Georges Duboeuf: „Erfinder“ des Beaujolais Nouveau gestorben

Geor­ges Duboeuf ist tot: der „Erfin­der“ des Beau­jo­lais Nou­veau starb am 5. Janu­ar 2020 in sei­nem Hei­mat­ort Romanèche-Thorins im Alter von 86 Jah­ren an einem Schlag­an­fall. In den 1970er und 1980er Jah­ren hat­te er rie­si­ge Erfol­ge, indem er den jun­gen, frisch ver­go­re­nen Beau­jo­lais bereits am 15. Novem­ber auf den Markt brach­te und so einen neu­en Stil des Wein­kon­sums eta­blier­te, der im Gegen­satz zur tra­di­tio­nel­len Wein­ge­nuss stand. Der Erfolg war über­wäl­ti­gend. Wenn die ers­ten Sat­tel­schlep­per mit dem frisch gefüll­ten Wein genau um Mit­ter­nacht die Kel­le­rei ver­lies­sen, waren alle fran­zö­si­schen Fern­seh­sta­tio­nen vor Ort, um das Ereig­nis publi­zis­tisch zu doku­men­tie­ren. Bin­nen weni­ger Tage füll­ten sich die Rega­le der Super­märk­te mit dem noch gär­fri­schen Wein. Duboeuf orga­ni­sier­te welt­weit Beaujolais-Festivals, unter Ein­schluß der Sterne-Gastronomie und zahl­rei­cher VIPs, um die Ankunft des Beau­jo­lais Nou­veau zu fei­ern.

Dabei besass Duboeuf selbst nur rela­tiv weni­ge Wein­ber­ge. Er war ein Négo­çi­ant, der Gamay-Trauben von Tau­sen­den ört­li­cher Win­zer auf­kauf­te, um die­se nach einem aus­ge­klü­gel­ten Sys­tem (maçé­ra­ti­on car­bo­ni­que) zu vini­fi­zie­ren und unter sei­nem Namen abzu­fül­len. Duboeuf wur­de zur Mar­ke. Genau genom­men hat­te er den Beau­jo­lais Nou­veau auch nicht „erfun­den“. Die­ser exis­tier­te schon lan­ge vor ihm. Duboeuf hat ihn auf ein qua­li­ta­tiv höhe­res Niveau gebracht, geschickt ver­mark­tet und auf die­se Wei­ne im In- und Aus­land popu­lär gemacht.

Seit Mit­te der 1990er Jah­re sank der Stern des Beau­jo­lais Nou­veau jedoch bestän­dig. Heu­te spielt er im Sor­ti­ment der Super­märk­te aus­ser­halb Frank­reichs nur noch eine gerin­ge Rol­le. Preis­ver­fall und Image­ver­lust waren die Kehr­sei­te des Hypes. Die Märk­te igno­rier­ten den hoch­wer­ti­gen, tra­di­tio­nel­len Beau­jo­lais. Vie­le Kon­su­men­ten kann­ten (und ken­nen) ihn gar nicht mehr. Resul­tat: Die Beaujolais-Winzer haben noch heu­te Mühe, die tra­di­tio­nel­len Villages-Weine sowie die sie­ben berühm­ten Beaujolais-Crus (Saint-Amour, Julié­nas, Ché­nas, Moulin-a-Vent, Mor­gon, Chi­rou­bles, Fleu­rie, Brouil­ly, Côte de Brouil­ly und Rég­nié) auf den inter­na­tio­na­len Märk­ten zu plat­zie­ren.

Die Duboeuf-Kellerei wird seit 2018 von Geor­ges’ Sohn Franck gelei­tet. Sie pro­du­ziert 30 Mil­lio­nen Fla­schen jähr­lich.

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