Van Volxem & Molitor: Es geht auch ohne Entsäuern

Weingut Van Volxem Riesling Alte Rebe
Dass der Jahrgang 2010 in Deutschland aufgrund der Witterungsverhältnisse hohe Säuren aufweist, hat sich unter Weintrinkern herumgesprochen. Fast alle Winzer haben ihre Weine entsäuern müssen. Zwei nicht: Markus Molitor und Roman Niewodniczanski. Jens Priewe hat einige ihrer 2010er bei der großen Dallmayr-Probe am Wochenende verkostet und war überrascht, ja begeistert.

Glück­lich ist Roman Nied­wo­di­c­z­an­ski nicht über den Jahr­gang 2010. Die Men­ge, die er geern­tet hat, ist so gering, dass er erheb­li­che finan­zi­el­le Ein­bu­ßen haben wird. “Kata­stro­phal” bedau­ert er. Wegen der Qua­li­tät macht sich der Besit­zer des Wein­guts Van Vol­xem in Wil­tin­gen an der Saar dage­gen kei­ne Gedan­ken:

“Wir haben Qua­li­tä­ten im Kel­ler, die von her­vor­ra­gend bis groß rei­chen.”

Nie­wod­nic­z­an­ski gehört zu den ganz weni­gen, die im Jahr 2010 nicht ent­säu­ert haben. War­um nicht? “Weil wir es nicht muss­ten.” Bei den ein­fa­chen, qua­si tro­cke­nen Wein auch nicht?  “Die Säu­re­wer­te lagen zwi­schen neun und elf Gramm, damit kann ein Lieb­ha­ber der Saar-Weine leben.” Die klei­ne Rest­sü­ße, die auch die tro­cke­nen Wei­ne auf­wei­sen, hat die hohe Säu­re zusätz­lich gepuf­fert.

Der Winzer Markus Molitor
Ein Glas mit Riesling von Van Volxem
2013 Zeltinger Himmelreich Riesling Kabinett | Markus Molitor
Nahaufnahme von Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem in den Weinbergen

Ande­re Mosel-Winzer haben jedoch Säu­re­wer­te gehabt, die zwi­schen 11 und 15 Gramm lagen. Sie waren gezwun­gen zu ent­säu­ern. War­um Van Vol­xem nicht?

Nie­wod­nic­z­an­ski ver­weist auf sei­ne Lese­tech­nik: Er lässt die Trau­ben immer extrem lan­ge hän­gen – was ihm hin und wie­der übri­gens den Vor­wurf ein­bringt, sei­ne Wei­ne sei­en – weil zu fül­lig – “unty­pisch” für die Saar. 2010 hat sich die Geduld aber aus­ge­zahlt. Die Säu­ren sind mit zuneh­men­der Rei­fe gesun­ken. För­der­lich war der gerin­ge Behang: Van Vol­xem gehört zu den Wein­gü­tern mit den nied­rigs­ten Hekt­ar­er­trä­gen an der Mosel. Jeden­falls sind Nied­wod­nic­z­anskis ein­fa­cher Saar Ries­ling sowie sei­ne (Klein-)Lagenweine Gold­berg und Volz – obwohl noch im Fass lie­gend – schon jetzt erstaun­lich stim­mig. Säu­re? Nun ja. Aber die Säu­re ist reif und der Extrakt hoch. Vor allem der Gold­berg und der Volz, bei­des tro­cke­ne Wei­ne nach der For­mel “Säu­re plus Zwei“, knis­tern förm­lich vor Span­nung.

Ähn­lich die Situa­ti­on bei Mar­kus Moli­tor an der Mit­tel­mo­sel. Er hat sei­ne Trau­ben eben­falls bis weit in den Novem­ber hän­gen gelas­sen –  “in der Hoff­nung, dass sich die Säu­ren noch nach unten bewe­gen”.

Doch in sei­nem Fall beweg­te sich die Säu­re nicht. Trotz spä­ter Lese blieb sie bei 10 bis 12 Gramm ste­hen. Ein Fall für die Ent­säue­rung? Nicht bei Moli­tor. Auch nicht bei sei­nen klei­nen Wei­nen. Der 2010 Zel­tin­ger Son­nen­uhr tut, obwohl “nur” Kabi­nett (vom Most­ge­wicht her eine Spät­le­se), die hohe Säu­re sogar rich­tig gut: ein glo­cken­rei­ner, ver­spiel­ter, gera­de­zu genia­ler Wein, der den Gau­men viel abver­langt, ihm aber nicht weh tut. Wie das mög­lich ist? Ganz ein­fach: Der Wein ist nicht tro­cken, son­dern frucht­süß aus­ge­baut. Der klei­ne Anteil unver­go­re­ner Rest­zu­cker nimmt der Säu­re die Schär­fe. “Sen­so­risch tro­cken” sagt Moli­tor dazu.

Es geht also auch ohne Kal­zi­um­kar­bo­nat (Ent­säue­rungs­mit­tel). Natür­lich wis­sen das auch ande­re Win­zer an der Mosel, vor allem wenn sie an ihre edel­sü­ßen Wei­ne den­ken. Bei Mos­ten, die für Aus­le­se, Beeren- und Tro­cken­bee­ren­aus­le­se vor­ge­se­hen sind, haben auch sie von einer Ent­säue­rung Abstand genom­men. 12 bis 15 Gramm Säu­re im Wein – das gibt es nicht alle Tage.

Fazit: Für edel­sü­ße Mosel­wei­ne war 2010 ein Traum­jahr­gang! Bei den ande­ren Wei­nen heißt es: pro­bie­ren.

Kommentar hinzufügen

Antwort schreiben