Weingut Loacker: Drei Brüder auf eigenen Wegen

© Tiberio Sorvillo
Das Südtiroler Familienweingut steckt auch 40 Jahre nach der Gründung voller Pioniergeist und neuen Ideen.

Das Rebel­li­sche, die Suche nach eige­nen Wegen, liegt den Loackers offen­bar im Blut. Den Grund­stein für den Fami­li­en­be­trieb leg­te Rai­ner Loacker 1979, indem er den Schwar­hof ober­halb von Bozen kauf­te und sogleich begann, die Reben bio­lo­gisch zu bewirt­schaf­ten. „Ein quer­den­ken­der Ex- Indus­tri­el­ler, der in die Wein­bran­che inves­tiert und dann auch noch biologisch-organisch wirt­schaf­tet, das war ein Unding“, erzählt sein Sohn Hayo Loacker. Es war nichts weni­ger als eine unbe­ab­sich­tig­te Kampf­an­sa­ge an die eta­blier­te Wein­kul­tur in Süd­ti­rol. Rück­schlä­ge waren vor­pro­gram­miert, aber Loacker war zäh, blieb bei sei­ner Linie und brach­te das Gut auf Erfolgs­kurs. Ende der 1980er Jah­re ging er sogar den Schritt zur Bio­dy­na­mie, wie­der ein eige­ner, schwie­ri­ger Weg.

Sei­ne Söh­ne Hayo, Franz-Josef und Han­nes gehen kon­se­quent wei­ter eige­ne Wege, alle haben sie in der Wein­welt wert­vol­le Erfah­run­gen gesam­melt, die nun in ihr Wir­ken ein­flie­ßen. Hayo, der als Öno­lo­ge unter ande­rem im Bur­gund und in Süd­afri­ka gear­bei­tet hat, erklärt ihre Arbeit  so: „Wir ver­su­chen die idea­le Abstim­mung zwi­schen Rebe, Boden und Mikro­kli­ma zu fin­den und im Kel­ler zu ganz indi­vi­du­el­len Wei­nen aus­zu­bau­en“. Hier­bei ach­te­ten sie dar­auf, „wie die Natur uns dabei hel­fen kann, nicht wie wir über sie bestim­men oder sie aus­trick­sen kön­nen.“

Hayo Loacker, © Tiberio Sor­vil­lo

Um die Cha­rak­te­ris­ti­ken des jewei­li­gen Ter­ro­irs zum Aus­druck zu brin­gen, ist nach Loackers Ansicht auch eine mög­lichst indi­vi­du­el­le Beglei­tung der ein­zel­nen Lagen und Par­zel­len not­wen­dig. Die Wei­ne wer­den über­wie­gend spon­tan mit den wein­berg­sei­ge­nen Hefen ver­go­ren und in klei­nen Par­ti­en aus­ge­baut. Je nach Wein und Jahr­gang kom­men Edel­stahl, gro­ße und klei­ne Eichen­holz­fäs­ser als Rei­fe­ge­bin­de zum Ein­satz.

Und auch bei der Fla­schen­fül­lung sind die Brü­der wie­der auf einem eige­nen Weg unter­wegs. Sie setz­ten kom­pro­miss­los auf den Glas­kor­ken. „Die­ser hoch­wer­ti­ge Glas­ver­schluss garan­tiert, dass sich die Wei­ne lang­sam in der Fla­sche ent­fal­ten, ohne Risi­ko eines Korkt­ons“ erklärt Hayo Loacker, „Wäre ja zu scha­de. Für uns ist Qua­li­tät die obers­te Maxi­me, daher ver­schlie­ßen wir unse­re Wei­ne, wo mög­lich, mit Glas. Ende der Dis­kus­si­on.“

© Tiberio Sor­vil­lo

Die Loackers haben in den 1990er Jah­ren zwei wei­te­re Wein­gü­ter in der Tos­ka­na erwor­ben bzw. auf­ge­baut: Cor­te Pavo­ne in der Brunello-Zone süd­lich von Sie­na und die Tenuta Val­di­fal­co in der Marem­ma. Die Reben dort wer­den eben­falls bio­dy­na­misch bear­bei­tet und obgleich die Flä­che und Pro­duk­ti­on ein gan­zes Stück grö­ßer sind, als die in Süd­ti­rol schlägt das Herz der „Loacker Wine-Estates“ wei­ter­hin auf dem Schwar­hof ober­halb von Bozen. Dort gibt es ein neu­es High­light: Den Sky­wi­ne Pavil­lon, einen ver­glas­ten Ver­kos­tungs­raum in luf­ti­ger Höhe mit Panorama-Blick auf Wein­ber­ge und Dolo­mi­ten. Besu­cher sind hier will­kom­men. Han­nes Loacker: „Hier kön­nen Sie alle Loacker Wei­ne ver­kos­ten und die Aus­sicht genie­ßen. Es wird sich loh­nen, ver­spro­chen“.

Der Sky­wi­ne Pavil­lon, © Tiberio Sor­vil­lo

An den Hän­gen ober­halb von Bozen sowie im Eisack­tal baut die Fami­lie Loacker über­wie­gend die klas­si­schen Reb­sor­ten Süd­ti­rols an, zu denen neben Ver­natsch und Lag­rein, seit Anfang des 19. Jahr­hun­derts auch Bur­gun­der­sor­ten, sowie Sau­vi­gnon blanc gehö­ren.

Weingut Loacker – Drei ausgewählte Weine:

2019 Sau­vi­gnon Blanc Tas­nim

Benannt nach der para­die­si­schen Quel­le des Korans. Sei­ne bis zu 31 Jah­re alten Reb­stö­cke ste­hen in ver­schie­de­nen Par­zel­len in St. Jus­ti­na, ober­halb von Bozen. Fei­ner, unauf­dring­li­cher Duft, dank Mai­sche­stand­zeit und Aus­bau im gro­ßen Holz kom­plex, wür­zig und anhal­tend im Geschmack. Zu Fisch und Mee­res­früch­ten sowie fei­nem Gemü­se wie Spar­gel. 18,30€

2018 St. Mag­da­le­ner Morit

Benannt nach einem Süd­ti­ro­ler Gra­fen­ge­schlecht. Gewach­sen an bald 50 Jah­re alten Ver­nat­schre­ben dazu kom­men klei­ne Antei­le von Lag­rein und Blau­bur­gun­der. Fruchtig-würzig und sehr balan­ciert mit fei­nen Gerb­stof­fen. Ein Klas­si­ker zu Speck und Käse, aber auch zu hel­lem Fleisch und gegrill­tem Fisch. 11,90€

2018 Lag­rein Gran Lareyn

Lareyn war der Har­fen­spie­ler am sagen­haf­ten Hof von Fürst Tor­col. Alte Reben, nied­ri­ge Erträ­ge und Aus­bau im gro­ßen und klei­nen Eichen­holz­fass erbrin­gen einen zupa­cken­den Wein, der noch ganz am Anfang sei­ner Ent­wick­lung steht. Duft von dunk­len Früch­ten, Kräu­tern und Gewür­zen, mar­kan­tes aber rei­fes Tan­nin. Zu dunk­lem Fleisch und Hart­kä­se. 20,90€

 

Bezug direkt bei

Wein­gut Loacker
Sanct Jus­ti­na 3
39100 Bozen

und

Cor­te Pavo­ne
Loc. Cor­te Pavo­ne
53024 Mon­tal­ci­no

Oder natür­lich im Online-Shop unter www.loacker.winzershop.store

 

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