Griechenland: „Unterschätzteste Weinnation Europas“

Griechischer Wein Artikelbild
Griechenland beherrschte in 2015 die Schlagzeilen der Weltpresse – aber nicht wegen seines Weins. „Schade“ findet das Stéphane Thuriot, Sommelier im Restaurant „Königshof“ in München. Der Franzose kritisiert deswegen Weinhändler und Winzer gleichermaßen.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot, 44, ist Fran­zo­se, lebt aber seit über 20 Jah­ren in Deutsch­land. Er begann sei­ne Sommelier-Laufbahn im in der Mün­che­ner „Auber­gi­ne“ unter Eck­art Wit­zig­mann und wech­sel­te dann zum Restau­rant „Königs­hof“, in dem er seit­dem arbei­tet. Thu­ri­ot ist Fran­zo­se. Er stammt aus Gien in der Nähe von Sancer­re. Aber er ver­steht sich nicht als Pro­mo­ter fran­zö­si­scher Wei­ne. Eben­so häu­fig emp­fiehlt er sei­nen Gäs­ten Wei­ne aus Deutsch­land, Öster­reich, Ita­li­en und ande­ren Län­dern – auch aus Grie­chen­land, was für ein Sterne-Restaurant eher sel­ten ist.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot

Thu­ri­ot ist einer den weni­gen Ken­ner grie­chi­scher Wei­ne unter den in Deutsch­land arbei­ten­den Som­me­liers. Er hat Grie­chen­land mehr­mals aus­gie­big bereist und war jedes Mal über­rascht, wie vie­le unbe­kann­te, gute Wei­ne es zwi­schen Make­do­ni­en und Les­bos gibt – und erschro­cken, wie wenig davon nach Deutsch­land impor­tiert wird. Der­zeit fin­det man auf der Wein­lis­te des „Königs­hofs“ 38 Posi­tio­nen mit grie­chi­schen Wei­nen, weiß sowohl wie rot. Thu­ri­ot bie­tet sie gern glas­wei­se an. Jens Priewe sprach Ende Novem­ber mit ihm über die Wein­na­ti­on Grie­chen­land, ihr Poten­zi­al, die Markt­hemm­nis­se, das Image.

Anbaugebiete Griechenland
Anbau­ge­bie­te Grie­chen­land

Das Interview mit Stéphane Thuriot

Wein­ken­ner: Wie wür­den Sie Grie­chen­land als Wein­na­ti­on in Euro­pa ein­ord­nen?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Ich weiß nicht genau, wie viel Hekt­ar Wein­ber­ge Grie­chen­land ins­ge­samt besitzt. Aber ich weiß, dass Grie­chen­land die unter­schätz­tes­te Wein­na­ti­on in Euro­pa ist, neben Por­tu­gal.

Wein­ken­ner: Wor­an liegt das?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Es fehlt die inter­na­tio­na­le Wert­schät­zung für grie­chi­schen Wein. Es fehlt an Ken­nern und Kennt­nis­sen. Das ist nicht nur scha­de. Das ist trau­rig.

Wein­ken­ner: In ande­ren euro­päi­schen Län­dern als Deutsch­land dürf­te die­ses Man­ko noch kras­ser sein.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Mög­lich. Aber Deutsch­land ist der wich­tigs­te Export­markt für grie­chi­sche Wei­ne in Euro­pa. Da könn­te man schon erwar­ten, dass Gas­tro­no­mie, Fach­han­del und Pres­se sich ernst­haf­ter mit grie­chi­schem Wein beschäf­ti­gen. Grie­chi­sche Restau­rants sind ja nicht ganz unbe­deu­ten­de Play­er auf dem deut­schen Gastro-Markt. Aber da geht es oft nur um Bil­lig­wa­re: eine Fla­sche für 5 Euro ein­kau­fen und für 20 Euro auf die Kar­te set­zen. Fer­tig. Vie­len grie­chi­schen Wir­ten feh­len das Wis­sen von den eige­nen Wei­nen und der Stolz, ihren Gäs­ten das Bes­te aus der Hei­mat anzu­bie­ten.

Wein­ken­ner: Im Gegen­satz zu den Ita­lie­nern.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Zum Ita­lie­ner geht man, um gut zu essen, zum Grie­chen, um satt zu wer­den. Das ist das Image. Lei­der erfül­len vie­le grie­chi­sche Restau­rants die­ses Kli­schee. Selbst in klei­nen Vorstadt-Trattorien fin­det man Tigna­nel­lo, Bru­nel­lo di Mon­tal­ci­no und ande­re Top­wei­ne ita­li­ens. In der grie­chi­schen Taver­na neben­an ste­hen lang­wei­li­ge Mar­ken­wei­ne oder bedeu­tungs­lo­se Leicht­wei­ne auf der Kar­te.

Wein­ken­ner: Gibt es über­haupt gro­ße Wei­ne aus Grie­chen­land?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Es gibt Wei­ne, die der inter­na­tio­na­len Top-Gastronomie wür­dig wären. Eini­ge die­ser Wei­ne sind sogar in Deutsch­land erhält­lich, aber meis­tens nur im Lebensmittel-Großhandel. Die Sterne-Restaurants kau­fen ihren Wein aber nicht im Groß­han­del. Sie kau­fen ihn bei klei­nen, ver­sier­ten Fach­händ­lern. Von denen gibt es nur sehr weni­ge, die sich auf grie­chi­schen Wein spe­zia­li­siert haben.

Wein­ken­ner: Nen­nen Sie mal drei, vier Namen von Spitzenwein-Produzenten aus Grie­chen­land.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Par­parous­sis, Gaia, Gerovas­si­liou, Biblia Cho­ra, Dia­man­ta­kos, Argy­ros – ich weiß gar nicht, wo ich anfan­gen soll.

Wein­ken­ner: Und was ist mit dem Tri­lo­gia? Die­ser Rot­wein war jah­re­lang der ein­zi­ge Spit­zen­wein, der über die grie­chi­sche Gas­tro­no­mie hin­aus bekannt war.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Stimmt, den Wein fand man bei Wein­händ­lern und Restau­rants in ganz Deutsch­land. Das Wein­gut gehör­te Kris­tos Kok­ka­lis, einem Grie­chen, der als Apo­the­ker in Mönchen-Gladbach arbei­te­te. Er küm­mer­te sich selbst um den Ver­trieb in Deutsch­land, und das funk­tio­nier­te. Inzwi­schen hat er das Wein­gut aus Alters­grün­den an Biblia Cho­ra ver­kauft. Die bau­en erst­mal die Reser­ven ab, die sich noch auf dem Markt befin­den. Aber in ein paar Jah­ren wird der Wein wie­der­kom­men.

Assyrtiko-Rebe auf San­ton­to­ri­ni

Wein­ken­ner: Sehen Sie die Stär­ken Grie­chen­lands mehr bei den Weiß- oder bei den Rot­wei­nen?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: In bei­den Kate­go­ri­en bie­tet Grie­chen­land hohe Qua­li­tä­ten. Ich per­sön­lich hal­te viel von den Weiß­wei­nen, ins­be­son­de­re von denen aus der Sor­te Assyr­ti­ko. Ihre impo­nie­rends­ten Qua­li­tä­ten bringt die­se Sor­te auf der Insel San­to­ri­ni. Dort steht sie auf vul­ka­ni­schem Urge­stein und ergibt hoch­mi­ne­ra­li­sche Wei­ne, die ein­zig­ar­tig sind auf der Welt. Die Reben wach­sen in Ein­zel­er­zie­hung ohne Draht wie in Nes­tern. Fast alle sind unver­edelt, vie­le 50 Jah­re alt und älter. Nach 100 Jah­ren wer­den sie tra­di­tio­nell neu gepfropft. Das heißt: Es gibt viel Stö­cke, die 200 und 300 Jah­re alt sind. Sicher, die Wei­ne haben 14 bis 15 Vol.% Alko­hol, und die Säu­re ist nicht sehr hoch. Aber sie sind trotz­dem frisch wegen der aus­ge­präg­ten Mine­ra­li­tät.

Wein­ken­ner: Mine­ra­li­tät ist heu­te eine Flos­kel gewor­den…

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Trin­ken Sie mal einen San­to­ri­ni, dann wis­sen Sie, was ich mit Mine­ra­li­tät mei­ne. Die Wei­ne haben kei­ne Frucht, sie sind nur sal­zig. Salzig-puristisch. Natür­lich wird die Assyr­ti­ko auch auf dem grie­chi­schen Fest­land ange­baut, etwa in Make­do­ni­en oder in Zen­tral­grie­chen­land. Da sind die Böden anders, folg­lich ist auch die Mine­ra­li­tät nicht ganz so stark aus­ge­prägt wie auf San­to­ri­ni. Aber auch da zeigt die Sor­te, dass sie alles kann: von leicht bis ganz wuch­tig.

Wein­ken­ner: Die Assyr­ti­ko bedeckt gera­de mal 2.000 Hekt­ar in Grie­chen­land. Wel­che ande­ren Weiß­wein­sor­ten wür­den Sie her­vor­he­ben?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Zum Bei­spiel die Moschofi­le­ro, eine uralte Reb­sor­te, aus der leich­te, schwach aro­ma­ti­sche Wei­ne gewon­nen wer­den. Sie erin­nern mich an einem tro­cke­nen Gewürz­tra­mi­ner, nur leich­ter. Man kann den Moschofi­le­ro nicht, wie bei den Assyr­ti­ko, in die Kraft trei­ben. Oder die Athi­ri, die klas­si­sche Retsina-Rebsorte, aus der aber auch ungeh­arz­te Wei­ne erzeugt wer­den. In Weißwein-Cuvées sorgt sie für die Fri­sche. Auch die Sava­tia­no, die häu­figs­te grie­chi­sche Weiß­wein­sor­te, kann span­nen­de Wei­ne erge­ben. Am span­nends­ten aber sind die Wei­ne aus der Mala­gou­sia. Die­se Sor­te war prak­tisch schon aus­ge­stor­ben, als sie um 1980 von Evan­ge­lis Gerovas­si­liou gefun­den und auf sei­nem Wein­gut wie­der ange­baut wur­de. Gerovas­si­liou hat in Bor­deaux bei Pro­fes­sor Peyn­aud stu­diert und den Wert und die Bedeu­tung der Mala­gou­sia sofort erkannt, als er sie ent­deck­te. Sein eige­ner Mala­gou­sia, der auf einer Halb­in­sel süd­lich des Flug­ha­fens von Thes­sa­lo­ni­ki wächst, ist ein sen­sa­tio­nel­ler Weiß­wein.

 

Wein­ber­ge in Nemea

Wein­ken­ner: Und wie sehen Sie die Lage bei den Rot­wei­nen? Haben Sie da eben­falls sen­sa­tio­nel­le Wei­ne ent­deckt?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Ich erzäh­le Ihnen mal die Geschich­te, wie ich den ers­ten gro­ßen Rot­wein aus Grie­chen­land ken­nen­ge­lernt habe. Da kam ein Grie­che, der häu­fig Gast im Restau­rant Königs­hof war, zu mir und frag­te, ob ich auch grie­chi­sche Wei­ne auf die Kar­te neh­men kön­ne. Ich ant­wor­te, dass es genü­gend gute Wei­ne auf der Welt gäbe und dass ich kei­ne wei­te­ren brau­che, schon gar nicht aus Grie­chen­land. Doch der Gast bestand dar­auf, dass ich wenigs­tens ein­mal ein paar Wei­ne aus sei­ner Hei­mat pro­bie­re. Der ers­te Wein, den er mir vor­setz­te, war weiß und oxy­diert. Der zwei­te war ein lieb­li­cher Rosé. Der drit­te war rot und völ­lig aus­tausch­bar. Doch dann zog er plötz­lich drei ande­re Rot­wei­ne aus der Tasche, einen Caber­net Sau­vi­gnon, einen Syrah und einen Konia­ros. Die drei Wei­ne mach­ten mich sprach­los. Sie waren wuch­tig, schwer, aber fein und unge­heu­er reich. Fan­tas­tisch. Ich bestell­te 24 Fla­schen und bot den Wein glas­wei­se im Restau­rant an. Der Wein schmeck­te eini­gen Gäs­ten so gut, dass sie gleich drei Fla­schen mit nach Hau­se nah­men. Die 24 Fla­schen, die ich gekauft hat­te, waren nach einer Woche weg.

Wein­ken­ner: Um wel­chen Wein han­del­te es sich?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Es war ein Syrah der Domai­ne Ner­ant­zi aus Make­do­ni­en. Inzwi­schen gibt es eine Cuvée aus zwei der drei Wei­ne, sie heißt Thr­acia. An dem Blend bin ich jetzt jedes Jahr per­sön­lich in der Ent­wick­lung betei­ligt.

Wein­ken­ner: Syrah ist eine inter­na­tio­na­le Reb­sor­te. Gibt es kei­ne auto­chtho­nen Rot­wei­ne aus Grie­chen­land?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Stop! Die Syrah ist aus Meso­po­ta­mi­en und über Per­si­en nach Wes­ten gekom­men. Sie wur­de in Grie­chen­land kul­ti­viert, bevor sie in Frank­reich auf­tauch­te. Alex­an­der der Gro­ße hat dabei eine ent­schei­den­de Rol­le gespielt. Das heißt: Die Syrah ist seit über 2.000 Jah­ren in Grie­chen­land prä­sent. Sie ist also eine autochthon-griechische Sor­te. Vor allem in Thra­ki­en wird sie ange­baut. Aller­dings wis­sen nur weni­ge, dass sie eine autochthon-griechische Sor­te ist. Ein Groß­teil des Syrah-Weins wird für die inter­na­tio­na­len Märk­te erzeugt, und zwar im inter­na­tio­na­len Stil: kühl ver­go­ren, lan­ge auf der Mai­sche gele­gen und lan­ge im Holz aus­ge­baut. Damit punk­tet man in Ame­ri­ka. Und der Name Syrah tut ein Übri­ges. Die tra­di­tio­nell grie­chi­sche Art besteht dar­in, den Wein nur kurz zu ver­gä­ren, dafür aber mit über 30° Cel­si­us – prak­tisch das Gegen­teil. Außer­dem wird die Syrah in Grie­chen­land tra­di­tio­nell mit der wei­ßen Vio­gnier zusam­men gekel­tert – ähn­lich wie an der nörd­li­chen Rhô­ne. Auch die Vio­gnier muss daher als eine ein­hei­mi­sche Sor­te bezeich­net wer­den.

Mavrotragano-Traube auf Santorini
Mavrotragano-Traube auf San­to­ri­ni

Wein­ken­ner: Und die ande­ren auto­chtho­nen Rot­wein­sor­ten?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Die bekann­tes­ten sind die Agior­gi­ti­ko und die Xino­mav­ro. Letz­te­re sind schwer­punkt­mä­ßig im Nord­wes­ten Grie­chen­lands anzu­tref­fen, etwa in Make­do­ni­en. Das bekann­tes­te Anbau­ge­biet ist Naous­sa. Die Agior­gi­ti­ko dage­gen ist die typi­sche Reb­sor­te des Pele­pon­nes. Dort liegt Nemea, die größ­te Appel­la­ti­on Grie­chen­lands. Dane­ben gibt es ein knap­pes Dut­zend ande­rer auto­chtho­ner Rot­wein­sor­ten. Aus allen wer­den teil­wei­se sehr eigen­stän­di­ge, manch­mal groß­ar­ti­ge, manch­mal aber auch bana­le Wei­ne erzeugt, die hin­sicht­lich Stil und Preis den Mas­sen­märk­ten ent­ge­gen kom­men. Nicht immer ein Ruh­mes­blatt.

Wein­ken­ner: Schlecht müs­sen die Wei­ne des­we­gen nicht sein. Par­ker gibt grie­chi­schen Wei­nen bis zu 94 Punk­te.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Die sind auch nicht schlecht. Aber die meis­ten Wei­ne, die Par­ker bewer­tet, kom­men von Wein­gü­tern, die in den USA am Markt sind. Das heißt: von gro­ßen Wein­gü­tern, die ins Mar­ke­ting inves­tie­ren kön­nen. Wein­gü­ter mit zehn bis 20 Hekt­ar haben prak­tisch kei­ne Chan­ce, auf den aus­län­di­schen Märk­ten ver­tre­ten zu sein. Von die­sen Wein­gü­tern gibt es aber vie­le in Grie­chen­land, und eini­ge haben Wei­ne im Kel­ler, die mehr als 94 Punk­te wert sind.

Wein­ken­ner: In Ita­li­en gibt es Hun­der­te von Wein­gü­tern die­ser Grö­ßen­ord­nung, die expor­tie­ren. War­um nicht in Grie­chen­land?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Die Ita­lie­ner kön­nen sich bes­ser ver­mark­ten als die Grie­chen. Es gibt vie­le Wein­händ­ler in Deutsch­land, die sich der Wei­ne gera­de sol­cher Wein­gü­ter anneh­men, dar­un­ter auch vie­le ita­lie­ni­sche Wein­händ­ler. Ich fra­ge mich: Wo sind die enga­gier­ten, regio­na­len grie­chi­schen Wein­händ­ler? Es gibt sie kaum.

Weingut Gaia auf Santorini
Wein­gut Gaia auf San­to­ri­ni

Wein­ken­ner: Der größ­te Teil des nach Deutsch­land impor­tier­ten Weins wird von grie­chi­schen Deli­ka­tes­sen­hand­lun­gen ange­bo­ten.

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Die Deli­ka­tes­sen­händ­ler bezie­hen ihre Wei­ne von Groß­händ­lern. Die­se impor­tie­ren Oli­ven, Feta, Sar­di­nen, Honig, Gemü­se­kon­ser­ven und neh­men, um ihre LKWs auf­zu­fül­len, ein paar Palet­ten Wein mit. Die guten Wei­ne der klei­nen Wein­gü­ter sind meist nicht dabei. Sie gibt es näm­lich nicht palet­ten­wei­se. Palet­ten kann nur ver­kau­fen, wer viel Wein hat, vor allem ein­fa­chen Wein. Der aber ist zumin­dest für nicht-griechische Fach­händ­ler unin­ter­es­sant, weil aus­tausch­bar. Ihm fehlt die Iden­ti­tät.

Wein­ken­ner: Müss­ten sich die weni­gen grie­chi­schen Wein­fach­hand­lun­gen in Deutsch­land nicht auch selbst mehr hoch­klas­si­ge Wei­ne von klei­nen Gütern aus Grie­chen­land küm­mern?

Sté­pha­ne Thu­ri­ot: Viel­leicht ja. Aber das Leben wird ihnen durch den grie­chi­schen Lebens­mit­tel­groß­han­del ver­dammt schwer gemacht. Der Groß­han­del beob­ach­tet näm­lich die Eigen­im­por­te des Fach­ein­zel­han­dels sehr genau, und bei der nächs­ten Fuh­re bringt er die­sel­ben Wei­ne mit, um sie bil­li­ger anzu­bie­ten. Der klei­ne Wein­spe­zia­li­tä­ten­händ­ler wird so aus dem Markt gedrängt. Ich habe neu­lich mal im Inter­net nach einem bestimm­ten Rot­wein des nord­grie­chi­schen Wein­guts Alpha Esta­te gegoo­gelt. Der Preis des Weins schwank­te zwi­schen 75 und 39 Euro. Da stimmt etwas nicht. Da will einer den ande­ren gezielt unter­bie­ten.

Über den Autor
Jens Priewe

Jens Priewe hat vie­le Jah­re als Politik- und Wirt­schafts­jour­na­list gear­bei­tet, bevor er auf das The­ma Wein umsat­tel­te. Er schreibt Kolum­nen für den Fein­schme­cker und für das schwei­ze­ri­sche Wein­ma­ga­zin Mer­um. Für den Wein­ken­ner, deren Gesell­schaf­ter er ist, hat er seit der Grün­dung über 200 Arti­kel bei­gesteu­ert. Außer­dem ist er Ver­fas­ser meh­re­rer erfolg­rei­cher Wein­bü­cher (u. a. „Wein – die gros­se Schu­le“, „Grund­kurs Wein“). Er stammt aus Schleswig-Holstein, lebt aber seit fast 40 Jah­ren in Mün­chen.

6 Kommentare

  • Ich kann die Ant­wor­ten von Sté­pha­ne Thu­riot nur unter­strei­chen – er spricht mir aus dem Her­zen.
    Grie­chi­scher Qua­li­täts­wein – es ist seid lan­gem mein Bestre­ben ihm auf dem deut­schen Markt zu mehr Prä­senz zu ver­hel­fen. Des­halb haben wir 2011 den grie­chi­schen Wein­preis ins Leben geru­fen.

    Es ist ein sehr müh­sa­mer und lang­wie­ri­ger Weg und schwie­rig die Win­zer zu über­zeu­gen mehr für ihr Mar­ke­ting zu unter­neh­men. Nach dem Mot­to “gemein­sam sind wir stark” hof­fe ich auf eine gute Zusam­men­ar­beit um dem grie­chi­schen Wein mehr Stel­len­wert auf dem deut­schen Markt zu ver­schaf­fen.

    Grie­chen­land hat es ver­dient zur geschätz­ten Wein­re­gi­on zu wer­den.

    Mehr Infos gibt es unter http://www.par-weinpreis-griechenland.de

  • Als Wein­lieb­ha­ber, jetzt in Grie­chen­land lebend, kann ich die­sen Arti­kel nur bestä­ti­gen! Nur glau­be ich dass ver­schie­den Wei­ne ein­fach zu teu­er für den Export sind, Wenn die schon hier in Grie­chen­land manch­mal 20-30€ kos­ten, was kos­ten die denn auf dem euro­päi­schen Markt? Dar­um genies­se ich sie hier!

    • So teu­er sind die gar nicht. Man bekommt schon sher sher gute / aus­ge­zeich­ne­te grie­chi­sche Wei­ne (wenn man weiß wel­che) für 7 Euro auf­wärts … auch in Grie­chen­land. Auch wenn es durch die Wein­steu­er jetzt bestimmt etwas teu­rer wird (lei­der).

  • Zitat von Hawes­ko: “Doch zurück zum Syrah. Denn so schön die Geschich­te vom Kreuz­rit­ter auch sein mag, wahr ist sie nicht. Heu­te ist es , die gene­ti­sche Abstam­mung von Reb­sor­ten zwei­fels­frei fest­zu­stel­len. Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia und der For­schungs­an­stalt Mont­pel­lier haben dann auch die Eltern des Syrah ermit­teln kön­nen und die­se stam­men nicht aus dem heu­ti­gen Iran. Der Syrah ist eine Wild­kreu­zung der wei­ßen Sor­te Mon­de­u­se Blan­che und der roten Sor­te Dure­za. Die Mon­de­u­se Blan­che stammt aus den Savoy­en und wur­de 1999 in Frank­reich gera­de noch auf 5 Hekt­ar ange­baut. Sie gilt als säu­re­stark und alte­rungs­fä­hig, jedoch nicht unbe­dingt dazu geeig­net, rein­sor­tig aus­ge­baut zu wer­den. Noch sel­te­ner gewor­den ist die Dure­za, die 1988 noch auf einem Hekt­ar ange­baut wur­de und sehr spät rei­fen­de, rus­ti­ka­le Wei­ne ergibt. In Bezug auf den Ver­gleich von Syrah und Shiraz konn­te zwei­fels­frei fest­ge­stellt wer­den, dass der Syrah und der aus­tra­li­sche, bzw. süd­afri­ka­ni­sche Shiraz gene­tisch iden­tisch sind. Gibt es also über­haupt einen Unter­schied zwi­schen die­sen bei­den Typen jener Sor­te, die zu den gro­ßen und edlen Sor­ten der Welt gezählt wird?”

    • Gern gesche­hen, lie­ber Jens Priewe und Sté­phane Thu­ri­ot. Irr­tü­mer sind immer mög­lich. Es ist zwar außer­ge­wöhn­lich, dass vor allem der Syrah in Grie­chen­land beson­ders gut wird, aber sei­ne Her­kunft ist gene­tisch nach­ge­wie­sen. Die Idee, der Wein hat sei­ne “Welt­kar­rie­re” von Per­si­en vor allem über Grie­chen­land (Kre­ta) ange­tre­ten, hält sich lei­der immer noch in vie­len Köp­fen. Vor allem bei grie­chi­schen Wein­händ­lern und man­chen Win­zern. Lei­der (und das sage ich ganz bewusst) ist die­se Idee schon seit vie­len Jah­ren sozu­sa­gen hoch offi­zi­ell wider­legt. Inter­es­san­ter wird es aber, wenn man nach Ita­li­en guckt. Hier schlum­mern tat­säch­lich eini­ge ursprüng­lich grie­chi­sche Sor­ten aus der Zeit des anti­ken Magna Grae­cia … z. B. Aglia­ni­co, der jetzt als “Hella­ni­co” aus dem Hau­se Kitrvs sein ech­tes grie­chi­sches Come­back fei­ert und außer­ge­wöhn­lich gut in der Erde um den Olymp gedeiht und einen aus­ge­zeich­ne­ten Wein ergibt (ent­spricht eher den Tau­ra­si und hängt vor allem an der nicht vul­ka­ni­schen Erde in die­sem Gebiet)

      Ande­re Sor­ten wie Ver­dic­chio oder Gre­co etc. sind ja bereits bekannt. Gern kön­nen wir mal plau­dern, Herr Priewe, wenn SIe mögen. — http://www.wineandnature.com

  • Ein ganz tol­ler Bei­trag. Als einer der Bot­schaf­ter des grie­chi­schen Weins in Deutsch­land ist das ein Lob auch für mei­ne Arbeit von Wine and Natu­re (wir impor­tie­ren und ver­brei­ten hoch­wer­ti­ge grie­chi­sche Wei­ne in Deutsch­land!).

    Ich glau­be aller­dings nicht, das der Syrah grie­chisch im Ursprung ist. Es gibt die Idee, dass der Syrah sei­nen Namen von Shiraz in Per­si­en bekam und über Kre­ta und dem grie­chi­schen Fest­land letzt­lich in die Welt kam… Ich den­ke, dass das längst mit DNA wie­der­legt wur­de. Es gibt, glau­be ich, kei­nen Beweis für die Behaup­tung der Syrah sei in GR frü­her schon gewe­sen. Aber wer das Gegen­teil bewei­sen kann …bit­te! Lie­ber Herr Thu­riot: Bit­te sen­den Sie mir Details und kon­tak­tie­ren Sie mich zwecks grie­chi­schen Wein im All­ge­mei­nen. Ich sehe es ähn­lich wie Sie … es gibt ja schon ganz vie­le Preis-Leitungs-„Sieger“ aus Grie­chen­land … zumin­dest im Preis-Segment 8 bis 20 Euro oder Gas­tro 5 bis 15 Euro. Toll ist auch, dass wirk­lich Wei­ne von Win­zern die Jah­re zuvor „untrink­bar“ waren, plötz­lich sehr gute Wei­ne machen. Wenn das nicht die „Über­hol­spur“ ist und das noch in der Kri­se was denn bit­te sonst ;-). Grie­chen­land ver­dient deut­lich mehr Auf­merk­sam­keit …! Nach­ah­mer gesucht, bit­te mel­den!

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