Wie ein Wein schmecken »muss«

Jede Reb­sor­te besitzt ihr eige­nes, typi­sches Aro­ma. Bei Weiß­wei­nen, die meist sor­ten­rein gekel­tert sind, ist die Sor­te für erfah­re­ne Wein­trin­ker daher rela­tiv leicht zu erken­nen. Bei Rot­wei­nen ist die Erken­nung schwie­ri­ger. Sie sind oft aus meh­re­ren Trau­ben­sor­ten her­ge­stellt.

Weißweine

Wei­ne, die nur aus einer Reb­sor­te gewon­nen sind, soll­ten sor­ten­ty­pisch »rein« schme­cken. Ins­be­son­de­re bei Weiß­wei­nen ist Sor­ten­ty­pi­zi­tät ein Qua­li­täts­kri­te­ri­um. Doch auch das »Ter­ro­ir« hat einen gro­ßen Ein­fluss auf den Wein. So nen­nen die Fran­zo­sen das Zusam­men­spiel von Lage, Boden und Kli­ma. Das heißt: Das typi­sche Aro­ma einer Sor­te wech­selt von Anbau­ge­biet zu Anbau­ge­biet. Auch wenn sie aus der glei­chen Reb­sor­te gewon­nen sind, ähneln sich vie­le Weiß­wei­ne nur ent­fernt. Bei­spiel: Chab­lis und Pouil­ly Fuis­sé. Bei­de Wei­ne wer­den aus der Chardonnay-Traube erzeugt und wach­sen auf kalk- und ton­hal­ti­gen Böden; doch der eine gedeiht im Nor­den, der ande­re im Süden des Bur­gund. Resul­tat: Der Chab­lis ent­wi­ckelt Aro­men wie Zitro­ne und Grape­fruit, der Pouil­ly Fuis­sé sol­che wie Nüs­se, Man­del und Honig.

AROMEN VON WEISSWEINEN
Char­don­nayHasel­nuss, Honig­me­lo­ne, Zitro­ne, Grape­fruit, Bana­ne
Chas­selasGrü­ner Apfel, Mar­ge­ri­ten­blü­te
Che­nin BlancApfel, Hasel­nuss, Man­da­ri­ne
Cor­te­seKlarap­fel, Zitro­nen­blü­te
Fia­noQuit­te, Ana­nas, Man­da­ri­ne, Honig, Hasel­nüs­se
Gewürz­tra­mi­nerQuit­te, Ana­nas, Man­da­ri­ne, Honig, Hasel­nüs­se
Grü­ner Velt­li­nerPapri­ka, Erb­sen­scho­ten, Pfef­fer
Mus­ca­detGrape­fruit, Zitro­nen­scha­le, Anis
Neu­bur­gerApfel, Hasel­nuss
Pinot BlancBir­ne, Quit­ten­kom­pott, Tee
Pinot GrisKar­tof­fel, Brot, gerös­te­te Hasel­nüs­se, Speck
Pro­sec­coLychee, Zitro­nen­blü­te
Ries­lingPfir­sich, Apri­ko­sen, Honig­me­lo­ne, Petrol
Sau­vi­gnon BlancPapri­ka, grü­ne Toma­ten, schwar­ze Johan­nis­bee­re, Sta­chel­bee­re
Sémil­lonPfir­sich, Ana­nas, Honig, Safran
Sil­va­nerApfel, Kar­tof­fel, Fen­chel, Sel­le­rie
TocaiApfel, Lin­den­blü­te
Treb­bia­noApfel, fri­sches Brot
Ver­dic­chioQuit­te, Bir­ne, Heu, Oran­gen­scha­le
Ver­men­ti­noApfel, Zitro­nen­me­lis­se, fri­sches Heu
Vio­gnierApri­ko­se, Bir­ne, Zitro­nen­gras, Man­deln, Honig
Welsch­ries­lingApfel, Aka­zi­en­duft

Rotweine

Bei Rot­wei­nen vari­iert das typi­sche Sor­ten­aro­ma noch stär­ker. Ein chi­le­ni­scher Caber­net Sau­vi­gnon weist neben der cha­rak­te­ris­ti­schen Cassis-Note, die für alle Caber­nets der Welt typisch ist, einen Ton auf, der an Min­ze oder Eukalyptus-Bonbons erin­nert. Erfah­re­ne Wein­trin­ker kön­nen chi­le­ni­sche Caber­nets an die­ser Note blind erken­nen. Ein Caber­net aus Bor­deaux zeigt nie einen Eukalyptus-Ton, statt­des­sen eine Zedernholz-Note. Hin­zu kommt, dass die meis­ten Rot­wei­ne aus meh­re­ren Reb­sor­ten gekel­tert sind. Dadurch ver­mi­schen sich die Aro­men stär­ker als bei Weiß­wei­nen. Aber nicht nur Terroir-Unterschiede schla­gen bei Rot­wei­nen erkenn­bar durch. Auch der Ein­fluss des Kel­ler­meis­ters tritt bei ihnen deut­li­cher zu Tage als bei den meis­ten Weiß­wei­nen. Die Mög­lich­kei­ten, Ein­fluss zu neh­men, sind also ins­ge­samt grö­ßer – so zum Bei­spiel wäh­rend der Mai­sche­gä­rung oder wäh­rend der Rei­fe­zeit im Holz­fass (Weiß­wei­ne machen kei­ne Mai­sche­gä­rung durch und wer­den sel­ten im Holz­fass aus­ge­baut).

AROMEN VON ROTWEINEN
Aglia­ni­coPflau­men, Veil­chen, Wild­bret
Bar­be­raSauer­kir­schen, Gewürz­nel­ken, Mar­me­la­de, Tabak
Blau­er Zwei­geltKirsch­saft, Flie­der­bee­re, Gewürz­nel­ke
Blau­frän­kischBrom­bee­ren, Kirsch­kon­fi­tü­re, Moschus, Bit­ter­scho­ko­la­de
Caber­net FrancBlau­bee­ren, grü­ner Pfef­fer, Papri­ka­scho­te, Gras
Caber­net Sau­vi­gnonCas­sis, Zedern­holz, schwar­zer Pfef­fer, Gewürz­nel­ke, Euka­lyp­tus
Cari­gnanFrucht­kom­pott, Blau­bee­ren, Lor­beer, Ros­ma­rin
GamayHim­beer­drops, Bana­ne, Gewürz­nel­ken
Gren­acheBrom­beer­mar­me­la­de, Rosi­nen, Tabak
Mal­becSauer­kir­schen, Pflau­men­mus, Pfef­fer, Zimt
Mer­lotBrom­bee­re, Cas­sis, Back­pflau­men, Trüf­fel
Mour­vèd­reFrucht­kom­pott, Leder, Wild­ge­ruch
Neb­bio­loKirsch­kom­pott, Zimt, getrock­ne­te Blu­men, Teer
Pinot NoirHim­bee­re, Kirsch­mar­me­la­de, Pflau­men, Gewürz­nel­ke
Pino­ta­geSauer­kir­sche, Pflau­men, Bana­ne, Pfef­fer, Zimt
San­giove­seBrom­bee­re, Prei­sel­bee­re, grü­nes Holz, Leder, Vanil­le
Syrah (Shiraz)Schwar­ze Johan­nis­bee­re, Trüf­fel, abge­han­ge­nes Fleisch, Veil­chen
Tan­natMaul­bee­re, Blau­bee­ren, Zedern­holz, Pfef­fer, abge­han­ge­nes Fleisch
Tem­pranil­loBrom­bee­ren, Prei­sel­bee­ren, Cas­sis, San­del­holz, Moschus
Zin­fan­delSchwar­ze Johan­nis­bee­ren, Pflau­men­mus, Bana­ne, Pfef­fer