Weinregionen Oregon, Washington

Land im Zustand der Gärung

Es gibt Stim­men, die behaup­ten, daß die bes­ten Wei­ne Ame­ri­kas eines Tages aus ande­ren Bun­des­staa­ten als Kali­for­ni­en kom­men wer­den – Ore­gon etwa. Im Schat­ten sei­nes gro­ßen süd­li­chen Nach­barn hat sich Ore­gon zumin­dest auf einem Feld zum heim­li­chen Her­aus­for­de­rer ent­wi­ckelt: beim Pinot Noir.

David Lett

Die Reb­flä­chen Ore­gons betra­gen nur etwa zwei Pro­zent der­je­ni­gen Kali­for­ni­ens. Ernst­zu­neh­men­de wein­bau­li­che Unter­neh­mun­gen wur­den erst in den 60er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts regis­triert, als in Kali­for­ni­en bereits eine all­ge­mei­ne Auf­bruch­stim­mung herrsch­te. Das gemä­ßig­te, fast euro­päi­sche Kli­ma mit mil­den Win­tern und nicht zu tro­cke­nen Som­mern ver­an­laß­te eini­ge Pio­nie­re, sich süd­lich von Port­land am Wil­la­met­te River nie­der­zu­las­sen, um dort Reben anzu­bau­en – ent­ge­gen dem Rat der kali­for­ni­schen Wein-Universität in Davis nicht ame­ri­ka­ni­sche Hybrid­re­ben, son­dern euro­päi­sche Vinifera-Reben: Char­don­nay, Ries­ling, Gewürz­tra­mi­ner und vor allem Pinot Noir.

 

Später Erfolg der Pinot Noir

Die rote Bur­gun­der­re­be ent­wi­ckel­te sich in dem mil­den Kli­ma am bes­ten und bedeckt heu­te fast die Hälf­te der Reb­flä­che des Lan­des. Die Wei­ne, die aus ihr gewon­nen wer­den, sind weder schwer noch säu­re­arm, son­dern zart­fruch­tig, fein und daher den fran­zö­si­schen Bur­gun­dern ähn­li­cher als die meis­ten kali­for­ni­schen Wei­ne aus die­ser Reb­sor­te. Der Enthu­si­as­mus der Pinot-Noir-Pioniere war der­art anste­ckend, daß meh­re­re Flücht­lin­ge aus Kali­for­ni­en sich am Wil­la­met­te River nie­der­lie­ßen, um sich auf das Aben­teu­er mit der Sor­te ein­zu­las­sen, die bis­lang nir­gend­wo außer­halb Bur­gunds über­zeu­gen­de Ergeb­nis­se gebracht hat­te. Selbst das Bur­gun­der Han­dels­haus Robert Drou­hin eröff­ne­te eine Depen­dance in Ore­gon. Ande­re wich­ti­ge Pinot-Noir-Produzenten sind Elk Cove Viney­ards, Bethel Heights Viney­ard und Adels- heim Viney­ard. Einen gro­ßen Teil der Trau­ben kau­fen sie von Win­zern zu, weil nur weni­ge der Neu­grün­dun­gen über aus­rei­chend Reb­land ver­fü­gen. Neben Pinot Noir ist Ore­gon stel­len­wei­se mit Char­don­nay und Gewürz­tra­mi­ner erfolg­reich, im Süden des Lan­des auch mit Caber­net Sau­vi­gnon.

Washington

Beregnungsanlagen in Yakima Valley

Der Bun­des­staat Washing­ton im äußers­ten pazi­fi­schen Nord­wes­ten Ame­ri­kas hat dop­pelt soviel Reb­flä­che wie Ore­gon – und ist noch unbe­kann­ter. Das liegt dar­an, daß der Wein­bau im Ver­gleich zur domi­nie­ren­den Getrei­de­wirt­schaft des Lan­des nur einen gerin­gen Stel­len­wert hat. An der Qua­li­tät liegt es jeden­falls nicht. Die Caber­net Sau­vi­gnon und vor allem die Mer­lot, die am war­men Colum­bia River und im Yaki­ma Val­ley wach­sen, sind von beacht­li­cher Qua­li­tät, wenn auch nicht so her­aus­ra­gend, daß sie eine Kon­kur­renz für Kali­for­ni­en wer­den könn­ten. Es sind voll­mun­di­ge, schwe­re Wei­ne, denen es nie an Fül­le, gele­gent­lich aber etwas an Fein­heit fehlt. Das füh­ren­de Wein­gut Washing­tons ist Châ­teau Sain­te Michel­le am Colum­bia River, das auch bemer­kens­wer­te Weiß­wei­ne aus Sémillon- und Sauvignon-Reben erzeugt. Außer­halb Ame­ri­kas tau­chen die Wei­ne fast nie auf.

Andere Weinanbaugebiete

Arizona:

Der hei­ße Süd­wes­ten Ame­ri­kas ist durch gute Weiß- und Rot­wei­ne berühmt gewor­den, die auf den Terra-Rossa-Böden um Tus­con wach­sen.

Virginia:

Auf­stre­ben­des Wein­land im Osten der USA, in des­sen mil­dem Kli­ma schon vor 350 Jah­ren Reben ange­baut wur­den. Inzwi­schen sind ein Groß­teil der Hybrid­re­ben gero­det und durch Char­don­nay, Caber­net Sau­vi­gnon und Mer­lot ersetzt wor­den. Sie erge­ben mit­tel­schwe­re Wei­ne ganz eige­ner Prä­gung.

New York:

Die Fin­ger Lakes im Bun­des­staat New York nahe dem Erie­see sind seit Jahr­zehn­ten für exzel­len­te edel­sü­ße Wei­ne berühmt – eben­so die Küs­ten von Long Island vor den Toren New Yorks.