Größte Vielfalt auf kleinstem Raum: Südtirols Weinberge und ihre Böden

© Florian Andergassen
Gemessen an seiner Größe ist Südtirol zweifellos eines der facettenreichsten Weinbaugebiete Italiens und darüber hinaus. Ein Grund dafür sind die höchst unterschiedlichen Böden auf denen die Reben stehen.

Fines­sen­rei­cher Blau­bur­gun­der, opu­len­ter Gewürz­tra­mi­ner oder kna­cki­ger Ries­ling: das alles ist im klei­nen Süd­ti­rol zu fin­den. Die Höhen­la­gen von 200 bis 1000 Meter sind ein wich­ti­ges Ele­ment für die sti­lis­ti­sche Band­brei­te. Weni­ger beach­tet wird oft ein wei­te­res, ent­schei­den­des Ele­ment: die Viel­falt der Boden­for­ma­tio­nen. Urge­stein, Por­phyr, Dolo­mit­kalk sowie Lehm prä­gen die Wei­ne, die auf ihnen wach­sen.

Schiefer: Terrain für Riesling & Co.

Das geo­lo­gisch gese­hen ältes­te Boden­ma­te­ri­al, auf dem in Süd­ti­rol Reben ste­hen ist das Urge­stein, ver­wit­ter­ter Schie­fer von den Ber­gen des Alpen­haupt­kamms. Die­ser sich rasch erwär­men­deUnter­grund domi­niert die Morä­nen­rän­der des Vinsch­gaus sowie den nörd­li­chen und west­li­chen Rand des Mera­ner Beckens sowie das obe­re Eisack­tal um Bri­xen. Urge­stein begüns­tigt fruch­ti­ge, schlan­ke, gerad­li­ni­ge Wei­ne, beson­ders aus wei­ßen Sor­ten.

2019 Ries­ling Lehen­gut, Vinsch­gau

Ries­ling fühlt sich auf Schie­fer sicht­lich wohl, nicht nur an der Mosel: Der bio­lo­gisch erzeug­te Ries­ling vom Lehen­gut duf­tet klar nach Stein­obst (Apri­ko­se, Pfir­sich) und ist typisch frisch und straff am Gau­men. Um 21 Euro.

2019 Ker­ner Pra­e­po­si­tus, Stifts­kel­le­rei Neu­stift, Bri­xen

Ein Para­de­wein aus der in Deutsch­land gekreuz­ten Sor­te: Duf­tig (Pfir­sich, Zitrus, Blü­ten), saf­tig und dicht im Geschmack. Um 18,50 Euro.

2019 Mera­ner Ver­natsch, Inner­lei­ter­hof Schen­na

Auch der Ver­natsch zeigt auf Urge­stein ein ganz eige­nes Gesicht: schlank, fein struk­tu­riert und gerad­li­nig, wie der vom Inner­lei­ter­hof, ober­halb von Meran. Um 11 Euro.

Porphyr: Boden für Legenden

Die legen­dä­ren Weiß­wei­ne des Ter­la­ner Beckens wach­sen eben­so auf Boz­ner Por­phyr wie die berühm­ten Lag­rein aus Gries und der St. Mag­da­le­ner. Vul­ka­ne bil­de­ten das Gestein vor 270 Mil­lio­nen Jah­ren, die leicht sau­ren Böden ent­hal­ten viel Quarz und aus­ge­spro­chen wenig Caci­um­car­bo­nat (Kalk) wodurch die Trau­ben boden­ty­pi­sche Farb­stof­fe, Geschmacks- und Gerb­stof­fe aus­bil­den und mar­kan­te Wei­ne her­vor­brin­gen

2019 Sau­vi­gnon Quarz, Kel­le­rei Ter­lan

Breit gefä­cher­tes Bou­quet von Tro­pen­frucht über Zitrus bis Kräu­ter wie Zitro­nen­gras und Min­ze. Die Kom­ple­xi­tät wird am Gau­men durch mine­ra­li­sche Noten noch ver­brei­tert. Lang und har­mo­nisch im Abgang. Ein Wein, der inter­na­tio­nal Maß­stä­be setzt. Um 48 Euro.

2017 Lag­rein Riser­va Staf­fes, Wein­gut Kor­nell

Der Ur-Südtiroler Lag­rein liebt war­me Moränen- und Schutt­ke­gel in Tal­la­gen, vor allem, wenn sie aus Por­phyr bestehen wie um Bozen-Gries, Sie­ben­eich und Ter­lan. Hier ent­ste­hen die cha­rak­ter­vol­le Aro­ma­tik und Gerb­stoff­struk­tur, die auch die Riser­va Staf­fes vom Wein­gut Kor­nell aus­zeich­net. Um 26 Euro

2019 St. Mag­da­le­ner Moar, Kel­le­rei Bozen

Der St. Mag­da­le­ner ist der kraft­volls­te und lager­fä­higs­te Ver­nat­schwein. Das liegt am tra­di­tio­nel­len Anteil von Lag­rein (max. 15 Pro­zent) aber vor allem am Por­phyr­bo­den, auf dem er ober­halb von Bozen wächst. Der „Moar“ ist ein Vor­zei­ge­ex­em­plar: Voll, dicht und sam­tig erin­nert er an Bur­gun­der. Um 16 Euro.

Kalk: Feinheit und Eleganz

„Auf Kalk wach­sen gro­ße Wei­ne“ – ein Satz aus dem Bur­gund, wo „groß“ vor allem Fein­heit und Ele­ganz bedeu­tet. Die Wein­ber­ge des Über­etsch um den Kal­terer­see und die höhe­ren Lagen des Unter­lands sind vom Dolo­mit­kalk geprägt, den eis­zeit­li­che Glet­scher hier zer­mah­len und auf­ge­schüt­tet haben. Es ist also kaum ein Zufall, dass Bur­gun­der­sor­ten hier ihren

gro­ßen Auf­tritt haben.

2020 Char­don­nay „Kalk“, Kel­le­rei Nals-Margreid

Hier sagt’s schon der Name: Die Reben für den „Kalk“ ste­hen auf eis­zeit­li­chen Morä­nen bei Mar­greid im Unter­land. Fei­ner Duft nach tro­pi­schen Früch­ten ver­bin­det sich mit aus­ge­wo­ge­nem Geschmack. Um 12 Euro

2019 Weiß­bur­gun­der Plötz­ner, Kel­le­rei St. Pauls

Dolo­mit­kalk domi­niert die nach Osten aus­ge­rich­te­ten Hügel ober­halb von St. Pauls/Eppan. Der Weiß­bur­gun­der Plötz­ner ist frisch, leben­dig und aus­ge­wo­gen – ein Klas­si­ker. Um 11 Euro

2018 Mazon Pinot Nero Riser­va, Hof­stät­ter

In Mazon, über dem Etsch­tal, ver­mi­schen sich Kalk, Lehm und Por­phyr. Luf­tig und ver­gleichs­wei­se kühl ist es dort, und der Wei­ler auch des­halb die Süd­ti­ro­ler Top-Lage für Blau­bur­gun­der. Die Riser­va Mazon von Hof­stät­ter über­zeugt mit Fül­le, Fein­heit und Rei­fe­po­ten­zi­al. Um 33 Euro.

2019 Pinot Gri­gio Cas­tel Ring­berg, Ele­na Walch

Pinot Gri­gio ist die mei­s­tan­ge­bau­te Sor­te in Süd­ti­rol. Auf dem vom Kalk gepräg­ten Wein­berg Cas­tel Ring­berg zeigt sie Frucht und Wür­ze, Saf­tig­keit und eine har­mo­ni­sche Säu­re. Um 21 Euro 

Lehm: Kraft und Fülle

Schwe­re Lehm­bö­den in war­men Lagen – die mögen der Süd­ti­ro­ler Klas­si­ker Gewürz­tra­mi­ner eben­so, wie die aus dem Bor­de­lais zuge­reis­ten Caber­net und Mer­lot. In küh­len, luf­ti­gen Lagen pro­fi­tiert auch der Blau­bur­gun­der von lehm­hal­ti­gem Boden, der für eine aus­ge­gli­che­nen Was­ser­haus­halt sor­get. 

2017 Mer­lot Riser­va Brenn­tal, Kel­le­rei Kur­tatsch

Auf Lehm und rotem Sand ste­hen der Mer­lot im „Brenn­tal“, einem der der wärms­ten Fle­cken Süd­ti­rols. Ein wenig Caber­net Sau­vi­gnon und Caber­net Franc ergän­zen die Cuvée, die mit Kraft und rei­fer Fül­le besticht. Um 36 Euro.

2019 Gewürz­tra­mi­ner „Vom Lehm“, Cas­tel­fe­der

Inten­siv im Duft, voll und opu­lent im Geschmack. Ein Süd­ti­ro­ler Gewürz­tra­mi­ner wie aus dem Lehr­buch. Um 14,50 Euro

2018 Pinot Nero Riser­va Mag­len, Kel­le­rei Tra­min

In Mazon und mehr noch in Glen, ober­halb von Neu­markt gele­gen, ist ein hoher Lehm­an­teil im Boden­kon­glo­me­rat zu fin­den. Der Pinot Nero „Mag­len“ von dort ver­eint Fül­le, Geschmei­dig­keit und Ele­ganz. Um 28 Euro

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