Portrait Italien

Weingut In der Eben: der etwas andere Vernatsch

Vernatsch - Urban Plattner
Urban Plattner aus Südtirol keltert Vernatsch. So weit, so langweilig. Aber was der 31-jährige Winzer in Flaschen füllt, ist gar nicht langweilig, findet Patrick Hemminger.

Es gibt wenig, was Urban Platt­ner auf­regt. Nur bei einer Sache, da wird er wütend. Wenn jemand die Art als falsch abtut, wie er und ein paar ande­re Win­zer in Süd­ti­rol den Ver­natsch kel­tern. „Ich kann ver­ste­hen, wenn jemand am Anfang mei­ne Wei­ne nicht mag oder nicht ver­steht“, sagt Platt­ner. „Aber wenn ich erklä­ren kann, was ich da tue, dann wech­selt meist Unver­ständ­nis in Begeis­te­rung.“

Was Plattner anders macht? Alles!

Weinflaschen
Wein­fla­schen

Was Platt­ner oder Kol­le­gen wie Mar­tin Gojer und Hart­mann Donà mit ihren Ver­natsch anders machen, ist schnell gesagt: alles. Blind sind ihre Wei­ne kaum als Ver­natsch zu erken­nen. Mit dem typi­schen, klar defi­nier­ten Geschmacks­bild haben sie nichts mehr zu tun – sie sind weder frisch-rotfruchtig, noch easy-drinking noch für klei­nes Geld zu haben.

Die­se Win­zer arbei­ten mit äußerst redu­zier­ten Erträ­gen von alten Reb­stö­cken, las­sen den Wein Tage bis Wochen auf der Mai­sche, legen ihn in Holz­fäs­ser und dort bleibt er manch­mal jah­re­lang. Was am Ende in die Fla­sche kommt, das pola­ri­siert. Platt­ner sagt dazu: „Der Ver­natsch hat ein klar defi­nier­tes Geschmacks­bild. Aber das kann und darf durch­bro­chen wer­den.“

Wenig Gemeinsamkeiten mit herkömmlichen Vernatsch-Weinen

Sein der­zeit jüngs­ter Wein auf dem Markt ist der Ver­natsch „Sankt Anna“ aus dem Jahr 2014. Schon im Glas zeigt er wenig Gemein­sam­kei­ten mit einem klas­si­schen Ver­natsch. Die Far­be ist deut­lich dunk­ler und kräf­ti­ger. In der Nase domi­nie­ren schwar­ze Früch­te, der Holz­ein­satz bringt kräf­ti­ge Röst­aro­men mit sich. Auch am Gau­men sucht man die Gemein­sam­keit mit dem, was all­ge­mein als Ver­natsch bekannt ist, ver­geb­lich. Packen­de Säu­re, viel Tan­nin, wenig Frucht, und die eher von der dunk­len Sor­te. Ein Schmeich­ler ist das nicht. Wer sich viel­leicht schon eine Brett­lma­ren­de gerich­tet hat­te, wird sich ent­setzt abwen­den.

Tannin wie ein Sangiovese

Ich hat­te neu­lich zu einem meh­re­re Stun­den ein­ge­koch­tem Toma­ten­su­go eine Fla­sche „Sankt Anna“ getrun­ken. In die­ser Kom­bi­na­ti­on zeig­te der Wein, wo die Rei­se mit die­ser Art von Ver­natsch hin­ge­hen kann: in völ­lig neue Kom­bi­na­tio­nen von Wein und Spei­sen. Die Säu­re der Toma­ten­so­ße kon­tras­tier­te wun­der­bar mit der des Weins, selbst die kräf­ti­gen Tan­ni­ne lie­ßen sich von dem Gericht ein­fan­gen und bän­di­gen. Ein San­giove­se hät­te kaum bes­ser pas­sen kön­nen.

Am Eingang zum Eisacktal gelegen

Weingut In der Eben am Ritten bei Bozen
Wein­gut In der Eben am Rit­ten bei Bozen

Das Wein­gut des Urban Platt­ner heißt „In der Eben“. Es liegt an den öst­li­chen Hän­gen des Rit­ten im Eisack­tal. Wer kurz vor der Aus­fahrt Bozen Nord nach rechts den Berg hin­auf­schaut, der kann es von der Autostra­da aus sehen. Platt­ner bewirt­schaf­tet drei­ein­halb Hekt­ar. Die Wein­ber­ge sind ver­streut und lie­gen auf einer Höhe zwi­schen 450 und 550 Meter. „Die Land­schaft hier ist von der Eis­zeit geformt, des­halb sind die Böden inter­es­sant. Wir lie­gen noch auf der Boz­ner Por­phyr­plat­te, das ist Vul­kan­ge­stein. Es gibt aber auch Morä­nen­land­schaft mit Gra­nit und Schie­fer, die die Glet­scher aus dem Eisack­tal gebracht haben.“

Der Vater vinifizierte noch ganz konventionell

Der Hof ist urkund­lich erst­mal im Jahr 1348 erwähnt und war ein typi­scher Süd­ti­ro­ler Misch­be­trieb. Erst Platt­ners Vater begann Wein abzu­fül­len. Er hat­te 1990 auf bio­lo­gi­schen Anbau umge­stellt und ver­kauf­te sei­ne Trau­ben an die Genos­sen­schaft. 1996 begann er, sei­ne Trau­ben selbst zu vini­fi­zie­ren und den Wein selbst aus­zu­bau­en und abzu­fül­len. „Die Wei­ne waren gut, aber aus­tausch­bar“, sagt Platt­ner Juni­or über die Arbeit sei­nes Vaters. Der arbei­te­te im Kel­ler noch kon­ven­tio­nell, ver­wen­de­te Rein­zucht­he­fen, fil­trier­te, setz­te mehr Stahl­tanks ein.

Der Junior geht einen Schritt weiter

„Mei­ne Idee war es dann, im Kel­ler einen Schritt wei­ter­zu­ge­hen“, sagt Platt­ner. Er ließ Rein­zucht­he­fen und Fil­ter weg, schaff­te mehr Holz­fäs­ser an und erhöh­te die Lager­zeit der Wei­ne deut­lich. Nur ein biss­chen Schwe­fel kommt noch in sei­nen Wein, das war’s. Der Wein macht also weit­ge­hend das, was er will.

15.000 Fla­schen füllt In der Eben jedes Jahr ab. und nicht nur Ver­natsch. Neben dem „Sankt Anna“ macht Platt­ner noch einen „Sankt Anna R“, eine Art Riser­va. Von ihr ist aktu­ell der Jahr­gang 2010 auf dem Markt. Außer­dem pro­du­ziert er einen Roten Mal­va­sier, einen Mer­lot sowie Gewürz­tra­mi­ner und Sau­vi­gnon Blanc. Bei allen Wei­nen ist Platt­ners Hand­schrift klar zu erken­nen. Alle Wei­ne lagen – zumin­dest für ein paar Mona­te – im Holz­fass, alle sind kei­ne Schmeich­ler und wenig oder gar nicht von der Pri­mär­frucht geprägt. Die Prei­se bewe­gen sich zwi­schen elf Euro für den „Sankt Anna“ und 21 Euro für den „Sankt Anna R“.

Über den schonenden Rebschnitt zum anderen Wein

Vernatsch-Traube
Vernatsch-Traube

Wie kommt jemand mit 31 Jah­ren dar­auf, so gegen den Main­stream zu schwim­men? Als Platt­ner mit der Schu­le fer­tig war, lern­te er das Win­zer­hand­werk in Laim­burg und Weins­berg in der Nähe von Heil­bronn. „Am meis­ten Inspi­ra­ti­on für mei­ne Arbeit habe ich aber danach bei einem Prak­ti­kum für die Pre­pa­ra­to­ri d’Uva bekom­men“, sagt Platt­ner. Das ist eine klei­ne, nord­ita­lie­ni­sche Bera­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on für Win­zer, die einen sanf­ten Umgang mit den Reben pro­pa­gie­ren, beson­ders beim Schnei­den.

Von Josko Gravner gelernt

Als er sich dann noch mit den Natu­ral Wines von Josko Grav­ner aus dem Fri­aul beschäf­tig­te, war Platt­ner end­gül­tig für alles Gewöhn­li­che ver­dor­ben. Grav­ner gilt vie­len als der Groß­meis­ter der Ampho­ren­wei­ne. „Er war einer der ers­ten, die auf nied­ri­ge Erträ­ge setz­ten, dann Bar­ri­ques kauf­ten, dann die Bar­ri­ques wie­der aus dem Kel­ler ver­bann­te und dafür Ampho­ren anschaff­te“, sagt Platt­ner. Als er Grav­ners Wei­ne zum ers­ten Mal pro­bier­te, moch­te er sie nicht und ver­stand sie nicht. Erst mit der Zeit erlag der der Fas­zi­na­ti­on die­ser unkon­ven­tio­nel­len Arbeit.

Biodynamie ist die Voraussetzung

Die­se Fas­zi­na­ti­on war mit ein Grund dafür, dass Platt­ner im Jahr 2014 auf bio­dy­na­mi­sche Wirt­schafts­wei­se umstell­te. „Bio ist zwar ganz gut, man lässt erst­mal alles Böse weg. Bei der Bio­dy­na­mie aber gibt man noch etwas hin­zu. Ich habe Instru­men­te in der Hand, mit denen ich einen gesün­de­ren Orga­nis­mus auf­bau­en kann.“ Es zei­ge sich, dass mit der Bio­dy­na­mie Din­ge mach­bar sind, die frü­her für unmög­lich gehal­ten wur­den, der Ver­zicht auf Kup­fer­sprit­zun­gen gegen den Mehl­tau etwa. Bereits seit eini­gen Jah­ren ver­wen­det Platt­ner auf einem hal­ben Hekt­ar mit Sau­vi­gnon Blanc die­ses Schwer­me­tall nicht mehr, obwohl es in begrenz­ter Men­ge selbst nach Demeter-Richtlinien erlaubt wäre. Mit Erfolg. „Viel­leicht ist es sogar mög­lich, einen Boden auf­zu­bau­en, bei dem ich irgend­wann nicht mehr bewäs­sern muss“, sagt Platt­ner. Auf jeden Fall hat er das Gefühl, dass sich schon jetzt, kurz nach der Umstel­lung, in den Wein­ber­gen etwas ändert. So war durch die feuch­te Wit­te­rung im Som­mer des ver­gan­ge­nen Jah­res der Krank­heits­druck in ganz Süd­ti­rol enorm. Bei ihm „war es gar nicht so schlimm.“

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