Wer ein Glas Wein zu viel trinkt, riskiert einen Kater. Aber man kann etwas dagegen tun.
Ein Glas Rotwein zum Abendessen, vielleicht noch ein zweites hinterher und ein drittes danach: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass man am nächsten Morgen mit einem dröhnenden Kopf, einem trockenen Mund und einem Schweregefühl aufwacht. Was ist da im Körper passiert? Warum geht es einem nach einem ausgiebigem Weintrinken manchmal gar nicht gut? Warum fühlt man sich oft so schlecht? Warum dauert die Erholung so lange? Richtig: Es ist der Alkohol.
Acetaldehyd: gefährliches Zwischenprodukt beim Alkoholabbau
Wenn Alkohol konsumiert wird, landet er zuerst im Magen und danach im Dünndarm. Über diese beiden Organe gelangt der Alkohol ins Blut und verteilt sich in Minutenschnelle im ganzen Körper, auch in die Leber. Sie ist neben dem Gehirn das meisten durchblutete Organ im Körper. Ihre Aufgabe: den Alkohol abzubauen. Der Abbau vollzieht sich allerdings langsam. Die Leber produziert das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH), welches das Alkoholmolekül in Acetaldehyd aufspaltet. Während der Alkohol per se für den Körper relativ unproblematisch ist, ist das Acetaldehyd ein gefährliches, nämlich krebserzeugendes Zellgift, das schnell neutralisiert werden muss. Dies geschieht in einem zweiten Schritt durch die Aldehyddehydrogenase (ALDH). Dieses Enzym wandelt das gefährliche Acetaldehyd in harmlose Essigsäure (Acetat) um, die der Körper leicht verdauen kann. Biochemisch geht das blitzschnell. Praktisch aber kann es länger dauern, wenn sich nämlich zu viel Alkohol im Blut staut, was nach ausgiebigem Alkoholgenuss fast immer der Fall ist. Die Folge: Kopfschmerzen (aka Kater), Übelkeit, Erschöpfung.
Die Verfügbarkeit von B-Vitaminen spielt dabei eine ganz konkrete Rolle. Ein Vitamin-B-Komplex liefert Thiamin (B1), Pyridoxin (B6) und Cobalamin (B12), die als Kofaktoren an enzymatischen Abbauprozessen beteiligt sind. Alkohol hemmt die Aufnahme von Thiamin im Darm und beschleunigt seine Ausscheidung über die Niere, was den Bedarf nach Weinkonsum messbar erhöhen kann.
Schlafqualität und Dehydrierung: zwei unterschätzte Faktoren
Wein wirkt kurzfristig sedierend, so dass viele darin eine einschlaffördernde Wirkung erfahren. Alkohol hemmt vor allem den REM-Schlaf, also die Schlafphase, in der unser Gehirn aktiv regeneriert und unsere Informationen zusammengeführt werden. Bereits moderate Mengen verkürzen die REM-Phasen in der zweiten Nachthälfte erheblich, auch wenn wir subjektiv ganz tief schlafen. Daher haben wir nach einem langen Weinabend zwar jede Menge geschlafen, aber nicht wirklich tief.
Dazu kommt die harntreibende Wirkung: Alkohol hemmt das antidiuretische Hormon Vasopressin, was dazu führt, dass die Nieren mehr Wasser ausscheiden, als sie durch das Getränk zurückholen können. Ein 0,2-Liter Glas Wein kann dazu führen, dass der Körper etwa 120 Milliliter mehr Flüssigkeit ausscheidet, als er durch das Getränk aufgenommen hat. Das Resultat ist Dehydrieren mit Kopfschmerz und sind Konzentrationsschwierigkeiten am nächsten Tag.
Mit dem Wasser gehen auch die Elektrolyte Kalium, Magnesium und Natrium verloren. Magnesium ist in der Muskulatur entspannend und wirkt auf das Nervensystem regulierend. Ein vorübergehender Magnesium-Mangel allein kann daher schon Unruhe und Einschlafprobleme in der Nacht nach dem ausgiebigen Weinabend verstärken.
Wodurch die Erholung nach Alkoholgenuss beeinflusst wird
Die Erholung hängt von vielen Faktoren ab, die sich auch messen lassen. Erstens die Weinsorte: Rotweine enthalten mehr Histamin und mehr Tannin als Weißweine, was bei histaminsensitiven Menschen zu mehr Kopfschmerzen führen kann. Der oft verdächtigte Schwefel spielt dagegen keine Rolle für das Entstehen von Kopfschmerzen.
Zweitens der zeitliche Abstand zwischen dem letzten Glas und dem Einschlafen: Je kürzer, desto höher der Alkoholspiegel in den regenerativen Schlafphasen. Drittens die Nahrungsaufnahme: Essen vor oder beim Weingenuss führt zu einer Verzögerung der Alkoholresorption im Dünndarm, was zu einem messbar niedrigeren Spitzenalkoholspiegel im Blut führt. Wer also Wein zum Essen trinkt, verringert die Gefahr von Kater und Kopfschmerz.








































































