Degustationen Unter zehn Euro Frankreich

Unter 10 Euro: Rosé à la Fondrèche

2015 Ventoux Rosé Artikelbild
Rosé-Weine gibt es wie Sand am Meer. Die allermeisten können nur mit ihrer Farbe prunken. Ansonsten sind sie banal. Anders der Rosé de Domaine de Fondrèche. So einen feinen Rosé findet man nicht alle Tage.

Rosé-Weine gibt es wie Sand am Meer. Die aller­meis­ten kön­nen nur mit ihrer Far­be prun­ken. Ansons­ten sind sie banal. Anders der Rosé de Domai­ne de Fon­drè­che. So einen fei­nen Rosé fin­det man nicht alle Tage.

So sah die Ein­lei­tung aus, die ich vor knapp 2 Jah­ren über den 2015er Jahr­gang geschrie­ben habe, und sie gilt auch heu­te noch. Daher habe ich die­sen Text wie­der für Sie aus der Ver­sen­kung geholt – denn der Rosé à la Fon­drè­che passt her­vor­ra­gend zu die­sen som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren um in ent­spann­ter Atmo­sphä­re das Wochen­en­de ein­läu­ten zu las­sen.

2017 Ven­toux Rosé

Rosé ist kein Wein, son­dern eine Far­be. Das muss hier mal gesagt wer­den. Und Far­be kann man nicht trin­ken. Die Far­be eines Rosé-Weins sagt nichts über den Wein aus, außer über sei­ne Far­be. Nichts dar­über, wie er schmeckt. Ob er leicht oder schwer ist. Ob er – tech­nisch gespro­chen – ein Saft­ab­zug („Sai­gnée“) von einem Rot­wein ist oder ein Wein, der ein paar Stun­den auf der Mai­sche gestan­den hat. Also prak­tisch ein Blanc de Noirs.

Man­che Rosés sind auch eine Mischung von Weiß- und Rot­wein. Sie dür­fen sich (außer beim Cham­pa­gner) dann zwar offi­zi­ell nicht Rosé nen­nen. Aber wen küm­mert das? Sie sehen aus wie ein Rosé und wer­den als Rosé ange­bo­ten. Auch farb­lich gibt es vie­le Spiel­ar­ten. Sie rei­chen von leuch­tend erd­beer­rot über lachs­rot und zwie­bel­rot bis zu blas­sem kup­fer­rot. Auch Pink ist mög­lich.

Kein Allerwelts-Rosé

Domai­ne de Fon­drè­che mit Mont Ven­toux

Der Rosé der Domai­ne de Fon­drè­che ist zwie­bel­rot: ein leich­ter, fast fili­gra­ner Wein, zart­fruch­tig mit ange­deu­te­ten Noten von roten Bee­ren, sehr frisch und easy zu trin­ken. Klingt nach einem Allerwelts-Rosé, ist es aber nicht. Im Gegen­teil: So einen Rosé fin­det man nicht alle Tage. Er wird aus den Sor­ten Grenache, Syrah und Cin­s­ault gewon­nen. Aber es sind kei­ne Trau­ben zwei­ter Wahl. Wäh­rend ein Groß­teil der Rosés, die in Frank­reich und anders­wo erzeugt wer­den, aus Trau­ben gekel­tert sind, die nicht gut genug für einen Rot­wein sind,  wer­den sie auf der Domai­ne de Fon­drè­che ganz gezielt für den Rosé ange­baut. Das schmeckt man.

Die Domai­ne de Fon­drè­che, die die­sen Rosé erzeugt, liegt am Fuße des Mont Ven­toux, jenem mythi­schen Berg, der 1336 von dem Natur­phi­lo­so­phen Fran­ces­co Petrar­ca zum ers­ten Mal bestie­gen wur­de – damals eine Unge­heu­er­lich­keit, gal­ten Berg­gip­fel doch als hei­lig. Die Bestei­gung gilt unter Wis­sen­schaft­lern als Geburts­stun­de des Alpi­nis­mus. Berühmt ist der Berg heu­te vor allem des­halb, weil die Tour de Fran­ce jedes Jahr über ihn ver­läuft.

Die Trauben werden früh, aber nicht unreif geerntet

Winzer Sébastien Vincenti
Win­zer Sébas­ti­en Vin­cen­ti

Eigent­lich ist die Domai­ne de Fon­drè­che für ihre Rot­wei­ne berühmt. Sie zäh­len zu den höchst gelob­ten der Süd­li­chen Rhô­ne (die Appel­la­ti­on Ven­toux gehört zur Süd­li­chen Rhô­ne). Sie sind kräf­tig gebaut, prun­ken mit Fül­le und Viel­schich­tig­keit, und auch ihr Alko­hol ist nicht zu knapp bemes­sen. Der ame­ri­ka­ni­sche Wein­kri­ti­ker Robert Par­ker über­schlägt sich gera­de­zu in sei­nen Lob­ge­sän­gen auf die Fondrèche-Weine, was dazu geführt hat, dass die­se in den letz­ten Jah­ren preis­lich kräf­tig ange­zo­gen haben.

Ganz anders der Rosé. Er ist von Sébas­ti­en Vin­cen­ti, dem Win­zer, als leicht zu trin­ken­der Som­mer­wein kon­zi­piert und auch preis­lich noch auf dem Boden geblie­ben. Vin­cen­ti ern­tet die Trau­ben zwar früh, aber nicht unreif. Er ver­lässt sich dabei auf sei­ne kalk- und lehm­hal­ti­gen Böden, die auch bei den Rot­wei­nen für Aro­men­tie­fe und Geschmacks­in­ten­si­tät ver­ant­wort­lich sind. Der Alko­hol­ge­halt liegt bei 12,5 Vol.%, was für einen Wein aus dem Süden Frank­reichs beacht­lich ist. Beacht­lich wenig. Nor­ma­ler­wei­se hat der Fondrèche-Rosé sogar nur 12 Vol.%.

Zu diesem Wein darf man ruhig „lecker“ sagen

Sei­ne Far­be bekommt der Wein dadurch, dass der Saft nach dem Pres­sen ein paar Stun­den Kon­takt mit den Scha­len hat. In die­ser Zeit gehen Farb­stof­fe in den Most über. Dadurch färbt sich die­ser leicht rot. Wäh­rend die­ser Mai­sche­s­tand­zeit nimmt der Most auch vie­le Geschmacks­stof­fe (bezie­hungs­wei­se deren Vor­läu­fer) auf, die in den Scha­len sit­zen. Der Wein bekommt dadurch sei­nen inten­si­ven Geschmack. Nach ein paar Stun­den wer­den Scha­len und Most dann getrennt und Letz­te­rer allein ver­go­ren. Das Resul­tat: einer der bes­ten Rosés der fruchtig-leichten Rich­tung.

Übri­gens: Zu die­sem Rosé darf man schon mal „lecker“ sagen, ohne sich gleich die Ver­ach­tung von Wein­trin­kern höhe­rer Erleuch­tungs­stu­fe ein­zu­han­deln.


2017 Ven­toux Rosé | Domai­ne de Fon­drè­che
Preis: € 7,95
Bezug: www.gute-weine.de


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