Kork sammeln: Chianti Classico startet beispielhafte Kampagne

Collage Logo Chianti classico und Korken
Das Consorzio Chianti Classico macht sich für Kork stark – aber nicht nur, weil es ihn für den besten Verschluss des Weins hält. Auch unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes ist der Korken alternativen Flaschenverschlüssen überlegen. Jetzt werben die Italiener dafür, gebrauchte Korken zu sammeln und zu recyceln. Und sie fangen gleich nächste Woche damit an. Von Jens Priewe

Das Con­sor­zio Chi­an­ti Clas­si­co macht sich für Kork stark – aber nicht nur, weil es ihn für den bes­ten Ver­schluss des Weins hält. Auch unter Gesichts­punk­ten der Nach­hal­tig­keit und des Umwelt­schut­zes ist der Kor­ken alter­na­ti­ven Fla­schen­ver­schlüs­sen über­le­gen. Jetzt wer­ben die Ita­lie­ner dafür, gebrauch­te Kor­ken zu sam­meln und zu recy­celn. Und  sie fan­gen gleich nächs­te Woche damit an. Von Jens Priewe

Korken und Stempel Chianti ClassicoNächs­te Woche tref­fen sich 2000 Gas­tro­no­men und Wein­händ­ler sowie 200 Jour­na­lis­ten in Flo­renz, um die neu­en Jahr­gän­ge des Chi­an­ti Clas­si­co zu ver­kos­ten. Chi­an­ti Clas­si­co Collec­tion heißt die Ver­an­stal­tung. Drei Tage lang haben sie Gele­gen­heit, sich ein Bild von den 2010 und 2009 Anna­ta und von den 2008 Riser­ve die­ses Weins zu machen. Am Ende wer­den etwa 4000 Fla­schen ent­korkt wor­den sein.

Das ist jedes Jahr so. Doch Eines ist dies­mal anders: Die Kor­ken, die aus den Fla­schen­häl­sen gezo­gen wer­den, lan­den nicht im Müll­ei­mer, son­dern im Sam­mel­korb. Ihre Bestim­mung: recy­celt und neu ver­ar­bei­tet zu wer­den. In Zusam­men­ar­beit mit der Fakul­tät für Design der Uni­ver­si­tät Flo­renz wur­de von Stu­den­ten eine Pro­dukt­li­nie für Kork-Objekte ent­wi­ckelt, die aus benutz­ten Wein­kor­ken  her­ge­stellt wer­den sol­len.

„Wir glau­ben nicht nur, dass Kork der bes­te Fla­schen­ver­schluss für unse­ren Chi­an­ti Clas­si­co ist“, sagt Giu­sep­pe Libe­ra­to­re, der Direk­tor des Con­sor­zio Chi­an­ti Clas­si­co. „Wir wis­sen auch, dass Kork die umwelt­freund­lichs­te, unter Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten bes­te und allen ande­ren alter­na­ti­ven Ver­schlüs­sen über­le­ge­ne Verschluss-Variante ist. Es ist Zeit, die Umwelt mit ein­zu­be­zie­hen. Go green lau­tet unse­re Auf­for­de­rung.“

Giuseppe Liberatore

Der Miss­kre­dit, in den der Kor­ken in den letz­ten Jah­ren gera­ten war, hat mit dem ver­mehrt auf­tre­ten­dem Korkschme­cker zu tun: der muffig-modrigen Note, die Wei­ne auf­wei­sen, wel­che mit Trichloranisol-kontaminierten Kor­ken ver­schlos­sen sind.

Die­ses Phä­no­men – abge­kürzt TCA – ist auf schlam­pi­ge Behand­lung des Korks bei der Ver­ar­bei­tung zurück­zu­füh­ren. Zeit­wei­se betrug die Rate kork­kran­ker Wei­ne 5 Pro­zent. Eini­ge Schät­zun­gen lagen sogar bei 10 Pro­zent. Durch sorg­fäl­ti­ge­re Behand­lun­gen sei­tens der Kork­pro­du­zen­ten, aber auch durch stär­ke­re Kon­trol­len der Wein­er­zeu­ger konn­te die Kor­kra­te inzwi­schen gesenkt wer­den.

Der Rück­gang der Rate TCA-kontaminierter Wei­ne ist denn auch das Haupt­mo­tiv für die all­ge­mei­ne Rück­be­sin­nung auf das Natur­ma­te­ri­al Kork, vor allem bei Rot­wein­er­zeu­gern. Doch im Zuge der wach­sen­den Umwelt­be­wusst­seins und zuneh­men­der Bedeu­tung der Nach­hal­tig­keits­phi­lo­so­phie wer­den die Argu­men­te gegen alter­na­ti­ve Ver­schluss­va­ri­an­ten lau­ter: der hohe Roh­stoff­ver­bauch (Alu­mi­ni­um bei den Schraub­ver­schlüs­sen, petro­che­mi­sche Pro­duk­te bei syn­the­ti­schen Stop­fen) sowie der hohe Ener­gie­auf­wand bei deren Her­stel­lung samt anfal­len­der CO2-Emissionen.

Der Chi­an­ti Classico-Mann Libe­ra­to­re weist in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin, dass Kork ein nach­wach­sen­der Roh­stoff ist, der zu 100 Pro­zent wie­der­ver­wer­tet wer­den kön­ne. Die CO2-Bilanz von Kork sei um ein Viel­fa­ches bes­ser als die alter­na­ti­ver Ver­schlüs­se. Der Ener­gie­auf­wand bei der Kork­pro­duk­ti­on läge 24 mal nied­ri­ger als bei Schraub­ver­schlüs­sen und 10 mal nied­ri­ger als bei syn­the­ti­schen Stop­fen.

Das Con­sor­zio Chi­an­ti Clas­si­co hat 350 (Wein-abfüllende) Mit­glieds­be­trie­be. Die Lis­te reicht von den Agri­colt­ori del Chi­an­ti Geo­gra­fi­co bis zu Vil­la Cal­ci­naia. Ins­ge­samt pro­du­zie­ren sie 40 Mil­lio­nen Fla­schen Chi­an­ti Clas­si­co. Auf allen Ver­an­stal­tun­gen, an denen das Con­sor­zio künf­tig teil­nimmt, wer­den die Kor­ken in spe­zi­el­len Behäl­tern gesam­melt – auf der Ende März statt­fin­den­den Wein­mes­se Pro­wein in Düs­sel­dorf eben­so wie auf der Vini­ta­ly in Vero­na im April.

Aber auch auf den Wein­gü­tern, die dem Con­sor­zio ange­hö­ren, wer­den künf­tig alle gebrauch­ten Kor­ken gesam­melt. Die aus­län­di­schen Impor­teu­re wer­den eben­falls ihre Kun­den ermun­tern Kork­sam­mel­be­häl­ter auf­zu­stel­len.

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