“Wein der Hundertjährigen” – was ist dran?

©Hermes Rivera
Moderater Weinkonsum hat positive Effekte. Zwei Rote aus Sardinien und Südwestfrankreich gelten als „Weine der Hunderjährigen“, weil sie so gesund sind.

Als beson­ders gesund gilt der soge­nann­te “Wein der Hun­dert­jäh­ri­gen”, der auf Sar­di­ni­en und in Süd­west­frank­reich gekel­tert wird. Doch was genau hat es mit den bei­den Roten auf sich? Rot­wein ist eben nicht gleich Rot­wein. Die Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit vari­ie­ren in Abhän­gig­keit davon, wel­che Inhalts­stof­fe in wel­cher Men­ge in ihnen vor­han­den sind.

Französisches Paradoxon und langlebige Sarden

Medi­zi­ner haben schon vor etli­chen Jah­ren ein Phä­no­men beob­ach­tet, dass sie als “Fran­zö­si­sches Para­do­xon” bezeich­nen: Obwohl die typi­sche Ernäh­rung vie­ler Fran­zo­sen, ins­be­son­de­re der länd­li­chen Bevöl­ke­rung im Süd­wes­ten Frank­reichs, fett und kalo­ri­en­reich ist, tre­ten dort Herz-Kreislauf-Erkrankungen deut­lich sel­te­ner auf als in ande­ren Regio­nen Euro­pas oder der USA. Zudem liegt die Lebens­er­war­tung in Süd­west­frank­reich signi­fi­kant über dem euro­päi­schen Durch­schnitt. Para­dox. Im Rah­men von Unter­su­chun­gen zu die­sem The­ma ent­deck­ten bri­ti­sche Wis­sen­schaft­ler einen inter­es­san­ten Effekt, der das Phä­no­men erklä­ren könn­te. Sie konn­ten nach­wei­sen, dass die in Scha­len roter Trau­ben ent­hal­te­nen Poly­phe­no­le die Ver­en­gung von Blut­ge­fä­ßen hem­men und damit der Ent­ste­hung von Infark­ten ent­ge­gen­wir­ken kön­nen.

Gesund bleiben und alt werden mit bestimmten Rotweinen

Ähn­lich alt wer­den die Men­schen auf Sar­di­ni­en, obwohl auch sie sich kalo­ri­en­reich ernäh­ren. Aller­dings kon­su­mie­ren sie Oli­ven­öl statt But­ter und vie­le Koh­len­hy­dra­te in Form von Brot und Süßig­kei­ten statt fet­tem Fleisch. Was sie mit den Fran­zo­sen gemein haben, ist der regel­mä­ßi­ge Kon­sum von Rot­wein. Das Geheim­nis ihrer Gesund­heit scheint in bei­den Fäl­len mit dem Wein zu tun zu haben. Sowohl in Süd­west­frank­reich als auch auf Sar­di­nen sind die Rot­wei­ne reich an Tan­nin, Anto­cya­nen und Res­ver­a­trol, Alle drei Sub­stan­zen gehö­ren zur Grup­pe der Poly­phe­no­le. Sie sit­zen in den Scha­len roter Bee­ren und gehen bei der Gärung in den Wein über. Im mensch­li­chen Kör­per zer­stö­ren sie die frei­en Radi­ka­le, die für die Plaque-Ablagerungen in den Arte­ri­en und damit für Herz­in­farkt und Schlag­an­fall ver­ant­wort­lich sind. Die Poly­phe­no­le wir­ken als „Radi­ka­len­fän­ger“, wie die Wis­sen­schaft­ler sagen. Doch war­um ist die Lang­le­big­keit vor allem in Süd­west­frank­reich und auf Sar­di­ni­en so aus­ge­prägt? Rot­wein gibt es schließ­lich über­all in Frank­reich und Ita­li­en. Die Ant­wort: Es liegt an den spe­zi­el­len Wei­nen, die es auf Sar­di­ni­en und in Süd­west­frank­reich gibt. Genau­er gesagt: an den Reb­sor­ten, aus denen sie erzeugt wer­den.

Tannat und Cannonau – die Traubensorten der Hundertjährigen

Im Süd­wes­ten Frank­reichs ist es die Sor­te Tan­nat, die über­reich an Poly­phe­n­o­len ist. Der Pyre­nä­en­wein Mad­iran ist ganz aus ihr gekel­tert, ein gehalt­vol­ler, dun­kel­far­be­ner Roter aus dem Pyre­nä­en­vor­land. Im Cahors aus der Nähe von Tou­lou­se wird die Tannat-Traube mit der Malbec-Traube ver­schnit­ten. In eini­gen ande­ren Rot­wei­nen Süd­west­frank­reichs tritt sie zusam­men mit Caber­net Sau­vi­gnon, Caber­net franc, Mer­lot oder Fer Ser­va­dou auf. Auf Sar­di­ni­en ist es die Trau­ben­sor­te Can­no­nau, die beson­ders vie­le „Radi­ka­len­fän­ger“ ent­hält. Aus ihr sind vie­le Rot­wei­ne der Insel gekel­tert. Can­no­nau di Sar­degna wird des­halb als “Wein der Hun­dert­jäh­ri­gen” bezeich­net. Um die Bezeich­nung Can­no­nau di Sar­degna tra­gen zu dür­fen, muss ein Wein zu wenigs­tens 85 Pro­zent aus die­ser Reb­sor­te gekel­tert sein. Für einen Can­no­nau di Sar­degna Clas­si­co muss ihr Anteil sogar min­des­tens 90 Pro­zent betra­gen.

Wer in Deutsch­land einen ech­ten Can­no­nau di Sar­degna trin­ken möch­te, fin­det ihn nur sel­ten in Super­märk­ten oder Lebens­mit­tel­ge­schäf­ten. Nur weni­ge Wein­händ­ler füh­ren ihn im Sor­ti­ment. Am bequems­ten lässt sich die­ser beson­de­re Wein aus Ita­li­en online bestel­len. Das Gute an dem Can­no­nau ist: Er ist herr­lich fruch­tig und schmeckt auch jung schon her­vor­ra­gend.

 

Kommentar hinzufügen

Antwort schreiben