Portrait Österreich

Wiener Premiere: Grüner Veltliner aus der Tonamphore

Bernhard Ott mit Tonamphore
Der österreichische Winzer Bernhard Ott ist in seiner Heimat fast genauso bekannt wie der Bundeskanzler, nur beliebter. Der Grund: seine Weine. Sie sind nämlich über alle politischen Weltanschauungen hinweg unstrittig – unstrittig gut. Zumindest bis jetzt. Auf der Vievinum, der großen österreichischen Weinschau, die am Samstag in Wien beginnt, wird er jedoch erstmals einen neuen, kontroversen Wein präsentieren: Er wurde in Tonamphoren vergoren.

Der öster­rei­chi­sche Win­zer Bern­hard Ott ist in sei­ner Hei­mat fast genau­so bekannt wie der Bun­des­kanz­ler, nur belieb­ter. Der Grund: sei­ne Wei­ne. Sie sind näm­lich über alle poli­ti­schen Welt­an­schau­un­gen hin­weg unstrit­tig – unstrit­tig gut. Zumin­dest bis jetzt. Auf der Vie­vinum, der gro­ßen öster­rei­chi­schen Wein­schau, die am Sams­tag in Wien beginnt, wird er jedoch erst­mals einen neu­en, kon­tro­ver­sen Wein prä­sen­tie­ren: Er wur­de in Ton­am­pho­ren ver­go­ren.

Bernhard OttIns­ge­samt 45 Ton­am­pho­ren hat Bern­hard Ott im Hof sei­nes Gutes im öster­rei­chi­schen Feu­ers­brunn am Wagram ver­gra­ben. Dar­in ruh­te sechs Mona­te lang ein Grü­ner Velt­li­ner des Jahr­gangs 2009 von sei­nen bes­ten Lagen: ein mäch­ti­ger, grün­gel­ber Wein von unge­heu­rer Wucht, aber auch von fei­ner Mine­ra­li­tät und Ras­se. Jetzt ist er auf Fla­sche und wird ab Sams­tag erst­ma­lig einem grö­ße­ren Publi­kum zur Ver­kos­tung gereicht: in der Wie­ner Hof­burg, wo vom 29. bis 31. Mai 2010 die Vie­vinum statt­fin­det, die größ­te öster­rei­chi­sche Wein­mes­se (Gar­de­hal­le 2, Stand­num­mer 87).

Neugier und Skepsis

Die Neu­gier der Fach­welt ist groß, die Skep­sis auch. Denn die weni­gen Weiß­wei­ne aus Ton­am­pho­ren, die auf der Welt gibt, zeich­ne­ten sich häu­fig durch Unfri­sche, kah­mi­ge Noten und plum­pe Rus­ti­ka­li­tät auf. Bern­hard Otts Wei­ne, bis­lang ganz unro­man­tisch im Edel­stahl­tank aus­ge­baut, bril­lier­ten durch sau­be­re Frucht und küh­le Fri­sche – Stil­merk­ma­le, die für sei­ne über­ra­gen­den Erfol­ge in Öster­reich, aber auch auf den euro­päi­schen Wein­märk­ten ver­ant­wort­lich waren. Sein 2003 Grü­ner Velt­li­ner Tau­send Rosen wur­de bei­spiels­wei­se von der renom­mier­ten Grand Jury Euro­péen­ne 2006 zum bes­ten Wein die­ser Reb­sor­te gewählt. Und um die Fri­sche mög­lichst lan­ge zu erhal­ten und oxy­da­ti­ve Noten zu ver­mei­den, stat­tet Ott alle sei­ne Fla­schen mit einem luft­dich­ten Schraub­ver­schluß aus.

Weinbereitung wie vor 2000 Jahren

Bernhard OttUnd jetzt die Ton­am­pho­re, das jus­te Gegen­teil: ein porö­ses, luft­durch­läs­si­ges Behält­nis mit gro­ßer Öff­nung, im offe­nen Stein­schup­pen ver­gra­ben und von der Erde der jewei­li­gen Wein­ber­ge umge­ben, win­ter­li­chem Frost (bis minus 21° C) und früh­lings­haf­ter Wär­me glei­cher­mas­sen aus­ge­setzt. Auf dem Boden der Ampho­ren die intak­ten Bee­ren des letz­ten Herbs­tes, dar­un­ter die abge­stor­be­nen Hefen. Eine Wein­be­rei­tung, wie sie viel­leicht vor 2000 Jah­ren modern war: Weiß­wei­ne ohne Luft­ab­schluß ver­go­ren, ohne Tem­pe­ra­tur­kon­trol­le, mit gan­zen Bee­ren, also mit Scha­len und intak­ten Ker­nen. „Für mich“, sagt Ott, „ist die Ver­gä­rung in der Ton­am­pho­re die logi­sche Fort­set­zung des bio­dy­na­mi­schen Wein­an­baus. Ich woll­te sehen, wie der Wein schmeckt, wenn der Win­zer sich ganz raus­nimmt.“

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