Neuer Franciacorta: Berlucchi lässt es schäumen

Muss zu Weihnachten wieder Champagner ins Glas? Oder dürfte auch ein Berlucchi rein? Der Brut ’61 dieses italienischen Franciacorta-Erzeugers ist auf jeden Fall besser als die meisten Champagner-Handelsmarken für 16 Euro, die zu Weihnachten durch die Regale der Supermärkte geistern. Und er kostet weniger. Von Jens Priewe.

Sekt oder Sel­ters – die­se Fra­ge stel­len sich die Leicht­ma­tro­sen. Fah­rens­män­ner, die ein Patent für Gro­ße Fahrt besit­zen, wäh­len eine ande­re Opti­on: Cham­pa­gner oder Fran­ci­a­cor­ta. Fran­ci­a­cor­ta? In Deutsch­land ein rela­tiv unbe­kann­ter Name. Er steht für einen anspruchs­vol­len ita­lie­ni­schen Schaum­wein, der nach der klas­si­schen Metho­de der Fla­schen­gä­rung her­ge­stellt wird.

Franciacorta hat nichts mit Prosecco oder dem süßen Asti zu tun

Der Fran­ci­a­cor­ta kommt aus dem gleich­na­mi­gen Anbau­ge­biet zwi­schen Gar­da­see und Mai­land, das ein rela­tiv küh­les Kli­ma und lehmig-kalkige Böden besitzt, was für Schaum­wei­ne eine opti­ma­le Vor­aus­set­zung ist. Er besitzt D.O.C.G.-Sta­tus, befin­det sich also in der höchs­ten ita­lie­ni­schen Qua­li­täts­wein­ka­te­go­rie. Er kos­tet durch­schnitt­lich weni­ger als ein Cham­pa­gner, ist des­we­gen aber kein Bil­lig­hei­mer. Mit einem Pro­sec­co hat er nichts gemein, mit dem süßen Asti noch weni­ger.

Ein Fran­ci­a­cor­ta wird aus Chardonnay- und Pinot Nero-Trau­ben erzeugt. Die Her­stel­lungs­vor­schrif­ten sind wort­gleich und genau­so streng wie in der Cham­pa­gne. Ein ein­fa­cher Fran­ci­a­cor­ta Brut muss min­des­tens 18 Mona­te auf der Hefe lie­gen, ein Jahrgangs-Wein 30 Mona­te. Den größ­ten Teil der knapp 11 Mil­lio­nen Fla­schen trin­ken die Ita­lie­ner selbst: rund 90 Pro­zent. Die bei­den bekann­tes­ten Franciacorta-Produzenten hei­ßen Bel­la­vis­ta und Ca’del Bosco. Sie besit­zen auch in der deut­schen Spit­zen­gas­tro­no­mie einen her­vor­ra­gen­den Namen.

2009 erschien Berlucchis erster Brut ’61

Nun ist auch Ber­luc­chi dazu gesto­ßen. 2009 ist die­ser bekann­te ita­lie­ni­sche Schaum­wein­pro­du­zent mit einer Palet­te von hoch­fei­nen Franciacorta-Schaumweinen auf den Markt gekom­men, die den Mar­ken­na­men ’61 auf dem Eti­kett tra­gen. Die­se Linie besteht aus drei Wei­nen: dem Brut, einem Rosé Brut und einem Satèn (ein Blanc de Blancs mit einem nied­ri­ge­ren Koh­len­säu­re­druck).

Der Brut ’61 ist ein cre­mi­ger, leicht mine­ra­li­scher Wein mit fruch­ti­gen Hin­ter­grund­no­ten, der durch eine fei­ne Dosa­ge rund und har­mo­nisch schmeckt. Gleich teu­re Handelsmarken-Champagner lässt die­ser Brut alt aus­se­hen. Im Fach­ein­zel­han­del ist er schon für unter 16 Euro zu fin­den, die Rosé-Variante für 18,50 Euro, der Satèn für 17,50 Euro.

1961 – das Jahr, in dem Berlucchi seinen ersten Schaumwein erzeugte

Die ’61 bedeu­tet übri­gens nicht, dass die­ser Schaum­wein schon 50 Jah­re alt ist. Die Zahl soll an den ers­ten fla­schen­ver­go­re­nen Schaum­wein erin­nern, den Fran­co Zilia­ni 1961 in sei­ner Kel­le­rei in der Fran­ci­a­cor­ta pro­du­zier­te. Er war Ber­luc­chis dama­li­ger Öno­lo­ge. Aller­dings hielt er die Qua­li­tät der Grund­wei­ne die­ses Anbau­ge­biets damals nicht für gut genug, um aus­schließ­lich auf sie zurück­grei­fen zu kön­nen. In den fol­gen­den Jah­ren Wein kauf­te er des­halb Grund­wei­ne aus dem Tren­ti­no aus dem Oltre­pò Pave­se und aus ande­ren nord­ita­lie­ni­schen Anbau­ge­bie­ten zu, um sich den pas­sen­den „Roh­stoff“ zu besor­gen.

Das Resul­tat war die Cuvée Impe­ria­le, bis heu­te der am meis­ten ver­kauf­te ita­lie­ni­sche Mar­ken­schaum­wein (drei Mil­lio­nen Fla­schen). In jedem drit­ten Ris­tor­an­te süd­lich der Alpen ist er im Aus­schank. Aller­dings war die­ser Schäu­mer, auch wenn er nach der klas­si­schen Metho­de (Fla­schen­gä­rung) erzeugt wird, bis­lang kein Fran­ci­a­cor­ta. Die Trau­ben wur­den nach wie vor in ande­ren Anbau­ge­bie­ten gekauft. Erst ab 2012 wird die Cuvée Impe­ria­le aus­schliess­lich aus Franciacorta-Trauben bestehen und der Wein somit ein Fran­ci­a­cor­ta D.O.C.G. wer­den.

85 Hektar eigene Weinberge in der Franciacorta

Ins­ge­samt ver­fügt die Kel­le­rei Ber­luc­chi, die heu­te von den Nach­kom­men Fran­co Zilia­nis gelei­tet wird, über 85 Hekt­ar Reb­flä­che in der Fran­ci­a­cor­ta. Die Trau­ben von wei­te­ren 120 Hekt­ar wer­den von Ver­trags­win­zern dazu­ge­kauft. Alle drei Fran­ci­a­cor­ta ’61 sind übri­gens Non Vintage-Erzeugnisse. In die Cuvée wer­den neben dem jeweils aktu­el­len Grund­wein klei­ne­re Men­gen älte­rer Reser­ve­wei­ne ein­be­zo­gen. Auf dem Rücke­ti­kett steht – wie bei allen Franciacorta-Schaumweinen vor­ge­schrie­ben – das Degor­gi­er­da­tum. Also das Jahr, in dem der Schaum­wein ent­heft und end­ver­korkt wur­de. Auf die­se Wei­se kann der Kon­su­ment leicht nach­voll­zie­hen, ob er einen jun­gen Brut oder einen Laden­hü­ter kauft.

Ober­halb der Linie Fran­ci­a­cor­ta ’61 gibt es von Ber­luc­chi noch die Cellarius-Linie: Fran­ci­a­cor­ta mit Jahr­gang, also aus­ge­wähl­te Selek­tio­nen mit über 30monatigem Hefela­ger. Sie lie­gen preis­lich über 20 Euro, die Cel­la­ri­us Riser­va sogar über 40 Euro.

1 Kommentar

Antwort schreiben