Was dem Deutschen sein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ist, ist dem Norden sein Glögg. In Schweden, Dänemark und Norwegen schreibt man ihn meist als Gløgg, in Finnland heißt er Glögi – und bei uns taucht er gern als Schwedenpunsch oder finnischer Glühwein auf. Gemeint ist immer dasselbe: eine skandinavische Variante des Glühweins, die ein bisschen kräftiger ist, ein bisschen alkoholreicher – und deutlich mehr Charakter hat, als der Name „Punsch aus dem Möbelhaus“ vermuten lässt.
Glögg – Glühwein auf skandinavisch
In der Basis unterscheiden sich Glühwein und Glögg kaum: Wein, meist Rotwein, wird erhitzt und mit Gewürzen aromatisiert. Doch während der klassische Glühwein oft mit einem überschaubaren Gewürzset auskommt, drehen die Skandinavier an der Aromaschraube: Mehr Gewürze, höhere Intensität, dazu nicht selten ein Schuss Spirituose – das macht Glögg dichter, würziger und gehaltvoller.
Der Alkoholgehalt liegt üblicherweise etwas über dem des üblichen Glühweins. Glögg ist damit weniger „Weihnachtsduft im Becher“, sondern eher „Wintergetränk mit Ansage“.
Mandeln und Rosinen: die kleine Überraschung im Glas
Das eigentliche Erkennungszeichen des Glögg ist allerdings nicht im Topf, sondern in der Tasse: Mandeln und Rosinen gehören traditionell dazu. Je nach Vorliebe gibt man sie direkt in die Tasse und gießt dann den heißen Glögg darüber.
Die Einlage besteht meist aus geschälten Mandeln – ganz, in Splittern, Stiften oder Scheiben – und Rosinen. Während man den Glögg in kleinen Schlucken trinkt, saugen sich Mandeln und Trockenfrüchte mit der warmen, gewürzten Flüssigkeit voll. Am Ende wird der Boden der Tasse ausgelöffelt: nussig, fruchtig, süß – fast ein kleines Dessert im Glas.
Luciafest: Wenn Schweden im Kerzenschein Glögg trinkt
Bei uns gehört Glühwein fest zur Adventszeit – spätestens mit dem ersten Weihnachtsmarkt ist er omnipräsent. In Schweden spielt das Thema Weihnachtsmarkt zwar auch eine Rolle, aber längst nicht so dominierend wie in Deutschland, und viele Märkte öffnen nur an ausgewählten Tagen.
Der große Auftritt des Glögg ist ein anderer Termin: der 13. Dezember, das Luciafest. Dann zieht die „Lichterkönigin“ mit ihrem Gefolge durch Schulen, Städte und Dörfer, es werden Lieder gesungen, Kerzen getragen – und natürlich Glögg ausgeschenkt. Offizieller Feiertag ist dieser Tag zwar nicht, aber er markiert emotional den Start in die Weihnachtszeit. Wer jemals ein Luciafest erlebt hat, versteht, warum Glögg für viele Schweden mehr ist als nur ein Heißgetränk.
Glögg kaufen – Skandinavien im Topf, ohne dass die Küche leidet
Wer seine Küche nicht in eine temporäre Glögg-Manufaktur verwandeln möchte, kann zum fertigen Produkt greifen. In vielen Einrichtungshäusern – allen voran IKEA – stehen in der kalten Jahreszeit Flaschen mit Schwedenpunsch im Regal, die nur noch behutsam erwärmt werden müssen.
Inzwischen ist Glögg jedoch längst nicht mehr eine exklusive IKEA-Souvenirware. Kaufhäuser, Feinkostläden und zahlreiche Online-Shops führen verschiedene Varianten, von klassisch bis bio, von rot bis weiß. Für Puristen bleibt der selbst gemachte Glögg natürlich erste Wahl – aber für einen schnellen skandinavischen Abend zuhause sind die fertigen Versionen ein durchaus respektabler Shortcut in Richtung Norden.
Glögg Rezept:

Glögg / Schwedischer Glühwein klassisch
Zutaten
- 0,75 l Rotwein
- 120 ml Rum
- 100 g (braunen) Zucker
- 100 g Rosinen
- 50 g geschälte Mandeln oder Mandelstifte
- 20 g frischen Ingwer
- 2 Zimtstangen
- 1 Orange (Bio)
- 1 tsp Nelken
- 1 tsp Kardamom
Anleitungen
- Zuerst die Orange heiß abspülen und die Schale in einen entsprechend großen Kochtopf reiben. Anschließend die Orange in Scheiben schneiden und 3-4 Scheiben in den Topf geben.
- 200 ml Wasser, Zimtstangen, Nelken, Kardamom, Zucker und den in Scheiben geschnittenen Ingwer in den Topf geben und langsam zum Kochen bringen.
- Sobald der Topfinhalt aufgekocht ist, den gesamten Rotwein hinzufügen und alles gut umrühren. Bei mittlerer Hitze und abgedecktem Kopf 45 Minuten köcheln lassen. Zwischendurch immer wieder mit einem Holzlöffel umrühren.
- Nach 45 Minuten den Rum hinzugeben, alles kräftig umrühren und den Glögg weitere 15 Minuten ziehen lassen. (Je länger der Glögg jetzt zieht, desto aromatischer und intensiver wird er)
- Zu einem echten Glögg gehört, dass Mandeln und Rosinen in Tassen verteilt und dann mit dem heißen Glögg übergossen werden.








































































