Wein schützt nicht gegen Covid 19-Infektion

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Hilft Weintrinken gegen Corona? Jens Priewe rechnet mit den Leuten ab, die entsprechende Botschaften verbreiten.

Letz­te Woche tele­fo­nier­te ich mit einem Win­zer aus Süd­frank­reich. Ich woll­te ihm alles Gute wün­schen für das vor uns lie­gen­de Jahr. Am Ende des Tele­fo­nats kamen wir auf die Pan­de­mie zu spre­chen. Wann er mit dem Imp­fen dran sei, woll­te ich wis­sen. „Weiß ich nicht“, ant­wor­te­te er. „Ich las­se mich nicht imp­fen.“ Nicht imp­fen? Ein intel­li­gen­ter, über das Pan­de­mie­ge­sche­hen in der Welt gut infor­mier­ter Fran­zo­se, der einen tol­len Wein macht und sich nicht schüt­zen will gegen die gefähr­lichs­te Virus-Krankheit seit der Spa­ni­schen Grip­pe? „Die Neben­wir­kun­gen des Impf­stof­fes sind doch völ­lig unbe­kannt“, recht­fer­tigt er sich. Und: „Wir wis­sen nicht, wel­che Fol­gen eine Imp­fung mit einem gene­ti­schen Stoff hat, der ganz kurz­fris­tig ent­wi­ckelt wur­de und nur eine Not­fall­zu­las­sung besitzt.“

Das Risiko der Infektion ist tausendmal größer als das der Nebenwirkungen

Man braucht kein Viro­lo­ge sein, um zu wis­sen, dass die Neben­wir­kun­gen aller bis­her zuge­las­se­nen Corona-Impfstoffe bekannt und extrem mil­de sind. Unbe­kannt sind mög­li­che Lang­zeit­fol­gen. Doch wer nicht nur lesen kann, son­dern es auch tut, der weiß, dass sich die­se Lang­zeit­fol­gen ein­gren­zen las­sen. Die mensch­li­che Erb­sub­stanz wird durch die mRNA-Impfstoffe nicht ange­grif­fen – obwohl das Gegen­teil von Impf-Skeptikern in den sozia­len Medi­en immer wie­der behaup­tet wird. Wer eins und eins zusam­men­zäh­len kann, weiß: Das Impf­ri­si­ko steht in kei­nem Ver­hält­nis zum Risi­ko einer Corona-Erkrankung und deren mög­li­chen Lang­zeit­fol­gen.

Das Mittelalter lässt grüßen

„Außer­dem trin­ken wir jeden Tag Wein, uns kann sowie­so nichts pas­sie­ren“, ver­si­cher­te mir der Win­zer­freund gut­gläu­big. Der Satz mach­te mich sprach­los. Fast hun­dert Mil­lio­nen Corona-Infizierte auf der Welt und nie­mand weiß, dass die Waf­fe gegen das Virus schon vor 7000 Jah­ren erfun­den wor­den ist? Kann das sein? War der gan­ze For­schungs­auf­wand für den Impf­stoff umsonst? Soll­ten die Men­schen lie­ber zum Wein­händ­ler gehen als sich um einen Impf­ter­min bemü­hen? Auch bei Face­book hat­te ich Posts ähn­li­chen Inhalts ent­deckt. Es waren über­mü­ti­ge Äuße­run­gen. So zumin­dest hat­te ich sie inter­pre­tiert. Eher prol­li­ge Wein­stamm­tisch­pa­ro­len von Leu­ten, die nicht mehr ganz nüch­tern waren. Aber viel­leicht lie­ge ich dies­be­züg­lich falsch. Viel­leicht gibt es wirk­lich Leu­te, die mei­nen, mit Alko­hol das Covid 19-Virus bekämp­fen zu kön­nen. Leu­te, für die wir auf die­ser Web­site schrei­ben. Die uns eigent­lich lieb und ange­nehm sind, weil sie eine Lei­den­schaft für guten Wein haben. Die wir für klug und auf­ge­klärt hal­ten, weil sie vor­sich­tig und ver­ant­wor­tungs­voll mit Alko­hol umge­hen. Soll­te ich mich irren? Nein, das glau­be ich nicht. Wer heu­te trotz bes­ter Infor­ma­ti­ons­la­ge behaup­tet, Viren mit Alko­hol bekämp­fen zu kön­nen, glaubt mor­gen auch, dass die Erde eine Schei­be ist. Das Mit­tel­al­ter lässt grü­ßen.

Alkohol stoppt die Viren nicht

Trotz­dem habe ich mal recher­chiert, was Ärz­te zu der Fra­ge sagen, ob Wein gegen Coro­na hilft. Die Ant­wor­ten sind erwart­bar ein­deu­tig. Ers­tens: Wein gelangt über den Mund in den Magen-Darm-Trakt und nicht in die Lun­ge, jenes Organ, das von den Viren ange­grif­fen wird. Zwei­tens wer­den die Viren, die im Rachen­raum sit­zen und in Berüh­rung mit Alko­hol kom­men, zwar neu­tra­li­siert, aber sofort nach­ge­bil­det. Der Effekt bleibt aus. Drit­tens: Die meis­ten Covid 19-Viren sie­deln im Nasen­raum und ver­meh­ren sich dort. Wein wird aber nicht durch die Nase getrun­ken.

Auch grüner Tee und dunkle Schokolade sollen gegen das Virus helfen

Man muss also nicht Medi­zin stu­diert haben, um die Behaup­tung von der Wun­der­wir­kung des Weins als Unfug abzu­tun. Die weni­gen Leu­te, die unter dem wis­sen­schaft­li­chem Deck­man­tel die The­se vom Wein als Waf­fe in die Welt set­zen, sind die­sel­ben, die auch von grü­nem Tee und dunk­ler Scho­ko­la­de als Medi­zin gegen Coro­na phan­ta­sie­ren. Einen aka­de­mi­schen Titel mögen die­se Leu­te tra­gen. Vor Dumm­heit schützt er nicht.

Am Ende ist es nur die Angst vor dem Pieks

Um noch­mal mei­nen fran­zö­si­schen Win­zer­freund zu zitie­ren: „Ich las­se mich über­haupt nicht imp­fen“, ver­trau­te er mir an. Auch nicht gegen Grip­pe? Gegen Teta­nus? Gegen Diph­the­rie? „Auch nicht!“ thri­um­phier­te er durchs Tele­fon. Die Impf­stof­fe gegen die­se Krank­hei­ten sei­en aber lang­zeit­ge­tes­tet, wen­de ich ein. „Ich habe Angst vor dem Pieks“, ant­wor­te­te er, dies­mal eher klein­laut. Ach­so. Viel­leicht ste­hen des­halb 58 Pro­zent der Fran­zo­sen einer Imp­fung skep­tisch gegen­über und war­nen vor den Neben­wir­kun­gen des Impf­stoffs. Die Deut­schen sind nicht ganz so schmerz­emp­find­lich. Sie haben zwar in 2020 mehr Wein denn je getrun­ken laut Sta­tis­tik, aber nicht, um sich gegen Covid 19 zu schüt­zen. Über 70 Pro­zent wol­len sich nach jüngs­ten Umfra­gen trotz ihres Wein­kon­sums imp­fen las­sen.

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2 Kommentare

  • Sehr geehr­ter Herr Priewe, Sie schrei­ben oben:“ Fast hun­dert Mil­lio­nen Corona-Tote auf der Welt und nie­mand weiß, dass die Waf­fe gegen das Virus schon vor 7000 Jah­ren erfun­den wor­den ist?„
    Woher haben Sie die­se hohe Zahl.
    Man fin­det aud ver­schie­de­nen Web­siten nach Län­dern sor­tier­te abso­lu­te Ster­be­fall­zah­len.
    Chi­na fehlt in der Regel.
    Aber mehr als 2 Mil­lio­nen Tote welt­weit für 2020 kann man nicht addie­ren!
    Mit der Bit­te um Auf­klä­rung
    Unf freund­li­chen Grüs­sen
    HG Pflug

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