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Syrah-Legenden: für harte Jungs und starke Mädels

Jens Priewe hat mit 25 harten Männern eine Weinprobe gemacht. Dabei wurden ein Dutzend der besten Syrah der Welt degustiert. Mancher weingestählte Gaumen war am Ende überfordert. Schön war es trotzdem.

Syrah ist nichts für fili­gra­ne Gau­men. Die Wei­ne aus die­ser Sor­te sind mäch­tig, reich, opu­lent, wuch­tig. Wenn man den der­zeit so popu­lä­ren Begriff „Gau­men­ki­no“ für sie ver­wen­den möch­te, dann soll­ten monu­men­ta­le Strei­fen wie Tita­nic, Star Wars oder Herr der Rin­ge die Vor­la­ge lie­fern, nicht zart besai­te­te Kunst­fil­me oder sub­ti­le Gefühl­sepen. Syrah ist nicht sub­til. Syrah ist ein sehr phy­si­scher Wein, robust, stark, manch­mal auch laut: Stoff für har­te Jungs und star­ke Mädels.

Probe mit 25 weingestählten Männern

Bei der Syrah-Probe, die ich vor ein paar Wochen im Roton­da Busi­ness Club in Köln orga­ni­siert hat­te, waren die har­ten Jungs dran: 25 gestan­de­ne Män­ner, eini­ge jung und dyna­misch, ande­re in rei­fe­rem Alter, alle in geho­be­nen Posi­tio­nen der Wirt­schaft tätig und nach eige­ner Aus­sa­ge gestählt im Umgang mit gutem Wein. Mit die­sen Män­nern woll­te ich 12 Wei­ne ver­kos­ten, die aus der Syrah- bzw. Shiraz-Traube gewon­nen sind und die zu den bes­ten der Welt gezählt wer­den. Man könn­te sie „Syrah-Legenden“ nen­nen, wobei ich mich bemüht hat­te, auch Legen­den ande­rer Län­der als Frank­reich mit ein­zu­be­zie­hen.

Großes Gaumenkino, was da getrunken wurde

Es war kei­ne leich­te Pro­be. Die Wei­ne strotz­ten vor Kraft und for­der­ten die gan­ze Kon­zen­tra­ti­on der Teil­neh­mer. Wer nicht gera­de ein erfah­re­ner Syrah-Trinker war, hat­te Schwie­rig­kei­ten, die Wei­ne her­kunfts­mä­ßig rich­tig zu ver­or­ten (die Pro­be war blind). Der in der Regel hohe Alko­hol­ge­halt zei­tig­te gegen Ende der Pro­be auch sei­ne Wir­kung, beson­ders bei jenen Teil­neh­mern, die vor lau­ter Begeis­te­rung die Glä­ser immer bis auf den letz­ten Trop­fen leer­ten. Die Stim­mung stieg bedenk­lich, der Geräusch­pe­gel auch, obwohl wäh­rend des Pro­bie­rens eigent­lich nicht gere­det wer­den soll­te. Am Ende gestan­den eini­ge der Anwe­sen­den, dass die Wei­ne ihren Gau­men über­for­dert hat­ten, was für die Ehr­lich­keit die­ser har­ten Jungs spricht. Ande­re rela­ti­vier­ten, es sei nur die Zahl der Wei­ne gewe­sen, die sie habe leicht schwä­cheln las­sen. Von einem Wein allein oder von drei Wei­nen wür­den sie sich nicht in die Knie zwin­gen las­sen – „auf kei­nen Fall“. Dass es gro­ßes, for­dern­des Gau­men­ki­no war, was da gebo­ten wur­de, das bestrit­ten auch sie nicht.

Nur reinsortige Syrah waren in der Probe

Hei­mat der Sor­te Syrah ist die Rhô­ne, spe­zi­ell die Nörd­li­che Rhô­ne. In Appel­la­tio­nen wie Cor­nas, St. Joseph, Her­mi­ta­ge und Côte Rôtie wer­den die Wei­ne mehr oder min­der rein­sor­tig aus die­ser Reb­sor­te erzeugt (höchs­tens ein paar Pro­zent wei­ße Viognier-Trauben dür­fen ihnen zuge­setzt wer­den). An der Süd­li­chen Rhô­ne ist die Syrah in nahe­zu jedem Châteauneuf-du-Pape, Gigon­das, Vac­que­ras und Côtes-du-Rhône ent­hal­ten, aller­dings nur als klei­ne­rer Cuvée-Partner. Die domi­nie­ren­de Rol­le spielt dort die Grenache Noir. Auch in den Rot­wei­nen des Langue­doc ist sie sehr häu­fig ver­tre­ten, aller­dings auch dort nicht als Leits­or­te. Die­se Rol­le spie­len im Süden Frank­reichs Cari­gn­an, Mour­vèd­re und Cinsaut. Wei­ne, in denen die Syrah vor­herrscht, die gar rein­sor­tig aus ihr erzeugt wer­den, sind rar. Bei­spiel: der berühm­te Gran­ge des Pères. Noch rarer sind Wei­ne, die rein­sor­tig aus Syrah gekel­tert wer­den, wie etwa Châ­teau de Négly. Die­se Wei­ne stan­den aber nicht zur Ver­kos­tung.

Syrah weit über Frankreich hinaus verbreitet

Syrah gilt als noble Sor­te und ist daher auch außer­halb Frank­reichs weit ver­brei­tet: in Ita­li­en, Grie­chen­land, Bul­ga­ri­en, Rumä­ni­en zum Bei­spiel. Auch in Deutsch­land wird sie seit eini­gen Jah­ren erfolg­reich ange­baut, in gerin­gen Men­gen zwar, aber mit guten Resul­ta­ten. Rings, Neiss und Knip­ser in der Pfalz sind her­aus­ra­gen­de Pro­du­zen­ten, im Mark­gräf­ler­land Zier­ei­sen.

Terrassen-Weinberg Hermitage
Terrassen-Weinberg Her­mi­ta­ge

Weil sie hit­ze­be­stän­dig ist, trifft man sie in vie­len war­men Anbau­ge­bie­ten an, bevor­zugt auf der süd­li­chen Erd­halb­ku­gel, häu­fig in Aus­tra­li­en (wo sie Shiraz heißt) und in Süd­afri­ka (wie die Wei­ne manch­mal als Shiraz, manch­mal als Syrah dekla­riert wer­den), in klei­nen Men­gen auch in Argen­ti­ni­en und in Chi­le. Ein wich­ti­ges Syrah-Anbaugebiet ist Kali­for­ni­en, wo die „Rhone-Ranger“ sie schon in den 1980er Jah­ren anbau­ten: Rand­all Grahm (Bon­ny Doon Viney­ard), Joseph Phelps, Bob Lind­quist (Qupé Wines Cel­lars). Heu­te bril­lie­ren vor allem Man­fred Krankl (Sine Qua Non) und David Ramey mit monu­men­ta­len Wei­nen aus die­ser Reb­sor­te. Sie habe ich übri­gens nicht in die Wein­pro­be genom­men, weil sie in Deutsch­land gar nicht oder nur sehr schwer erhält­lich sind (und sünd­haft teu­er oben­drein: Sine Qua Non’s The Other Hand Shiraz kos­tet um 900 Euro). Ob die­se Wei­ne bes­ser sind als das fran­zö­si­sche Ori­gi­nal – die­se Fra­ge ist falsch gestellt. Sie sind anders. Eini­ge Wein­trin­ker zie­hen die über­see­ischen Ver­sio­nen vor, ande­re die euro­päi­schen. Von bei­den gibt es exzel­len­te Exem­pla­re, die zei­gen dass ein guter Wein aus die­ser Sor­te mehr zu bie­ten haben als schie­re Kraft. Die bes­ten kön­nen sogar sub­til sein.

Auf den fol­gen­den Sei­ten habe ich die mei­ne per­sön­li­chen Noti­zen und Bewer­tun­gen zu den ver­kos­te­ten Wei­nen zusam­men­ge­stellt. Kli­cken Sie ein­fach auf den Namen des betref­fen­den Weins und lesen Sie, wie ich die­se Wei­ne ein­ord­ne und ver­kos­tet habe.


2013 Cor­nas „Renais­sance“, Augus­te Clape (Frank­reich)
2012 Her­mi­ta­ge „La Cha­pel­le“, Paul Jabou­let Âiné et Fils (Frank­reich)
2013 Sui­sas­si Ros­so Tos­ca­na, Due­ma­ni (Ita­li­en)
2013 Ermi­ta­ge „Le Pavil­lon“, M. Chapou­tier (Frank­reich)
2013 Ermi­ta­ge „Le Méal“, M. Chapou­tier (Frank­reich)
2012 Gran­ge BIN 95, Pen­folds (Aus­tra­li­en)
2009 Alt­tus Finiss River Shiraz, Salo­mon Esta­te (Aus­tra­li­en)
2006 Côte Rôtie „La Tur­que“, Gui­gal (Frank­reich)
2012 Lud­di­te Shiraz, Lud­di­te Wines (Süd­afri­ka)
2013 Syrah, Domi­nio de Val­de­pu­sa (Spa­ni­en)
2014 Syrah Réser­ve tro­cken, Wein­gut Rings (Deutsch­land)
2013 Jas­pis Syrah, Wein­gut Zier­ei­sen (Deutsch­land)


2013 Cornas „Renaissance“, Auguste Clape

2013 Cornas „Renaissance“, Auguste Clape

Für mich die aller­größ­te Über­ra­schung der Pro­be, obwohl 2013 sicher kein Spit­zen­jahr­gang an der Rhô­ne war und der „Renais­sance“ nur der zwei­te Wein in der Betriebs­hier­ar­chie von Augus­te Clape ist. Extrem prä­zi­se, klar und auf den Punkt gebracht ist die­ser Wein, dabei dicht gewo­ben, aber nicht dick, son­dern glatt und ele­gant, sei­dig im Tan­nin, die Frucht gera­de­zu pur mit der typisch mineralisch-rauchigen Kom­po­nen­te. Ein old style Syrah, 22 Mona­te in gro­ßen Holz­fäs­sern gereift, kon­zi­piert für ein lan­ges Leben auf der Fla­sche, aber auch jung schon mit Genuss zu trin­ken. Die Reben aus den Renaissance-Terrassen sind jung (12 bis 20 Jah­re), aber der Gra­nit im Unter­grund ver­leiht dem Wein eine unver­gleich­li­che Note. Wenn die­ser Wein schon so gut ist – wie gut ist dann erst Cla­pes Cor­nas, der Spit­zen­wein?

Bewer­tung: 95 Punk­te
Preis: 49,95 Euro
Bezug: www.gute-weine.de


2012 Hermitage „La Chapelle“, Paul Jaboulet Âiné et Fils

2012 Hermitage „La Chapelle“, Paul Jaboulet Âiné et Fils

Es war das zwei­te Mal, dass ich die­sen Wein inner­halb der letz­ten 12 Mona­te getrun­ken habe – und wie­der hat er mich begeis­tert. Für man­chen Ken­ner ist Paul Jabou­let Âiné viel­leicht nicht die ers­te Adres­se an der Nörd­li­chen Rhô­ne. Aber seit Caro­li­ne Frey und ihre Fami­lie das alte Han­dels­haus über­nom­men haben (2006), ist viel pas­siert: Umstel­lung auf bio­lo­gi­schen Kul­tur, scho­nen­der Reb­schnitt, gestaf­fel­te Lese mit Rück­sicht auf die unter­schied­li­chen Ter­ro­irs. Die Reb­stö­cke sind 60 Jah­re alt und erge­ben gera­de mal 18 hl/ha – ein obszön nied­ri­ger Ertrag. Nicht zu ver­ges­sen: La Cha­pel­le ist das Herz­stück des spek­ta­ku­lä­ren Hermitage-Hangs. Der Wein ist nicht extrem kon­zen­triert, aber tief mit fein­ge­schlif­fe­nem Tan­nin, wenig Frucht, dafür voll­ge­packt mit Graphit- und ande­ren mine­ra­li­schen Noten, unter­legt mit einem zar­ten Zigar­ren­holz­ton. Erstaun­lich gut zugäng­lich schon, was wohl dem Jahr­gang geschul­det ist, der zu den guten, aber nicht den ganz gro­ßen zählt, was dem Wein eine gewis­se intel­lek­tu­el­le Küh­le gibt.

Bewer­tung: 96 Punk­te
Preis: 154,90 Euro
Bezug: www.belvini.de


2013 Suisassi Rosso Toscana, Duemani

2013 Suisassi Rosso Toscana, Duemani

Als simp­ler Ros­so Tos­ca­na getarnt, ist die­ser 100-prozentige Syrah von der tos­ka­ni­sche Mit­tel­meer­küs­te in Wirk­lich­keit der bes­te Wein aus die­ser Sor­te in Ita­li­en und – mit Ver­laub – einer der bes­ten der Welt. Salopp gesagt: der Mas­se­to der Reb­sor­te Syrah. Frei­lich ein medi­ter­ra­ner Syrah mit viel süßer, rei­fer Frucht, die von schwar­zer Johan­nis­bee­re bis zu Zwetsch­gen­rös­tern reicht, dazu die unnach­ahm­li­che Wür­ze von Wach­hol­der, Pini­en­harz, Salz­la­krit­ze, dunk­ler Scho­ko­la­de. Am Gau­men reich, aber nicht über­la­den, mit glat­tem Tan­nin, das den Wein gekonnt zusam­men­hält. Und: 2013 war ein gran­dio­ser Jahr­gang in der Tos­ka­na. Due­ma­ni ist ein klei­ner, bio­dy­na­misch arbei­ten­der Mus­ter­be­trieb im Besit­ze des Öno­lo­gen Luca d’Attoma, der in sei­nen pri­va­ten Wein­ber­gen aus­le­ben kann, was ihm bei den gro­ßen Wein­gü­tern, die er berät, meis­tens ver­wehrt ist.

Bewer­tung: 97 Punk­te
Preis: 107 Euro
Bezug: www.superiore.de


2013 Ermitage „Le Pavillon“, M. Chapoutier

2013 Ermitage „Le Pavillon“, M. Chapoutier

Der zwei­te der vier Lagen-Ermitage in der Betrieb­hier­ar­chie von Michel Chapou­tier – und ein Rie­se. So reich und gleich­zei­tig so aro­men­tief hat­te ich die­sen Wein aus dem klei­nen Jahr 2013 nicht erwar­tet: extrem dun­kel in der Far­be, Duft von Veil­chen, schwar­zen Johan­nis­bee­ren, hel­lem Tabak, kara­mel­li­sier­ten Zwet­schen, am Gau­men Rauch­fleisch und Gesteins­staub, dabei extrem kom­pakt mit sam­ti­gem Tan­nin und irre lan­gem Abgang. Ein Block­bus­ter, aber einer von der ele­gan­ten Sor­te, nicht erschla­gend, nicht exzes­siv alko­hol­reich, wohl aber eine Her­aus­for­de­rung für den Gau­men. Kri­ti­ker sagen Chapou­tier ja einen Hang zur aus­tra­li­schen Shiraz-Stilistik nach. Die­ser Wein bestä­tigt den Ein­druck (obwohl der Neuholz-Einsatz nur bei 30 Pro­zent liegt). Sei’s drum: Jetzt ein Erleb­nis, in 20 Jah­ren ein tol­ler Genuss. Der Le Pavil­lon kommt aus ver­schie­de­nen Par­zel­len der Zone Les Bes­sards, die im war­men mitt­le­ren und unte­ren Teil des Hermitage-Hangs liegt. Chapou­tier besitzt dort 4 Hekt­ar mit teil­wei­se hun­dert­jäh­ri­gen Syrah-Reben. Der Wein ist nur in klei­nen Men­gen und prak­tisch nur auf Vor­be­stel­lung erhält­lich.

Bewer­tung:  99 Punk­te
Preis: ca. 450 Euro
Bezug: www.ludwig-von-kapff.de


2013 Ermitage „Le Méal“, M. Chapoutier

2013 Ermitage „Le Méal“, M. Chapoutier

Le Meal ist eine hoch gele­ge­ne, ter­ras­sier­te Süd­la­ge mit gro­ßen, run­den Kie­sel­stei­nen und Lehm im Unter­grund, die zusam­men mit den ande­ren Ter­ras­sen im obe­ren Bereich des Hermitage-Hangs zu den ganz gro­ßen Crus Frank­reichs gezählt und auf eine Stu­fe mit dem Romanée-Conti gestellt wird. Ent­spre­chend atem­be­rau­bend ist der Wein, der dort wächst. Der 2013er prä­sen­tiert sich in undurch­dring­li­chem Dun­kel­rot mit vio­lett­far­be­nen Refle­xen, mit rei­fem, süs­sen Himbeer-, Zwetschgen- und Cassis-Duft, aber im Unter­schied zum Le Pavil­lon mit mehr pro­vença­li­scher Kräu­ter­wür­ze, mehr Lakritz, mehr Teer, mehr Granit-Aroma. Ein gewal­ti­ger Wein, der – jung getrun­ken – die Geschmacks­pa­pil­len extrem for­dert, nach 20, 30 Jah­ren Fla­schen­rei­fe aber so ruhig und dis­zi­pli­niert über die Gau­men lau­fen wird, wie die Rhô­ne am Fuße des Hermitage-Hangs jetzt schon durch ihr Fluss­bett fließt. Das glau­be ich vor­her­sa­gen zu kön­nen, weil ich vor eini­gen Jah­ren Gele­gen­heit hat­te, mit Michel Chapou­tier zusam­men den 1996er zu ver­kos­ten, den ers­ten Jahr­gang die­ses gigan­ti­schen Weins, der sich damals nach knapp zwei Jahr­zehn­ten von allen vor­der­grün­di­gen Pri­mär­aro­men befreit hat­te und sich abge­klärt, aber noch unglaub­lich frisch prä­sen­tier­te. Fast fühlt man sich bei die­sem Wein wie Zar Niko­las II., der die Hermitage-Weine über alles lieb­te. Übri­gens wird der Le Méal in spe­zi­el­len Zement­bot­ti­chen ver­go­ren und zu 100 Pro­zent in neu­em Holz aus­ge­baut. Lei­der gibt es von ihm nur weni­ge tau­send Fla­schen. Beim deut­schen Impor­teur ist er kurz nach der Arri­va­ge schon aus­ver­kauft. Ich habe dan­kes­wer­ter­wei­se die letz­ten zwei Fla­schen bekom­men.

Bewer­tung: 98 Punk­te
Preis: ca. 300 Euro
Bezug: www.ludwig-von-kapff.de


2012 Grange BIN 95, Penfolds

2012 Grange BIN 95, Penfolds

Pen­folds Gran­ge gilt als der bes­te aus­tra­li­sche Shiraz – und ist es wohl auch. Eine ähn­lich extre­me Kon­zen­tra­ti­on wei­sen zwar auch ande­re Shiraz-Weine aus Down Under auf. Aber kei­ner besitzt eine sol­che Ele­ganz wie die­ser Top­wein von Pen­folds: sam­te­nes Tan­nin, gesto­chen kla­re, sau­be­re Frucht, dis­zi­pli­nier­te Fül­le, 19 Mon­ta­te in 300-Liter-Fässern aus neu­er ame­ri­ka­ni­scher Eiche gereift. Ein gigan­ti­scher Wein, aber einer ohne die ber­ser­ker­haf­te Kraft ande­rer aus­tra­li­scher Shiraz. Er kommt dies­mal sowohl aus dem Baros­sa Val­ley als auch aus dem McLa­ren Vale und ent­hält 2 Pro­zent Caber­net Sau­vi­gnon: feins­tes Maulbeer- und Cassis-Aroma, unter­legt mit viel Kaffee- und Eukalyptus-Noten, dazu ein Hauch von Nel­ken­ge­würz, Süss­la­kritz, San­del­holz und dunk­ler Scho­ko­la­de. Der 2012er ist der teu­ers­te Gran­ge, der je auf dem Markt kam, was zeigt, dass die Nach­fra­ge nach ihm trotz des Prei­ses steigt. Trotz der rela­tiv gro­ßen Men­gen, in denen er abge­füllt wird, ist er schwer zu bekom­men. Die Men­ge, die für Kontinental-Europa reser­viert ist, wird knapp gehal­ten. Die asia­ti­schen und ame­ri­ka­ni­schen Märk­te erfreu­en sich der­zeit grö­ße­rer Nach­fra­ge. Sei’s drum: Wer es sich leis­ten kann, bekommt ein paar Fläsch­lein. Den Gran­ge im jet­zi­gen Sta­di­um zu trin­ken, wäre aller­dings raus­ge­schmis­se­nes Geld. Da sind die ein­fa­che­ren Penfolds-Weine (wie der BIN 150 Maran­an­ga oder den BIN 170 Kalim­na oder Mag­ill Esta­te) deli­ka­ter. Peter Gago, Pen­folds Chief Wine­ma­ker, prä­fe­riert der­zeit den 1990er oder den 1988er – oder noch älte­re Jahr­gän­ge. Wer den gro­ßen 2012er Gran­ge rich­tig genie­ßen will, braucht Geduld, viel Geduld. Die vor­aus­sicht­li­che Trink­rei­fe geben die Penfolds-Experten mit 2060 an. Wer heu­te 40 Jah­re alt ist, wird 83 sein, wenn der Wein auf dem Höhe­punkt ist.

Bewer­tung: 98 Punk­te
Preis: 450 bis 650 Euro
Bezug: www.hawesko.de, www.gute-weine.de, www.internetoase.de, www.koelner-weinkeller.de u. a.


 

2009 Alttus Finiss River Shiraz, Salomon Estate

2009 Alttus Finiss River Shiraz, Salomon Estate

Die­sen weit­hin unbe­kann­ten aus­tra­li­schen Shiraz hat­te ich als Geheim­tipp in die Pro­be geschmug­gelt. Dabei ist er schon lan­ge kein Geheim­tipp mehr. Er fügt sich naht­los in die Pha­lanx der gro­ßen Down-Under-Gewächse ein, kom­men sie von Noon, von Tor­breck, von Veri­tas oder von Pen­folds. Ich habe über den 2009er schon ein­mal auf weinkenner.de geschrie­ben („Extrem kon­zen­triert, purer Extrakt mit viel Süße und exo­ti­schem Holz, noch fest im Griff des Tan­nins und des­halb zu scha­de, um ihn jetzt zu trin­ken. Wird aber ein ganz gro­ßer“) und dem­sel­ben Jahr­gang 95 Punk­te gege­ben. Dies­mal habe ich einen Punkt abge­zo­gen. Der Alt­tus bringt zwar die­ses Wahnsinns-Aroma von Maul­bee­ren, Pflau­men­kon­fi­tü­re, Dat­teln, Spear­mint, Teer und Mok­ka an Nase und Gau­men. Aber irgend­wie wirk­te er dies­mal ein wenig flat­te­rig, nicht ganz so straff gewo­ben wie damals. Viel­leicht lag es an der Fla­sche, viel­leicht an mir. Ich wür­de auch nicht die eng­li­sche Wein­kri­ti­ke­rin Jan­cis Robin­son bestä­ti­gen, die in ihrer Kolum­ne in der Finan­ci­al Times geschrie­ben hat­te, dass sie den Alt­tus für einen der gro­ßen Rhône-Wein hielt. Für mich ist er als aus­tra­li­scher cool cli­ma­te-Shiraz deut­lich erkenn­bar. Gran­di­os ist er trotz­dem und beschei­den taxiert ange­sichts der Prei­se, die für ande­re aus­tra­li­sche Top-Shiraz auf­ge­ru­fen wer­den.

Bewer­tung: 94 Punk­te
Preis: 95 Euro
Bezug: www.wagners-weinshop.com


2006 Côte Rôtie „La Turque“, Guigal

2006 Côte Rôtie „La Turque“, Guigal

Die größ­te Ent­täu­schung der Pro­be war der La Tur­que, einer der drei Lagen-Weine von Gui­gal. Nor­ma­ler­wei­se ein 100-Punkte-Kandidat, erwies sich der 2006er als unba­lan­ciert, mar­me­la­dig mit tro­cke­nem Tan­nin. Ein glanz­lo­ser Wein aus einem Jahr­gang, der sicher nicht zu den bes­ten gehört, aber auch nicht zu den schlech­tes­ten. Und er kos­te­te nicht weni­ger als die gro­ßen 2005er, 2009er und 2010er. La Tur­que kommt von der Côte Bru­ne, wie die eisen­hal­ti­gen Schie­fer­bö­den um das Städt­chen Ampuis genannt wer­den. Dort ergibt die Syrah tief­grün­di­ge­re, unnach­gie­bi­ge­re Wei­ne als an der Côte Blon­de. Und von allen drei Lagen­wei­nen Gui­gals ist der La Tur­que der­je­ni­ge, der am tra­di­tio­nells­ten vini­fi­ziert wird (übri­gens mit 5 Pro­zent Vio­gnier): nach der alten pigeage-Methode mit hän­di­schem Run­ter­stos­sen des Tres­ter­huts. Viel­leicht war das in 2006 des Guten zu viel? Viel­leicht waren auch die  42 Mona­te Aus­bau in 100 Pro­zent neu­em Holz zu viel? Der Wein wirk­te jeden­falls über­ex­tra­hiert. Die Frucht war aus­ge­trock­net. Oder hat­te ich eine Pro­blem­fla­sche erwischt? Jeden­falls sehr scha­de.

Bewer­tung: 88 Prunk­te
Preis: 275 Euro
Bezug: www.koelner-weinkeller.de


2012 Lud­di­te Shiraz, Lud­di­te Wines

2012 Luddite Shiraz, Luddite Wines

Lud­di­te pro­du­ziert einen der bes­ten Shiraz Süd­afri­kas – aller­dings auch einen der wil­des­ten, frechs­ten, lau­tes­ten. Die Trau­ben wach­sen bei Bot River tief im Hin­ter­land von Klein­mond: eine hei­ße Gegend, die nur abends und nachts durch die Bri­sen, die vom Indi­schen Oze­an her­über wehen, etwas gekühlt wird. Die hohen Tem­pe­ra­tu­ren sind dem Wein anzu­mer­ken: ein mäch­ti­ger, unge­mein vol­ler Shiraz (15 Vol.%), wild und unge­zähmt zunächst, nach dem Dekan­tie­ren etwas dis­zi­pli­nier­ter und ruhi­ger. Geprägt ist er durch Mas­sen von dunk­ler, süßer Frucht und erdi­ger Wür­ze, die von Rote Bete bis zu schwar­zem Pfef­fer reicht. Trotz sei­nes hohen Alko­hol­ge­halts ist er frisch, das Tan­nin ist weich und gut inte­griert. Der Wein prunkt vor allem mit sei­ner Aro­main­ten­si­tät, die euro­päi­schen Syrah-Weinen deut­lich über­le­gen ist. Ele­ganz und Sub­ti­li­tät sind dage­gen nicht sei­ne Stär­ke. Jah­re­lang gela­gert zu wer­den, ist auch nicht sei­ne natür­li­che Bestim­mung. Schon nach ein paar Jah­ren dürf­ten sich die Ecken und Kan­ten, die er jetzt noch auf­weist, abge­schlif­fen haben. Dann beginnt das Trink­ver­gnü­gen. Lud­di­te Wines ist ein klei­ner, hand­werk­li­cher Erzeu­ger. Er ist auf Distanz zu dem Main­stream, den man in Stel­len­bosch, Paarl und Umge­bung fin­det. Auch das macht die­sen Wein inter­es­san­ter als die Mas­sen von glat­ten, uni­for­men Shiraz, die aus Süd­afri­ka kom­men.

Bewer­tung: 92 Punk­te
Preis: 29,90 Euro
Bezug: www.c-und-d.de


2013 Syrah, Dominio de Valdepusa

2013 Syrah, Dominio de Valdepusa

Der Syrah von Mar­ques de Gri­ñon ist der bedeu­tends­te, auf jeden Fall der bekann­tes­te Wein aus die­ser Reb­sor­te in Spa­ni­en. In der Pro­be mach­te er sei­nem Ruf alle Ehre. Im Glas prä­sen­tier­te er sich dun­kel­ru­bin­rot, in der Nase auch im jun­gen Sta­di­um schon duf­tig mit Noten von Veil­chen, Brom­beer­kon­fi­tü­re, grü­nen Oli­ven, Teer und geräu­cher­tem Schin­ken –Tri­but an den Aus­bau in getoas­te­ten Bar­ri­ques. Am Gau­men flei­schig, süß und sehr druck­voll (was bei 14,5 Vol.% Alko­hol nicht wei­ter ver­wun­dert). Kurz: ein mäch­ti­ger, im Hoch­land von La Man­cha auf 450 Meter Höhe gewach­se­ner Wein, aro­men­stark mit klar defi­nier­ter Frucht und Wür­ze, der es schafft, trotz sei­ner Fül­le punkt­ge­nau auf der Zun­ge zu lan­den. Er trägt die Hand­schrift des bekann­ten fran­zö­si­schen Öno­lo­gen Michel Rolland. Bei allen Kom­pli­men­ten: Die Ele­ganz und Fein­heit, die gro­ße Rhône-Weine zei­gen kön­nen, geht die­sem Wein ab. Die Qua­li­tä­ten die­ses Mar­ques de Griñon-Weins lie­gen in sei­ner Vor­der­grün­dig­keit und Geheim­nis­lo­sig­keit. Nur 7.800 Fla­schen wur­den gefüllt.

Bewer­tung: 91 Punk­te
Preis: 29,90 Euro
Bezug: www.vinos.de


2014 Syrah Réserve trocken, Weingut Rings

2014 Syrah Réserve trocken, Weingut Rings

Die­sen Pfäl­zer Syrah ver­dan­ken wir der Kli­ma­er­wär­mung. Stef­fen und Andre­as Rings haben auf den Kies- und Sand­bö­den um Freins­heim schon früh Syrah-Reben gepflanzt und ern­ten heu­te den Ertrag (der übri­gens mit 22 Hek­to­li­tern pro Hekt­ar äus­serst gering ist). Ihre Syrah Réser­ve ist einer der bes­ten Rot­wei­ne, die aus die­ser Sor­te in Deutsch­land gewon­nen wer­den, und das war­me Jahr 2014 war wie mass­ge­schnei­dert für ihn. Die Stär­ke die­ser Syrah Réser­ve liegt in der straf­fen Tex­tur und der küh­len, kla­ren Frucht, die an Granini-Kirschsaft erin­nert. Dazu kommt eine mar­kan­te mine­ra­li­sche Wür­ze mit viel schwar­zem, aber auch einer Pri­se wei­ßem Pfef­fer. Dass der Wein nur von mitt­le­rer Struk­tur ist und nicht an die Fül­le und Kom­ple­xi­tät medi­ter­ra­ner Syrah-Gewächse her­an­kommt, kann nicht über­ra­schen. Bei aller Kli­ma­er­wär­mung ist Deutsch­land immer noch ein rela­tiv küh­les Anbau­ge­biet. Der Wein lager­te 21 Mona­te in Bar­ri­ques (zu 75 Pro­zent neu) und ist auf dem Wein­gut in der Regel schon vor der Fül­lung aus­re­ser­viert.

Bewer­tung: 92 Punk­te
Preis: zwi­schen 40 und 50 Euro
Bezug: www.hawesko.de, www.wein-bastion.de, www.belvini.de, www.ebrosia.de u. a.


2013 Jaspis Syrah, Weingut Ziereisen

2013 Jaspis Syrah, Weingut Ziereisen

Hans­pe­ter Zier­ei­sen ist der über­ra­gen­de Win­zer im äußers­ten Süden Badens, im Mark­gräf­ler­land. Sei­ne Gutedel-Weißweine haben eine Klas­se, wie kaum ande­rer sie erreicht. Ganz zu schwei­gen von sei­nen Blau­en Spät­bur­gun­dern, über die er deutsch­land­weit bekannt und berühmt wur­de. Tschup­pen, Rhi­ni, Schu­len, Jas­pis – das sind die Namen die­ser Wei­ne, die nach tra­di­tio­nel­lem fran­zö­si­schem Vor­bild reif, aber nicht über­reif geern­tet wer­den und vier bis sechs Wochen auf der Mai­sche ste­hen, um dann bis zu zwei Jah­re in Bar­ri­ques aus­ge­baut zu wer­den. Holz ist ein wich­ti­ges Ele­ment der Kel­ler­phi­lo­so­phie Zier­ei­sens. Schließ­lich hat er Schrei­ner gelernt. Neben den Blau­en Spät­bur­gun­dern erzeugt er im war­men Kli­ma der Base­ler Bucht auch einen Syrah, der in Deutsch­land hoch geschätzt wird – zu Recht. Er nennt ihn – wie den Top-Spätburgunder – Jas­pis. Lei­der ent­täusch­te die­ser Wein in unse­rer Syrah-Probe. Er wirk­te ver­gleichs­wei­se dünn, hat­te eine über­be­ton­te Säu­re und zeigt viel zu viel Holz. Viel­leicht war er noch zu jung. Viel­leicht war der küh­le Jahr­gang 2013 nicht ide­al für die­se Reb­sor­te. Viel­leicht hat er auch unter der illus­tren Gesell­schaft von Wei­nen aus ande­ren, wär­me­ren Gebie­ten gelit­ten. Schwer zu sagen. Nor­ma­ler­wei­se trin­ke ich die­sen Wein mit aller­größ­tem Ver­gnü­gen, und mit mir so vie­le ande­re Men­schen, dass er inner­halb weni­ger Wochen am Wein­gut aus­ver­kauft ist.

Bewer­tung: 89 Punk­te
Preis: 45 Euro
Bezug: www.gute-weine.de


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