jahr­gang, der 2010er, ist im letz­ten Jahr auf den Markt gekom­men. Er besteht zu rund 70 Pro­zent aus Char­don­nay, die rest­li­chen 30 Pro­zent tei­len sich Pinot Gri­gio, Weiß­bur­gun­der und Sau­vi­gnon. Haben Sie eine beson­de­re Wert­schät­zung für den  Char­don­nay?

Hans Ter­zer: Ich mag die ande­ren Weiß­wein­sor­ten genau­so gern. Aber Char­don­nay ist eine noble Sor­te. Vie­le der ganz gro­ßen Weiß­wei­ne der Welt wer­den aus ihr erzeugt. Und Char­don­nay ist in Süd­ti­rol seit lan­gem behei­ma­tet. Ich war übri­gens der ers­te in Süd­ti­rol, der sie rein­sor­tig abge­füllt hat. Das war Anfang der 1980er Jah­re. Vor­her hat­te man immer Weiß­bur­gun­der und Char­don­nay zusam­men gekel­tert…

wein­ken­ner: …man glaub­te, es gäbe kei­nen Unter­schied zwi­schen die­sen bei­den Sor­ten.

Hans Ter­zer: Dabei ist der Unter­schied enorm, nicht nur vom Geschmack her. Die Weißburgunder-Rebe gedeiht am Bes­ten in hoch gele­ge­nen, küh­len Lagen, die Char­don­nay in tie­fe­ren, wär­me­ren Lagen. Das bedeu­tet: Char­don­nay ist in der Regel der kräf­ti­ge­re, struk­tu­rier­te­re Wein. Für den Appi­us, der 24 Mona­te im klei­nen Holz­fass aus­ge­baut wird und die malo­lak­ti­sche Gärung durch­läuft, ist die Sor­te beson­ders gut geeig­net. Aber das kann sich ändern. In 2011 besteht der Appi­us nicht haupt­säch­lich aus Char­don­nay. Er ent­hält gleich viel Sau­vi­gnon und Pinot Gri­gio.

wein­ken­ner: Kei­nen Weiß­bur­gun­der?

Hans Ter­zer: Nicht in 2011.

wein­ken­ner: Weiß­bur­gun­der ist doch in den letz­ten Jah­ren zur Trend-Sorte in Süd­ti­rol gewor­den.

Hans Ter­zer: Grund­sätz­lich kommt auch Weiß­bur­gun­der in Fra­ge für den Appi­us. Sie­he 2010. Aber wir haben mit dem Sanct Valen­tin Weiß­bur­gun­der, unse­rem Top-Wein, bereits ein hohes Niveau erreicht. Und auch der Weiß­bur­gun­der Schult­hau­ser, von dem wir mitt­ler­wei­le 160 000 Fla­schen her­stel­len, ist eben­falls ein Selek­ti­ons­wein.

wein­ken­ner: Also Sau­vi­gnon. Die­se Sor­te, die um 1930 in Süd­ti­rol ein­ge­führt wur­de, 1956 erst­mals von Sebas­ti­an Sto­cker, dem legen­dä­ren Ter­la­ner Kel­ler­meis­ter, rein­sor­tig vini­fi­ziert und spä­ter von Alois Lage­der in sei­nem Lehen­hof  rein­sor­tig auf die Fla­sche gebracht wur­de, ist eines der Pfun­de, mit denen die Kel­le­rei St. Micha­el Epp­an wuchern kann. Kein ande­rer Wein hat so häu­fig die begehr­ten 3 Glä­ser im Gam­be­ro Ros­so, dem maß­geb­li­chen ita­lie­ni­schen Wein­füh­rer, erhal­ten wie der Sanct Valen­tin Sau­vi­gnon.

Hans Ter­zer: Zum Sau­vi­gnon sind wir eher wie die Jung­frau zum Kind gekom­men. Bei der Bege­hung eines Weißburgunder-Weinbergs hat­te ich 1986 rein zufäl­lig ent­deckt, dass dort ein paar Zei­len einer ande­ren Sor­te stan­den. Die Prü­fung ergab: Es war Sau­vi­gnon blanc. Wir hat­ten die Trau­ben bis dahin immer zusam­men mit dem Weiß­bur­gun­der geern­tet. Dar­auf­hin haben wir neue Sauvignon-Weinberge ange­pflanzt und 1989 den ers­ten Sanct Valen­tin Sau­vi­gnon gekel­tert. Seit­dem hat der Wein 18 mal die 3 Glä­ser erhal­ten. Das macht uns stolz und zeigt, dass auch unser Sau­vi­gnon nicht so schlecht sein kann. War­um soll­ten wir die­se Sor­te nicht auch für den Appi­us ver­wen­den?

wein­ken­ner: Geht der Appi­us nur an die Sterne-Gastronomie oder bekom­men ihn auch pri­va­te Wein­lieb­ha­ber?

Hans Ter­zer: Jeder kann ihn zum Bei­spiel in unse­rem Wein­gut kau­fen. Aller­dings gibt es nicht mehr als 2 Fla­schen pro Per­son. Die Men­ge ist ein­fach zu gering.

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