Weinlagerung: Was länger reift, schmeckt deutlich besser

alte Weinflaschen im Keller
Alle reden davon, dass Wein reifen muss. Was aber, wenn man in einer 2-Zimmer-Mietwohnung lebt und nur ein kleines Kellerabteil zur Verfügung hat? Muss man deshalb auf Weinlagerung verzichten? Nein, sagt Jens Priewe.

Miet­woh­nun­gen haben meist nur ein klei­nes Kel­ler­ab­teil. Es ist voll­ge­stellt mit Kis­ten, Möbeln, Win­ter­rei­fen und allem mög­li­chen Krims­krams. Kein Ort, um Wein zu lagern? Falsch. Wer Umzugs­kis­ten staut, kann auch Wein­kar­tons sta­peln. In einem abge­stell­ten Klei­der­schrank las­sen sich zumin­dest ein paar Kar­tons unter­brin­gen. 40, 50 Fla­schen viel­leicht – genug, um ein paar Bor­deaux oder Spät­bur­gun­der rei­fen zu las­sen.

Wenn es sich um ein ein­seh­ba­res Abteil han­delt, sind die Fla­schen so auch den Bli­cken neu­gie­ri­ger Nach­barn ent­zo­gen.

Nicht schön, aber praktisch: Weinregale selbst gemacht

In einem blick­dich­ten Abteil las­sen sich Fla­schen oder Kar­tons auch offen lagern. Mit Back­stei­nen und Bau­bret­tern kann man sich, ohne zur Mör­tel­kel­le zu grei­fen, ein Regal kon­stru­ie­ren, in dem ein paar Dut­zend Fla­schen Platz haben kön­nen, je nach frei­er Wand­flä­che auch ein paar hun­dert. Wenn ein Umzug ansteht, wird es ein­fach wie­der abge­baut. In Bau­märk­ten fin­den sich Schwer­last­re­ga­le aus Metall schon für 19,90 Euro, die man leicht zusam­men­schrau­ben und (wie ich es tue) mit bis zu 250 Fla­schen bestü­cken kann.

Ikea und ande­re bie­ten sogar rich­ti­ge Fla­schen­re­ga­le aus Kie­fern­holz an – der bil­ligs­te Anbie­ter ein Regal für 99 Fla­schen zum Preis von 22,90 Euro. Schön sind sol­che Wein­re­ga­le aller­dings nicht. Aber prak­tisch.

Sta­bi­ler wäre aller­dings ein Regal aus sta­pel­ba­ren Kunststoff-Einsätzen. Es lässt sich auf kleins­tem Raum hoch­zie­hen. Ein Sechser-Element bekommt man schon für 2,99 Euro. Wer nicht mit jedem Euro rech­nen muss, kann sich für sei­ne Fla­schen natür­lich auch einen Teakholz-Kubus in den Kel­ler stel­len mit gebürs­te­ten Edel­stahl­rän­dern und Hin­ter­grund­be­leuch­tung. Dem guten und dem schlech­ten Geschmack sind dabei kei­ne Gren­zen gesetzt. Die Win­ter­rei­fen soll­te man dann aus ästhe­ti­schen Grün­den aller­dings aus dem Abteil ent­fer­nen.

„Warmlagerung“ nur begrenzt möglich

Wer die Wein­fla­schen sei­nen Freun­den prä­sen­tie­ren und etwas ganz Schi­ckes haben möch­te, fin­det eine rei­che Aus­wahl an Massivholz-Möbeln mit Fla­schen­fä­chern auf dem Markt, von der Kom­mo­de im Retro-Look bis zum Fla­schen­hal­ter mit LED-Beleuchtung. Die­se Möbel sind dann aller­dings eher für die gute Stu­be als für den Kel­ler gemacht.

Vie­le Kel­ler sind für eine län­ge­re Fla­schen­la­ge­rung zu warm, vor allem Neu­bau­kel­ler. Bei einer Tem­pe­ra­tur von 18° C und mehr soll­te man Wein nicht jah­re­lang lie­gen las­sen. Man­che sagen: über­haupt nicht lagern. Doch das wäre über­trie­ben. In Kauf­häu­sern und Fach­hand­lun­gen lie­gen man­che Fla­schen über ein Jahr im Regal, und die Tem­pe­ra­tur in den Ver­kaufs­räu­men beträgt min­des­tens 22°C. Emp­feh­lens­wert ist eine der­ar­ti­ge „Warm­la­ge­rung“ nicht. Aber die meis­ten Wei­ne sind heu­te so sta­bil, dass sie eine Lage­rung von einem Jahr oder zwei Jah­ren auch unter ungüns­ti­gen Tem­pe­ra­tur­be­din­gun­gen rela­tiv schad­los über­ste­hen.

Weinkühlschränke sind keine Weinklimaschränke

Ansons­ten muss ein Wein­kli­ma­schrank her. Er ist die per­fek­te Lösung für alle, die ihren Wein 3, 5 oder mehr Jah­re lagern wol­len. Er garan­tiert kon­stan­te Luft­feuch­tig­keit und Tem­pe­ra­tur (ein­stell­bar zwi­schen 5 und 20°C), ist geruch­s­iso­liert und vibra­ti­ons­arm: die Kom­pres­so­ren sind auf Schwin­gungs­dämp­fern mon­tiert. Es gibt Wein­kli­ma­schrän­ke für über 200 Fla­schen, aber auch für 33 Fla­schen. Klei­ne, ein­fa­che Model­le sind schon für 299 Euro zu haben.

Doch auf­ge­passt: Wein­kli­ma­schrän­ke sind etwas ande­res als Wein­kühl­schrän­ke. Letz­te­re sind nor­ma­le, ther­mo­stat­ge­steu­er­te Kühl­schrän­ke mit Fla­schen­bö­den. Sie gibt es schon für unter 100 Euro. Die Tem­pe­ra­tur in ihnen schwankt stets um zwei bis drei Grad, bis die Küh­lung wie­der ein­setzt – gut für die kurz­fris­ti­ge Tem­pe­rie­rung, schlecht für eine län­ge­re Lage­rung. In Kli­ma­schrän­ken ist die Tem­pe­ra­tur dage­gen kon­stant. Dafür sind sie Strom­schlu­cker. Die Bes­ten haben die Effi­zi­enz­klas­se A+. Vie­le aber sind Effi­zi­enz­klas­se C und ver­brau­chen je nach Grö­ße und Tem­pe­ra­tur 350 Kilo­watt­stun­den im Jahr. Das sind 80 Euro bei heu­ti­gen Strom­prei­sen.

Nicht billig, aber schön: Weinklima-Möbel

Auch für die Woh­nung wäre ein Wein­kli­ma­schrank die idea­le Lösung: in der Küche als Ein­bau­schrank, in der Die­le als Stand­mo­dell mit Glas­tür und strom­spa­ren­der blau­er LED-Beleuchtung. Der Kor­pus kann aus Mas­siv­holz oder far­bi­gem Edel­stahl sein, je nach Geschmack. Ist die Woh­nung groß genug, kann man auch zwei Kli­ma­schrän­ke neben­ein­an­der stel­len.

Pein­lich ist nur, wenn in solch edlen Weinklima-Möbeln Pinot Gri­gio oder Cham­pa­gner von der Tank­stel­le lagern – die Geis­sens las­sen grü­ßen (aus der gleich­na­mi­gen TV-Serie).

Weiß­wei­ne müs­sen übri­gens nicht küh­ler gela­gert wer­den als Rot­wei­ne. Sie soll­ten nur küh­ler ser­viert wer­den. Vie­le Wein­kli­ma­schrän­ke haben des­halb drei Tem­pe­ra­tur­zo­nen: oben 16°C für Rot­wei­ne, mit­tig 10°C für Weiß­wei­ne, unten 6°C für Schaum­wei­ne. Prak­tisch. Und mit geräusch­ar­men 40 Dezi­bel sind sie abso­lut „miet­woh­nungs­kom­pa­ti­bel“.

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1 Kommentar

  • Wein in Woh­nung lagern ist Blas­phe­mie! Trinkt den Wein und erfreut euch am Leben!
    Ich habe frü­her auch Wein Kis­ten­wei­se in mei­ner Woh­nung gela­gert bis ich dar­auf kam wie däm­lich und ner­dy das ist. Seit dem kau­fe ich mei­nen Wein fla­schen­wei­se vom Wein­händ­ler und lebe ein ent­spann­tes und men­tal aus­ge­gli­che­nes Leben. Was ich auch euch wün­sche.

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