Report Deutschland

Klimawandel aus Geisenheimer Sicht

Prof. Hans R. Schultz
Deutschlands Winzer müssen sich vorerst nicht nach anderen Rebsorten umsehen. Dies machte Professor Hans R. Schultz, Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim, auf dem Internationalen Riesling Symposium auf Schloss Reinhartshausen deutlich. Außerdem erklärte er, wie man der immer weiter steigenden Alkoholgehalte Herr werden kann. Von Ulrich Sautter

Deutsch­lands Win­zer müs­sen sich vor­erst nicht nach ande­ren Reb­sor­ten umse­hen. Dies mach­te Pro­fes­sor Hans R. Schultz, Direk­tor der For­schungs­an­stalt Gei­sen­heim, auf dem Inter­na­tio­na­len Ries­ling Sym­po­si­um auf Schloss Rein­harts­hau­sen deut­lich. Außer­dem erklär­te er, wie man der immer wei­ter stei­gen­den Alko­hol­ge­hal­te Herr wer­den kann. Von Ulrich Saut­ter

Prof. Hans R. SchultzSchultz zeig­te anhand einer Pro­jek­ti­on von Kli­ma­da­ten aufs Jahr 2050, dass selbst bei einer beson­ders ungüns­ti­gen Ent­wick­lung des Kli­mas Ries­ling­an­bau in Deutsch­land mög­lich blei­ben wird. Die Wär­me­men­gen, denen die Reben aus­ge­setzt sind, wer­den immer noch inner­halb der Tole­ranz­brei­te des Ries­lings lie­gen.

Bezo­gen auf den Rhein­gau, wird der so genann­te Huglin-Index, ein Maß für die Aus­wir­kung war­men Kli­mas auf Reben, für das Jahr 2050 mit einem Wert zwi­schen 1800 und 2000 erwar­tet. Damit liegt die­se Kenn­zif­fer zwar um eini­ges höher als der heu­ti­ge Rhein­gau­er Ver­gleichs­wert (1623), aber immer noch deut­lich nied­ri­ger als die der­zei­ti­ge Ver­gleichs­zahl bei­spiels­wei­se der aus­tra­li­schen Riesling-Hochburg Cla­re Val­ley (2350).

Ein Schwer­punkt der Gei­sen­hei­mer For­schung liegt nun dar­in, die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels mit wein­bau­li­chen Metho­den zu mil­dern. Dabei fal­len den For­schern auch ganz und gar unkon­ven­tio­nel­le Ide­en ein. Bei­spiels­wei­se bringt es einen posi­ti­ven Effekt, wenn man die Aus­rich­tung der Reb­zei­len der vor­herr­schen­den Wind­rich­tung anpasst.

2010So kann sich eine deut­li­che Ver­rin­ge­rung der Bee­ren­tem­pe­ra­tur erge­ben. Die­se geht ein­her mit einer ver­bes­ser­ten Erhal­tung aro­ma­ti­scher Fri­sche.

Statt die Zei­len eines Wein­bergs (wie im Rhein­gau bis­lang vor­herr­schend) in Nord-Süd-Richtung aus­zu­rich­ten, kann es in Zukunft durch­aus rat­sam sein, eine Südwest-Nordost-Richtung zu wäh­len.

2030Ein ver­blüf­fen­des Resul­tat erziel­ten die Gei­sen­hei­mer For­scher auch bei Ver­su­chen mit dem Ent­blät­tern von Reben. Heut­zu­ta­ge wird übli­cher­wei­se die Trau­ben­zo­ne ent­blät­tert, vor allem bei roten Sor­ten und in feuch­te­ren Jah­ren. Ein For­scher­team um Hans R. Schultz ent­blät­ter­te jedoch Riesling-Stöcke ober­halb der Trau­ben­zo­ne, gleich­zei­tig aber so, dass die Trieb­spit­zen (die für die Wachs­tums­re­gu­la­ti­on der Rebe wich­tig sind), unver­letzt blie­ben.

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