Wein aus Griechenland zur feinen Küche? Perfekt!

Yiannis Karakasis, einer von zwei griechischen Master of Wine, moderierte ein Abendessen mit ausgesuchten Weinen seiner Heimat im Münchener 1-Sterne-Restaurant Königshof. Im folgenden Beitrag beschreibt er, warum der griechische Wein in Deutschland und in der Welt eine Zukunft hat.

Es gibt meh­re­re Grün­de, war­um die Wei­ne Grie­chen­lands erst in den letz­ten 20 Jah­ren inter­na­tio­nal für Furo­re sor­gen. Der moder­ne Wein­kon­su­ment ist heu­te offe­ner dafür, was ihm der grie­chi­sche Wein geben kann. Dies ist nicht nur eine Fra­ge der Qua­li­tät der Wei­ne.

Auch die Trends und die Dyna­mik im inter­na­tio­na­len Wein­markt spie­len bei die­ser Ent­wick­lung eine Rol­le. Grie­chen­land ist heu­te in der Lage, ein­zig­ar­ti­ge und wett­be­werbs­fä­hi­ge Wei­ne her­zu­stel­len. Wei­ne, die auf die heu­ti­gen Bedürf­nis­se des Mark­tes zuge­schnit­ten sind.


Belon-Auster mit Mandarine und Citrusfrucht-Schaum

Belon-Auster mit Man­da­ri­ne und Citrusfrucht-Schaum
2015 San­to­ri­ni Assyr­ti­ko (San­to­ri­ni), Vas­s­al­tis
2016 Pla­no Mala­gou­sia (Make­do­ni­en), Wine Art Esta­te


Große Fortschritte gemacht

Die stei­gen­de Qua­li­tät, die ver­bes­ser­ten Pro­duk­ti­ons­stan­dards und das über drei Jahr­zehn­te ange­sam­mel­te Know-How sind nur eini­ge Fak­to­ren, die den moder­nen grie­chi­schen Wein beein­flus­sen. Im Lau­fe der letz­ten bei­den Jahr­zehn­te haben eine gan­ze Rei­he von zuvor kaum bekann­ten Län­dern und Regio­nen ein­drucks­vol­le Fort­schrit­te im Wein­bau erzielt.

Die Tat­sa­che, das öno­lo­gi­sches Wis­sen und tech­ni­sches Know-How frei zugäng­lich sind, hat zur Fol­ge, dass gute Qua­li­tät allei­ne nicht mehr aus­reicht, um Erfolg zu haben. Noch in den 80er und 90er Jah­ren umschrieb der Begriff Qua­li­täts­ver­bes­se­rung das Aus­mer­zen von ele­men­ta­ren Feh­lern in der Wein­her­stel­lung. Doch seit­her sind die Stan­dards in der Her­stel­lung, aber auch die Erwar­tun­gen der Ver­brau­cher mas­siv gestie­gen.


Riesengarnele mit Krabbentartar, gelben Linsen und Curry

Rie­sen­gar­ne­le mit Krab­ben­tar­tar, gel­ben Lin­sen und Cur­ry
2015 Akro­ti­ri San­to­ri­ni Assyr­ti­ko (San­to­ri­ni), Domai­ne Sig­alas
2015 Mala­gou­sia Hal­ki­di­ki (Chal­ki­di­ke), Domai­ne Por­to Carras


Qualität auf neue Höhen getrieben.

Die­se Ent­wick­lung hat eine zuneh­men­de Gleich­för­mig­keit bei den Wein­sti­len bewirkt. Fach­leu­te, aber auch Wein­lieb­ha­ber, bekla­gen die wach­sen­de Uni­for­mi­tät der Wei­ne. In den Rega­len der Wein­hand­lun­gen und auf den Wein­kar­ten der Restau­rants ist die Aus­wahl an Her­kunfts­län­dern und -gebie­ten zwar so groß wie nie zuvor, aber im Glas domi­niert zuneh­mend Ein­för­mig­keit.

Dies zeigt sich klar in der Vor­herr­schaft eini­ger weni­ger, inter­na­tio­nal ver­brei­te­ter Reb­sor­ten. Wein­jour­na­lis­ten und ein­fluss­rei­che Som­me­liers haben die­se Ent­wick­lung schon früh erkannt und for­dern eine grö­ße­re Viel­falt an eigen­stän­di­gen Wei­nen, wel­che den Cha­rak­ter der jewei­li­gen Reb­sor­te oder des betref­fen­den Gebiets kla­rer im Glas zum Aus­druck brin­gen. Grie­chen­land besitzt eine ein­zig­ar­ti­ge Fül­le an ein­hei­mi­schen Sor­ten, mit denen es in den heu­ti­gen Wett­be­werb ein­tre­ten kann. Die meis­ten die­ser Sor­ten erge­ben Wei­ne mit indi­vi­du­el­lem Cha­rak­ter.


Wolfsbarsch mit Jerusalem Artischocke und Nussbutter

Wolfs­barsch mit Jeru­sa­lem Arti­scho­cke und Nuss­but­ter
2015 Ovi­los White (Pan­ge­on), Kti­ma Biblia Cho­ra
2015 Char­don­nay (Epano­mi), Kti­ma Gerovas­si­liou


Wein muss kompatibel mit dem Essen sein

Eine wesent­li­che Eigen­heit der grie­chi­schen Wei­ne ist ihre vor­züg­li­che Eig­nung als Essens­be­glei­ter. Ein Grie­che trinkt nie­mals Wein, ohne zumin­dest eine Klei­nig­keit dazu zu essen. Gleich­zei­tig ist eine Mahl­zeit ohne Wein kaum vor­stell­bar. Aber die grie­chi­schen Wei­ne har­mo­nie­ren nicht nur zu grie­chi­schen Gerich­ten, son­dern zu fast allen Küchen und kuli­na­ri­schen Sti­len die­ser Welt.

kom­pa­ti­bi­li­tät mit dem Essen, ein mode­ra­ter Alko­hol­ge­halt und Bekömm­lich­keit – das sind heu­te wie­der Eigen­schaf­ten, die von guten Wei­nen erwar­tet wer­den. Vie­le moder­ne Wein­sti­le sind dar­auf ange­legt, dass die Wei­ne von sich aus impo­nie­ren. Sie stel­len gewis­ser­mas­sen ein „Gericht für sich“ dar. Sie mögen beim ers­ten Schluck noch beein­dru­ckend erschei­nen, aber oft ist es schwer, ein zwei­tes Glas zu genie­ßen. Sol­che Wei­ne fin­det man in Grie­chen­land nicht.


Rinderbäckchen mit Maisplätzchen, weissen Karotten und Périgordtrüffel

Rin­der­bäck­chen mit Mais­plätz­chen, wei­ßen Karot­ten und Péri­gord­trüf­fel
2011 Ame­thys­tos Cava (Dra­ma), Domai­ne Cos­ta Lazari­di
2013 Gaia Esta­te Nemea (Nemea), Gaia Wines


Griechenland hat Terroirs

Ein ande­res wei­te­res Kri­te­ri­um, war­um die grie­chi­sche Wein­kul­tur inter­na­tio­nal an Bedeu­tung zulegt, ist die „Jagd nach dem Ter­ro­ir“. Eine Reb­sor­te kann welt­weit gepflanzt wer­den. Aber ein hoch­wer­ti­ger Wein ist per defi­ni­tio­nem ein­ma­lig, mit ande­ren Wor­ten: ein Uni­kat. Den gro­ßen Wei­nen des 21. Jahr­hun­derts muss man am Aro­ma und am Geschmack anmer­ken, dass sie von einem ganz bestimm­ten Ort stam­men und nicht ein­fach von Irgend­wo­her. Grie­chen­land hat sol­che Ter­ro­irs.

Der Wein­bau fin­det seit jeher in klein­räu­mi­gen Struk­tu­ren statt. Die grie­chi­schen Win­zer arbei­ten hand­werk­lich und ste­hen in einem per­ma­nen­ten Dia­log mit ihrem Land. Sie ken­nen das Poten­zi­al ihrer Böden und die Beson­der­hei­ten ihres Kli­ma. Sie sind sich zuneh­mend bewusst, dass Terroir-dominierte Wei­ne ihnen die Chan­ce bie­ten, sich aus der Mas­se des inter­na­tio­na­len Ange­bots abzu­he­ben.


Poltinger Lammsattel mit weissen Bohnen

Pol­tin­ger Lamm­sat­tel mit wei­ßen Boh­nen
2013 Dia­po­ros (Ima­thia), Kti­ma Kir-Yanni
2013 Xino­mav­ro Reser­ve „Viel­les Vig­nes“ (Amyn­de­on), Alpha Esta­te


Die Frage des Preises

Ein wei­te­rer Fak­tor, der die Wei­ne Grie­chen­lands prägt, ist ihr attrak­ti­ver Preis. Sie sind zwar nicht so bil­lig, dass sie am unte­ren Ende der Preis­ska­la den Markt auf­mi­schen kön­nen. Aber sie besit­zen ein aus­ge­zeich­ne­tes Preis-/Leistungsverhältnis. Wür­den grie­chi­sche Wei­ne zu ähn­li­chen Bedin­gun­gen in eta­blier­ten Wein­län­dern pro­du­ziert, wür­den sie das Dop­pel­te oder Drei­fa­che kos­ten.

Auch des­halb gewin­nen die neu­en grie­chi­schen Wei­ne für Händ­ler und Ken­ner an Bedeu­tung. Gleich­zei­tig wird Grie­chen­land nie die Export­märk­te mit Mil­lio­nen von Fla­schen flu­ten kön­nen. Dafür wird Wein schlicht und ein­fach in zu gerin­gen Men­gen pro­du­ziert.

Die beschränk­te Ver­füg­bar­keit in Kom­bi­na­ti­on mit Qua­li­tät, Unver­wech­sel­bar­keit und Erschwing­lich­keit ist die Basis für die wach­sen­de Attrak­ti­vi­tät des grie­chi­schen Weins. Und die­se Basis ist trag­fä­hig. Grie­chi­scher Wein wird für Lieb­ha­ber und Genies­ser erzeugt, die nach Altern­ti­ven suchen und außer­ge­wöhn­li­che Wein­er­fah­run­gen machen möch­ten. Ich lege Ihnen ans Herz, die­se Chan­ce nicht zu ver­pas­sen.

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