Neue Wege in der Corona-Krise

(©Vadim Sherbakov)
In einer Branche, die von Tradition und Liebe zum Produkt lebt, hat der persönliche Kontakt zum Kunden einen ganz besonderen Stellenwert. Umso heftiger trifft die gegenwärtige Situation Winzer, Weinhändler und Sommeliers.

Plötz­lich und uner­war­tet steht die Wein-Branche, so wie die gesam­te Welt­wirt­schaft, vor einer neu­en Her­aus­for­de­rung: dem Covid-19-Virus. Wein­mes­sen sowie Events aller Art wer­den auf unbe­stimm­te Zeit abge­sagt, Jah­res­ver­kos­tun­gen gecan­celt und die Abver­käu­fe ab Hof bre­chen ein. End­ver­brau­cher und Geschäfts­kun­den trifft man nicht mehr. Die Gas­tro­no­mie erfährt einen staat­lich beding­ten, nega­ti­ven Nach­fra­ge­schock und die Sor­gen in den Köp­fen der Men­schen wach­sen, genau wie die wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me.

Neue Wege sind gefragt. Noch dazu unter Zeit­druck. Ein ent­schei­den­der Wen­de­punkt und Neu­an­fang für die Bran­che. Vie­le Win­zer reagier­ten prompt mit einem eige­nen Online­shop, um die weg­fal­len­den Kel­ler­ver­käu­fe auf­zu­fan­gen. Ein wich­ti­ger und unum­geh­ba­rer Schritt, der durch die Corona-Krise beschleu­nigt wur­de, und der lang­fris­tig gese­hen, die Mög­lich­keit eines lukra­ti­ven Geschäfts bie­tet sowie die Chan­ce eröff­net, die eige­nen Wei­ne selbst­be­stimmt und mit einer sehr guten Ver­triebs­ka­nal­kon­trol­le ver­mark­ten zu kön­nen. Die Idee scheint auf­zu­ge­hen: Geför­dert durch Soci­al Media, berich­ten Win­zer von 80-90 % Neu­kun­den in den eige­nen Online­shops.

In aller Munde: Online-Tastings

Auch auf ein Tas­ting muss nicht ver­zich­tet wer­den: Aus der Not her­aus ent­stand die krea­ti­ve Idee sich per Video­kon­fe­renz zum gemein­sa­men Wein­abend zu ver­ab­re­den. Das Deut­sche Wein­in­sti­tut lis­tet mitt­ler­wei­le bereits mehr als 100 Betrie­be mit eige­nen Online-Weinproben. Als Vor­rei­ter gilt die Initia­ti­ve cheerswith.me. Fabi­an Pel­le­gri­ni, der zu dem Grün­der­team dazu­ge­hört, über Fluch und Segen der Kri­se: „Durch das Weg­fal­len vie­ler Ver­triebs­ka­nä­le muss man sicher­lich har­te wirt­schaft­li­che Ein­bu­ßen hin­neh­men. Auf der ande­ren Sei­te fin­det man seit eini­gen Mona­ten immer mehr Wein­gü­ter auf den Soci­al Media Platt­for­men. Es wird end­lich ein Dia­log zwi­schen den Kun­den und dem Pro­dukt ein­ge­gan­gen, man erzählt mehr über sei­ne Arbeit und der Win­zer stellt sich bei digi­ta­len Wein­pro­ben den Fra­gen der Wein­lieb­ha­ber.“ Das Team von cheerswith.me hat inner­halb von nur einer Woche den Gedan­ken des kos­ten­frei­en Video-Tastings in die Tat umge­setzt und kommt mit dem Kon­zept super bei der Wein­bran­che sowie den Kon­su­men­ten an. „End­lich lernt die Bran­che, dass es nicht  ‘digi­tal vs. off­line’, son­dern ‘digi­tal & off­line’ heißt. Über 253 Tas­tings haben auf unse­rer Platt­form bereits ihren Platz gefun­den, wodurch die Win­zer einen sehr engen Kon­takt zu ihren Wein­freun­den erlebt haben und ganz neben­bei – wäh­rend eines Wein­abends – auch einen Umsatz gene­rie­ren konn­ten, der sich sehen las­sen kann“, berich­tet Pel­le­gri­ni und ver­rät: „Im Durch­schnitt wer­den an so einem Abend ca. 700 € erwirt­schaf­tet. Der erfolg­reichs­te Live­stream hat sogar einen Umsatz von ca. 40.000 € gene­riert.“

Zusätz­lich bie­ten die unter­schied­li­chen Platt­for­men für Online-Tastings nicht nur die Mög­lich­keit, End­ver­brau­cher zu bin­den, auch immer mehr Wein­händ­ler laden zu mode­rier­ten Fach­ver­kos­tun­gen ein und nut­zen die Chan­ce inner­halb eines kur­zen Zeit­fens­ters und ohne gro­ßen Auf­wand sowie ohne zusätz­li­che Kos­ten, wie Anrei­se, Hotel etc., vie­le Kon­tak­te an einen „digi­ta­len Tisch“ zu holen. Fabi­an Pel­le­gri­ni ist über­zeugt, dass das Kon­zept Zukunft hat: „Natür­lich erwar­ten wir durch die Locke­run­gen und bedingt durch das gute Wet­ter einen Rück­gang der Online­pro­ben. Trotz­dem bin ich über­zeugt davon, dass digi­ta­le Wei­nevents in Zukunft ein fes­ter Ver­triebs­weg, neben den ande­ren Optio­nen, sein wer­den.“

Der digitale Überblick

Schon vor Coro­na gegrün­det und in Zei­ten der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on umso wich­ti­ger, ist auch die Online-Plattform Gra­pe­Ma­na­ger. Hier haben Win­zer, Wein­ver­mark­tungs­agen­tu­ren, Wein­mar­ken und der Han­del die Mög­lich­keit auf das Tool „Wein-Markt-Monitor“ zuzu­grei­fen. Die Rede ist von einem Analyse-Programm, wel­ches den digi­ta­len Wein­markt beob­ach­tet und die Daten­flut kun­den­spe­zi­fisch ana­ly­siert. Über 2.000 ver­schie­de­ne Apps und Web­sei­ten wer­den dafür durch­sucht. Die Kun­den erhal­ten Anga­ben zu gehan­del­ten Prei­sen und Ange­bo­ten im deut­schen Online­markt, Ver­füg­bar­kei­ten, Leer­stän­de sowie Kon­tak­te zu Han­dels­part­nern und Dritt­händ­lern. „Der Wein-Markt-Monitor soll den Kun­den als Grund­la­ge die­nen, um daten­ba­sier­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, aber auch eine Zeit­er­spar­nis dar­stel­len. Wir hel­fen dabei, den Über­blick im digi­ta­len Dschun­gel nicht zu ver­lie­ren“, so Gre­go­ry Emmel, Geschäfts­füh­rer von Gra­peAl­li­an­ce, unter des­sen Dach der Gra­pe­Ma­na­ger ent­stand.

Das Unter­neh­men hat sich vor­ge­nom­men, die Wein­bran­che zu digi­ta­li­sie­ren und sieht sich als Bin­de­glied zwi­schen High-Tech und Old-Economy. „Das digi­ta­le Poten­ti­al wird in der Wein­bran­che bis­lang nicht gänz­lich aus­ge­schöpft. Wir wol­len dabei hel­fen, damit dies zukünf­tig gelingt und bie­ten des­halb ein Kon­troll­in­stru­ment für den Echtzeit-Vertrieb“, so Emmel und schließt mit den Wor­ten ab: „Die Bran­che wächst der­zeit an ihren Her­aus­for­de­run­gen und durch­lebt einen Wan­del. An krea­ti­ven Lösun­gen man­gelt es jeden­falls nicht – egal ob digi­tal oder ana­log. „Ent­kork­te Kunst“ macht es vor.“

(©Kari­na Herbst)

Kreativität neu erleben

Die Rede ist von einem jun­gen Unter­neh­men aus dem Frank­fur­ter Raum, wel­ches eine Kom­bi­na­ti­on aus Wein- und inter­ak­ti­vem Male­vent anbie­tet. Die Teil­neh­mer ler­nen bin­nen eines Abends ein Wein­gut sowie des­sen Wei­ne ken­nen und bekom­men Tipps zum Umgang mit Acryl­far­ben. Zu einem aus­ge­los­ten Begriff dür­fen die Gäs­te auf den zur Ver­fü­gung gestell­ten Lein­wän­den krea­tiv wer­den und – zum Fina­le – ihre Wer­ke prä­sen­tie­ren, mit nach Hau­se neh­men oder einer Online-Auktion für den wohl­tä­ti­gen Zweck zur Ver­fü­gung stel­len.

Die Wein­gü­ter vari­ie­ren dabei stets, so dass es auch für wie­der­keh­ren­de Teil­neh­mer inter­es­sant bleibt. Mari­us Greb, Grün­der von Ent­kork­te Kunst über das Kon­zept und die neu­es­ten Her­aus­for­de­run­gen: „Unse­re Mal- und Wei­nevents sind die per­fek­ten Gele­gen­hei­ten, um mit Freun­den, Fami­lie oder Kol­le­gen krea­tiv zu wer­den. Bedingt durch Covid-19 muss­ten wir zwar alle Events absa­gen, haben aber nun begon­nen, die Ses­si­ons Out­door und mit maxi­mal 10 Per­so­nen statt­fin­den zu las­sen, was für eine sehr per­sön­li­che Atmo­sphä­re sorgt.“ Eine Idee, die nicht nur Pri­vat­per­so­nen, son­dern auch Unter­neh­men anspricht und Win­zern sowie Wein­gü­tern in ent­spann­ter Run­de eine Platt­form bie­tet – in Zei­ten von Covid-19, aber auch lang­fris­tig.

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