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Grosse Gewächse vom Spätburgunder (Teil 1): Ahr, Baden, Württemberg

von Jens Priewe
Grosse Gewächse vom Spätburgunder Ahr, Baden, Württemberg
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Jens Priewe hat 130 deutsche Premium-Spätburgunder aus den Jahren 2023, 2022, 2021 und 2020 probiert. Die meisten sind Große Gewächse, aber nicht alle waren große Weine


Die besten sind denkwürdig. Sie bieten all das, was Pinot Noir einzigartig unter den Weinen der Welt macht. Sie besitzen das Potenzial, dem Genießer lange im Gedächtnis zu bleiben. Aber nicht alle Weine aus Pinot Noir sind magische Weine. Sie mögen gut oder auch sehr gut sein. Zauber geht von ihnen nicht automatisch aus. Das gilt für deutsche Spätburgunder, aber genauso auch für französische Burgunder.

Dass Spätburgunder eine volatile Sorte ist, zeigte sich mal wieder bei der VDP-Vorpremiere, die Ende August letzten Jahres in Wiesbaden stattfand, kurz bevor die Weine offiziell freigegeben werden dürfen. Dort wurden die Großen Gewächse (GG) aus 2023, 2022, 2021 und 2020 präsentiert, Jahrgänge, die klimatisch große Unterschiede aufweisen. Das spiegelte sich dann auch überdeutlich in den Weinen wider. Weine aus dem kühlen Jahrgang 2021 wiesen mehr grüne Noten auf, die aus dem heißen Jahrgang 2022 waren süßer, satter, weniger säurebetont. Was besser ist und was schlechter, lässt sich nicht eindeutig sagen. Grüne Noten beim Cabernet Sauvignon sind eine Katastrophe, beim Spätburgunder können sie, wenn es alles andere stimmt, die Spannung erhöhen. Eine hohe phenolische Reife ist in Bordeaux die Voraussetzung für einen Jahrhundertjahrgang. Bei der Pinot Noir ist dagegen Vorsicht geboten. Reife wirkt sich negativ auf das Spiel aus, und Spiel ist bei einem Wein aus dieser Sorte ein wichtiges Qualitätskriterium. 2023 schließlich war ein warmer und ein potenziell sehr guter Jahrgang – aber auch ein schwieriger, der den Winzern viel abverlangt hat. Wer den Aufwand nicht gescheut hat, wurde mit optimalen Qualitäten belohnt. Wer nicht konnte oder wollte, hat nicht mehr als brave Weine bekommen.

Die Großen Gewächse von der Ahr

2023 war für die Ahr-Winzer kein leichter Jahrgang. Das Wetter hat sehr gute Qualitäten ermöglicht. Aber die Winzer mussten schnell reagieren. Heißt: Die Trauben frühzeitig und vor allem schnell in der Art einer Turbolese einbringen und dabei streng selektieren. Nicht allen Ahr-Spätburgundern merkt man an, dass die Winzer dazu bereit und in der Lage waren. Vor allem die Guts- und Ortsweine weisen Schwächen auf. Am besten haben Dörte und Maike Meyer-Näkel die Herausforderung gemeistert. Alle ihre GG sind sehr gut gelungen, wobei ich den „Sonnenberg“ aufgrund seiner spielerischen Leichtigkeit (93) dem mehr auf Kraft fokussierten „Silberberg“ (93) vorziehen würde. Aber das sind persönliche Vorlieben. Das Niveau des 2022ers erreichen die Meyer-Näkel GG jedoch nicht (am wenigsten der im Vorjahr so famose „Kräuterberg“).  Auch von Jean Stodden kommen eindrucksvolle Spätburgunder mit einer kleinen Spitze beim „Herrenberg“ (93). Facettenreichtum, Tiefe, Esprit – das sind die Attribute. Die Spätburgunder vom Weingut Burggarten sind zwar nicht ultrafein, aber sauber, gradlinig, gut fundiert, wobei der „Sonnenberg“ den leichten, eleganten Typ verkörpert (92), die „Schieferlay“ den festeren, fruchtigeren (91) und die „Alte Lay“ den saftigen (91). Bei Adeneuer sticht das „Gärkammer“ GG heraus, das kräftig und gut fundiert ist, aber auch viel Feinheit und Spiel im Hintergrund bereithält (92). Beim Deutzerhof sind die Dinge in 2023 ebenfalls sehr gut gelaufen. Die blass-helle Farbe ist zwar nicht sonderlich trinkanimierend. Aber am Gaumen sind die Weine feingliedrig und spielerisch, allen voran das saftige GG „Im Kuckstein“ mit ultrafeiner Frucht und sauberem Tannin (93). Ebenfalls zartfruchtig, samtig und spielerisch sind die GG von der „Landskrone“ in Heimersheim (92) und vom „Mönchberg“ aus Mayschoss (92), während der „Eck“ in Altenahr strukturierter, tanninbetonter ist (92). An den „Kuckstein“ kommen sie jedoch nicht heran. Das Frühburgunder GG vom „Mönchberg“ charmiert im Unterschied dazu mit Frische und hellroter, expressiver Frucht (91). Die GG von Kreuzberg sind sicherlich nicht groß, zeigen aber soliden Pinot-Charakter, ohne ins Kitschige abzudriften. Am ehesten könnte man den „Trotzenberg“ hervorheben, der eine gute Mischung von Struktur und Frucht bietet (90). Nelles 2023er GG halten nicht ganz, was der Name verspricht: die “Landskrone“ undifferenziert und flau (89), der „Burggarten“ auseinanderstrebend und ohne festen Kern (88). Zusammengefast: Wer bereit war, das Maximale aus den Trauben herauszuholen, hat in 2023 gute Voraussetzungen gefunden.

Die Großen Gewächse aus Baden

Von den 21 VDP-Betrieben in Baden hatten bei der Vorpremiere in Wiesbaden nur 14 ihre Spätburgunder angestellt. Um einen Überblick über die Spitzenweine des größten deutschen Spätburgunder-Anbaugebiets zu erhalten, ist das zu wenig. Aber ein Teil der Spitzenproduzenten ist eben nicht VDP-Mitglied, erzeugt keine GG und kann folglich nicht an der VDP Vorpremiere teilnehmen. Zunächst zu den VDP Betrieben. Huber und Franz Keller überragen auch in 2023 mit ihren GG. Das ist nichts Neues. Aber ihre stilistische Präzision ist trotzdem beeindruckend. Besonders Kellers Weine sind grandios. Besonders der „Schlossberg“ aus Achkarren, den ich im November bei den FEINSCHMECKER Wine Awards noch einmal nachverkosten konnte, steht dem großen Vorgängerwein in nichts nach (und 2022 war wahrlich ein Traumjahr): so kompakt und zugleich so frisch habe ich diesen Wein noch nicht erlebt (95). Genauso hoch muss man den „Steinriesen“ bewerten, Kellers teuersten Spätburgunder aus der Bassgeige, obwohl dieser stilistisch eher auf der „kühlen“ Seite steht: schmeichlerisch-charmant mit süßer, rotbeerig-jodiger Frucht und schmauchigem Nachhall (95). Das „Eichberg“ GG ist kräuterwürziger und maskuliner (94). Ein Hinweis sei hier gestattet für Leute mit schmalerem Budget, aber hohen Ansprüchen: der „Enselberg“, früher mal ein Grosses, jetzt „nur“ noch ein Erstes Gewächs, ist die feminine Variante des „Eichbergs“ und halb so teuer wie dieser. Huber marschiert in Baden allen voran, wobei es nicht allein die schiere Qualität ist, die seine Weine von den anderen unterscheidet, sondern auch das effektvolle Spiel mit der Reduktion. Sommeliers, Händler und high end-Weintrinker wissen diesen Stil zu schätzen, wenngleich ich den Eindruck habe, dass Julian Huber in 2023 darauf geachtet hat, seine Weine nicht zu „wild“ werden zu lassen. Traditionell thront über allem der Hecklinger „Schlossberg“ mit seiner straffen, geradezu konzentrierten Art, die keine Arabesken duldet (96). Unter der dichten Fruchtdecke verbergen sich rauchig-würzige Noten und eine reife, spürbare Säure. In 2023 ist allerdings das GG vom Malterdinger „Bienenberg“ fast auf Augenhöhe mit dem „Schlossberg“. Huber hat noch strenger verlesen als sonst, und große Teile der Trauben, die normalerweise in den Pinot Noir „Wildenstein“ gehen, der in 2023 nicht gefüllt wurde, sind diesmal dem „Bienenberg“ zu Gute gekommen. Das Resultat ist ein hochkomplexer, eleganter, kraftvoller Wein mit verführerisch-süßer Nase und raffiniertem Fruchtspiel (95). Druckvoll und intensiv auch die beiden GG von der Köndringer „Alten Burg“ und der Bombacher „Sommerhalde“, wobei letzteres etwas offener und dadurch sehr suggestiv ist (95), während die Alte Burg noch fest im Tanninkorsett steckt (94). Eine grandiose Kollektion, die Huber vorgelegt hat, so gut, dass die GG auf dem Markt trotz der stattlichen Preise kaum mehr zu finden sind. So bleiben den Huber-Fans nur die Ortsweine aus Malterdingen und Hecklingen, was allerdings keine Strafe ist. Sie sind besser als mancher Spitzen-Spätburgunder anderer Produzenten.

Eine weitere Überraschung sind 2023 die GG aus dem Weingut Heger. Während die Jahrgänge vor 2022 in der Spitze nicht immer den ganz den hohen Erwartungen gerecht geworden sind, melden sich Joachim Heger und Tochter Rebecca (die seit 2020 für die Produktion verantwortlich ist) eindrucksvoll zurück. Der „Häusleboden“ (offizieller Lagennamen: Ihringer „Winklerberg Wanne“) ist der vielleicht spannendste Spätburgunder des Gutes, weil der Wein trotz der warmen, südlichen Lage nicht nur reife Fruchtnoten, sondern auch ein paar „grüne“ Kiwinoten zeigt – ein raffiniertes Spiel (94). Ähnlich das GG vom benachbarten „Vorderen Winklerberg“, das etwas weniger Frucht, dafür mehr mineralische Würze zeigt, aber ebenfalls eine große Spannweite besitzt (94). Auch Hegers wärmste und traditionell beste Lage, der Achkarrer „Schlossberg“, lebt nicht nur von reifer Frucht mit der entsprechenden Süße, sondern ebenfalls von ein paar eingestreuten, vegetabilen Noten (94). Nicht ganz daran anknüpfen kann das das GG vom „Winklerberg Winklen“ (92). Josef Michel schickt in 2023 zwei GG ins Rennen. Beide sind stilistisch ähnlich: früh gelesen, entsprechend frisch und fruchtig, mittlere Komplexität, etwas brav. Das vom Achkarrer „Schlossberg“ ist das etwas üppigere (92), das vom Winklerberg („Hinter Winklen“) das strengere (91). Das Spätburgunder GG von Markus und Tanja Wöhrle von der „Kirchgasse“ in Lahr im Breisgau fällt eher kühl aus. Auch wenn es nicht die Spannweite vergleichbarer Weine vom Kaiserstuhl hat, so ist es saftig mit geschliffener Frucht und sauber eingearbeitetem Gerbstoff (93). Gute Weine, aber ohne großes Pinot-Charisma haben Schlumberger-Bernhart mit ihrem GG vom „Altenberg Weingarten“ aus Laufen (91) und Thomas Seeger mit seinem unbekümmerten GG vom „Herrenberg Spermen“ abgeliefert (90).

Bei den meisten anderen badischen VDP-Akteuren ist noch der Jahrgang 2022 aktuell. Auffallend gut ist Blankenhorns GG vom „Sonnenstück“: dem wärmeren Klima im Markgräflerland entsprechend kräftig mit weichem, aber präsentem Tanningerüst, und trotz seiner Vielschichtigkeit sehr präzis – ein großer Wein (94). Gleiches gilt auch für die drei Spätburgunder GG von Konrad Salwey. Der warme Jahrgang hat dem Burgunderspezialisten vom Kaiserstuhl Weine wie aus einem Guss beschert. Sie besitzen eine enorme Spannweite mit hoher phenolischer Reife, wie es sie nicht in jedem Jahr gibt. Zugleich – und das ist ihr großer Vorteil – prunken sie mit mineralischer Frische. „Henkenberg“ und „Eichberg“ sind jeder auf seine Art geschliffen (je 94), der „Kräuterberg“ hat etwas mehr Struktur und setzt noch einen drauf (95). Für die Weinkarte im Restaurant sind diese GG noch zu jung. Wer aber so altmodisch ist und noch selbst kocht und jetzt ein paar Fläschlein einlagert, wird in vier, fünf Jahren zumindest auf Sterne-Niveau trinken können. Ohne Fehl und Tadel ist das GG „Neugesetz“ aus dem Weingut Freiherr von und zu Franckenstein in Offenburg, allerdings auch ohne große Höhepunkte. Ich würde es als „kleines“ GG bezeichnen. Schließlich die beiden Wassmer-Weingüter. Weder Fritz noch Martin sind im VDP, aber beide liefern seit Jahren Spätburgunder, die zu den besten Deutschlands gehören. Größtenteils im Breisgau gelegen, zeichnen sich die auf Kalkmergel stehenden Spätburgunder von Fritz Wassmer durch lebendige Frische und Feinfruchtigkeit aus. Die 2022er waren grandios. Die 2023er kenne ich noch nicht. Die Spätburgunder von Martin Wassmer, die aus den südlicheren Gefilden Badens kommen und auf Lösslehm gewachsen sind, sind opulenter. Nicht alle Kritiker lieben sie. Einige finden sie zu barock. Aber Spätburgunder ist, wie oben gesagt, eine volatile Sorte. Sie reagiert heftig auf andersartige Klima- und Bodenbedingungen. Leider hatte ich bisher keine Gelegenheit, den 2023er Jahrgang zu verkosten.

Bleibt Hanspeter Ziereisen, der weinmäßig seine eigenen Wege geht und ebenfalls nicht dem VDP angehört. Bei Meiningers Finest 100 konnte ich im November drei seiner Spätburgunder verkosten, darunter den 2022 Jaspis Pinot Noir „Zipsin“. Wegen ihrer kräftigen Tanninstruktur und dem intensiven Ausbau in kleinen Holzfässern brauchen Ziereisens Spätburgunder in der Regel ein paar Jahre länger, bis sie das optimale Reifestadium erreicht haben. Für den „Zipsin“ aus dem Jahrgang 2022 gilt das nicht. Er charmiert bereits jetzt mit Frucht und Würze, wobei das Tannin jahrgangsbedingt so reif ist, dass er bereits jetzt seidig über den Gaumen läuft (92). Ein eleganter, satter Wein, nicht der größte des Ziereisen-Sortiments, aber schon ein echter Pinot Noir von reinem Jurakalk. Kenner wissen: Jurakalk ist der Untergrund an der Côte d’Or.

Stigler präsentierte bei der Vorpremiere drei GG aus dem Jahrgang 2021. Gegen die satten, süßen 2022er und 2023er hatten sie es schwer. Sowohl der Freiburger „Schlossberg“ als auch der Oberrottweiler „Eichberg“ kämpfen mit den erhöhten Säuren. Den Weinen fehlt noch die Balance (beide 89). Gelungener ist dagegen der „Vordere Winklerberg“ (91). Heitlingers GG vom „Schellenbrunnen Wormsberg“, ebenfalls aus dem Jahrgang 2021, fehlt zwar die verführerische Pinot-Süße, es beeindruckt aber durch Kompaktheit und Balance (93). Das GG „Löchle“ des Schwesterweinguts Burg Ravensburg ist rustikaler. Ihm fehlt in 2021 das letzte Quäntchen phenolische Reife (91). Der Kraichgau, wo beide Weingüter angesiedelt sind, ist ein kühlerer Anbaubereich als Breisgau und Kaiserstuhl. Die Spätburgunder von dort sind muskulöser, strenger, weniger charmant, aber letztlich genauso tiefgründig und langlebig. Ein besonderes Bonbon war für mich das 2020er GG vom Blankenhornsberger „Doktorgarten Winklen“ aus dem Staatsweingut Freiburg. Der Wein ist gut entwickelt, aber immer noch voller Spannung, die Frucht süß, die Säure frisch (92). Wer auf große Namen pfeift, aber einen großen Pinot zu einem kleinen Preis (35 Euro) sucht, hier wird er fündig.

Die Großen Gewächse aus Württemberg

Auch aus Württemberg hatte nur die Hälfte der VDP Weingüter ihre GG zur Verprobung angestellt, genau acht. Es fehlten Graf Adelmann, Kistenmacher-Hengerer, Herzog von Württemberg, Graf von Bentzel-Sturmfeder, Beurer, Hohenbeilstein, Haidle, Jürgen Ellwanger. Karl Haidle und Drautz-Able machen GG nur vom Lemberger, was gar nicht so falsch ist. Das Jahr 2023 hat nämlich großartige Weine aus dieser Sorte hervorgebracht, die – pardon – in Württemberg nicht selten die Nase vorn haben gegenüber dem Spätburgunder. Fangen wir mit Christian Dautel an. Er hat in 2022 zwei GG vom Spätburgunder gefüllt, den „Schupen“ und den „Forstberg“. Beide im Unterland auf Keuper gewachsen, beide saftig, süß, packend. Der „Schupen“ ist der leichtere, spielerischere Wein (92), der „Forstberg“ der leuchtendere. Er besitzt mehr Konzentration, mehr Temperament und ist letztlich der höherklassige (93). Auch Graf Neipperg hat zwei GG im Rennen: aus 2023 den „Schlossberg“, aus 2022 den „Ruthe“ aus Schwaigern. Letzterer voller, reicher, opulenter, aber auch etwas überextrahiert (91), der Schlossberg etwas einfacher gewirkt mit rustikalen Ecken und mit Kanten (91). Ebenfalls aus dem Unterland kommt das „Verrenberg“ GG von Fürst Hohenlohe Öhringen, das ohne Fehl und Tadel ist, aber in 2023 eher eine einfache Version eines GG darstellt (90). Solide, aber etwas brav und leicht stielig das 2023er GG vom Gundelsheimer „Himmelreich“ vom Staatsweingut Weinsberg (90).

Spannender ist die Situation im Remstal. Schnaitmann hat in 2023 ein raffiniertes Spätburgunder GG vom „Lämmler“ auf die Flasche gebracht. Es zeigt Anklänge an Barolo-Aromen, zugleich aber auch vegetabile Noten – zusammen entsteht so ein imposanter, vertikaler Wein, der viel Esprit besitzt (93). Ähnlich eindrucksvoll Aldingers Spätburgunder-Pendant vom „Lämmler Kaiser“, wobei die Brüder Hansjörg und Matthias mehr mit Reduktion arbeiten, was bei Sommeliers und Fachjournalisten in der Regel gern goutiert wird. Der Wein hat beim Deutschen Rotweinpreis von VINUM den 1. Platz gewonnen. In diesem Falle, finde ich, sind die olfaktorischen „Nebengeräusche“ allerdings grenzwertig. Und bei allem Respekt: Aldingers Spätburgunder GG aus der Renommierlage „Gips Marienglas“ ist nicht weniger gut (93). Zurück zum „Lämmler“: Auch Markus Heid hat aus der Fellbacher Renommierlage ein beeindruckendes Spätburgunder GG im Angebot, allerdings vom Jahrgang 2022, das entsprechend stoffiger ausfällt mit mehr Süße, mehr Sauerkirsche, mehr Frische (93). Beim ersten Schluck wirkt es vielleicht etwas gefällig. Doch das täuscht. Der Wein besitzt Substanz und Tiefe. Schließlich der „Geisberg“ in Pfaffenhofen. Von dort kommt Rainer Wachtstetters etwas hemdsärmeliges GG aus 2023 (91). An sein Lemberger GG kommt dieser Spätburgunder nicht heran. 

Überblick:

Ahr

PunkteWeingutLage / WeinJahrgang
93Meyer-NäkelSonnenberg GG2023
93Meyer-NäkelSilberberg GG2023
93Jean StoddenHerrenberg GG2023
93DeutzerhofIm Kuckstein GG2023
92BurggartenSonnenberg GG2023
92AdeneuerGärkammer GG2023
92DeutzerhofLandskrone GG2023
92DeutzerhofMönchberg GG2023
91BurggartenSchieferlay GG2023
91BurggartenAlte Lay GG2023
91DeutzerhofEck GG2023
90KreuzbergTrotzenberg GG2023
89NellesLandskrone GG2023
88NellesBurggarten GG2023


Baden

PunkteWeingutLage / WeinJahrgang
96Bernhard HuberSchlossberg GG (Hecklingen)2023
95Franz KellerSchlossberg GG (Achkarren)2023
95Franz KellerSteinriesen GG2023
95Bernhard HuberBienenberg GG2023
95Bernhard HuberSommerhalde GG2023
95SalweyKräuterberg GG2022
94Franz KellerEichberg GG2023
94Bernhard HuberAlte Burg GG2023
94HegerHäusleboden (Winklerberg Wanne) GG2023
94HegerVorderer Winklerberg GG2023
94HegerSchlossberg GG (Achkarren)2023
94SalweyHenkenberg GG2022
94SalweyEichberg GG2022
93WöhrleKirchgasse GG2023
92ZiereisenJaspis „Zipsin“2022
91Schlumberger-BernhartAltenberg Weingarten GG2023

Württemberg

PunkteWeingutLage / WeinJahrgang
93DautelForstberg GG2022
93SchnaitmannLämmler GG2023
93AldingerLämmler Kaiser GG2023
93AldingerGips Marienglas GG2023
93Markus HeidLämmler GG2022
92DautelSchupen GG2022
91Graf NeippergSchlossberg GG2023
91Graf NeippergRuthe GG2022
91Rainer WachtstetterGeisberg GG2023

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Jens Priewe

Jens Priewe hat viele Jahre als Politik- und Wirtschaftsjournalist gearbeitet, bevor er auf das Thema Wein umsattelte. Er schreibt Kolumnen für den Feinschmecker und für das schweizerische Weinmagazin Merum. Für den Weinkenner, dessen Gesellschafter er ist, hat er seit der Gründung über 200 Artikel beigesteuert. Außerdem ist er Verfasser mehrerer erfolgreicher Weinbücher (u. a. „Wein – die grosse Schule“, „Grundkurs Wein“). Er stammt aus Schleswig-Holstein, lebt aber seit fast 40 Jahren in München.

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