Report Italien

Kampanien? Kann man trinken!

Kampanien – so heißt die Region um Neapel. Die Stadt ist chaotisch und atemberaubend schön zugleich. Schöner ist nur noch das Land um Neapel herum, zumindest einige Ecken. Stefan Krimm hat sie besucht und dabei viel Wein getrunken. Pardon: probiert.

Schon weni­ge Kilo­me­ter außer­halb der Stadt fin­det man Land­schaf­ten, deren Schön­heit den Atem sto­cken lässt: Die Amal­fiküs­te mit ihren majes­tä­ti­schen Bli­cken aufs azur­blaue Meer, mit sei­nen Fels­in­sel­chen, mit win­zi­gen Wein­ter­ras­sen an steil zur Küs­te abfal­len­den Hän­gen. Oder das Umland des Vesuvs mit uralten, immer noch reb­lausfrei­en, wur­zel­ech­ten Reb­stö­cken. Oder die  stol­ze Stadt Bene­vent mit den sanft hüge­li­gen Wein­ber­gen des San­nio. Schließ­lich das stil­le Hoch­land Irpi­ni­ens mit sei­nen dunk­len Wäl­dern, ein­sa­men Seen, roma­ni­schen Kir­chen und normannisch-langobardischen Kas­tel­len.

Gegen Resignation und Schicksalsergebenheit

Nicht zu ver­ges­sen der Wein. Wer ihn näher ken­nen­lernt, trifft auf eine Gene­ra­ti­on jun­ger Win­zer, die sich für das Gegen­steu­ern und nicht das Resi­gnie­ren ent­schie­den hat, für das Enga­ge­ment und die Qua­li­täts­ar­beit, nicht für Gleich­gül­tig­keit und Schlam­pe­rei – auch wenn sie manch­mal ihre Par­zel­len mit Zäu­nen und Eisen­to­ren schüt­zen müs­sen, damit die neu gesetz­ten Reben nicht über Nacht wie­der ver­schwin­den. Die Ergeb­nis­se der Arbeit die­ser Win­zer und ihrer älte­ren Kol­le­gen wur­den Ende März/Anfang April im Rah­men der Ver­an­stal­tung „Cam­pa­nia Sto­ries 2017“ prä­sen­tiert: an die 200 Wei­ne, die alle Kli­schees von der ende­mi­schen Schlam­pe­rei und Hoff­nungs­lo­sig­keit des Südens Lügen stra­fen. Und die auch bei uns jene Auf­merk­sam­keit ver­die­nen, die sie sich in Nord­eu­ro­pa, den USA und sogar in Chi­na schon erkämpft haben. Den Hin­ter­grund bil­den auto­chtho­ne Reb­sor­ten, die in einer Wein­welt, die immer uni­for­mer wird, zuneh­mend an Auf­merk­sam­keit gewin­nen.

Das Kapital: die autochthonen Rebensorten

Weinterrassen bei Furore
Wein­ter­ras­sen bei Furo­re

An ers­ter Stel­le die bereits von den Grie­chen gepflanz­te Falang­hi­na, die ver­mut­lich dem wei­ßen Faler­ner im alten Rom einen so gro­ßen Ruf ver­schaff­te, dass er sechs­mal so teu­er war wie der damals übli­che Tisch­wein. Ihre bes­ten Ver­tre­ter fei­ern auf den Export­märk­ten der­zeit gro­ße Erfol­ge. Sie sind frisch, mine­ra­lisch, manch­mal leicht min­zig oder man­del­tö­nig, stof­fig und von erstaun­li­cher Alte­rungs­fä­hig­keit.  Oder die Gre­co, die vor allem durch den Gre­co di Tufo bekannt ist: nicht nur fruch­tig mit Anklän­gen an Äpfel, Apri­ko­sen und tro­pi­sche Früch­te, son­dern auch ele­gant, schmei­chelnd und mit beein­dru­cken­dem Nach­hall. Nicht umsonst heißt die Sor­te in man­chen Gegen­den auch „Bal­sa­mi­na“. Und natür­lich die Fia­no, der vor allem um Avel­li­no meis­ter­lich gepflegt wird: aus­drucks­voll in der inten­si­ven Frucht, sei­dig, nussig, manch­mal von Honigno­ten geprägt, mund­fül­lend und auch in der Rei­fe­pha­se durch die Fines­se sei­ner fei­nen Zitrus-Spitzen noch mit guter inne­rer Span­nung, vor allem, wenn die Sor­te in hohen, küh­len Lagen ange­baut wird.

Vor dem Aussterben bewahrt

Erwähnt wer­den muss aber auch die sel­te­ne Pal­lag­rel­lo Bian­co, aus der in den Col­li­ne Caiati­ne teil­wei­se ganz erstaun­li­che, fruchtig-schmelzige Wei­ne erzeugt wer­den, die für vie­le Teil­neh­mer zu den beson­de­ren Ent­de­ckun­gen der Ver­kos­tung gehör­ten. Frü­her ein könig­li­cher Wein, der im Mus­ter­wein­gar­ten Fer­di­nands IV. von Nea­pel gepflegt wur­de, geriet er wegen sei­ner nied­ri­gen Erträ­ge nach der Reb­lau­sat­ta­cke und dem mit den bei­den Welt­krie­gen ver­bun­de­nen Nie­der­gang all­mäh­lich in Ver­ges­sen­heit. Die Sor­te galt als aus­ge­stor­ben, bis sie in den 1990er Jah­ren von einem Win­zer in einem auf­ge­ge­be­nen Reb­gar­ten wie­der ent­deckt, ver­mehrt und neu aus­ge­pflanzt wur­de.


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