Nach der Trump-Wahl: Gibt es bald kalifornischen Champagner?

Donald Trump will alle Handelshemmnisse für amerikanische Produkte beseitigen. Schlägt jetzt die Stunde der amerikanischen Sparkling-Hersteller? Viele warten nur darauf, ihre Schaumweine „Champagner“ nennen und exportieren zu dürfen.

Wäh­rend sich die Schock­star­re, die durch die Wahl von Donald Trump zum Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka aus­ge­löst wur­de, nur lang­sam löst, nimmt die Unsi­cher­heit dar­über zu, was von dem neu­en Mann an der Spit­ze der mäch­tigs­ten Wirtschafts- und Mili­tär­macht der Welt zu erwar­ten ist.

Der­zeit ist vie­les nur Spe­ku­la­ti­on. Aber die Ankün­di­gung Trumps, alle inter­na­tio­na­len Han­dels­ver­trä­ge und -abkom­men dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie der US-amerikanischen Wirt­schaft nüt­zen oder scha­den, wird auch Aus­wir­kun­gen auf den Wein­sek­tor haben. So sind die euro­päi­schen Wein­be­zeich­nun­gen durch ein 2006 geschlos­se­nes Abkom­men zwi­schen EU und Ame­ri­ka streng geschützt. Das heißt: Ame­ri­ka­ni­sche Wei­ne dür­fen nicht unter Bezeich­nun­gen wie Port, Baro­lo, Chab­lis und ande­ren geo­gra­fi­schen Eigen­na­men in Ver­kehr gebracht oder in Dritt­staa­ten expor­tiert  wer­den.

Heikelstes Produkt: Champagner

Das hei­kels­te Pro­dukt in die­sem Zusam­men­hang ist Cham­pa­gner. Zwar ist der Name der­zeit allein für Schaum­wein aus der Cham­pa­gne reser­viert (Aus­nah­me: ame­ri­ka­ni­sche Spark­ler, die nach­weis­lich schon vor 2006 die Bezeich­nung „Cali­for­nia Cham­pa­gne“ auf dem Eti­kett tru­gen). Doch kämp­fen kali­for­ni­sche Wein­pro­du­zen­ten seit lan­gem dar­um, den Namen „Cham­pa­gne“ auch für alle hei­mi­schen Schaum­wei­ne nut­zen zu dür­fen. Erst vor weni­gen Mona­ten hat­te das Kali­for­ni­sche Wein­in­sti­tut dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Bezeich­nung „Cali­for­nia Cham­pa­gne“ bereits 1857 auf einem Eti­kett auf­tauch­te und vie­le Jahr­zehn­te lang in den USA ein geläu­fi­ger Name für alle fla­schen­ver­go­re­nen Schaum­wei­ne war.

Kalifornier wollen das Recht auf „California Champagne“ zurück

Schon wäh­rend der Ver­hand­lun­gen über die Trans­at­lan­ti­sche Handels- und Investment-Partnerschaft (TTIP) hat­ten die Ame­ri­ka­ner deut­lich  gemacht, dass sie das Recht auf den Namen „Cham­pa­gne“ zurück­ha­ben wol­len – was bei Brüs­se­ler Ver­hand­lungs­part­nern auf strik­te Ableh­nung stieß (und stößt). Sie sehen die Bezeich­nung nicht als Pro­dukt­na­men für einen Her­kunfts­wein an, son­dern als „halb-generischen“ Gat­tungs­be­griff für fla­schen­ver­go­re­ne Schaum­wei­ne ins­ge­samt. Sie glau­ben nicht, „dass Kon­su­men­ten Schwie­rig­kei­ten haben könn­ten, zwi­schen US- und fran­zö­si­schen Pro­duk­ten zu unter­schei­den, wenn das Her­kunfts­land auf dem Eti­kett deut­lich ange­ge­ben ist“. Die­se Sicht­wei­se tei­len die Euro­pä­er nicht.

Europa mit Export-Überschuss beim Wein

Ob Trump sich in die Champagner-Debatte ein­mi­schen wird, ist unge­wiss. Aller­dings hat er klar gemacht, dass er das TTIP-Abkommen in sei­ner gegen­wär­ti­gen Fas­sung nicht unter­schrei­ben wer­de (wie Hil­la­ry Clin­ton übri­gens auch). Im Kon­flikt­fall sit­zen er und die Ame­ri­ka­ner am län­ge­ren Hebel. Der Wert der euro­päi­schen Wein­ex­por­te in die USA beträgt rund 3,7 Mil­li­ar­den Dol­lar, der der US ame­ri­ka­ni­schen Wei­ne, die nach Euro­pa expor­tiert wer­den, nur etwa 600 Mil­lio­nen Dol­lar. Ein Boy­kott wür­de den Euro­pä­ern mit­hin weit grö­ße­ren Scha­den zufü­gen als den Ame­ri­ka­nern.

Weingut von Nacktmodel gekauft

Trump Winery
Trump Wine­ry

Unklar ist der­zeit, wel­che Bezie­hung Trump zu Wein hat. Einer­seits gehört er zu den 60 Pro­zent Ame­ri­ka­nern, die grund­sätz­lich kei­nen Alko­hol anrüh­ren (er hat sei­nen ältes­ten Bru­der durch einen alko­hol­be­ding­ten Unfall ver­lo­ren). Ande­rer­seits hat er vor fünf Jah­ren ein Wein­gut gekauft: 2011 erwarb er die Klu­ge Esta­te Wine­ry und Viney­ards im Bun­des­staat Vir­gi­nia (übri­gens von dem Nackt­mo­del Patri­cia Klu­ge, einer lang­jäh­ri­gen Freun­din Trumps und der Wit­we des Mil­li­ar­därs und Weingut-Gründers John Klu­ge). Er nann­te das Wein­gut in Trump Wine­ry um und brüs­te­te sich (noch im März 2016) damit, die größ­te Kel­le­rei an der Ost­küs­te der USA zu besit­zen – was offen­sicht­lich nicht stimmt. Ers­tens ist die Trump Wine­ry kei­nes­wegs die größ­te Kel­le­rei an der Ost­küs­te (wie ihm Exper­ten nach­wie­sen), und zwei­tens hat er sie längst sei­nem Sohn Eric über­schrie­ben (der das Wein­gut und alle Golf- und Hotel­re­sorts des Trump-Konzerns lei­tet).

Die Trump Wine­ry pro­du­ziert auch Schaum­wein. Auf den Eti­ket­ten ihres Blanc de Blancs und ihres Blanc de Noirs steht „Métho­de Cham­pé­noi­se“ – eine nur in der Cham­pat­g­ne erlaub­te und in Rest-Europa ver­bo­te­ne Bezeich­nung für Fla­schen­gä­rung.

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