Niepoorts Fabelhaft Reserva: Schubidubidu, aber kein Tango

Niepoorts Quinta de Napoles
Fabelhaft heißt der erfolgreichste trockene Rotwein Portugals der letzten zehn Jahre. Nun hat der Wein Nachwuchs bekommen. Er heißt Fabelhaft Reserva. Ob er ebenfalls das Zeug zum Bestseller hat? Jein, meint Jens Priewe.

Fabel­haft heißt der erfolg­reichs­te tro­cke­ne Rot­wein Por­tu­gals der letz­ten zehn Jah­re. Nun hat der Wein Nach­wuchs bekom­men. Er heißt Fabel­haft Reser­va. Ob er eben­falls das Zeug zum Best­sel­ler hat? Jein, meint Jens Priewe.

Niepoorts Quinta de NápolesDer Fabel­haft Tin­to war und ist ein genia­ler Wein. Kna­cki­ge Frucht, fei­nes Tan­nin, dabei easy und unkom­pli­ziert zu trin­ken – so wie der Zeit­geist es sich wünscht. Nicht zufäl­lig wur­de die­ser Wein, der seit 2002 regel­mä­ßig pro­du­ziert wird, rasch ein Best­sel­ler. Für Dirk van der Nie­po­ort, der die­sen Wein kon­zi­piert hat, ein tol­ler Erfolg, der nicht nur ihm, son­dern auch sei­nen Win­zer­kol­le­gen vom Dou­ro, die ver­su­chen einen tro­cke­nen Rot­wein aus den klas­si­schen Portwein-Reben auf den inter­na­tio­na­len Märk­ten zu eta­blie­ren, viel Auf­merk­sam­keit ein­ge­bracht hat.

Die Fabel­haft Reser­va, deren ers­ten Jahr­gang 2007 Nie­po­ort jetzt lan­ciert hat, ist aus genau dem­sel­ben Stoff: herr­lich fruch­tig, mäßig tan­nin­hal­tig, ohne Ecken und Kan­ten. Die Trau­ben sind die­sel­ben: Tin­ta Baroc­ca, Tin­ta Roriz, Touriga Fran­ce­sa, Touriga Nacio­nal. Selbst­ver­ständ­lich trägt die Fla­sche auch das­sel­be „lite­ra­ri­sche“ Eti­kett mit der Wil­helm Busch-Fabel vom Raben Hans Hucke­bein, der sich am Rot­wein zu Tode trinkt. Und selbst­ver­ständ­lich steht dem sofor­ti­gen Genuss nicht das in gol­de­nen Let­tern gedruck­te Wort RESERVA im Wege. Unter­schied­lich ist eigent­lich nur der Preis des Weins. Die Reser­va kos­tet fast dop­pelt so viel (ab € 15,90) wie der ein­fa­che Tin­to (ab € 8,50).

Dirk van der Niepoort„In einem exzel­len­ten Jahr wie 2007 hat es sich mir förm­lich ange­bo­ten, einen neu­en Wein im Sti­le des Fabel­haft Tin­to zu pro­du­zie­ren, der aber mehr Kom­ple­xi­tät und ein höhe­res Rei­fe­po­ten­zi­al besit­zen soll­te …“, begrün­det Nie­po­ort sei­ne Ent­schei­dung für die Reser­va. Wer den 2007er Fabel­haft Tin­to noch im Kel­ler hat, soll­te eine Fla­sche hoch holen und ent­kor­ken. Er wird erfreut fest­stel­len, dass er damals einen guten Kauf gemacht hat. Der Unter­schied zur Reser­va ist nur mar­gi­nal.

Er habe, berich­tet Nie­po­ort, einen Teil der Trau­ben, die nor­ma­ler­wei­se in sei­nen mit­tel­prei­si­gen Ver­ten­te Tin­to und in sei­nem Spit­zen­wein Redo­ma Tin­to gehen, dies­mal für die Reser­va des Fabel­haft ver­wen­det. Mehr Kom­ple­xi­tät mag die­ser dadurch erhal­ten haben – aber nicht auf­fäl­lig mehr. Die Frucht mag facet­ten­rei­cher als beim Tin­to sein. Der Aus­bau in gebrauch­ten Bar­ri­ques statt im gro­ßen Holz­fass mag ihm die eine oder ande­re zusätz­li­che Note gege­ben haben. Aber letzt­lich ist die Fabel­haft Reser­va von ein­fa­cher Struk­tur und glat­ter Län­ge: ein Wein, der zeigt, was in ihm steckt und der kei­ne Geheim­nis­se hat.

So ist die Fabel­haft Reser­va ein höchst attrak­ti­ver, aber kein anspruchs­vol­ler Wein. Sie schmeckt – könn­te ich mir vor­stel­len – vie­len Men­schen. Beson­ders jenen, die nicht wis­sen, dass es zu die­sem Preis am Dou­ro kon­zen­trier­te, struk­tu­rier­te Wei­ne gibt, die auf den ers­ten Schluck viel­leicht nicht so „lecker“, dafür span­nen­der und wesent­lich lang­le­bi­ger sind. Kurz: Wei­ne, die nicht Schubi­du­bi­du, son­dern rich­tig Tan­go tan­zen.

 

 

Kommentar hinzufügen

Antwort schreiben