Bodega Herederos de Argüeso: Trockener Sherry der Extraklasse

Dank der Sushi-Mode erlebt trockener Sherry eine Renaissance. Zu Reisröllchen und rohem Fisch passt er vorzüglich. Ulrich Sautter hat ein besonders gutes Expemplar dieses spanischen Weins gefunden. Er wird noch völlig handwerklich hergestellt, schmeckt nach Seetang, Jod, Meer und kostet mit rund 9 Euro herzlich wenig angesichts der sieben Jahre, die er im Fass gereift ist.

Der Ort San­lú­car de Bar­ra­me­da liegt an der pri­vi­le­gier­tes­ten Stel­le des so genann­ten „Sherry-Dreiecks“: direkt an der Mün­dung des Flus­ses Gua­dal­qui­vir in den Atlan­tik. Auch in den bei­den ande­ren Orten des Drei­ecks, in Jerez de la Fron­te­ra und in El Puer­to de San­ta Maria, herr­schen gute Bedin­gun­gen für das Wachs­tum des Flors in den nur drei Vier­tel vol­len Sher­ry­fäs­sern. Flor – das ist die Hefe­schicht, die sich wie ein Filz auf den Sher­ry legt, ihn vor zu schnel­ler Oxi­da­ti­on schützt und gleich­zei­tig mit hefi­gen Aro­men aus­stat­tet.

In San­lú­car de Bar­ra­me­da sind die Wachs­tums­be­din­gun­gen für den Flor beson­ders gut. Die hohe Luft­feuch­tig­keit am Del­ta de Gua­dal­qui­vir, aber auch der Wech­sel von auf­lan­di­gen und ablan­di­gen Win­den sor­gen dafür, dass das Klein­kli­ma in den Bode­gas, den (ober­ir­di­schen) Kel­lerei­ge­bäu­den, för­der­li­cher für die Sher­ry­pro­duk­ti­on ist als über­all sonst. Der Sher­ry ist ein eigen­ar­ti­ger Wein: Bei ihm kommt es nicht nur auf das für die Reben an. Der Stand­ort des Kel­lerei­ge­bäu­des spielt eine eben­so gro­ße Rol­le für die Wein­qua­li­tät.

Die Bode­ga Here­deros de Argüe­so, 13.000 Qua­drat­me­ter groß, liegt in der Unter­stadt San­lú­cars, im Gewirr der Gäss­chen, an einer idea­len Stel­le, näm­lich einen knap­pen Kilo­me­ter vom Was­ser ent­fernt. Die­se Bode­ga ist ein spa­ni­sches Natio­nal­hei­lig­tum – ver­gleich­bar mit Roma­née Con­ti in Frank­reich oder dem Scharz­hof hier­zu­lan­de. Denn alles, was die­se Bode­ga tut, folgt dem Dreh­buch einer jahr­hun­der­te­lan­gen Erfah­rung. Moden? Wer­den ach­sel­zu­ckend igno­riert.

© herederosdeargueso.com

Der San León ist das Haupt­pro­dukt der Bode­ga. Ein hel­ler, kno­chen­tro­cke­ner Sher­ry, gekel­tert aus Palomino-Trauben, die auf den ein­ma­li­gen Krei­de­bö­den des Sherry-Dreiecks gewach­sen sind. Dann wird der Wein mit Wein­geist auf 15 Volu­men­pro­zent Alko­hol auf­ge­spri­tet und in den alten, typi­schen Sherry-Fässern nach der Solera-Methode gereift: Im Lau­fe sei­nes Aus­baus wird die „Man­za­nil­la“ – so hei­ßen in San­lú­car die hel­len tro­cke­nen Sher­rys – bis zu 14-mal von einem Fass in das nächs­te umge­zo­gen. Immer, wenn der Flor in einem Fass an Vita­li­tät ver­liert, wird ein Teil des Weins durch jün­ge­ren ersetzt. Bei Argüe­so wer­den die­se Arbei­ten alle von Hand erle­digt. Ein enor­mer Auf­wand! Und eine enor­me Kapi­tal­bin­dung. Denn wenn die Man­za­nil­la schließ­lich abge­füllt wird, sind die Wei­ne im Schnitt sechs, sie­ben Jah­re alt.

Ange­sichts die­ses Auf­wands und die­ser Kul­tur­leis­tung ist der San León für einen Spott­preis zu bekom­men. Für weni­ger als 9 Euro kann man anda­lu­si­sche Authen­ti­zi­tät kos­ten: eine Man­za­nil­la, die im Duft deut­lich die Noten feuch­ten alten Hol­zes anklin­gen lässt, aber im Duft­bild eben­so die Aro­men von See­tang und Meer zeigt.

Die Oxi­da­ti­on bleibt sehr dis­kret und wirkt nur wie ein Schim­mer Pati­na auf einem gepfleg­ten Gebrauchs­ge­gen­stand. Im Mund ist die Man­za­nil­la herb und sal­zig, ihr Alko­hol­ge­halt ist kaum zu spü­ren. Im Abgang keh­ren jodi­ge Aro­men wie­der, ver­knüpft mit einer durch Oxi­da­ti­on bewahr­ten Erin­ne­rung an die bee­ri­ge Frucht. Das ist ein fas­zi­nie­ren­des Schau­spiel – und ein kuli­na­ri­sches Spek­ta­kel, wenn die Man­za­nil­la zu gesal­ze­nen Nüs­sen oder zu einem Gericht mit Krus­ten­tie­ren getrun­ken wird. So jeden­falls tun es die Men­schen in San­lú­car.

© herederosdeargueso.com

Außer­halb sei­ner anda­lu­si­schen Hei­mat hat der Sher­ry in den letz­ten Jahr­zehn­ten stark an Boden ver­lo­ren. Aus einem All­tags­wein, der er mal war, ist ein Nischen­pro­dukt gewor­den. Doch in den letz­ten Jah­ren hat der tro­cke­ne Sher­ry – egal ob Fino oder Man­za­nil­la –  wie­der neue Lieb­ha­ber gefun­den: dank der Sushi-Mode. Zu Maki-Reisröllchen und rohem Fisch passt die­ser Wein vor­züg­lich.

Der San León“ soll­te nicht zu kalt, son­dern bei etwa 10 – 12°C ser­viert wer­den. Eine ange­bro­che­ne Fla­sche hält sich pro­blem­los eine Woche lang im Kühl­schrank frisch.

Bezug:

www.vinos.de

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