Wein-News Frankreich

Stéphane Derenoncourt: „Reben haben das Wetter nicht begriffen…“

Stéphane Derenoncourt
Die Winzer von Bordeaux haben ein extrem schwieriges Jahr hinter sich. Stéphane Derenoncourt, der einflussreichste Berater der neuen Generation französischer Önologen, dem Châteaux wie Pavie-Macquin, La Mondotte oder Petit Village ihren Aufstieg verdanken, spricht im Interview mit Andrew Black aus, was andere denken: 2011 wird nicht in die Annalen der großen Jahrgänge eingehen.

Die Win­zer von Bor­deaux haben ein extrem schwie­ri­ges Jahr hin­ter sich. Sté­pha­ne Dere­non­court, der ein­fluss­reichs­te Bera­ter der neu­en Gene­ra­ti­on fran­zö­si­scher Öno­lo­gen, dem Châ­teaux wie Pavie-Macquin, La Mond­ot­te oder Petit Vil­la­ge ihren Auf­stieg ver­dan­ken, spricht im Inter­view mit Andrew Black aus, was ande­re den­ken: 2011 wird nicht in die Anna­len der gro­ßen Jahr­gän­ge ein­ge­hen.

Sté­pha­ne Dere­non­court, 48, ist ein Auto­di­dakt. Er stammt aus Dün­kir­chen im Nor­den Frank­reichs. Sein Vater war Stahl­ar­bei­ter. Mit 19 tramp­te er nach Bor­deaux und ver­dien­te sich sein ers­tes Geld als Wein­berg­ar­bei­ter. Danach ließ ihn der Wein nicht mehr los. Er ließ sich in Bor­deaux nie­der, arbei­te­te auf meh­re­ren Châ­teaux, bil­de­te sich wei­ter, ohne eine Uni­ver­si­tät zu besu­chen. Anfang der neun­zi­ger Jah­re wur­de er Wine­ma­ker auf Châ­teau Pavie-Macquin in St. Emi­li­on, spä­ter auf La Mond­ot­te und ande­ren. 1999 grün­de­te er eine Bera­tungs­fir­ma, die zehn Öno­lo­gen beschäf­tigt und über 60 Wein­gü­ter in aller Welt berät: in Chab­lis (Laro­che), in Rouss­il­lon (Mas Amiel), an der Rhô­ne (Ras­teau), in der Tos­ka­na (Argen­tie­ra, La Mas­sa), in Öster­reich (Ester­ha­zy Wein), in Kali­for­ni­en (Rubicon Esta­te), vor allem aber in Bor­deaux (Tal­bot, Prieu­ré Lichi­ne, Domai­ne de Che­val­li­er, Smith Haut Lafit­te, Les Car­mes Haut Bri­on u.a.) Dane­ben ist er Besit­zer der Domai­ne de l’A in Côtes de Cas­til­lon. In Kali­for­ni­en pro­du­ziert er meh­re­re Sin­gle Vineyard-Weine in Napa, Car­n­e­ros und Lake Coun­ty.

Andrew Black: Ist der Jahr­gang 2011 wirk­lich so kom­pli­ziert und inho­mo­gen, wie die Bordeaux-Winzer sagen?
Sté­pha­ne Dere­non­court: 2011 ist ein schwie­ri­ges Jahr. Es hat den Anschein, als hät­ten die Reben nicht begrif­fen, was das Wet­ter woll­te. Im Früh­ling haben sie sich ver­hal­ten, als sei Som­mer. Im Som­mer haben sich die Reben vom Regen und vom feuch­ten Wet­ter regel­recht aus der Fas­sung brin­gen las­sen.
Andrew Black: Ungleich­mä­ßi­ge Rei­fe war das Haupt­pro­blem?
Sté­pha­ne Dere­non­court: Um ganz ehr­lich zu, ohne Lese­brett wird es in die­sem Jahr kei­ne guten Wei­ne geben.
Andrew Black: War­um nicht?
Sté­pha­ne Dere­non­court: Es waren nicht nur die unrei­fen, grü­nen und die pink­far­be­nen Bee­ren, die ent­fernt wer­den. Es muss­ten auch rosi­ni­er­te, ver­schim­mel­te oder hagel­ge­schä­dig­te Bee­ren her­aus­ge­le­sen wer­den.
Andrew Black: Wie schlimm waren die Botrytis-Attacken?
Sté­pha­ne Dere­non­court: Im bes­ten Fall konn­ten wir die fau­len Bee­ren am Lese­brett ent­fer­nen, im schlech­tes­ten Fall muss­te der Lese­ter­min vor­ge­zo­gen wer­den.

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