Parker und die 2012er Bordeaux: Begeisterung hört sich anders an …

En primeur-Degustation | Foto: © CIVB
En primeur-Degustation | Foto: © CIVB
„Charming“, „mid-weight“, „without an excess of concentration and tannin“ – so umschreibt Parker die 2012er Bordeaux. Hört sich gut an, klingt aber nicht nach Begeisterung. Das Urteil des amerikanischen Star-Kritikers über den Jahrgang ist durchwachsen.

Die Châ­teaux ver­öf­fent­lich­ten dies­mal früh Prei­se für die Wei­ne des Jahr­gangs 2012, über­ra­schend früh. Und auch Par­ker ließ sei­ne Leser nicht lan­ge zap­peln. Ende letz­ter Woche teil­te er der Welt mit, wie viel Punk­te sei­ner Mei­nung nach jeder ein­zel­ne Bordeaux-Wein wert sei. Es war, als wol­le er kur­zen Pro­zess mit dem Jahr­gang machen.

Sein Gesamt­ur­teil über den Jahr­gang klingt zunächst ein­mal ernüch­ternd: „kein gro­ßer Jahr­gang“. Damit rela­ti­viert er eini­ge der schön­fär­be­ri­schen Aus­sa­gen, mit denen gewis­se Châ­teaux bereits in den Wochen vor­her an die Öffent­lich­keit getre­ten waren.

Pomerol und Pessac-Léognan vorn

Robert Parker
Robert Par­ker

Doch Par­ker hat dif­fe­ren­ziert. Pome­rol und Pessac-Léognan sei­en „exzel­lent“. Aus die­sen bei­den Appel­la­tio­nen kämen Wei­ne mit rela­tiv nied­ri­gen Säu­ren und rei­fem, süßen Tan­nin. Sie ver­dan­ken ihre gute Qua­li­tät der Merlot-Traube, die nach den Regen­schau­ern Ende Sep­tem­ber und der dar­auf fol­gen­den Hit­ze­wel­le voll­reif gele­sen wer­den konn­te. Sie hat den Jahr­gang geret­tet.

In St. Emi­li­on sei­en die Qua­li­tä­ten nicht ganz so homo­gen. Dort gäbe es Top-Weine, die nicht weit von 2009 und 2010 ent­fernt sind, aber auch über­ex­tra­hier­te, adstrin­gie­ren­de, ja aus­drucks­lo­se, gar hoff­nungs­los rus­ti­ka­le  Wei­ne.

Hoffnungen zerstört durch späte Regenfälle

Weinlese 2012 in Bordeaux | Foto: © CIVB
Wein­le­se 2012 in Bor­deaux | Foto: © CIVB

Im Médoc sei der Jahr­gang dage­gen nur „durch­schnitt­lich bis leicht über­durch­schnitt­lich“. Wäh­rend die Win­zer nach dem küh­len Sep­tem­ber auf einen Indi­an Sum­mer spe­ku­lier­ten, mach­ten die sint­flut­ar­ti­gen Regen­fäl­le zwi­schen dem 7. und 9. Okto­ber alle Hoff­nun­gen zunich­te. Auch die war­me Herbst­son­ne danach konn­te wenig hel­fen. Die Caber­net Sau­vi­gnon, die noch nicht phy­sio­lo­gisch reif war, muss­te in dem Zustand, in dem sie war, gele­sen wer­den – auch weil Fäul­nis sich aus­brei­te­te.

Durch arbeits­auf­wen­di­ges, stren­ges Ver­le­sen, teil­wei­se mit Laser-gesteuerten Sor­tier­bän­dern, sei das Schlimms­te ver­hü­tet wor­den. Aber ein Wun­der ist nicht gesche­hen. Die Wei­ne sind nach dem Ein­druck des ame­ri­ka­ni­schen Star-Kritikers „char­mant, mit­tel­ge­wich­tig, deli­kat ohne über­mä­ßig viel Kon­zen­tra­ti­on und Tan­nin“.  Drei Din­ge bemän­gelt Par­ker an ihnen: Vie­le sind geschmacks­arm („lack of mid-palate“). Eini­ge wei­sen gra­si­ge, teil­wei­se auch vege­ta­le Noten auf. Oder sie sind tan­nin­hart.

L’Eglise Clinet und Mouton-Rothschild Top-Scorer

Weinkeller in Bordeaux | Foto: © CIVB
Wein­kel­ler in Bor­deaux | Foto: © CIVB

Im Médoc erhielt die meis­ten Parker-Punkte (95-97) aus­ge­rech­net der Wein von Mouton-Rothschild, der mit dem nied­rigs­ten Preis aller Pre­miers eröff­net hat­te. Es fol­gen mit 93-95 Punk­ten die Châ­teaux Haut Bri­on, Léoville-Las-Cases und Rauzan-Ségla (eben­falls mit einem sehr nied­ri­gen Eröff­nungs­preis). Etwas ent­täu­schend fal­len Par­kers Bewer­tun­gen für La Mission-Haut Bri­on, Pichon Lalan­de, Pichon Baron und Ducru Beau­caill­ou aus, gera­de­zu kata­stro­phal für Les Forts de Latour und Lynch Bages. Der von Par­ker nie son­der­lich gelieb­te Wein von Fige­ac erhielt sogar nur 86-88 Punk­te.

Kopfschütteln über Pavie und Angelus

Das Rech­te Ufer wird ange­führt von L’Eglise Cli­net – laut Par­ker der ein­zi­ge Wein, der das Poten­zi­al für 100 Punk­te hat (96-100). Es fol­gen Trot­a­noy (96-98), Pétrus (95-98+) und Aus­o­ne (95-97), das im letz­ten Jahr noch mit 100 Punk­ten glänz­te. Pavie und Ange­lus, die als ein­zi­ge ihre Eröff­nungs­prei­se mas­siv ange­ho­ben hat­ten gegen­über dem Vor­jahr (nach dem Auf­stieg in die Grand Cru A-Liga), haben Par­ker zufol­ge in 2012 recht respek­ta­ble Wei­ne abge­lie­fert (94-96). Trotz­dem schüt­telt der Markt den Kopf über deren Preis­po­li­tik: „Ange­lus und Pavie sind völ­lig durch­ge­knallt“, lässt sich Tom Jenk­ins von Jus­ter­i­ni & Brooks in Lon­don ver­neh­men. „Da wird nichts lau­fen.“

Frustrierte Bordeaux-Trinker

En Primeur-Degustation | Foto: © CIVB­Über­haupt ist der Markt skep­tisch hin­sicht­lich der Ver­kauf­bar­keit des 2012ers. Die Händ­ler loben zwar des­sen gute Qua­li­tät, machen aber kei­nen Hehl aus ihrer Über­zeu­gung, dass die Prei­se mas­siv sin­ken müss­ten, um die frus­trier­ten Bordeaux-Trinker zur Rück­kehr an den Markt zu bewe­gen. „Als eini­ge Châ­teaux am Anfang der dies­jäh­ri­gen Kam­pa­gne mit Preis­sen­kun­gen von über 30 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr her­aus­ka­men, tat sich was am Markt“, berich­tet zum Bei­spiel Max Lalond­rel­le, Chef­ein­käu­fer beim Lon­do­ner Bor­deaux­händ­ler Ber­ry Bros & Rudd. „Doch kaum war das Inter­es­se geweckt, fie­len die Preis­sen­kun­gen gerin­ger aus und der Markt schlief wie­der ein.“

Erst große, dann kleine Preissenkungen

Pavil­lon Rouge, der Zweit­wein von Châ­teau Mar­gaux, ver­bil­lig­te sich nur noch um 12 Pro­zent (85 Euro ex négo­çi­ant), Pal­mer nur um 1 Pro­zent (160 Euro). L’Evangile und Tal­bot wur­den zum glei­chen Preis wie im Vor­jahr ange­bo­ten (100 bezie­hungs­wei­se 26,50 Euro).

St. Emilion | Foto: © CIVB/P. Roy
St. Emi­li­on | Foto: © CIVB/P. Roy

Dass die Parker-Benotungen dem lust­lo­sen en primeur-Markt Leben ein­hau­chen kön­nen, wird vom Han­del bezwei­felt. „Vie­le Wei­ne wer­den gleich nach der Frei­ga­be in 2015 trink­fer­tig sein“, gibt Will Har­gro­ve vom Lon­do­ner Bro­ker­haus Cor­ney & Bar­row zu beden­ken. „Sie eig­nen sich nicht für eine lan­ge Lage­rung und dem­zu­fol­ge auch nicht zur Spe­ku­la­ti­on.“

Außer­dem sei­en die Prei­se der letz­ten drei Jahr­gän­ge nach der Sub­skrip­ti­on kon­ti­nu­ier­lich gefal­len. Damit ist auch ein wich­ti­ges Motiv für en primeur-Käufe ent­fal­len. Ob die Käu­fer anbei­ßen, hängt schließ­lich von der Aus­sicht auf Zeich­nungs­ge­win­ne ab – und die­se Hoff­nung scheint der­zeit gering zu sein.

Parker geißelt Preisentwicklung

Par­ker selbst hat die Preis­po­li­tik der Châ­teaux aber­mals scharf gegei­ßelt: „Bor­deaux steht am Schei­de­weg. Wenn die Platz­hir­sche, die Markt­flüs­te­rer, die Mäch­ti­gen nicht hören, wird es für Bor­deaux kei­ne Zukunft geben.“

Rich­tig gut, wenn nicht gar groß, sind in 2012 nur die tro­cke­nen Weiß­wei­ne aus dem Gra­ves. Sie loh­nen den Früh­kauf per Sub­skrip­ti­on, zumal die Prei­se im Sog der Rotwein-Baisse eher eine Ten­denz nach unten auf­wei­sen. Für die edel­sü­ßen Sau­ter­nes war 2012 dage­gen eine Kata­stro­phe. Yquem, Rieus­s­ec, Raymond-Lafon und Sudu­i­raut haben ihre gesam­te Ern­te deklas­siert.

Bordeaux 2012

96 und mehr Punk­te
L’Eglise Cli­net96-100
Trot­a­noy96-98

Bordeaux 2012

95 und mehr Punk­te
Petrus95-98+
Mouton-Rothschild95-97
Aus­o­ne95-97

Bordeaux 2012

94 und mehr Punk­te
La Mond­ot­te94-97
Pavie94-96+
La Fleur-Pétrus94-96
Troplong-Mondot94-96
Hosan­na94-96
Che­val Blanc94-96
Bellevue-Mondotte94-96
Ange­lus94-96

Bordeaux 2012

93 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
Gra­cia93-95+
Beau­sé­jour (Duf­fau Lagar­ros­se)93-95+
Clos Four­tet93-95
Rauzan-Ségla93-95
Croix de Lab­rie93-95
Haut Bri­on93-95
Gazin93-95
Lar­cis Ducas­se93-95
Belair Mon­an­ge93-95
Léoville-Las-Cases93-95
Le Pin93-95
Clos Four­tet92-94

Bordeaux 2012

92 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
Pavie-Macquin92-95
Pape Clé­ment92-95
Domai­ne de Che­va­lier92-95
Beau-Séjour-Bécot92-95
Laf­leur92-94+
Le Dome92-94
Smith-Haut Lafit­te92-94
La Con­seil­lan­te92-94
Canon La Gaf­fe­liè­re92-94
Pal­mer92-94
Vieux Châ­teau Cer­tan92-94
Lafi­te Roth­schild92-94
Latour92-94
Cos d’Estournel92-94
La Fleur de Bouard „Le Plus“92-94
Cli­net92-94
Pavie-Decesse92-94
Mar­gaux92-94
Mon­tro­se92-94

Bordeaux 2012

91 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
Clos l’Eglise91-94
La Mission-Haut Bri­on91-94
Canon91-94
Pon­tet Canet91-94
La Gaf­fe­liè­re91-93
La Fleur de Bouard91-93
Haut Bail­ly91-93
Rol Valen­tin91-93
Pichon Lalan­de91-93
Ray­ne Vigne­au91-93
Clos du Mar­quis91-93
Malartic-Lagravière91-93
La Vio­let­te91-93
Clos Les Lunel­les91-93

Bordeaux 2012

90 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
L’Evangile90-94
Pichon Baron90-93
Valand­raud90-93
Can­ten­ac Brown90-93
Clos de l’Oratoire90-93
Tal­bot90-92
Petit Vil­la­ge90-92
Ducru Beau­caill­ou90-92
Bal­thus90-92
La Lagu­ne90-92
Las­com­bes90-92
Bra­ne Can­ten­ac90-92
Mon­bous­quet90-92
Léoville-Barton90-92
Calon-Ségur90-92
Clos Mar­sa­let­te90-92

Bordeaux 2012

89 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
Cer­tan de May89-92
Batail­ley89-91+
D’Aiguilhe89-91
Léoville-Poyferré89-91
Can­tem­er­le89-91
Les Forts de Latour89-91
Kir­wan89-91
Bey­che­vel­le89-91

Bordeaux 2012

88 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
La Pro­vi­dence88-90
Les Pago­des de Cos88-90
Pou­jeaux88-90
Branaire-Ducru88-90
D’Angludet88-90
Labe­gorce88-90
Lynch-Moussas88-90
Alter Ego88-90
Sociando-Mallet88-90
Rauzan-Gassies88-90
Domai­ne de l’A88-91

Bordeaux 2012

87 und mehr Punk­te (Aus­wahl)
Lynch-Bages87-89
Clerc Milon87-89
Car­rua­des de Lafi­te87-89
Pavil­lon Rouge87-89
Grand Puy-Lacoste87-89
Duhard-Milon87-89

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