Wein-News Frankreich

Pavie und Angélus jetzt Premier Grand Cru Classé „A“

Seit heute gibt es zwei neue Premiers: Château Pavie und Château Angélus. Ihre Besitzer Gérard Perse und Hubert de Boüard sind überglücklich. Die neue Klassifikation von St. Emilion war nötig geworden, nachdem die Gerichte die letzte Revision von 2006 für ungültig erklärt hatten. Der große Verlierer ist Château Figeac.

Verbitterter Verlierer: Château Figeac

Châ­teau Pavie
Châ­teau Pavie

Schlim­mer noch: Fige­ac wur­de über­holt von zwei Châ­teaux, die einen eher schil­lern­den Ruf in St. Emi­li­on genie­ßen, weil sie für ultra­kon­zen­trier­te, hoch­rei­fe und alko­hol­rei­che Wei­ne ste­hen, wie sie von den ame­ri­ka­ni­schen Wein­kri­ti­kern geliebt und von dem Öno­lo­gen Michel Rolland pro­du­ziert wer­den.

Fige­ac dage­gen steht für alten Adel: ein ele­gan­ter, geschlif­fe­ner Wein mit mode­ra­tem Alko­hol­ge­halt, unge­mein lang­le­big, dabei von außer­or­dent­li­cher Ver­fei­ne­rungs­fä­hig­keit und nie im Ver­dacht, sei­ne Typi­zi­tät dem Kom­merz oder dem Bewer­tungs­hype der Medi­en zu opfern.

Auch per­sön­li­che Din­ge mögen eine Rol­le spie­len. Der Super­markt­mil­lio­när Gér­ard Per­se ist ein bor­deaux­frem­der Spä­tein­stei­ger, der das ver­schla­fe­ne Châ­teau Pavie 1998 für über 30 Mil­lio­nen Dol­lar gekauft und mit Hil­fe von Michel Rolland und guten Kon­tak­ten zu wich­ti­gen Wein­kri­ti­kern zum Dar­ling des Bor­de­lai­ser Wein­han­dels gemacht hat­te. Robert Par­ker, der ame­ri­ka­ni­sche Wein­kri­ti­ker, ist bei­spiels­wei­se der Paten­on­kel eines sei­ner Kin­der.

Hubert de Boüard – nicht überall wohlgelitten

Hubert de Boüard
Hubert de Boüard

Hubert de Boüard ist zwar ein stu­dier­ter Öno­lo­ge und stammt aus St. Emi­li­on – aber auch er ist umstrit­ten. Ein poli­ti­scher Stra­te­ge und Mul­ti­funk­tio­när, Prä­si­dent des Con­seil des Vins de Saint Emi­li­on und regio­na­ler Ver­tre­ter der INAO – jener Orga­ni­sa­ti­on, die für die Neu­klas­si­fi­ka­ti­on feder­füh­rend ist. Die Ver­ant­wor­tung für Angé­lus hat­te er erst 1985 über­nom­men – und es im Gegen­satz zu Fige­ac in nun weni­ger als drei Jahr­zehn­ten geschafft, das Châ­teau ganz nach oben zu brin­gen. „Er hat sich selbst sei­nen Traum erfüllt“, zitiert die renom­mier­te fran­zö­si­sche Wein­fach­zeit­schrift Revue du Vin de Fran­ce einen unge­nann­ten Châ­teau­be­sit­zer.

Schon 2006 war Hubert de Boüard ins Zwie­licht gera­ten, weil er die Prü­fungs­kom­mis­si­on, die über die Neu­klas­si­fi­ka­ti­on ent­schei­den soll­te, mit loka­len Per­so­nen besetzt hat­te, die eige­ne Inter­es­sen ver­tre­ten, etwa einen Bor­de­lai­ser Cour­tier und einen Notar, die bei­de für meh­re­re Châ­teaux in St. Emi­li­on arbei­te­ten. Die­se Fehl­be­set­zung war einer der Grün­de, wes­halb das Gericht die Neu­klas­si­fi­ka­ti­on spä­ter annul­lier­te.

Kritische Stimmen

So kommt der­zeit viel Dampf aus der Gerüch­te­kü­che des 2000-Einwohner-Dorfes St. Emi­li­on, und nicht alles, was da ent­weicht, hat einen guten Geruch. Auch der Auf­stieg von Valand­raut in den Rang „B“ passt nicht allen, die sich beru­fen füh­len, über die Qua­li­tät der St. Emi­li­ons zu urtei­len. Der Auf­stieg des Neipperg-Château Canon-La-Gaffelière ist dage­gen unum­strit­ten. Gegen La Mond­ot­te sind Stim­men zu hören, die einer Klas­si­fi­zie­rung soge­nann­ter Gara­gen­wei­ne gene­rell kri­tisch gegen­über ste­hen (inzwi­schen besitzt La Mond­ot­te 4,5 Hekt­ar Wein­ber­ge und ist von einer Garagen-Winery weit ent­fernt).


Die neue Klas­si­fi­ka­ti­on von 2012 fin­den Sie auf Sei­te 3.


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