Ein Franciacorta-Weingut zeigt, in welche Richtung nachhaltiger ökologischer Weinbau in Zeiten des Klimawandels gehen kann: Bäume zwischen den Reben und Waldinseln im Weinberg
Vor elf Jahren hat sich das Weingut Mosnel entschieden, seine Weinberge umzugestalten nach dem Konzept der Agroforstwirtschaft, einer Art landwirtschaftlicher Forstökologie: Bäume und Sträucher in den Weinbergen und um sie herum, um die Monotonie der Rebenkulturen zu durchbrechen. Die Idee dahinter: die Herausforderung des Klimawandels besser zu meistern und der schwindenden Biodiversität in den Weinlandschaften etwas entgegenzusetzen. Während Agroforestry für tropische und subtropische Länder längst eine etablierte Praxis ist, ist es beim Weinbau noch ein Pionierprojekt.
Eine Waldinsel im Weinberg
Zunächst wurde mitten im Weinberg eine Waldinsel angelegt – weniger um den Reben Schatten zu spenden als Besuchern, die herzlich eingeladen sind, den Weinberg zu begehen und unter den Bäumen Platz zu nehmen, einen Ruhepol zu bieten. Die Idee: die Rebenlandschaft auf sich einwirken zu lassen. Dahinter steckt keine esoterische Masche, sondern ein anthropologisches Argument das der Neurowissenschaftler Andrea Bariselli so erklärt: „Viele Menschen haben heute den Kontakt zur Natur verloren. Sie leben in den Betonwüsten der Großstädte, verbringen täglich Stunden vor Bildschirmen, sind den Stressrhythmen des modernen Lebens ausgeliefert. Ihr Nervensystem hat aber nicht vergessen, dass der Mensch den größten Teil der Evolution als Jäger und Sammler verbracht hat, also in engem Kontakt mit der Natur gelebt hat. Entsprechend empfänglich ist das Nervensystem auch heute noch für Impulse, die von Pflanzen, Bäumen, Blumen, Vöglen, Bergen, Wolken, Wind ausgehen.“
Hainbuchen und Weißdorn

Das Hauptprojekt von Mosnel aber ist die Aufforstung der Weinberge. So wurden um die Waldinsel herum Bäume und Sträucher zwischen die Rebzeilen gepflanzt: 65 Paare von Hainbuchen und Weißdorn in Form einer Spirale mit zunehmender Dichte. Die Wurzeln wachsen bis zu 1,5 Meter in die Tiefe, ohne dass die einen den anderen Konkurrenz machen. Jeder Baum beziehungsweise Strauch gibt täglich mehrere Dutzend Liter Wasser in Form von Wasserdampf ab und kühlt das Mikroklima im Weinberg. Schon ein Prozent mehr organische Substanz im Boden speichert 14 Millimeter mehr Wasser, haben die Wissenschaftler des Sata Studio Agronomico in Quargnento gemessen, die das Projekt wissenschaftlich begleiten.
Weniger Wasserstress
Außerdem sind um die Weinberge herum über 800 Meter Hecken aus einheimischen Sträuchern gepflanzt worden. Die Begrünung der Rebflure ist für ein biologisch zertifiziertes Weingut wie Mosnel eine Selbstverständlichkeit. Angesichts von immer häufiger auftretenden Dürreperioden und Hitzewellen ist das für die Reben ein großer Vorteil. Sie leiden weniger unter Wasserstress, bleiben auch in schwierigen Zeiten im Gleichgewicht. Vielleicht mit ein Grund, weshalb die Weinberge von Mosnel in den letzten Jahren weniger von Schädlingsbefall betroffen waren als benachbarte Weinberge.
Das Ziel ist ein lebendiger Weinberg

„Wir Winzer sind Hüter der Landschaft“, erklärte Giulio Barzano, Anfang Mai vor rund 60 Fachleuten und Journalisten, die Mosnel anlässlich des 190jährigen Bestehen des Weinguts in die Franciacorta eingeladen hatte, um die Ergebnisse des Agroforesty-Projekt vorzustellen – unter freiem Himmel übrigens auf der kleinen Wiese vor der Waldinsel. Barzani ist mit seiner Schwester Lucia zusammen Inhaber des Weinguts. Seine Schwester fügte hinzu: „Unser Ziel ist es, den Weinberg lebendig zu halten, damit er sich weitgehend selbst regulieren kann. Bäume mildern klimatische Extrembedingungen, verbessern das Wassermanagement, reduzieren den Treibhauseffekt, stabilisieren die Böden und erhöhen den Anteil organischer Substanz.”
Schaumweine mit klarer stilistischer Handschrift
Das 1836 gegründete Weingut in dem Dörfchen Camignone, nur einen Steinwurf vom Iseo-See entfernt, bewirtschaftet 41 Hektar zusammenhängende, biologisch zertifizierte Weinberge, bepflanzt mit Chardonnay, Pinot Bianco, Pinot Nero und Erbamat. Erzeugt wird vor allem der Schaumwein Franciacorta. Er ist von einer klaren stilistischen Handschrift geprägt. Zu den Spitzenprodukten von Mosnel zählen der Franciacorta EBB (benannt nach den Initialen der Gründerfamilien), der Franciacorta Parosé, der elegante Satèn sowie die nur in außergewöhnlich guten Jahrgängen erzeugte Riserva (über fünf Jahre auf der Hefe). Die Spitze der Qualitätspyramide bilden der extrem rare QdE (Questione di Etichetta), der in streng limitierter Auflage produziert wird und mehr als zwanzig Jahre auf der Hefe reift. Die Basis des Sortiments bilden Franciacorta Brut, Franciacorta Pas Dosé, Franciacorta Rosé und ein Brut Nature. Die Weine findet man bei www.viani.de.


















































