2010 Weinviertel DAC Grüner Veltliner von Phillip Zull

Etikett Grüner Veltliner von Philipp Zull
Grüner Veltliner gehört zu Österreich wie Erdäpfelsalat zum Backhendl. Dieser urtypische Wein steht einem Riesling an Qualität nicht nach – wenn er gut ist. Jens Priewe hat einen Grünen Veltliner gefunden, der nur beim Preis hinter einem Riesling hinterher läuft.

Mit dem Grü­nen Velt­li­ner ver­bin­det sich bei vie­len Men­schen außer­halb Öster­reichs die Vor­stel­lung eines Schlicht­weins, den man sau­fen, aber nicht genie­ßen kann. Vor 20 Jah­ren war das auch so. Doch der Wind hat gedreht, in Öster­reich zumal. Die bes­ten Velt­li­ner ste­hen heu­te einem gro­ßen Ries­ling an Qua­li­tät nicht nach. In der Wach­au, in Krems und im Kamp­tal gibt es Wei­ne aus die­ser Sor­te, die Monu­men­te sind: an Kraft, an Fül­le, an Lang­le­big­keit und auch an Ele­ganz.

Weinviertel – Grüner Veltliner pur

Wenn ein Öster­rei­cher an Velt­li­ner denkt, fällt ihm der Name Wein­vier­tel ein. Das Wein­vier­tel ist nicht etwa ein Vier­tel Wein. Es ist eine Gegend. Sie liegt zwi­schen Wien und der tsche­chi­schen Gren­ze und ist das größ­te Anbau­ge­biet für Grü­nen Velt­li­ner. Schlech­te Wei­ne gibt es dort kaum mehr, schlich­te dage­gen reich­lich. Und für rich­tig gute muss man sich lei­der ein biss­chen aus­ken­nen.

Am bes­ten dürf­te sich wohl Peter Moser aus­ken­nen. Er ist Chef­re­dak­teur des Falstaff-Magazins, der füh­ren­den Zeit­schrift für gutes Essen und Trin­ken in Öster­reich (es gibt seit eini­gen Mona­ten auch eine Deutschland-Ausgabe von ihr). Er hat mir den Tipp mit Phil­lip Zull gege­ben. Zull ist ein jun­ger Win­zer, der mit Frau, Vater, Mut­ter und Groß­mut­ter ein 18 Hektar-Weingut in Schrat­ten­tal nahe der tsche­chi­schen Gren­ze bewirt­schaf­tet. Die Wei­ne, die er erzeugt, sind weder schlicht noch monu­men­tal, son­dern „cha­rak­ter­voll mit Bril­lanz und gro­ßem Lager­po­ten­zi­al“, wie Peter Moser es sagt. Man könn­te noch drei Adjek­ti­ve hin­zu­fü­gen: blitz­sauber, stof­fig und rich­tig span­nend.

Phillip Zulls zwei Veltliner

Noch Kohlensäure im WeinZull selbst wür­de sagen „gebiets­ty­pisch“. Doch das ist gelo­gen. Nur weni­ge Grü­ne Velt­li­ner des Wein­vier­tels sind so gut wie die Sei­nen. Genau genom­men sind es zwei Grü­ne Velt­li­ner, die er erzeugt. Das Spit­zen­ge­wächs trägt die Lagen­be­zeich­nung Äuße­re Ber­gen auf dem Eti­kett: ein hoch­kom­ple­xer Wein mit teil­wei­se mine­ra­li­schen, teil­wei­se exo­ti­schen Frucht­aro­men von Grape­fruit, Bana­ne, Man­go, opu­lent und vol­ler Wohl­ge­schmack. Der 2010er soll­te aller­dings noch zwei, drei Jah­re lie­gen.

Der ande­re Wein heißt ein­fach Wein­vier­tel DAC. Er schmeckt „nur“ nach rei­fen Maril­len und Wil­liams­bir­nen, ist etwas weni­ger mine­ra­lisch, trinkt sich dafür aber jetzt schon recht gut. Obwohl er nur der Basis­wein ist, ver­fügt er bei ver­gleichs­wei­se nied­ri­gem Alko­hol­ge­halt (12,6 Vol.%) über beein­dru­ckend viel Sub­stanz. Er besitzt viel Koh­len­säu­re, und selbst nach zwei Tagen, die er offen im Glas gestan­den hat, pri­ckelt er noch vor Fri­sche. Kurz: Einen Grü­nen Velt­li­ner die­ser Qua­li­tät zu einem der­art wohl­fei­len Preis fin­det man in Öster­reich sel­ten.

Der Jahrgang 2010

Familie ZullEin Wort zum Jahr­gang 2010: Des­sen her­vor­ste­chends­te Eigen­art ist die Säu­re. Sie durch­zieht den Wein wie ein emp­find­li­cher Nerv. Dabei ist sie mit 6,2 Gramm gar nicht ein­mal hoch. Doch sie ent­hält viel har­te Apfel­säu­re. Zwar ist die­se durch die hohen Extrak­te gut abge­puf­fert. Aber wer damit nicht klar­kommt, soll­te lie­ber ver­su­chen, noch ein paar Fla­schen 2009er zu fin­den. Des­sen Säu­re ist wei­ni­ger und wei­cher.

Ach­so: Ein „Pfef­ferl“ besitzt der Wein natür­lich auch, jene kräu­ter­wür­zi­ge Note, die die Öster­rei­cher jedem Grü­nen Velt­li­ner andich­ten.

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