Nachverkostet: die 15 besten SALON-Blaufränkischen

Der SALON ist Österreichs aussagekräftigste Weinprämierung. Sie gibt einen guten Überblick vor allem über die Weine, die nicht ständig im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Jens Priewe hat die Siegerweine nachverkostet und manchen High Potential entdeckt.

 

Die besten SALON-Blaufränkischen

Zusam­men­ge­fasst: Von den 15 Sie­ger­wei­nen der dies­jäh­ri­gen Blau­frän­kisch­ver­kos­tung ver­die­nen zehn unein­ge­schränkt mei­ne Hoch­ach­tung. Es sind kraft­vol­le, teil­wei­se rich­tig mus­ku­lö­se Wei­ne, die den inter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht scheu­en müs­sen. Ihre Beson­der­heit, die leicht erhöh­te Säu­re, hebt sie über man­chen ita­lie­ni­schen und spa­ni­schen Rot­wein. Beein­dru­ckend vor allem die feh­ler­lo­se Mach­art. Berück­sich­tigt man, das die Wei­ne fast aus­schließ­lich aus klei­nen Fami­li­en­be­trie­ben kom­men, kommt man um die Fest­stel­lung nicht her­um, dass das pro­fes­sio­nel­le Niveau ist hoch ist.

Die großen Unterschiede liegen in der Stilistik

Zu dis­ku­tie­ren wäre allein über de Sti­lis­tik. Der aller­größ­te Teil der prä­mier­ten Blau­frän­ki­schen gehört in die Reserve-Kategorie (auch wenn sie nicht immer so hei­ßen). Das bedeu­tet: Es sind Spit­zen­wei­ne, kon­zi­piert für ein paar Jah­re Lage­rung, gerin­ge Men­ge, geho­be­ne Preis­klas­se. Die klas­si­schen Blau­frän­ki­schen, die nur im Edel­stahl oder nur kurz im Holz­fass aus­ge­baut wer­den, sind in die­ser Kate­go­rie nicht ver­tre­ten, obwohl sie men­gen­mä­ßig den Löwen­an­teil der Pro­duk­ti­on aus­ma­chen.

Über die Sti­lis­tik der Spit­zen­wei­ne kann man aller­dings strei­ten. Fast alle sind erstaun­lich dun­kel in der Far­be, hoch­pro­zen­tig im Alko­hol, üppig in die Brei­te gehend, neu­holz­las­tig. Bei Lang, Schei­blho­fer und dem Win­zer­kel­ler Necken­markt hat man den Ein­druck, sie wol­len kali­for­ni­sche Caber­nets und Mer­lots rechts über­ho­len, so wuch­tig und über­la­den sind sie. Von einer mar­kan­ten Säu­re ist wenig zu spü­ren. Sie sind im tra­di­tio­nel­len inter­na­tio­na­len Stil gehal­ten, legen also ihren Fokus auf Gewicht, Rei­fe und der dar­aus resul­tie­ren­den Geschmacks­fül­le – ein Stil, der in Öster­reich vie­le Anhän­ger hat (in Deutsch­land auch).

Die „neue“ Blaufränkisch-Schule

Ganz anders die Wei­ne von Hein­rich, Wenin­ger und Schie­fer. Die­se Win­zer las­sen ihre Trau­ben nicht bis zum aller­letz­ten Tag hän­gen, rei­zen also das Öchsle-Potenzial nicht voll­stän­dig aus (ich weiß: In Öster­reich wird nach der Klos­ter­neu­bur­ger Most­waa­ge gemes­sen), legen mehr Wert auf Ele­ganz und Frucht. Neu­holz kommt nur in redu­zier­ter Form zum Ein­satz: bei Hein­rich und Prie­ler in Form von gebrauch­ten Ton­ne­aux bzw. Bar­ri­ques, bei Schie­fer im gro­ßen Holz­fass. Auch wer­den die Reben ver­mehrt in küh­le­re Lagen gestellt, etwa an den Leit­ha­berg. Das Resul­tat: geschmei­di­ge Wei­ne von gro­ßer Kom­ple­xi­tät und unge­heu­rer Tie­fe, die ein paar Jah­re brau­chen wer­den, um zu zei­gen, was in ihnen steckt, dann aber bur­gun­der­haf­te Züge anneh­men, wäh­rend die Block­bus­ter an Fri­sche und Span­nung ver­lo­ren haben wer­den.

Häufig noch viel zu viel Neuholz

Woher ich das weiß? Habe gera­de einen 2004er Blau­frän­kisch Kirsch­gar­ten von Umathum getrun­ken. Er ist – par­don – zum Nie­der­kni­en. Genau­so der 2002er Blau­frän­kisch Necken­markt von Moric. Bei­de Win­zer hat­ten ihre Wei­ne übri­gens nicht für den SALON ange­stellt. Im Übri­gen sind vie­le älte­re Jahr­gän­ge der erwähn­ten Win­zer noch auf dem Markt.

Blick vom Leithaberg auf den Neusiedlersee
Blick vom Leit­ha­berg auf den Neu­sied­ler­see

Am meis­ten über­rascht hat mich aller­dings das, was zwi­schen den bei­den Polen liegt: Mein­rad Mar­ko­witsch, Julia­ne Wie­der, Jalits, Betz, Mad, Wagen­tristl – Namen, die hier­zu­lan­de nur wenig bekannt sind, obwohl sie begeis­tern­de Qua­li­tä­ten lie­fern. In der Spit­ze kos­ten die Wei­ne knapp unter 30 Euro, vie­le aber auch zwi­schen 12 und 20 Euro. Auch wenn der Eine oder Ande­re immer noch zu viel Neu­holz ver­wen­det, merkt man doch, dass die neue Blaufränkisch-Schule abfärbt. Auf mitt­le­re Sicht, ver­mu­te ich, wird sich der „neue“ Blaufränkisch-Stil durch­set­zen.

Übri­gens: In der Bewer­tung von Schie­fers Eisenberg-Blaufränkisch spie­gelt sich der Jahr­gang 2014 wider: der schwie­rigs­te Rot­wein­jahr­gang seit Lan­gem. Nicht ein­fach, sich gegen die fül­li­gen 2013er und 2012er zu behaup­ten.


Bezug:

Mar­ko­witsch: www.we1ns.de (€ 14,00)
Bretz: www.shop-magazin.at (€ 28,80)
Schie­fer: www.weinhalle.de (€ 16,50)
Schei­blho­fer: www.scheiblhofer.at (€ 16,50 Reser­ve)
Schei­blho­fer: www.moevenpick-wein.de (€ 29,80 Reser­ve Jois)
Hein­rich: www.weinfurore.de (€ 21,90)
Wie­der: www.weingut-juliana-wieder.at (€ 12,20)
Wenin­ger: www.gute-weine.de (€ 29,95)
Prie­ler: www.weinfurore.de (€ 27,90)
Lang: www.weinpassion-felix.de (€ 18,90)
Wagen­tristl: craftswines.com (€ 16,00)
Tesch: www.wagners-weinshop.com (€ 28,00)
Win­zer­kel­ler Necken­markt: www.koelner-weinkeller.de (€ 10,60)
MAD: mad.blue7.at (€ 29,00)
Jalits: www.weinwelt.at (€ 26,99)


Die 15 besten SALON-Blaufränkischen


WeinWin­zerBeschrei­bungPunk­te
2013 Leit­ha­berg DAC Blau­frän­kischGer­not und Hei­ke Hein­rich, Gols (Bur­gen­land)

Straf­fer, eher leich­ter Wein, gespickt mit fruch­ti­gen und mine­ra­li­schen Noten, gro­ßer Span­nungs­bo­gen bei mode­ra­tem Alko­hol (13 Vol.%): gelun­ge­ne Inter­pre­ta­ti­on des Blau­frän­kisch ohne Über­rei­fe.92
2013 Mit­tel­bur­gen­land DAC Reser­ve Kalk­ofenWenin­ger, Horit­schon (Mit­tel­bur­gen­land)

Weninger

Sehr straff gewirk­ter Wein, Frucht, Tabak und staubig-mineralische Wür­ze, deut­li­che Säu­re­no­te: sehr eigen­wil­li­ger Wein mit rie­si­gem Poten­zi­al, wird aber immer eine Her­aus­for­de­rung für den Gau­men blei­ben.92
2013 Leit­ha­berg DAC Blau­frän­kischPrie­ler, Schüt­zen (Leit­ha­berg)

Prieler

Schlank, ras­sig mit viel fri­scher Sauer­kir­sche, aro­men­tief statt reich und breit: sub­stanz­rei­cher und gleich­zei­tig sehr ele­gan­ter Blau­frän­kisch, wie aus einem Guss sge­macht.91
2013 Blau­frän­kisch Reser­veMein­rad Mar­ko­witsch, Gött­les­brunn (Car­nun­tum)

Markowitsch

14,5 Vol.%er, bei aller Fül­le frisch mit sau­be­rer Kirsch­frucht, fei­nem Tan­nin, kaum merk­li­chen Holz­no­te: Hoch­ka­rä­ter der moder­nen Stil­rich­tung, kom­plex und doch leicht zu trin­ken.90
2014 Blau­frän­kisch Reser­ve JoisErwin Schei­blho­fer, Andau (Bur­gen­land)

Scheiblhofer

Auf Schwe­re und hohe Rei­fe gear­bei­te­ter Wein im Amarone-Stil: viel Bee­ren­frucht, Bit­ter­scho­ko­la­de, sehr mode­ra­te Säu­re und viel Neu­holz – groß­ka­li­bri­ger Wein, nichts für Fili­gran­trin­ker.90
2013 Mit­tel­bur­gen­land DAC Reser­ve Koh­len­bergJulia­ne Wie­der, Necken­markt (Mit­tel­bur­gen­land)

Wieder

Kräf­tig struk­tu­rier­ter Wein mit prä­zi­ser Frucht, fei­ner Wür­ze, leben­di­ger Säu­re, dabei straff gewo­ben und punkt­ge­nau auf den Gau­men tref­fend: sehr erfreu­lich.90
2012 Eisen­berg DAC Reser­ve Dia­basMathi­as Jalits, Baders­dorf (Süd­bur­gen­land)

Jalits

Dicht, flei­schig, bee­rig mit rei­fer, süßer Frucht, glat­tem Tan­nin und üppi­gen 14 Vol.%: sty­li­scher Wein ohne Ecken und Kan­ten, jetzt schon per­fekt zu trin­ken, aber auch noch viel Poten­zi­al.90
2013 Leit­ha­berg DAC Blau­frän­kischWagen­tristl, Gross­höf­lein (Leit­ha­berg)

Wagentristl

Fri­sche Frucht, leben­di­ge Säu­re, Mas­sen von Tan­nin, leicht rus­ti­kal: ein Wein wie eine geball­te Faust, kräf­tig struk­tu­riert, üppig, Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al.90
2013 Blau­frän­kisch Reser­ve „Selec­tion“Josef Tesch, Necken­markt (Mit­tel­bur­gen­land)

Tesch

Üppig mit fri­scher Frucht, aber auch mit Kon­fi­tü­re­no­ten, dazu Gewürz­nel­ken, im Hin­ter­grund Nou­gat­no­ten: rei­cher, balan­cier­ter Wein, erträg­li­cher Neu­holz­touch.90
2009 Blau­frän­kisch Spit­zer­bergJörg Bretz, Höf­lein (Car­nun­tum)

Bretz

Trans­pa­rent rubin­rot, fein­fruch­tig mit rei­fer Sauer­kir­sche, viel Tie­fe und trotz des war­men Jahr­gangs erkenn­bar säu­re­be­tont: bemer­kens­wer­ter Wein.89
2012 Blau­frän­kisch Mari­en­thalFami­lie Mad, Oggau (Leit­ha­berg)

MAD

Gut gebau­ter, kom­pak­ter Wein mit sau­be­rer, fri­scher Frucht und wür­zi­gen Tabakno­ten, leicht kon­fi­türe­haf­ter Süße, mil­der Säu­re, offen­bar gewollt neu­holz­las­tig.89
2014 Blau­frän­kisch Reser­veErwin Schei­blho­fer, Andau (Bur­gen­land)

Scheiblhofer Reserve

Hoch­kon­zen­triert mit explo­si­ver, süßer Frucht, dezen­ter Säu­re, wür­zi­ger Neu­holz­no­te, baro­cker Typus: das Dick­schiff unter den Blau­frän­ki­schen.89
2014 Eisen­berg DAC Blau­frän­kischUwe Schie­fer, Wel­gers­dorf (Süd­bur­gen­land)

Schiefer

Fein­fruch­tig, zart mit zurück­hal­ten­der Frucht, dafür mehr miner­li­schen Noten: das Gegen­stück zu den opu­len­ten Blau­frän­ki­schen im inter­na­tio­na­len Stil, in 2014 etwas schlan­ker als nor­mal gera­ten.89
2013 Mit­tel­bur­gen­land DAC Reser­veRot­wei­ne Lang, Necken­markt (Mit­tel­bur­gen­land)

Lang

Dun­kel, dicht, kon­zen­triert bee­ren­fruch­tig mit mode­ra­ter Säu­re und scho­ko­la­di­ger Wür­ze: qua­li­ta­tiv hohes Niveau, sti­lis­tisch Stan­dard, aller­dings mit (zu) viel Neu­holz.88
2013 Mit­tel­bur­gen­land DAC Reser­ve Him­mels­thronWin­zer­kel­ler Necken­markt (Mit­tel­bur­gen­land)

Winzerkeller

Dich­ter, dunk­ler Wein mit kon­zen­trier­ter, wei­cher Frucht, sehr reif und leicht süß­lich anmu­tend, 15 Vol.% Alko­hol und über­trie­ben viel Neu­holz, das den Wein förm­lich mas­kiert. Scha­de.87

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