Mit dem Lagrein Peter 1893 Riserva knüpft die Cantina Andrian an ihre eigene Geschichte an – und zugleich an die Entwicklung des Lagrein in Südtirol insgesamt.
Der Wein ist weniger als Solitär gedacht, sondern als Ausdruck einer langen genossenschaftlichen Tradition, einer klar definierten Herkunft und einer Stilistik, die auf Beständigkeit statt Effekt setzt.
Die Cantina Andrian: Pionierarbeit seit 1893
Die Cantina Andrian wurde im Jahr 1893 gegründet und gilt als älteste Kellereigenossenschaft Südtirols. Ihre Entstehung fällt in eine Zeit, in der der Weinbau in der Region von Unsicherheit geprägt war. Der Zusammenschluss kleiner Betriebe zu einer Genossenschaft war damals ein strategischer Schritt, um Qualität zu sichern, wirtschaftliche Stabilität zu schaffen und Wissen zu bündeln.
Diese Grundidee prägt das Haus bis heute. Andrian steht nicht für schnelle Moden, sondern für eine vergleichsweise nüchterne, terroirorientierte Weinphilosophie. Die Weine sollen Herkunft zeigen, nicht Technik. Seit dem Zusammenschluss mit der Cantina Terlan vor gut zehn Jahren wurde diese Linie weiter geschärft – mit Fokus auf präzisen Ausbau, zurückhaltenden Holzeinsatz und eine insgesamt eher kühle, strukturierte Stilistik.
Lagrein als Profilrebsorte
Lagrein spielt bei Andrian eine besondere Rolle. Bereits in den 1980er Jahren gehörte die Kellerei zu den ersten Betrieben, die das Potenzial dieser autochthonen Rebsorte im Barrique-Ausbau erkannten. Mit dem Tor di Lupo setzte Andrian Maßstäbe für einen kraftvollen, strukturierten Lagrein, der sich vom rustikalen Image früherer Jahrzehnte deutlich abhob.
Heute bewirtschaftet die Cantina rund zwölf Hektar Lagrein, überwiegend in klassischen Lagen rund um Bozen. Der Peter 1893 positioniert sich stilistisch zwischen dem fruchtbetonten Rubeno und dem kraftvolleren Tor di Lupo – als Wein mit Substanz, aber ohne Überzeichnung.

Lage und Terroir
Die Trauben für den Lagrein Peter 1893 stammen aus ausgewählten Lagen bei Bozen auf etwa 250 Metern Meereshöhe – einer der anerkannt besten Herkunftszonen für Lagrein. Die Böden bestehen aus sandigen bis mittelschweren Anschwemmböden mit Porphyranteilen aus dem Sarntal. Diese sorgen für gute Drainage und eine rasche Erwärmung tagsüber, während kühle Fallwinde in den Abendstunden für Temperaturausgleich sorgen.
Dieses Zusammenspiel begünstigt eine gleichmäßige Reife, erhält Frische und fördert die charakteristische Würze des Lagrein. Der Jahrgang 2022 gilt in Südtirol zudem als sehr ausgewogenes Rotweinjahr, was sich in der Struktur und Balance des Weines widerspiegelt.
Ausbau und Stilistik
Nach der klassischen Maischegärung im Edelstahl reifte der Wein zunächst im kleinen Holzfass, anschließend im großen Holzfass und schließlich in der Flasche. Diese abgestufte Reifephase zielt nicht auf maximale Holzaromatik, sondern auf Struktur und Lagerfähigkeit. Der Holzeinsatz bleibt kontrolliert, die Frucht klar erkennbar.
In der Verkostung zeigt sich der Wein dunkel und würzig, mit Aromen von Pflaume, dunklen Beeren und Bitterschokolade. Am Gaumen präsentiert er sich vollmundig, mit deutlicher, aber gut eingebundener Tanninstruktur. Der Wein wirkt weniger als meditativer Solist, sondern als klassischer Speisenbegleiter – gedacht für kräftige Gerichte, Wild oder gereiften Käse.
Ein Wein im Kontext der Geschichte
Der Name Peter 1893 verweist auf Peter Pircher, Mitbegründer und ersten Obmann der Cantina Andrian. Die Benennung ist weniger Marketinggeste als bewusste Rückbindung an die genossenschaftlichen Wurzeln des Hauses. Der Wein steht damit exemplarisch für das Selbstverständnis der Kellerei: Gemeinschaft, Herkunft und handwerkliche Kontinuität.
Verkostung
Im Glas ein tiefes, dunkles Rubinrot, beinahe lichtschluckend, mit violetten Rändern. Schon die Farbe signalisiert: Hier geht es um Substanz. In der Nase zeigt sich der Wein unmittelbar und konzentriert. Dunkle Beeren – Pflaume, Sauerkirsche – dominieren, begleitet von würzigen Noten, Bitterschokolade und einem Hauch dunkler Kräuter. Nichts Süßliches, nichts Parfümiertes. Der Ausbau im Fass bleibt im Hintergrund, stützt, statt zu schmücken.
Am Gaumen wirkt der Lagrein füllig. Die Tannine sind kräftig, präsent, aber nicht roh. Sie geben dem Wein Struktur und Richtung, fordern aber auch ein Gegenüber – idealerweise ein deftiges Gericht. Die Frucht bleibt dunkel und kühl, getragen von einer klaren, fast strengen Textur. Das Holz zeigt sich weniger aromatisch als statisch: Es gibt Halt, keine Effekte. Vollmundig, ohne schwer zu wirken, mit einem langen, würzigen Nachhall.
Mit etwas Luft gewinnt der Wein an Ruhe. Die anfängliche Strenge legt sich, die Aromen rücken enger zusammen. Es entsteht ein geschlossenes Bild, das weniger auf Charme als auf Verlässlichkeit setzt. Ein Wein, der nicht verführen will, sondern begleitet – und genau darin seine Stärke findet.
Als Solist im Glas wäre er fast unterfordert. Am Tisch jedoch, zu Wild, zu geschmortem Fleisch, zu kräftigen Saucen oder gereiftem Käse, spielt er seine Rolle überzeugend aus. Ein gehobener Tafelwein im besten Sinn.
Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre darf man ihm Zeit geben. Die Struktur ist da, die Balance stimmt. Doch man muss nicht warten. Dieser Lagrein ist bereit – weniger für große Gesten, als für ehrlichen Genuss.









































































