Wein-News Italien

Ruggeri: Giustino B. – Prosecco der Sonderklasse

Etikett Giustino B. - Ruggeri
Wenn Prosecco, dann nur das Beste. Und bitte keinen Geiz. Der Giustino B. ist schließlich kein lauer Prickler, sondern ein mitreißender Schaumwein aus Prosecco-Trauben (die jetzt Glera heißen), gereift an den steilen, archaisch terrassierten Voralpenhängen um das Städtchen Valdobbiadene. Paolo Bisol, der ihn erzeugt, empfiehlt, den 2010er nicht vor dem 1. September zu öffnen. Man könnte also schon mal eine Flasche kaltstellen, findet Jens Priewe.

Wenn Pro­sec­co, dann nur das Bes­te. Und bit­te kei­nen Geiz. Der Gius­ti­no B. ist schließ­lich kein lau­er Prick­ler, son­dern ein mit­rei­ßen­der Schaum­wein aus Prosecco-Trauben (die jetzt Gle­ra hei­ßen), gereift an den stei­len, archa­isch ter­ras­sier­ten Vor­al­pen­hän­gen um das Städt­chen Valdob­bia­de­ne. Pao­lo Bisol, der ihn erzeugt, emp­fiehlt, den 2010er nicht vor dem 1. Sep­tem­ber zu öff­nen. Man könn­te also schon mal eine Fla­sche kalt­stel­len, fin­det Jens Priewe.

Die­ser Pro­sec­co ist so ziem­lich das Feins­te, was es von die­ser Sor­te auf dem Markt gibt. Mit den han­dels­üb­li­chen Pro­sec­co aus dem Super­markt hat er kei­ne Ähn­lich­keit. Eher schon legt er sich mit Edel­sek­ten an. Mit rund 15 Euro ist er für einen Pro­sec­co zwar unver­schämt teu­er, gegen ande­re, renom­mier­te­re Schaum­wei­ne dage­gen preis­wert.

Was ist die Beson­der­heit die­ses Pro­sec­co? Zwei­fel­los sein Geschmack. Gius­ti­no B. ist vol­ler als ein nor­ma­ler Pro­sec­co. Das Bou­quet zeigt Noten von gel­bem Pfir­sich, dazu ein Hauch Lychees. Am Gau­men ist er fein­fruch­tig, druck­voll, saf­tig. Eine mil­de Säu­re durch­zieht ihn. Säu­er­li­che und scha­le Noten ver­misst man voll­stän­dig.

Kein lauer Frizzante

Auch ist er ein rich­ti­ger Spu­man­te. Also ein Schaum­wein, kein lau­er Friz­zan­te, bei dem der Erzeu­ger nur die Sekt­steu­er umge­hen woll­te. Und er ist lang­le­big. Wäh­rend ich die­se Zei­len schrei­be, steht der 2006er vor mir im Glas: kei­ne Spur von Unfri­sche, geschwei­ge denn Oxy­da­ti­on, immer noch mit leben­di­ger Säu­re und einem Aro­ma von Apfel- und Bir­nen­kom­pott, immer noch hell stroh­gelb. Nur die Per­len sind etwas schwä­cher gewor­den. Aber das liegt dar­an, dass ein Pro­sec­co per Tank­gä­rung pro­du­ziert wird (Charmat-Methode). Die Per­la­ge ist nicht ganz so dau­er­haft wie bei einer Fla­schen­gä­rung. Lan­ge lagern soll­te man ihn den­noch nicht. Nach zwei, drei Jah­ren schmeckt er am bes­ten.

Pao­lo Bisol heißt der Inha­ber der Kel­le­rei Rug­ge­ri, aus der die­ser Pro­sec­co kommt. Bisol ist aus­ge­bil­de­ter Medi­zi­ner und hat jah­re­lang als Arzt prak­ti­ziert, bevor er sich ent­schloss, die Kel­le­rei sei­nes Vaters Gius­ti­no zu über­neh­men (nach die­sem wur­de der Pro­sec­co dann benannt). Seit­dem kniet sich Bisol in die­sen Wein hin­ein wie frü­her in die Krank­heits­ge­schich­ten sei­ner Pati­en­ten. „Die Prosecco-Traube ist kei­ne noble Sor­te. Der Grund­wein, den sie lie­fert, ist ein­fach und rus­ti­kal. Erst nach der Ver­sek­tung zeigt er sei­ne Fein­hei­ten.“

Die besten tragen die vier Buchstaben DOCG auf dem Etikett

Frei­lich nicht über­all, son­dern nur im Ursprungs­ge­biet der Prosecco-Traube (die vor zwei Jah­ren übri­gens in Gle­ra umbe­nannt wur­de): ein Hügel­ge­biet nörd­lich von Tre­vi­so um die Klein­städ­te Valdob­bia­de­ne und Cone­glia­no. Es liegt abseits der aus­ge­tram­pel­ten Tou­ris­ten­pfa­de und gilt als eines der letz­ten Stü­cke boden­stän­di­gen, unver­fälsch­ten Ita­li­ens.

Der Pro­sec­co von dort heißt Valdob­bi­an­de­ne Pro­sec­co DOCG oder Cone­glia­no Pro­sec­co DOCG, je nach dem, wo er her­kommt. Die vier Buch­sta­ben ste­hen für die höchs­te ita­lie­ni­sche Qua­li­täts­wein­ka­te­go­rie: die kon­trol­lier­te und garan­tier­te Ursprungs­be­zeich­nung. Die ande­ren Pro­sec­co aus der Ebe­ne und den angren­zen­den Hügel­zo­nen hei­ßen ein­fach nur Pro­sec­co DOC.

Die DOCG-Weinberge lie­gen an den Flan­ken der zwei­ten Hügel­ket­te, die sich aus der Po-Ebene erhebt: klein­ter­ras­sier­te Hän­ge, die von Hand bewirt­schaf­tet wer­den müs­sen. Wenn er mit sei­nem Schmal­spur­trak­tor wenigs­tens in die Nähe sei­ner Ter­ras­sen kommt, ist der Win­zer dort schon froh.

Kommentar hinzufügen

Antwort schreiben

Anzeige

Veranstaltungen

« Juni 2018 » loading...
MDMDFSS
28
29
30
31
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
14
20
21
22
23
24
25
26
1
Mi 27

Leipziger Weinfest

27. Juni - 1. Juli
Fr 29
Fr 29
Fr 29

Weinfest in Senheim

29. Juni - 2. Juli

Anzeige