Veganer Wein: Was muss ein Veganer vor dem Weinkonsum wissen?

Wein ist ein pflanzliches Produkt, also vegan ... oder? Der Weinkenner klärt auf, weshalb längst nicht jeder Wein vegan ist, worauf Veganer beim Kauf achten sollten und wie man einen veganen Wein erkennt.

Ein schö­nes Glas Wein gehört für vie­le Men­schen ein­fach dazu, ob bei einem guten Buch, zum Essen beim Ita­lie­ner oder am roman­ti­schen Abend vor dem Kamin. Dabei sind die Geschmä­cker bekannt­lich unter­schied­lich, und so gibt es zahl­rei­che Sor­ten und Rich­tun­gen. Rela­tiv neu: vega­ne Wei­ne – und die­se sind auch für All­er­gi­ker eine gute Wahl.


Inhalt:


Sind alle Weine vegan?

Längst nicht alle Wei­ne sind vegan. Dass man bei der Wein­pro­duk­ti­on über­haupt zu tie­ri­schen Pro­duk­ten greift, mag wohl die meis­ten Men­schen ver­wun­dern; schließ­lich wird Wein bekannt­lich aus Trau­ben her­ge­stellt. Der Anbau sowie die Ver­wen­dung die­ser Früch­te ist bei vega­nen Wei­nen auch nicht der Punkt; statt­des­sen geht es um die Klä­rung und Fil­tra­ti­on.

Eini­ge gän­gi­ge Zuta­ten, die Wei­ne zu einem nicht vega­nen Pro­dukt machen kön­nen, sind:

  • Kasein, das ein Milch­pro­te­in ist
  • Albu­min, das in Eiweiß vor­kommt
  • Gela­ti­ne, eine Art tie­ri­sches Pro­te­in, das aus Kno­chen oder Hufen stam­men kann
  • Isin­glass, ein Fisch­bla­sen­pro­te­in

Wenn man streng vegan lebt, sind die­se Pro­duk­te natür­lich ein Tabu – denn auch wenn sie nicht  im Wein zurück­blei­ben, so sind sie den­noch ein Ver­ar­bei­tungs­mit­tel. Die­se wer­den bei­spiels­wei­se dazu genutzt, den Wein zu klä­ren. Wie es auch häu­fig beim Bier der Fall ist, möch­te der Her­stel­ler – und der Ver­brau­cher – einen kla­ren Wein ohne Trüb­stof­fe. Neben dem opti­schen Effekt sorgt die­ser Pro­zess auch für einen har­mo­ni­sche­ren Geschmack, so wird der Wein bei­spiels­wei­se mil­der. Zu die­sem Zweck ver­wen­den Win­zer tie­ri­sche Pro­duk­te wie etwa Eiklar oder auch Gela­ti­ne. Durch die­se wer­den die Stof­fe gebun­den und kön­nen sich somit am Fass­bo­den abset­zen – beson­ders bei Rot­wei­nen kommt die­se Metho­de zum Ein­satz. Auch Casein, aus pas­teu­ri­sier­ter Milch her­ge­stellt, wird ver­wen­det; eben­so las­sen sich damit bestimm­te Fehl­tö­ne behan­deln.

Möch­te man einen vega­nen Wein her­stel­len, nutzt man als Ersatz für die tie­ri­schen Pro­duk­te Pflan­zen­pro­te­ine, bei­spiels­wei­se aus Kar­tof­fel­stär­ke, Erb­sen oder Boh­nen. Auch Ben­to­nit, eine natür­li­che Mine­ra­ler­de, kommt als Alter­na­ti­ve zum Ein­satz. Mit­hil­fe von Aktiv­koh­le wer­den Feh­ler im Geschmack, Geruch oder Farb­ton besei­tigt. Weder in den Pro­duk­ti­ons­kos­ten noch im Geschmack gibt es hier Unter­schie­de zu kon­ven­tio­nell her­ge­stell­ten Wei­nen. Vie­le Win­zer kom­men aber auch gänz­lich ohne Hilfs­mit­tel aus: sie las­sen den Wein ein­fach län­ger rei­fen, sodass er sich auf ganz natür­li­che Wei­se klärt. Somit kön­nen auch Vega­ner in den Genuss von Wein kom­men.

Sind alle Bio-Weine vegan?

Nur weil ein Wein bio­lo­gisch ist, ist er lei­der nicht zwangs­läu­fig vegan. Immer mehr Wei­neti­ket­ten wer­den jedoch sagen, ob sie vegan oder vege­ta­risch sind. Der Händ­ler oder Pro­du­zent muss die­se Infor­ma­tio­nen an den Ver­brau­cher wei­ter­ge­ben.



So erkennt man veganen Wein – auch für Allergiker gut zu wissen!

Wenn es dar­um geht, vega­nen Wein zu fin­den, kann es durch­aus vom Wein­gut abhän­gen, ob die Infor­ma­tio­nen auf der Eti­ket­tie­rung deut­lich sicht­bar sind. Bei der Suche nach vega­nem Wein ist dar­auf zu ach­ten, dass man das Eti­kett sorg­fäl­tig liest. Mitt­ler­wei­le haben sich vie­le Win­zer auf die Her­stel­lung vega­ner Wei­ne spe­zia­li­siert. Die Nach­fra­ge steigt, und damit auch das Ange­bot. Ein ein­heit­li­ches euro­päi­sches Zei­chen für die­se Wei­ne gibt es bis­lang nicht; der Ver­brau­cher erkennt die­se statt­des­sen an Sie­geln, zum Bei­spiel der Euro­päi­schen Vegetarier-Union oder des Vege­ta­ri­er­bunds Deutsch­land. Von Weiß- über Rosé- bis hin zu Rot­wei­nen ist das Ange­bot ver­tre­ten; auch vega­nen Sekt erhält man bereits.

Mit vega­nen Wei­nen kommt man nicht nur der Lebens- und Ernäh­rungs­ein­stel­lung einer ste­tig wach­sen­den Anzahl von Men­schen ent­ge­gen. Es gibt vie­le Nicht-Veganer, die auf das alko­ho­li­sche Getränk ver­zich­ten müs­sen, da sie von All­er­gi­en betrof­fen sind. Sie reagie­ren mit­un­ter all­er­gisch auf die Stof­fe, die zum Klä­ren des Weins ver­wen­det wer­den, also Milch­er­zeug­nis­se, Hühnerei-Eiweiße oder Fisch­ge­la­ti­ne, um nur eini­ge davon zu nen­nen. Die Aus­wir­kun­gen des Wein­kon­sums sind je nach All­er­gen unter­schied­lich; mög­lich sind bei­spiels­wei­se Haut­aus­schlä­ge oder Kopf­schmer­zen bis hin zu Migrä­ne. Betrof­fe­ne, die zu vega­nem Wein grei­fen, müss­ten auf die­se Wei­se nicht mehr auf ihr gelieb­tes Glas am Abend ver­zich­ten.

Noch ist das Wein­an­ge­bot, zumin­dest das der aktiv bewor­be­nen Sor­ten, über­schau­bar. Es lohnt sich jedoch alle­mal, bei einem Win­zer nach sol­chen Wei­nen bzw. den ver­wen­de­ten Hilfs­stof­fen zur Klä­rung zu fra­gen. Auch immer mehr Restau­rants set­zen vega­ne Wei­ne auf ihre Spei­se­kar­te, schließ­lich haben mitt­ler­wei­le auch vie­le davon vega­ne Gerich­te im Ange­bot – ein geziel­tes Ansteu­ern vega­ner Restau­rants ist also häu­fig gar nicht mehr nötig.

Für vega­ne und vege­ta­ri­sche Wein­trin­ker wird es jedoch ste­tig ein­fa­cher, denn immer mehr Win­zer ent­schei­den sich für mine­ra­li­sche und pflanz­li­che Klä­rungs­mit­tel, von Ben­to­nit­ton und Kie­sel­gel bis hin zu pflanz­li­chem Kasein.

Siegel und Symbole für vegane Weine

Impor­teu­re und Super­märk­te haben sich auch bei der Beschaf­fung, Eti­ket­tie­rung und Ver­mark­tung vega­ner und vege­ta­ri­scher Wei­ne ver­bes­sert. So ist es jetzt mög­lich, vega­ne Wei­ne nahe­zu über­all zu fin­den. Hier sind eini­ge Hin­wei­se, nach denen man Aus­schau neben den bereits genann­ten Aus­schau hal­ten soll­te:

  • Ein vege­ta­ri­sches Sym­bol. Eini­ge Geschäf­te ver­lan­gen dies oder fügen es zu ihren Haus­wei­nen hin­zu.
  • Der Text “vege­ta­rier­freund­lich” oder “unge­schlif­fen” auf dem Eti­kett auf der Rück­sei­te.
  • Natür­li­cher Wein, denn die­ser wur­de mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit nicht gefil­tert.
  • Eini­ge Win­zer ver­öf­fent­li­chen detail­lier­te tech­ni­sche Spe­zi­fi­ka­tio­nen auf ihrer Web­site und die­se Beschrei­bun­gen kön­nen besa­gen, dass der Wein nicht gefil­tert wur­de oder wel­che Klär­mit­tel ver­wen­det wur­den.

Außer­dem gilt, dass das Feh­len eines „vege­ta­ri­schen” Eti­ketts nicht auto­ma­tisch bedeu­tet, dass der Wein defi­ni­tiv mit tie­ri­schen Pro­duk­ten in Berüh­rung gekom­men ist. Es ist anzu­neh­men, dass die meis­ten Wei­ne für Vege­ta­ri­er und auch für Vega­ner geeig­net sind, aber nur ein sehr klei­ner Teil ist auch so gekenn­zeich­net.

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